10. Kapitel.
Asya genas allmählich; da er aber an den Streifzügen keinen Anteil nahm und eingeschlossen im Zimmer saß, beschäftigte sich niemand mit ihm, als plötzlich ein Ereignis eintrat, das die allgemeine Aufmerksamkeit auf ihn lenkte.
Die Kosaken des Herrn Motowidlo hatten einen Tataren ergriffen, der auffällig um die Grenzwacht herumspionierte, und hatten ihn nach Chreptiow gebracht. Nach einem scharfen Verhör ergab sich, daß er ein Lipker war, aber von denen, die jüngst Dienst und Wohnsitz in der Republik verlassen hatten und zum Sultan übergetreten waren. Er war von jenseits des Dniestr gekommen und hatte Briefe von Krytschynski an Asya Mellechowitsch bei sich. Herr Wolodyjowski ward dadurch sehr beunruhigt und berief sofort die Ältesten zur Beratung.
»Meine Herren,« sagte er, »ihr wißt sehr gut, wie viele Lipker, selbst von denen, die vor undenkbaren Zeiten her in Litauen und hier in Reußen gesessen haben, jetzt zur Horde übergegangen sind, und der Republik ihre Wohltaten mit Verrat heimzahlen. Darum ist es recht, ihnen allen nicht zu sehr zu vertrauen und mit aufmerksamem Auge ihr Tun zu beobachten. Wir haben auch hier eine Fahne Lipker, hundertundfünfzig tüchtige Pferde stark, die Asya Mellechowitsch führt. Diesen Asya kenne ich noch nicht von lange her, ich weiß nur, daß der Hetman ihn für ausgezeichnete Dienste zum Hauptmann gemacht und ihn mir mit den Leuten hierhergeschickt hat. Es war mir schon auffällig, daß ihn niemand von euch, meine Herren, aus der Zeit vor seinem Eintritt in den Dienst gekannt oder von ihm gehört hat. Daß ihn unsere Lipker über die Maßen lieben und ihm blindlings gehorchen, das habe ich mir mit seinem Mut und seinen berühmten Taten erklärt, aber auch sie scheinen nicht zu wissen, woher er ist, und wer er ist. Ich habe ihm bisher in nichts mißtraut, ich habe ihn nicht ausgefragt, und mir an der Empfehlung des Hetmans genügen lassen, obgleich er sich mit einem gewissen Geheimnis umgab. Die Menschen haben verschiedene Launen, ich kümmere mich um keines Art, wenn nur jeder seine Pflicht tut. Nun haben aber die Leute Motowidlos einen Tataren eingebracht, der Briefe von Krytschynski an Asya mit sich führte, und ich weiß nicht, ob euch, meine Herren, bekannt ist, wer Krytschynski ist.«
»Wie,« sagte Herr Nienaschyniez, »Krytschynski habe ich persönlich gekannt, und heute kennen ihn alle wegen seines schlechten Rufes.«
»Wir sind zusammen in die Schule ...« begann Sagloba, aber er brach plötzlich ab, da ihm einfiel, daß Krytschynski alsdann neunzig Jahre alt sein müsse, und in diesem Alter pflegen die Menschen sich nicht an Kriegszügen zu beteiligen.
»Kurz gesagt,« fuhr der kleine Ritter fort, »Krytschynski ist ein polnischer Tatar; er war Hauptmann einer von unseren Lipkischen Fahnen, bevor er das Vaterland verriet und zur Horde überging, wo er, wie ich gehört habe, eine große Bedeutung hat. Sie hoffen dort offenbar, daß er auch den Rest der Lipker zu den Heiden hinüberziehen werde. Mit einem solchen Menschen tritt Asya in Verhandlungen, und der beste Beweis ist dieser Brief, dessen Wortlaut der folgende ist.«
Hier entfaltete der kleine Kommandant die Blätter des Briefes, schlug mit der flachen Hand darauf und begann zu lesen:
»Sehr geliebter Herzensbruder! Dein Bote ist zu uns gelangt und hat Deinen Brief abgegeben.«
»Schreibt er polnisch?« unterbrach Sagloba.
