Fünfter Auftritt.
Die Vorigen. Balboa. Linares. Gefolge.
Balboa.
Mich, gnäd’ger Herr, und diese meine Edlen
Führt nun der Dienst zu euch. — Gönnt mir Gehör!
Pedrarias.
So feierlich und zahlreich? — Nun, laßt hören!
Balboa (zu Marien).
Gefällt es dir, uns nur auf kurze Zeit
Mit deinem Vater hier allein zu lassen?
Maria.
Was willst du, Balboa? Mir ahndet Böses!
Pedrarias.
Ist’s kein Geheimniß, das euch zu mir führt,
So laßt sie hier. — Viel besser ist’s — sie bleibt!
Das glaubt mir, Balboa. — Entscheidend drängt
Der Augenblick. Ich will sie vor mir seh’n.
Wenn je dies Bild verlösche — dann — doch sprecht!
Balboa.
Ihr habet Pinto schnell verhaften lassen.
Pedrarias.
Und das mit Recht. — So denk’ ich wenigstens!
Auch laß ich ihn nicht frei. — Begehrt ihn nicht.
Balboa.
Mein Hauptmann ist er, mich nur geht er an!
Ja, wenn ihr auch als Unser Aller Herr
Ihn zu verhaften Vollmacht habt und Recht:
So hätte doch der Schritt mit meinem Wissen,
Vergebt mir, Herr, durch mich geschehen sollen.
Nach Wortlaut meines königlichen Brief’s
Hat meine Mannschaft keinen Herrn, als mich.
Ein jeder Edle meiner Fahnen fühlt
Sich nun in mir zurückgesetzt, beschimpft;
Und hab’ ich gleich der Wallung meines Blut’s,
Vor euch zu schweigen lange schon gelehrt;
Was jene kränkt, muß ich zur Sprache bringen,
Auch wider Willen, nach des Feldherrn Pflicht.
Pedrarias.
(leise zu Marien.)
Was sagst du nun, Maria? Hör ihn doch!
Wie trotzig! — Sieh! ihm fällt die Larve weg.
Balboa.
(gelassen und sanft.)
Ich weiß wohl, gnäd’ger Herr, was ihr auch thut,
Besonnen thut ihr’s: Selbst zu diesem Schritte
Hat eure Weisheit mancher tiefe Grund
Gewiß vermocht. — Gefallen mög’ es euch,
Uns einen nur aus allen anzuzeigen,
Daß wir beruhigt euch verlassen mögen.
Pedrarias.
Euch kümmert dieser Pinto sehr! — Warum? —
Ihr fühlt zur Unzeit euch beleidigt. —
Vertraut mir, Balboa, und forscht nicht weiter. —
Balboa.
Nicht Mangel an Vertrauen schreibt mir zu.
Pedrarias.
Was ich gethan, das hatte vollen Grund;
Auch weiß ich wohl, warum ich jetzt noch schweige. —
Adelantado! — glauben sollt’ ich doch,
Daß euch des Pedrarias Wort genüge! —
Balboa.
Ich stehe ja nicht hier in meiner Sache.
Linares (heftig).
In Uns’rer Aller! — Ja, die ganze Schar,
Sie wird, wenn auch der edle Feldherr schwiege,
Einst seine Sache vor dem König führen.
Balboa (zu Linares).
Wer hat euch hier zum Redner aufgestellt?
Pedrarias (erzürnt).
Wie all’ den Euern fehlt’s auch ihm an Mannszucht.
Balboa (rasch).
Ich ford’re streng was Ordnung heischt, und Pflicht!
(faßt sich wieder.)
— Noch Einmal, gnäd’ger Herr, gebt uns Bescheid!
Pedrarias.
Erzürnt mich nicht!
Maria.
O Gott!
Balboa (kalt und fest).
Gebt uns Bescheid;
Wo nicht, so laßt uns Pinto wieder frei!
