VIII. Die Eifel.
Die Eifel.
Unter „Eifel“ versteht man in geographischem Sinne das Gebirgsland nördlich von der Mosel und westlich vom Rhein, also den nordwestlichen Flügel der großen Gebirgsscholle des Rheinischen Schiefergebirges. So sagen die Geographen und die geographischen Lehrbücher, denen man ja alles glauben soll. Reist man aber durch die Eifel, so fragt man in vielen Gegenden vergeblich nach einem Lande, das so heißt, und mancher ist von einer vieltägigen Eifelreise zurückgekehrt und, nach den Versicherungen der Bewohner, nicht in der Eifel gewesen. „Die Eifel ist noch weit,“ so hieß die Rede, und immer war sie noch weit. Eigentlich haben die Bewohner vollständig recht, wenn sie sich gegen einen Namen sträuben, der so wenig für das Ganze paßt, nach der Nebenbedeutung, die ihm von seinem Heimatlande anklebt. Ursprünglich bezeichnete man mit dem Wort „Eifel“ nur einen kleinen Bezirk im Umkreise der Stadt und früheren Abtei Prüm. Eine Schenkungsurkunde Pippins aus dem Jahre 762 redet von dem „pagus Eflinsis“, dem Eifelgau. Der Name soll von dem keltischen Worte ap, das dem lateinischen Worte aqua entspricht und also Wasser heißt, herkommen. Danach würde Eifel soviel als Wasserland oder Land der Quellen bedeuten. In der Tat ist die Gegend von Prüm reich an Gewässern, und etwas nördlicher liegt das Quellgebiet der meisten größeren Eifelbäche. Im Volke aber lebt dieser ursprüngliche Sinn des Wortes nicht fort. Unter „Eifel“ versteht es ein rauhes und ödes Gebirgsland mit langem und kaltem Winter und kurzem Sommer, wo nur wenig Getreide gezogen werden kann und in manchen Jahren die Ernte nicht zur vollen Reife gelangt, wo die Bewohner also arm sind, kurz, wo man nicht gern leben möchte. Arm sind auch in Wirklichkeit viele Gegenden der Eifel. Die Notstände, welche vor Jahren wiederholt herrschten und ein Eingreifen des Staates nötig machten, haben die wirtschaftliche Lage der Bewohner in einem düstern Lichte gezeigt. Dies erklärt noch mehr, warum man sich in den reicheren Nachbargegenden der eigentlichen Eifel gegen die Übertragung dieses Namens sträubt. Indem aber die schreiende Not des armen Eifelvolkes die Blicke der Behörden und auch weiter Kreise der rheinischen Bevölkerung auf ein Land lenkte, von dem fast jeder nur unsichere Vorstellungen und unklare Begriffe hatte, begann sich das Interesse zu regen, die Eifel besser kennen zu lernen. Es bildete sich der Eifelverein, der besonders unter der Leitung des verstorbenen Direktors Dronke sowohl in touristischer als auch in wirtschaftlicher Hinsicht segensreich wirkte, der Bau von Eisenbahnen erleichterte das Reisen, und so ward die „verschriene Eifel“ ein Touristenland. Ungeahnte Schönheiten lernte man kennen. Gar viele lernten die Eifel lieb gewinnen, und viele kehren alljährlich im Sommer oder Herbst zurück in dieses Land, wo das Auge gebannt ist von den merkwürdigen Spuren, die die vulkanische Tätigkeit hinterlassen hat, wo es sich erfreut an des Waldes Pracht und an dem hellen Grün der Wiesen, und wo der Küchenzettel noch oft die leckere Forelle, die in den klaren Gewässern spielt, für das Mahl verheißt. Und selbst die öde Eifelheide mit ihrer Melancholie und mit ihrem Purpurkleide, wenn die Heide blüht, hat ihre Bewunderer gefunden. In dieser kurzen Darstellung kann nicht ein vollständiges Bild des weiten Gebietes, das man heute geographisch Eifel nennt, gezeichnet werden. Es kann nur versucht werden, die charakteristischsten Züge dieses Bildes wiederzugeben.
Vulkane der Eifel.