»Krytschynski hat, wie alle unsere Tataren, nur ruthenisch und polnisch verstanden« — antwortete der kleine Ritter — »und Asya wird wohl auch das Tatarische nicht überwunden haben. Hört, meine Herren, und unterbrecht nicht.«
»... Deinen Brief abgegeben. Gott wird geben, daß alles gut werde, und daß Du durchführst, was Du vorhast. Wir halten hier oft Rat. Morawski, Alexandrowitsch, Tarasowski, Grocholski und ich schreiben fleißig an die anderen Brüder, holen ihren Rat ein über die Möglichkeit, das, was Du, Teuerster, willst, schnellstens zu erreichen. Da Du aber, wie ein Gerücht, das zu uns gelangt ist, besagt, Schaden an Deiner Gesundheit genommen hast, so sende ich einen anderen, damit er Dich, Teuerster, mit eigenen Augen sehe und uns Trost bringe. Wahre das Geheimnis gut, denn behüte uns Gott, daß es vor der Zeit bekannt werde. Gott vermehre Dein Geschlecht, wie die Sterne am Himmel. — Krytschynski.«
Michael schloß und ließ den Blick in die Runde schweifen; und da alle Anwesenden schwiegen und mit Aufmerksamkeit den Inhalt des Briefes erwogen, sagte er:
»Tarasowski, Morawski, Grocholski und Alexandrowitsch — das sind alles frühere tatarische Hauptleute und Verräter.«
»Ebenso Potuschynski, Tworkowski und Adurowitsch,« fügte Herr Sagloba hinzu.
»Was denkt ihr über diesen Brief?«
»Offenbar Verrat, hier braucht es keiner langen Überlegung,« sagte Muschalski. »Ganz einfach, sie strecken die Fühlhörner nach Asya aus, um auch unsere Lipker auf ihre Seite zu ziehen, und er ist einverstanden.«
»Um Gottes willen, welche Gefahr für unser Kommando!« riefen einige Stimmen. »Die Lipker sind bereit, ihr Leben für Asya Mellechowitsch hinzugeben, und wenn er befiehlt, überfallen sie uns in der Nacht.«
»Der schwärzeste Verrat unter der Sonne!« rief Herr Deyma.
»Und der Hetman selber hat diesen Mellechowitsch zum Hauptmann gemacht,« sagte Muschalski.
»Herr Snitko,« sagte Sagloba, »was habe ich gesagt, als ich Asya sah? Habe ich nicht gesagt, daß aus den Augen dieses Menschen ein Renegat und Verräter blickt? Ha, ich brauchte ihn bloß anzusehen! Alle hat er betrügen können, nur mich nicht. Wiederholt, bitte, meine Worte, Herr Snitko, aber entstellt sie nicht! Habe ich nicht gesagt, daß er ein Verräter ist?«
Snitko schob die Füße unter die Bank und senkte den Kopf. »In der Tat, Euer Scharfsinn ist zu bewundern, obgleich ich, was wahr ist, mich nicht erinnere, daß Ihr ihn einen Verräter genannt habt. Ihr habt nur gesagt, daß ihm der Wolf aus den Augen schaue.«
»Ha, Ihr wollt also meinen, der Hund sei ein Verräter, aber der Wolf nicht, der Wolf beißt nicht in die Hand, die ihn streichelt, die ihm zu fressen gibt? Also der Hund ist ein Verräter? Ihr möchtet wohl gar den Asya noch verteidigen und uns alle zu Verrätern machen?!«
Herr Snitko war so verwirrt, daß er die Augen und den Mund weit aufriß und so erstaunt dreinschaute, daß er eine Zeitlang kein Wort hervorbringen konnte.