Pedrarias (entrüstet).
Verhaftet bleibt er, und nach jenem Recht,
Nach dem ich euch, euch übermüth’gen Mann,
Nun auch verhaften könnte!
Balboa.
Ha, zu viel!
Pedrarias.
Euch ziemt’s zu schweigen, euch, dem Hochverräther!
Alle.
Verläumdung!
Maria.
O!
Balboa.
Ein Hochverräther? — ich!
Wer wagt’s, mich deß zu zeihen? — Unerhört!
Nennt mir die That! Führt mir den Kläger vor! —
Ich stehe vor euch unerschüttert da!
Pedrarias.
So stand schon mancher, dessen Kopf doch fiel.
Linares (zu dem Gefolge).
Sein Leben in Gefahr! Zum Schutze, Brüder!
(Alle umdrängen Balboa.)
Balboa (treibt sie zurück).
Zurück! Zurück! Hat Wahnsinn euch ergriffen,
Daß ihr die Majestät in Pedrarias
Durch frechen Trotz verletzt? — Verehrt in ihm
Den König! — Auseinander! schnell! sogleich!
(zu Pedrarias.)
Ihr möget nicht nach voller Strenge ahnden,
Was überraschet das Gefühl verbrach.
Pedrarias.
So zahm auf einmal, stolzer Balboa?
Balboa.
Mir ist des Königs Stellvertreter heilig! —
Als diesem leg’ ich euch mein Schwert zu Füßen,
Und auch den Schmuck, der manche Wunde deckt.
Was mir mein König nicht versagen würde,
Das fordr’ ich nun, mein gnäd’ger Herr, von euch,
Ein schnelles strenges offnes Kriegesrecht.
Pedrarias.
Tollkühner Balboa! bedenkt euch wohl!
Des Hochverrathes Strafe heißet Tod!
Maria.
Barmherzigkeit!
Pedrarias.
Seht her! Um dieser willen
Wollt’ ich vermeiden, was ihr frevelnd sucht.
Nein, fordert kein Gericht!
Maria.
Du tödtest mich!
Balboa (außer sich).
Unschuldig bin ich bei dem großen Gott,
Dem König treu, kein unverdienter Mann!
Und ford’re nochmals strenges Kriegesrecht.
Pedrarias.
So sey es dann! Ich kann es nicht verweigern.
Balboa.
Viel lieber Tod, als meinem Nachruhm Schande! —
Zeigt gütig nun mir mein Gefängniß an.
Pedrarias.
Nicht also, Balboa. — Ich weiß den Zorn
Zu zähmen. Wäret ihr mein schlimmster Todfeind,
Ihr solltet mich gerecht und billig finden. —
Das Schwert, von euch so lang mit Ruhm geführt,
Für euern König, für das Vaterland,
Soll nicht das unbewies’ne leere Wort,
Darf nur des Richters Urtheil euch entreißen.
So nehmt es nun von meiner Hand zurück. —
Auch dieses Zeichen königlicher Huld,
Es strahle heiter fort an eurer Brust:
Verschwinden macht es nur die offne Schuld;
In eurer Wohnung werdet ihr bewacht;
Dort harret still, gelassen des Gerichts.
Bereitet euch in meiner Gegenwart,
Vor der gesammten hohen Audienz,
Dem Richter dann mit festem Sinn zu stehen.
Balboa.
Für diese Schonung danket euch mein Herz.
(will ab.)
Maria (ihm nacheilend).
Halt ein, so ruhig scheidest du von mir?
Balboa.
So kannst auch du an meiner Unschuld zweifeln?
Geliebte, ruhig! Ja, wir seh’n uns bald,
Bald, Theure! Diesen Kuß zum Pfand.
(reißt sich los und stürzt ab.)
Maria.
(stürzt sich zu ihres Vaters Füßen, und umfaßt seine Knie.)
Hilf, Vater!
Der Vorhang fällt.