Für den Wanderer, der das Rheintal als Reiseroute wählt und von ihm aus die Eifel besuchen will, kommt zunächst die Vordereifel, auch vulkanische Eifel genannt, in Betracht. Es ist ein eigenartiges Land, voll von Wunderwerken der Natur, die unser Auge fesseln und unsern Geist bannen. Wir schauen stolze Bergkuppen, deren Scheitel hoch gewölbt ist, und echte Kraterberge, die einen vertieften Kraterschlund umschließen. Wir stehen sinnend vor den kleinen Seen, den Maaren, deren Wasser den früheren Feuerschlund ausgefüllt hat, und verfolgen den Lauf des Lavastromes, der einst aus dem Krater als ein zäher Feuerschleim hervorquoll und sich hinab in die Täler ergoß, so daß die Bäche vielfach ihre Kraft mit dem harten Gestein messen müssen. Und nicht nur in der Nähe der vulkanischen Ausbrüche schreitet unser Fuß über vulkanische Asche, sondern oft auch in weiter Entfernung von diesen. Alles deutet auf eine umfangreiche einstige vulkanische Tätigkeit hin. Im Geiste hören wir das dumpfe Dröhnen des Erdbodens. Er zittert von den Spannungen der Gase, die mit Gewalt einen Ausgang suchen. Die Wellen der Erdbeben durchlaufen das Land. Wir sehen den Feuerschein der Krater, der diese Höllenlandschaft einst beleuchtete, umdüstert von dem qualmenden Rauch und farbig umspielt von den brennenden Gasen, die dem Kraterschlund entstiegen. Wie Raketen fliegen durch den Aschenregen glühende Felsbrocken höher empor, prasselnd fallen sie nieder, und in der Aschenhülle finden wir sie wieder als rundliche, schwärzlich gefärbte Steinkugeln, Bomben genannt, die bald die Größe nur eines Taubeneies, bald die eines Menschenkopfes haben. Immer höher wölbte sich der Aschenkegel. Die Jahrhunderte oder Jahrtausende trugen ihn wieder zum Teil ab. Der Vulkan stellte seine Tätigkeit ein, sein Feuerschlund erkaltete. Noch lange aber blieb seine Umgebung eine Stätte des Todes, bis allmählich die Pflanzenwelt den schwarzen Boden sich eroberte. Nun lacht überall, wo Totenstarre war, die grüne Farbe des Lebens, üppige Wälder, Wiesen und Felder schmücken Berg und Tal, und nur der sinnende Geist des Menschen lebt noch, beim Anblick des vulkanischen Bodens, in der grauen Vorzeit, in der die Vulkane der Eifel entstanden.
Es gibt in der Eifel zwei vulkanische Hauptlinien, eine westliche und eine östliche, auf denen zahlreiche Vulkanberge, sowohl Vulkankuppen als auch echte Kraterberge und Maare, geordnet sind. Manche Vulkanberge liegen auch auf Querlinien. Die westliche vulkanische Hauptlinie beginnt bei Bertrich in der Nähe der Mosel mit der Falkenlei. Sie streicht in nordnordwestlicher Richtung über Daun und Hillesheim und endet erst in der Schneifel (= Schnee-Eifel), wo noch der Goldberg liegt. Zwei wichtige vulkanische Querlinien auf dieser Hauptlinie sind die von Manderscheid und Gerolstein-Birresborn. In diesen Gegenden erreicht das westliche Vulkangebiet eine bedeutende Breite. Am dichtesten drängen sich die Vulkanberge zwischen Daun ([Abb. 148]), Gerolstein und Hillesheim zusammen, wo wir ein schönes Bergland vor uns zu sehen glauben. Als die höchste Kuppe ragt dort der 700 m hohe Ernstberg auf. Sehr zahlreich treffen wir die merkwürdigen Kraterseen, in der Eifel Maare genannt, an. Man hält sie für Vulkane, die früh zur Ruhe gekommen sind, ehe ihnen als ein feuriger Teig Lava entquoll, die sich bei anderen Vulkanen entweder zur Kuppe aufwölbte, wenn sie in der Aschenhülle stecken blieb, oder sich als ein Lavastrom hinabwälzte in die Täler, ehe sie völlig erstarrte. Sehr verschieden ist das Bild der Maare. Das Pulvermaar bei Gillenfeld ist von hohen Kraterwänden, die mit schönen Buchen bewachsen sind, umgeben. Lieblich blinkt uns der Seenspiegel aus dem Grün der Landschaft entgegen. Ein lachendes Bild des Lebens dort, wo einst Feuersglut alles Leben auslöschte! Ein völlig anderes Bild zeigt das Weinfelder Maar. Die düstern Schatten des Todes gleiten über dasselbe. Kein Leben, kein Pflanzenschmuck, kein Laut! Todesruhe! In der Nähe von Daun, wo das Weinfelder Maar liegt, treffen wir noch das Schalkenmehrener ([Abb. 149]) und Gemündener Maar an. Von anderen bekannten Maaren im westlichen Vulkangebiete der Eifel sei noch das Meerfelder Maar bei Manderscheid genannt. Einige von ihnen, wie das Pulver-, Weinfelder und Gemündener Maar, haben keinen, wenigstens keinen sichtbaren Zu- und Abfluß. Auf den gleichen Ursprung wie die Maare führt man auch zahlreiche Kesseltäler der Eifel zurück.
