Vierter Auftritt.
Maria. Pedrarias.
Maria.
(setzt sich neben ihren Vater, faßt seine freie Hand und küßt sie.)
Erlaubniß, Vater!
(nach einem kurzen Vorspiele singt sie folgendes Lied zur Guitarre.)
Oft hob sich dieses Herz,
Und wollte sich dir zeigen;
Doch wieder sich zu neigen,
Gebot ihm banger Schmerz.
Und mit — und mit — in’s Grab,
Sank mein Vertrau’n hinab!
Der Jugend heitre Lust
War mir so bald entschwunden!
Nun fühlt’ ich ja gebunden
Mein Herz in wunder Brust.
Und tiefer noch in’s Grab
Sank mein Vertrau’n hinab.
In’s tief verwahrte Herz
Ist doch dein Blick gedrungen;
O dank sey dir gesungen;
Du heiltest meinen Schmerz!
Nie sinket mehr in’s Grab
Mir das Vertrau’n hinab!
Bei meiner Mutter theurem Angedenken,
Verzeihung, Vater!
Pedrarias (springt auf.)
Höre mich, Maria!
Sehr glücklich kommst du. Recht zur guten Zeit.
Nun steh’ ich fest. Nun kann mich nichts erschüttern.
Fühlst du dich schuldig; ha, so bist du’s auch!
Kein Mitleid! Sahst du meines Zornes Gluth,
Und stürztest kühn dich in die wilde Flamme;
So dulde nun die selbstgeschaff’ne Qual!
Maria.
Wohl zürnet ihr mit Recht. Ich fühl’ es tief.
Kaum war der Trauung Feier nun geendet —
Es war ein Augenblick — da drang die Schuld
Mir vor das Auge, Reue mir in’s Herz.
Pedrarias.
Erst nach der Trauung? — Und warum so spät?
Dann klag’ es Gott, der deinen Sinn verschloß!
Nichts ließ dein Herz dir ahnen? — Ha, Maria! —
Doch nein! — Du heuchelst, denkst mich zu betrügen.
Maria.
Ihr nennt ein Wort, das Abscheu mir erregt. —
Betrügen? — euch? — vor dem voll Ehrfurcht stets
Mein kindlich Herz im Innersten gebebt.
Pedrarias.
Zu beben ziemt dir!
Maria.
Ehmals wohl, mein Vater!
Da bargt ihr eure Liebe hinter Wolken,
Und ich gewahrte nur des Vaters Ernst;
Der fesselte mir das Vertrau’n im Busen.
Viel hab’ ich da gelitten. Schüchtern barg
Mein Kindessinn sich in des Herzens Tiefen,
Und wagte nicht, sich fröhlich aufzuschwingen. —
Das war nicht recht! Ich fühl’s! Nicht kindlich war’s!
Verzeihung! Anders soll es werden, anders!
So düster auch sich euer Blick verfinstert:
Nun kenn’ ich euer Herz und eure Liebe.
Pedrarias (halb für sich.)
Du armes Kind, was nützt dir meine Liebe?
Maria.
Ihr ließt mich einsam zu der Trauung geh’n. —
Das hat mich sehr geschmerzt. — Von euch getrennt
Erschien ich mir verwais’t. — Ich wankte fort;
Ich dacht’ an euch vor des Altares Stufen,
Nicht an der ernsten Feier heil’gen Sinn;
Und stand betäubt in dumpfer Trauer da. —
Doch als mich Balboa nun Gattin grüßte,
Mich wonnetrunken in die Arme schloß,
Ein Jubelchor uns Selige umfing,
Ich mich am Ziele fand, am Lebensziele:
Da zuckte schnell ein Strahl durch meinen Geist!
Durch euch, mein Vater, bin ich nun so glücklich!
Ich fühl’ es nun: — ihr liebet mich, mein Vater!
Pedrarias (halb für sich.)
Ach, weißt du, was du rühmst, Unglückliche?
Maria.
