Sechster Auftritt.
Die Vorigen. Frau Solneß. Doktor Herdal.
Frau Solneß (noch in der Thüröffnung). Halvard, jetzt kann ich den Doktor nicht länger halten.
Solneß. Na, kommen Sie nur herein.
Frau Solneß (zu Kaja). Schon fertig mit dem Brief, Fräulein?
Kaja (welche die Pultlampe herunterschraubt, verwirrt). Der Brief —?
Solneß. Es war nur ein ganz kurzer Brief.
Frau Solneß. Recht kurz muß er gewesen sein.
Solneß. Bitte, gehen Sie nur, Fräulein Fosli. Und dann sind Sie morgen zu rechter Zeit wieder da.
Kaja. Gewiß. — Gute Nacht, gnädige Frau. (Ab durch die Vorzimmerthür.)
Frau Solneß. Du kannst recht froh sein, Halvard, daß du das Fräulein da bekommen hast.
Solneß. Ja freilich. Die läßt sich zu vielerlei Dingen verwenden.
Frau Solneß. Es scheint so.
Herdal. Tüchtig in der Buchführung nebenbei?
Solneß. Na — einige Übung hat sie sich immerhin angeeignet in den zwei Jahren. Und dann ist sie gutmütig und willig zu allem, was man von ihr verlangt.
Frau Solneß. Das muß allerdings eine große Annehmlichkeit sein —
Solneß. Das ist's auch. Besonders wenn man nicht verwöhnt ist in dieser Beziehung.
Frau Solneß (mit mildem Vorwurf). Kannst du das behaupten, Halvard?
Solneß. Ach nein, nein, liebe Aline. Ich bitte um Verzeihung.
Frau Solneß. Keine Ursache. — Also Doktor, Sie kommen nachher wieder und trinken den Thee mit uns?
Herdal. Sobald ich den Krankenbesuch da gemacht habe, komme ich.
Frau Solneß. Sehr liebenswürdig. (Ab durch die Thüre rechts.)