Abb. 170. Vom Kölner Karneval. Der Wagen „Kölner Bauer mit Jungfrau“ (links) und „Wolkenwagen des Prinzen Karneval“ (rechts) auf dem Festzuge des Jahres 1901.
Nach einer Photographie von Ad. Fischl jun. in Köln. (Zu [Seite 174].)
Die östliche vulkanische Hauptlinie, die ebenfalls in fast nördlicher Richtung verläuft, läßt sich von Winningen an der Mosel bis in die Ahrgegend südlich von Ahrweiler verfolgen. Den Rodderberg, einen Vulkan mit schwacher Kratermulde, der bei Rolandseck unmittelbar am Rhein aufsteigt, kann man schon zum Vulkangebiet des Siebengebirges rechnen. Den Hauptherd der vulkanischen Tätigkeit bildet im östlichen Vulkangebiete der Laacher See. An seiner Stelle befand sich einst ein riesiger Kraterschlund. Etwa 40 Lavaströme nahmen von ihm ihren Ausgang. Ungefähr ebenso groß ist die Zahl der Vulkanberge, die in der Umgegend des Laacher Sees liegen. Dieser selbst ist von sechs Kraterbergen malerisch umgeben, von denen der Laacher Roteberg (510 m), der Laacherkopf (460 m) und der Krufter Ofen (453 m) die höchsten sind. Letzterer ist der bekannteste und besuchteste.
Der Laacher See.
Durch üppigen Wald steigen wir zum Krufter Ofen hinan. Auf seinem Gipfel entfaltet sich uns ein prächtiger Rundblick auf die schöne Landschaft. Hell blinkt der Wasserspiegel des Sees, dunkel umsäumen ihn die waldigen Berge, und ihr Spiegelbild taucht tief hinab in die Fluten. Am Südende des Sees, wo der hohe Rahmen der Berge sich etwas verflacht, ergänzt ein herrliches Bauwerk, die prächtige Abteikirche des Benediktinerklosters Laach ([Abb. 150]), die formenschöne Landschaft. Wenden wir uns aber von diesem Bilde ab zur anderen Seite des Gipfels, so blicken wir hinab in den früheren Kraterschlund des Krufter Ofen. Aber kein Bild des Todes ist’s, das wir da schauen. Wald, üppigster Wald hat die frühere Feuerstätte erobert, und wo einst das düstere Grauen wohnte, dort lacht jetzt Pflanzengrün. Muntern Schritts eilen wir hinab, wo der See uns winkt. Er ist kreisrund, 3,3 qkm groß und in der Mitte 53 m tief. Sein Durchmesser beträgt 2732 m, und zwei Stunden müßten wir wandern, um ihn zu umkreisen. Das zweitgrößte Eifelmaar, das Pulvermaar, ist nur ⅒ so groß. Wie stimmungsvoll paßt die Benediktinerabtei Laach zu der Stille der Landschaft, zu der Ruhe des Sees und dem Schweigen des Waldes! Die schöne Abteikirche, in edlem romanischen Stile erbaut, stammt aus dem Jahre 1156. Sie ist mit einer Kuppel und fünf Türmen geschmückt. Die zierliche Vorhalle wurde 1859 neu hergestellt. Die Ornamentik an den Säulenkapitälen ist überaus fein und sorgfältig ausgeführt ([Abb. 151]). Der sehr schöne, in romanischem Stile gehaltene Hochaltar wurde vom Kaiser Wilhelm II. im Jahre 1899 geschenkt.
