Zehnter Auftritt.
Solneß. Hilde Wangel.
Hilde (sieht ihn gespannt an). Ist es wahr?
Solneß. Daß ich schwindelig bin?
Hilde. Daß mein Baumeister sich nicht getraut — nicht so hoch steigen kann, wie er selber baut?
Solneß. Sehen Sie das Ding von der Seite an?
Hilde. Ja.
Solneß. Ich glaube, es ist bald kein Winkelchen in mir, das vor Ihnen sicher sein kann.
Hilde (blickt zum Erkerfenster hin). Da oben also. Ganz oben —
Solneß (näher). In der obersten Turmkammer könnten Sie wohnen, Hilde. — Könnten's dort haben wie eine Prinzessin.
Hilde (mit einem unbestimmbaren Gemisch von Ernst und Scherz). Ja, das haben Sie mir ja versprochen.
Solneß. Hab ich das eigentlich?
Hilde. Pfui, Baumeister! Sie sagten, ich sollte Prinzessin werden. Und daß ich von Ihnen ein Königreich bekommen sollte. Und dann faßten Sie — Na, mehr sag' ich nicht!
Solneß (behutsam). Sind Sie ganz gewiß, daß es nicht so ein Traum war — eine Einbildung, die sich bei Ihnen festgesetzt hat?
Hilde (unwirsch). Sie thaten's am Ende gar nicht?
Solneß. Weiß es kaum selber. (Leiser.) Aber das weiß ich jetzt allerdings, daß ich —
Hilde. Daß Sie —? Sagen Sie's gleich!
Solneß. Daß ich's hätte thun sollen.
Hilde (mit kühner Zuversicht). Sie waren in Ihrem Leben nie schwindelig!
Solneß. Heut Abend hängen wir also den Kranz hinauf — Prinzessin Hilde.
Hilde (mit einem bittern Zug um den Mund). Über Ihr neues Heim, jawohl.
Solneß. Über das neue Haus. Das niemals ein Heim wird für mich. (Ab durch die Verandathür.)
Hilde (sieht mit einem verschleierten Blick ins Leere hinaus und flüstert vor sich hin; man hört nur die Worte:) Entsetzlich spannend — —