Neunter Auftritt.
Solneß. Frau Solneß. Hilde Wangel.
Frau Solneß. Gott, hat die tückische Augen.
Solneß. Die! Das arme dumme Gänschen.
Frau Solneß. O — mir macht sie nichts weis, Halvard. Kündigst du ihnen wirklich?
Solneß. Gewiß.
Frau Solneß. Ihr auch?
Solneß. Wolltest du's nicht selber so haben?
Frau Solneß. Daß du aber die entbehren kannst —? Na, du wirst schon eine in der Hinterhand haben, Halvard.
Hilde (lustig). Ja, ich tauge jedenfalls nicht dazu, am Schreibpult zu stehen.
Solneß. Na, laß gut sein, Aline — das wird sich schon finden. Jetzt sollst du nur daran denken, ins neue Heim einzuziehen — so schnell wie's geht. Heut Abend hängen wir den Kranz hinauf, (zu Hilde) ganz oben auf die Turmspitze. Was sagen Sie dazu, Fräulein Hilde?
Hilde (starrt ihn mit funkelnden Augen an). Das wird entsetzlich schön sein, Sie wieder so hoch oben zu sehen.
Solneß. Mich!
Frau Solneß. Ach Gott, Fräulein Wangel, stellen Sie sich doch nicht so etwas vor. Mein Mann — so schwindelig wie der ist!
Hilde. Schwindelig! Nein, das ist er doch wahrhaftig nicht!
Frau Solneß. O doch, das ist er.
Hilde. Ich habe ihn ja aber selber ganz oben auf einem hohen Kirchturm gesehen!
Frau Solneß. Davon habe ich allerdings die Leute reden hören. Aber das ist rein unmöglich —
Solneß (heftig). Unmöglich — unmöglich, jawohl! Ich stand aber doch droben!
Frau Solneß. Wie kannst du nur so was sagen, Halvard? Du verträgst es ja nicht einmal, auf den Balkon hinauszugehen, droben im ersten Stock. So bist du ja immer gewesen.
Solneß. Du könntest vielleicht heut Abend etwas anderes erleben.
Frau Solneß (angstvoll). Nein, nein! Das werde ich doch mit Gottes Hilfe niemals erleben. Gleich schreibe ich dem Doktor. Der wird dich schon davon abbringen.
Solneß. Aber Aline —!
Frau Solneß. Ja, du bist ja doch krank, Halvard! Das kann ja nichts anderes sein! Ach Gott — ach Gott! (Sie eilt nach rechts ab.)