Abb. 171. Remscheid.
Nach einer Photographie im Verlag von Herm. Krumm in Remscheid. (Zu [Seite 175].)
Nach kurzem Aufenthalt wandern wir weiter. Der Hohe Gänsehals ist unser Ziel. Von der Waldespracht des Laacher Sees müssen wir bald Abschied nehmen. Einförmig liegt das Land in seinem düstern, dunkelgrauen Ton vor uns. Es ist Aschenboden, über den wir wandern. Hier und da eine Halde, der die Bewohner von der schwärzlichen Asche entnehmen. Von zahlreichen kleinen und größeren Bomben ist die Aschenmasse durchsetzt. Mäßig hohe Berge, Vulkanberge, wölben sich aus der kahl und daher so tot erscheinenden Landschaft heraus. Auch der Gänsehals, der dort vor uns aufsteigt, hat nur eine geringe relative Höhe. Dennoch bietet er als höchster Punkt der Gegend (591 m hoch) — und besonders der auf ihm errichtete Aussichtsturm — einen umfassenden Rundblick dar, nach Osten über das waldgeschmückte Gebiet des Laacher Sees, dessen Spiegel hell aufblitzt, und nach Nordwesten über die stolzen Basaltkuppen der Hohen Eifel.
Abb. 172. Kaiser Wilhelm-Brücke bei Müngsten.
Nach einer Photographie im Verlage von Herm. Krumm in Remscheid. (Zu [Seite 175].)
Gesteine der Eifel.
Eine große Verbreitung haben in dem östlichen Vulkangebiet der Eifel die Schlackentuffe. Drei Arten derselben sind zu unterscheiden, nämlich basaltische, die in der Umgebung fast eines jeden Eifelvulkans vorkommen, zweitens basaltartige, nämlich Leucitphonolithtuffe, die eine große Verbreitung westlich vom Laacher See haben, und drittens trachytische, die namentlich im Brohltal, wo die Traßgewinnung ein wichtiger Industriezweig geworden ist, verbreitet sind. Als Auswurfsmasse der Vulkane der östlichen Eifel ist ferner noch der Bimssand zu nennen. Er ist eine leichte, durchlöcherte Asche von weißlicher Farbe. Die Vulkanherde im Umkreise des Laacher Sees bedeckten mit ihm, ehe sie völlig erloschen, meilenweit und viele Meter hoch das Land. Bis Moselkern, Boppard, Mayen und Brohl lagern die Bimssandsteinschichten, allein auf der linken Rheinseite ein Gebiet von etwa 800 qkm bedeckend. Doch auch auf der rechten Rheinseite sind sie noch weithin verbreitet. Sie bilden die Grundlage einer wichtigen Industrie, der Bimssandsteinziegelei. Der Bimssandstein wird zerkleinert und dann mit Kalkmilch angemengt. Aus dieser Masse werden große Ziegelsteine geformt, die sich durch ihre Leichtigkeit und eine geringe Beeinflussung durch den Witterungswechsel auszeichnen. Namentlich zwischen Andernach und Coblenz, in der Nähe der Orte Weißenturm und Urmitz, sind große Ziegeleien angelegt worden, die man auf der Fahrt mit der Eisenbahn sehen kann. Ein schon älterer Industriezweig ist die Lavagewinnung bei Niedermendig. Schon die Römer brachen dort ihre Mühlsteine. Da die Lava von einer 15 bis 20 m mächtigen Schicht Sand, Bimsstein und Löß bedeckt ist, mußten die Steinbrüche unterirdisch angelegt werden. Auch die oberste Schicht der Lavamasse mußte noch durchbrochen werden, weil sie ein minderwertiges Gestein liefert. Das darunter anstehende Gestein bildet Pfeiler, von den Arbeitern Stämme genannt, von 1½ bis 2 m Stärke. Durch den jahrhundertelangen Betrieb der Steinbrüche sind große Hohlräume entstanden. Labyrinthartig verzweigen diese sich im Innern der Erde. Eine niedrige, fast das ganze Jahr sich gleich bleibende Temperatur herrscht in ihnen. Viele werden wegen dieser wertvollen Eigenschaft als Bierkeller benutzt, und ein blühendes Bierbrauereigewerbe, das diese Gunst ausnutzt, hat sich in Niedermendig entwickelt.