Und wenn ich sinnend alles überdenke,
Wie ihr zuerst den Balboa — nicht liebtet;
Doch duldend bald ihm nah’ und näher kamt;
Zuletzt unaufgefordert, ungebeten
Den Bund beschlosset, der uns glücklich macht:
Da kann ich nicht der Meinung widerstehn,
Ihr hättet mir in’s tiefste Herz geschaut;
Und weil ihr saht, daß ohne Balboa
Es bald in Sehnsucht sich verzehren würde,
Euch dieses schwachen Herzens mild erbarmt. —
So jauchze dann, mein langgequältes Herz!
In Kampf mit Feindschaft trat die Vaterliebe,
Und reichte mir des schönen Sieges Kranz!
Pedrarias.
(erschüttert, vor sich.)
In Kampf mit Feindschaft trat die Vaterliebe? —
Maria.
O laßt euch nicht des schönen Sieg’s gereuen!
Ihr schenket mir zum zweitenmal das Leben, —
Ich kann nicht leben ohne Balboa.
Pedrarias (ausbrechend.)
Das dein Verbrechen!
Maria.
Wie, mein Vater? —
Pedrarias.
Gewissen! du bist stumm! Die Tochter wagt’s,
Und liebt den Mann, der ihren Vater haßt.
Maria (erschrocken).
Er, Vater? er euch hassen? O mein Gott!
Wer wagte die Verläumdung? Balboa
Euch hassen? — Glaubt der Lästerzunge nicht,
Mir glaubt, der Tochter, ich, ich kenn’ ihn, Vater!
Ach, war’t ihr darum finster und entrüstet?
Den sollt’ ich lieben, der euch haßt? O nein!
Das denkt mein Vater nicht von mir. — Seht her!
Ich kann euch kühn in eure Augen blicken!
Soll ich noch Gott zu meinem Zeugen rufen?
O glaubt der Tochter! Nein! er haßt euch nicht.
Pedrarias.
Unschuldig wär’st du? — Sieh mich an! Bei Gott!
Fast muß ich’s glauben! Armes, armes Kind!
Du deiner Mutter Ebenbild! Fürwahr!
Noch blieb dein Herz von seinem Gifte rein;
Maria! küsse mich! — Zurück! hinweg!
O wehe mir, wenn du unschuldig bist!
Maria.
Warum mir abermal entfliehn, mein Vater?
Ward jemals falsch mein Wort von euch befunden?
So ist’s auch wahr, was ich nunmehr betheure. —
Wie oft hat Balboa mit mir getrauert,
Daß ihm der Weg zum engeren Vertrau’n
Mit euch verschlossen bleibe! — Guter Vater!
Ach, hättet ihr ihn dann gehört! Er klagte,
Daß böser Zwischenträger Höllenkunst
Des Argwohns Gift in eure Seele blase.
Wie schonend hob er alle Schuld von euch!
Der Tag ist nicht so klar, als sein Gemüth;
Kein Haß kann diesen reinen Spiegel trüben. —
O wehe mir, wenn unser Ehebund
Nicht eure Herzen mir vereinigen hilft.
Zerrissen zwischen euch und Balboa,
Wird bald mein Herz, es wird sich bald verbluten.
Pedrarias.
Du kannst nicht leben ohne Balboa?
Ja, dieses Wort enthält für mich die Hölle!
Maria.
Gott! Gott!! Wie soll ich das versteh’n? Mich schaudert’s!
Pedrarias.
Sey ruhig, Kind! Mag er mich immer hassen!
Sollt’ ich’s an dir vergelten? — Ruhig, Kind!
In Kampf mit Feindschaft trat die Vaterliebe!
Und hat gesiegt! — Du bist mir alles, du!
Mehr als der Ruhm, mehr als die Rache selbst! —
Gott war mit dir! Nur eine Stunde später,
Und alles — Still! Welch ein Getümmel!
(erblickt Balboa, und fährt zurück.)
Ha!