Fünfter Auftritt.

Solneß. Kaja.

Kaja (leise). Ach Gott, ach Gott — die gnädige Frau denkt gewiß etwas schlechtes von mir!

Solneß. Ach was, keinen Schein. Nicht mehr als gewöhnlich wenigstens. Es ist aber doch am besten, wenn Sie jetzt gehen, Kaja.

Kaja. Ja, ja, jetzt muß ich gehen.

Solneß (streng). Und dann bringen Sie also die andere Geschichte da in Ordnung für mich. Hören Sie!

Kaja. Ach, gebe Gott, daß es nur auf mich ankäme, dann —

Solneß. Ich will's geordnet wissen, sage ich! Und morgen soll's geschehen!

Kaja (angstvoll). Geht's auf andere Weise nicht, will ich gern mit ihm ein Ende machen.

Solneß (auffahrend). Ein Ende machen! Sind Sie rein toll geworden! Wollen Sie ein Ende machen?

Kaja (verzweifelt). Lieber noch das. Denn ich muß — ich muß bei Ihnen bleiben dürfen! Ich kann nicht von Ihnen gehen! Es wäre ja rein — rein unmöglich!

Solneß (platzt heraus). Aber zum Teufel — was wird's mit Ragnar! Es ist ja eben Ragnar, den ich —

Kaja(sieht ihn mit erschreckten Augen an). Ist's hauptsächlich wegen Ragnar, daß — daß Sie —?

Solneß (faßt sich). Ach nein, keine Spur, gewiß nicht! Sie begreifen aber auch gar nichts. (Sanft und leise.) Sie sind's natürlich, die ich dahaben will. Allererst Sie, Kaja. Aber gerade darum müssen Sie Ragnar zureden, daß er auch in seiner Stellung bleibt. Na, lassen Sie es gut sein — und jetzt gehen Sie nach Hause.

Kaja. Nun ja, gute Nacht also.

Solneß. Gute Nacht. (Indem sie sich zum Gehen anschickt.) Ach, hören Sie mal! Sind Ragnars Zeichnungen drinnen?

Kaja. Ich glaube. Wenigstens bemerkte ich nicht, daß er sie mitnahm.

Solneß. Dann gehen Sie hinein — und holen Sie sie mir. Ich könnte Sie vielleicht doch ein bißchen ansehen.

Kaja (erfreut). Ach, thun Sie das doch ja!

Solneß. Um Ihretwillen, liebe Kaja. Na, holen Sie sie mir also geschwind, hören Sie!

Kaja (eilt ins Zeichenzimmer hinein, wühlt ängstlich in der Schublade herum, holt eine Mappe hervor und bringt sie). Da sind alle die Zeichnungen.

Solneß. Schön. Legen Sie sie dorthin auf den Tisch.

Kaja (legt die Mappe von sich). Gute Nacht also (bittend) und denken Sie gut und lieb von mir.

Solneß. Ach, das thue ich ja immer. Gute Nacht, liebe kleine Kaja. (Er blickt verstohlen nach rechts.) So gehen Sie doch!

Frau Solneß und Doktor Herdal (kommen durch die Thür rechts; Herdal ist ein älterer, wohlbeleibter Herr mit rundem, zufriedenem Gesicht, bartlos, hat dünnes helles Haar und trägt eine goldene Brille).