Abb. 173. Solingen.
Nach einer Photographie im Verlag von Jul. Tückmantel & Söhne in Solingen. (Zu [Seite 175].)
Hohe Eifel.
Von der eigentlichen vulkanischen Vordereifel wollen wir hiermit Abschied nehmen. An sie schließt sich nach Norden die Hohe Eifel, nach Nordwesten die Schneifel an, an die sich wieder als viertes Glied das Hohe Venn (= Sumpfland) gliedert. Diese sind die höchstgelegenen Gebiete des weiten Gebirgslandes, zu denen die Vordereifel gleichsam nur das Vorland zum Rhein und zur Mosel hin bildet.
Die jetzigen höchsten Bodenwellen der Eifel entsprechen nicht mehr ihren früheren Hauptgebirgszügen, die sich bei ihrer Auffaltung gebildet hatten. Wie bei allen stark abgetragenen Gebirgen haben wir in ihnen die härteren Reste des Gebirgsbodens zu erblicken. Wieder war es, wie beim Hunsrück, der harte Quarzit, der der Verwitterung am meisten widerstand. Aus ihm besteht z. B. der Rücken der Schneifel, der früher zweifellos von der jetzt etwa 100 m tiefer gelegenen Wasserscheide des Losheimer Waldes überragt wurde, ferner ein Höhenzug, der sich südlich von Gerolstein nach Nordosten auf Kelberg zu erstreckt, und der Kandelwald, dessen Rücken südlich von Bertrich in der Nähe der Mosel aufsteigt. Die übrigen Gesteinsschichten, die in der Eifel viel verbreitet sind, wie Schiefer, Grauwacke, Kalke, Mergel und Buntsandstein, sind sehr gleichmäßig verwittert, woraus sich das einförmige Oberflächenbild der meisten Eifelgegenden erklärt. Die stolzen Bergkuppen, die die Hohe Eifel trägt, sind vulkanischen Ursprungs, wie die Basaltkuppen der Hohen Acht (760 m), die die höchste Erhebung der Eifel bildet, des Steinberg (670 m), des zweigipfligen Kelberg (670 m), des Aremberg (623 m), dessen mächtige Gestalt an der oberen Ahr aufsteigt, und des Michelsberg (556 m) bei Münstereifel, der als die bedeutendste Erhebung am nördlichen Eifelrande einen prächtigen Rundblick über das Vorland, über die vorgelagerte reiche Ebene bis hin zu den stolzen Kuppen des Siebengebirges und zu den hohen Türmen des Kölner Doms darbietet. In der ganzen Eifel beträgt die Zahl der Basaltkuppen 210. Ohne sie und die Kraterberge würde das Eifelland überall so einförmig wie die Hochflächen der Schneifel und des Hohen Venn sein, und nur in den Tälern könnten wir landschaftliche Schönheit suchen. Nur stellenweise ist das auf weiten Strecken also recht eintönige Oberflächenbild der Eifel durch Waldesschmuck, der Wechsel und Leben in die Landschaft bringt, verschönert. Einst war sie fast in allen ihren Teilen waldreich. Durch törichte Waldverwüstung wurde sie wie so viele Länder ihres schönen Waldkleides größtenteils beraubt. Größere Reste desselben sind noch der Losheimer Wald, die Wälder der Schneifel, der herrliche Kermeter bei Schleiden in der nördlichen Eifel, sowie die Wälder des Laacher See-Gebiets und am Mittellauf der Kyll. In den höher gelegenen Gegenden der Eifel hatte die Waldverwüstung eine schlimme Wirkung zur Folge. Da das Klima für den Anbau zu ungünstig ist, verfielen weite Strecken Landes dem Zustande der öden Heide. In manchen Eifelkreisen nimmt das Ödland drei Viertel der Bodenfläche ein.
Eifellandschaft.
