Sechster Auftritt.
Pedrarias. Balboa.
Pedrarias.
(öffnet die Hauptthüre. Zur Wache.)
Bei euerm Kopf! Hier lasset Niemand ein!
(kömmt zurück.)
Nun habet ihr vollendet, nun gesiegt!
Balboa.
Weis’t gnädig, Herr, mir mein Gefängniß an;
Ich bin erschöpft, und sehne mich nach Ruhe.
Pedrarias.
Erschöpft in dem Bewußtseyn eurer Größe?
Ihr saht den Abgrund, saht den Tod vor euch;
Hinein! ihr stürztet euch hinein! — Die Wuth
Lieh euch die Kraft. — Ihr sporntet euch zur Wuth! —
O ich durchschau’ euch ganz! Wie freut es mich,
Daß nie mich eure Heuchlersmiene trügte.
Balboa.
Die Zeit ist mir gemessen. Wenig Gutes
Kann ich mehr üben. — Ich vergeb’ euch, Herr!
Pedrarias.
Wirf deine Larve weg, du falscher Frömmler!
Der Satan blickt doch durch. Dein Höllenplan,
Er ist verrathen. — Sterben? immerhin!
Doch eine Tochter frech dem Vater rauben,
Sie in den Abgrund der Verzweiflung schleudern:
Das ist der Weg zu ihres Vaters Herzen. —
Das trift! Mit dem Bewußtseyn sterbt ihr leicht.
Nicht wahr? — O wahrlich!
Balboa.
Herr! Ein Höllenplan!
Ihr habt ihn wohl benannt. Die heitre Welt
Erzeugt ihn nicht. Ihr nahmt die Möglichkeit
Aus eignem finstern haßerfüllten Busen.
Pedrarias.
Recht, Balboa! Ihr irrt euch nicht! Vernehmt:
Ich hass’ euch, Balboa!
Balboa.
Kann selbst mein Tod
Euch nicht versöhnen?
Pedrarias.
Mich? — Mit euerm Kopf
Zahlt ihr dem Staate nur die Schuld, nicht mir.
Die Welt soll glauben, das ist euer Wunsch,
Ihr fielet hin ein Opfer meines Hasses.
Vergiften wollt ihr so mit letztem Hauch
Noch meinen Ruf, brandmarken mein Gedächtniß. —
Ha, nicht gelungen, gift’ger Bösewicht!
Du triumphirst zu früh. Dir will ich’s wohl,
Doch nicht auf diesem Wege. Nimm, Verräther,
Den Degen, nimm!
Balboa.
Vergeßt nicht eure Würde!
Pedrarias.
Ich Pedrarias will’s dem Balboa;
Der Feind dem Feinde! Ringen will
Ich selbst mit euch. Ich will des Armes Kraft
An euern hochberühmten Heldenmuth,
An euch bewähren oder sterben. Zieht! —
Ich dächte doch, ihr fielet rühmlicher
Durch meinen Arm, als durch des Henkers Beil.
Balboa.
Ich ziehe nicht. Ihr seyd Mariens Vater;
Und wär’ ich frei, das würd’ euch vor mir schützen.
Pedrarias (wüthend).
Ha, ich durchbohre dich!
Balboa (sanft und leicht).
Dank euch dafür!
(Pause.)
Am Grabesrande schweigt die Leidenschaft;
So auch der Zorn in meiner heißen Brust.
Ich will genug euch thun. Was ich gefehlt,
An euch gefehlt; ich will es nicht verhehlen.
Des Königs Vorwort dank’ ich meine Gattin;
Ich warb um dieses Wort. — Vergebt es mir!
Ich liebte. — Hold erschien mir eure Tochter,
So wie ein Engel aus der Himmelssphäre,
Und winkte mir zu neuem Lebensglück.
Mein Herz entbrannte! Ach, ein Paradies
Eröffnete sich meinem trunknen Blicke;
Hin strebt’ ich glühend! — Doch ein finstrer Geist;
Der dräutet ihr vor diesem heitern Himmel
Den Eingang wehrend. — Ach, kein Wunsch, kein Opfer,
Und keine Bitte söhnte euren Zorn! —
Ich konnte sterben, nicht Marien lassen,
Und eure Gunst mir von der Zeit erwartend,
That ich den Schritt, der euern Haß verstärkte.
Pedrarias.
Wollt ihr den strengen Richter nun bestechen?
Balboa.
Entlaßt mich, Herr! Wie Wogen von dem Felsen,
So prallt mein Wort von euerm Herzen ab.
Ich euch bestechen? — Diese Niedrigkeit
Ist meinem Herzen fremd. — Ob ihr mich haßt,
Ich weiß, daß Pedrarias Flammenhaß
Auf den gerechten Richter nichts vermag.
Was könnte wohl Versöhnung an ihm ändern? —
Wie ich euch achte, Herr, so achtet mich!
Pedrarias.
So geht in das Gefängniß. — Stolzer Mann! —
Laßt ja der Gnade keinen Ausweg offen! —
Ihr drangt ein Unheil bringender Komet
Feindselig ein in meines Ruhmes Bahne;
Ringt nun durch euern Tod ihn zu verlöschen!
(ruft.)
He, Wache!
(Wache erscheint.)
Führt ihn ab zur Felsenkluft!
Balboa.
(geht ab, und kehrt wieder zurück.)
Ihr liebt Marien. — Mit gepreßtem Herzen
Geb’ ich das theure Kleinod euch zurück.
Sie liebt euch, Vater. — Gott beschütz’ euch beide!
Mit diesem Wunsche lös’t sich meine Seele. —
(geht ab.)
Pedrarias (für sich).
So siegreich denkest du zu sterben? — Nein!
Kampf gegen Kampf! Von deiner Höhe stürz’
Ich dennoch, Stolzer, dich! Du hast ein Herz!