Zweiter Auftritt.

Eskimosa. Balboa.

Balboa.

Seyd mir gegrüßt, mein edler Eskimosa;

Was ihr auch bringt, seyd herzlich mir willkommen!

Hebt eure Brust so ängstlich nicht empor;

Bestürmt durch euern Blick den Himmel nicht!

Ihr kommt als Mann zum Manne. — Muth, mein Freund;

Sagt eure Botschaft! Ihr begegnend will

Ich selbst sie euch erleichtern. — Kommt ihr nicht,

Die Todesstunde mir nun anzukündigen?

Eskimosa.

— Wenn aus den Fluthen sich die Sonne hebt,

Erhebt ihr euch zu einem bessern Leben!

Balboa.

Nun dann mit Gott! — Ich bin darauf gefaßt.

Eskimosa.

Man bietet euch noch Gnade — — mit Bedingung!

Balboa.

Und die Bedingung? Lasset sie doch hören!

Eskimosa.

Ich spreche nun in Pedrarias Namen. —

Ihr sollet vor dem Throne, öffentlich,

Vor der gesammten edlen Ritterschaft,

Gehorsam ihm, und Treue neu geloben;

Den Aufruf dann, den leider ihr verfaßt,

Als eine Frucht der schnellen Übereilung,

Für null und nichtig öffentlich erklären;

Dereinst die Theilungen der Indier

Handhaben, wie’s Gesetz und Übung heischt;

Und wolltet ihr dies Alles treu erfüllen,

Euch reuig zeigen, wie’s dem Schuld’gen ziemt:

Dann laß’ er Gnade walten vor dem Recht.

Wenn ihr aus Pflicht nicht diesem Rufe folgt,

So mög’ es euch der Gattin doch erbarmen,

Die eures Stolzes Opfer werden würde.

Sonst müßt’ er, seinem Richteramt getreu,

Vollzieh’n das Urtheil, streng und unerschüttert,

Was auch das Loos der theuern Tochter würde.

Nun wählt mit Gott euch Leben — — —

Balboa (schnell).

Nein, den Tod!

Eskimosa.

(ergreift rasch seine Hand.)

Als Held gelebt, und auch als Held gestorben!

Gott sey’s gedankt! Ihr steht dem Unglück fest.

Balboa.

Dich, Pedrarias, dich erkenn’ ich ganz!

Dein Haß ist sinnreich. Ja, das Edelste,

Die Menschlichkeit willst du in mir vernichten.

Sie gilt es nun zu retten. — O mein Gott!

Wie freundlich lächelte mir deine Erde!

Ich wollte segenbringend auf ihr wandeln;

Nun sollt’ ich würgend ihr erscheinen? — Nein!

Leb’, Erde, wohl! — Du reißest von mir los. —

Mit feuchtem Blick seh’ ich auf dich darnieder;

Ich liebte dich! — So liebe du mich wieder,

Nimm meine Bürd’ in deinen kühlen Schoß! —

Eskimosa.

Mir ist, als läg’ auf meiner Brust die Welt;

Ich möchte weinen.

Balboa.

O du gute Seele!

Eskimosa.

Es ist nicht recht. Ich will euch nicht beweinen! —

Bewundern will ich euch, und euren Tod

Bedenken froh, bis meine Stunde schlägt;

An eurem Beispiel meinen Kindern zeigen,

Was Festigkeit vermag, was Tugend kann.

Balboa.

Ihr hättet, edler Mann, wie ich gehandelt.

Eskimosa.

Doch darum nicht, weil ich euch nun bewund’re?

Was gut, was schön, was edel ist und groß,

Dafür mag mancher wohl sich leicht erwärmen.

Allein in sich das Große festzuhalten,

Wenn wild in Aufruhr jeder Trieb geräth;

Dazu versagt den Meisten doch die Kraft. —

Kein Ungeprüfter soll der Kraft sich rühmen.

Ihr habt gesiegt! Ihr seyd bewährt gefunden!

Wem dies Bewußtseyn mit dem Tode naht,

Dem kommt er nie zu früh. Ein hoher Freund

Bringt er des Lebens köstlichsten Gewinn! —

Euch blüht im Tode Leben! — Es ist klar!

Balboa (gerührt).

Mein Eskimosa!

Eskimosa.

Recht so, Balboa!

Laßt mich in euerm Aug’ den Himmel seh’n.

Ich brauche Stärkung. Tief empörte mich

Ein andrer Anblick. Hört! Dem Pedrarias

Brennt schon ein Vorgefühl der Höll’ im Busen.

Nun an der Schwelle des Verbrechens fürchtet

Er euern Tod! — Und doch — sein Stolz verbeut

Euch unbedingt die Gnade zu verleih’n.

Nur euch zu beugen dürstet seine Rache.

Bald jubelt er, bald bebt er knirschend wieder;

Man sieht, sein innres Wesen ist zerrissen. —

Bedauert ihn!

Nun muß ich fort, mein Freund!

Doch im Gedanken will ich fest euch halten.

Mag euch die Welt aus ihren Banden lassen;

Nicht dieser Kopf, nicht dieses treue Herz!

Balboa.

Lebt wohl!

Eskimosa.

(küßt seine Hand, und drückt sie an’s Herz.)

Nicht dieser Kopf, nicht dieses Herz!

(geht schleunig ab.)