In trauriger Öde liegt das Land vor uns. Heide, soweit das Auge reicht! Nur der Naturfreund findet, daß auch dieses Land seine Schönheit und seinen Zauber hat. Im Spätsommer kleidet sich die düstere Heide mit ihrem Purpurmantel. Das Heidekraut bildet dann einen großen Blütenteppich. Dazwischen erscheinen hie und da auch wohl eine verkrüppelte Kiefer, Fichte, Lärche, Birke oder niedriges Wacholdergesträuch. Die Ruhe erzählt vom Gottesfrieden in der Natur. Bunte Falter flattern von Blume zu Blume, das Geräusch von Tausenden von Bienen summt an unser Ohr, und über den Boden eilen geschäftig zahlreiche Käfer. Nach dem Menschen suchen und fragen wir nicht in dieser Einsamkeit. Doch dort steigt ein leichter Rauch auf. Er verrät eine menschliche Hütte, ein ärmliches Heim, worin die Entbehrung wohnt. Die Heide vermag nur die Bienen, keine Menschen zu ernähren. Nur für den Schäfer, der einsam mit seiner Herde dahinzieht, die die wenigen Grasbüschel sucht, blieb hier noch Raum. Auch er ist inmitten seiner folgsamen und schweigsamen Herde ein Bild des Friedens und der Ruhe. Tagaus, tagein zieht er hinaus auf die braune Eifelheide. Doch wenn der Winter kommt, wenn wild der eisige Schneesturm heult, dann wagt auch er sich nicht mehr hinaus. Wehe dem Wanderer, der dann den verschneiten Weg verfehlt und verlassen umherirrt auf der Heide! Mit fahlem Glanze bricht der Mond durch die schwarzen Wolken durch und bescheint ein Leichentuch, das den verirrten Wanderer unter sich begrub. Ein Grab im Schnee!
Abb. 174. Schloß Burg an der Wupper. (Zu [Seite 178].)
Eifelbilder. Das Vorgebirge.
Noch manche Schönheiten zeigt uns die Eifel, wenn wir von den Hochflächen des Landes hinabsteigen in die Täler, die nach allen Seiten, zum Rhein, zur Mosel und zur Maas hin rinnen. In neuester Zeit ist besonders der durch den Bau der Urft-Talsperre ([Abb. 152]) geschaffene künstliche See bei Gemünd ein beliebtes Reiseziel geworden. Viel gepriesen wird auch das waldgeschmückte Kylltal, dem auf weiter Strecke die Eifelbahn folgt. Gerolstein ([Abb. 153]) und Kyllburg ([Abb. 154]) gelten als Glanzpunkte der Eifel. Manderscheid ([Abb. 155]) mit seinen beiden schöngelegenen Burgen und seinem steil aufragenden Mosenberg möchte ihnen im Liesertal den Rang streitig machen. Alle drei Orte werden im Sommer viel besucht. In den großen Gasthöfen, die dort entstanden sind, nehmen zahlreiche Familien längeren Aufenthalt. Noch größer ist die Zahl der durchreisenden Touristen, die nur in flüchtiger Reisestunde die Schönheiten dieser Punkte würdigen können. Locken sie doch noch so viele andere Schönheiten des Landes. Versteckt im Eltztale liegt die Burg Eltz ([Abb. 156] u. [157]), eine der wenigen rheinischen Burgen, die bei den Raubkriegen der Franzosen der Zerstörung entgingen. Das Nettetal prangt in der Schönheit seiner Wälder, es grüßt sein munteres Flüßchen die schön gelegene Stadt Mayen, und weiter unterhalb mißt dasselbe seine Kraft, wo die viel besuchte Rauscher Mühle liegt, an einem mächtigen Lavastrom, der in sein Bett hinabgeflossen ist, und über dessen Felsmassen es in Wasserstürzen hinabrauscht. Freundliche Bilder entfaltet auch das Brohltal, durch das uns auf der Rückwanderung vom Laacher See der Weg führt, und Eigenartiges bietet es zugleich. Wir grüßen die Ruine Olbrück, uns begleiten die hohen Tuffwände, in denen schon die Römer wühlten, um wertvollen Mörtel für ihre Bauten, besonders für Wasserbauten, zu gewinnen, und in dem Örtchen Burgbrohl sehen wir Kohlensäure dem vulkanischen Boden entsteigen, deren Gewinnung eine neue Industrie ins Leben gerufen hat. Endlich das Ahrtal! Dort weht schon Rheinluft. Darum folgten wir ihm schon auf einer früheren Wanderung.