Herr Muschalski aber, der ein schnelles Urteil hatte, sagte sogleich:
»Zunächst müssen wir Gott danken, daß so schändliche Machenschaften aufgedeckt wurden, und dann sechs Dragoner zu Asya abkommandieren und ihm eine Kugel durch den Kopf schießen lassen.«
»Dann nur einen anderen Hauptmann ernennen,« fügte Herr Nienaschyniez hinzu. »Der Verrat ist so offenbar, daß gar kein Irrtum möglich ist.«
Hier setzte Wolodyjowski hinzu:
»Zunächst müssen wir Asya ausforschen, dann will ich dem Herrn Hetman von diesen Ränken Kenntnis geben, denn wie mir Herr Bogusch von Siembiz gesagt hat, liegen die Lipker dem Kronmarschall sehr am Herzen.«
»Aber Euch,« sagte Motowidlo zu dem kleinen Ritter gewandt, »steht die ganze Gerichtsbarkeit Asya gegenüber zu, denn er war nie ein Adelsgenosse.«
»Mein Recht kenne ich,« versetzte Wolodyjowski, »Ihr braucht es mir nicht in Erinnerung zu bringen.«
Da begannen die anderen: »Er soll uns vor die Augen geführt werden, dieser Kuppler, dieser Verräter!«
Die lauten Rufe weckten Herrn Sagloba, der ein wenig eingeschlummert war, was ihm jetzt sehr häufig begegnete; er erinnerte sich schnell, wovon die Rede war und sagte:
»Nein, Herr Snitko, der Mond in Eurem Wappen hat sich verborgen, aber Euer Witz hat sich noch mehr verborgen, denn auch mit Licht wird ihn niemand finden. Zu sagen, daß ein Hund, canis fidelis, ein Verräter sei, und ein Wolf kein Verräter — ich bitt' Euch, Ihr seid schon ganz um Euren Verstand gekommen!«
Herr Snitko erhob die Augen zum Himmel, zum Zeichen dessen, wie unschuldig er leide; aber er wollte nicht durch Widerspruch den Alten reizen, und Herr Michael hatte ihm inzwischen befohlen, Asya zu holen. Er ging eilig hinaus, erfreut darüber, daß er auf diese Weise davonkomme. Bald kehrte er zurück und führte den jungen Tataren mit sich, der offenbar noch nichts von der Einbringung des Lipkers wußte, denn er trat kühn herein. Sein ausdrucksvolles, schönes Gesicht war auffallend bleich, aber er war schon genesen, und verband den Kopf nicht mehr mit Tüchern. Er hatte ihn nur mit einer rotsamtnen Mütze bedeckt.
Aller Augen waren auf ihn gerichtet, wie auf ein gemeinsames Ziel. Er aber verneigte sich vor dem kleinen Ritter ziemlich tief, vor dem Rest der Gesellschaft aber mit einem gewissen Trotz.
»Mellechowitsch,« sagte Herr Wolodyjowski, indem er seine scharfen Augensterne auf den Tataren heftete, »kennst du den Hauptmann Krytschynski.«
Über Asyas Gesicht flog plötzlich ein drohender Schatten. »Ich kenne ihn,« sagte er.
»Lies,« sagte der kleine Ritter und reichte ihm den Brief, den man bei dem Lipker gefunden hatte.
Asya begann zu lesen, und ehe er fertig war, kehrte die Ruhe wieder auf seine Züge zurück.
»Ich harre deines Befehls,« sagte er und gab den Brief zurück.
»Wie lange planst du den Verrat, und welche Mitwisser hast du hier in Chreptiow?«
»So bin ich des Verrats angeklagt?«
»Antworte und frage nicht,« sagte drohend der kleine Ritter.
»So gebe ich folgende Antwort: Verrat habe ich nicht geplant, Mitwisser habe ich nicht gehabt, und wenn ich welche hatte, so sind es solche, die ihr, meine Herren, nicht richten werdet.«
Bei diesen Worten knirschten die Soldaten mit den Zähnen, und einige drohende Stimmen wurden laut.
Demütiger, du Hundesohn, demütiger! Du stehst vor Männern, die würdiger sind als du!
Asya sah sie mit einem Blick an, aus dem kalter Haß leuchtete.
»Ich weiß, was ich dem Herrn Kommandanten schuldig bin, als meinem Vorgesetzten,« antwortete er und verneigte sich zum zweiten Male vor Wolodyjowski, »ich weiß auch, daß ich leichter wiege als die Herren, darum suche ich ihre Gemeinschaft nicht. Ew. Liebden« — hier wandte er sich zu dem kleinen Ritter — »haben mich nach Mitwissern gefragt; zwei habe ich bei meiner Arbeit: der eine ist der Herr Truchseß von Nowogrod, Bogusch, und der zweite ist der Groß-Hetman.«
Bei diesen Worten gerieten alle in großes Erstaunen, und eine Weile herrschte Schweigen.
Endlich sagte Wolodyjowski: »Wie kommt das?«
»Das kommt daher,« antwortete Asya, »daß zwar Krytschynski, Morawski, Tworowski, Alexandrowitsch und alle anderen zur Horde übergegangen sind und dem Vaterlande viel Böses getan, vielleicht auch, daß sich ihr Gewissen geregt hat. Genug, der Name Verräter ist ihnen lästig geworden. Der Herr Hetman weiß darum und hat dem Herrn Bogusch, auch Herrn Myslischewski aufgetragen, sie wiederum unter die Fahnen der Republik zurückzuführen. Bogusch aber hat mich dazu ausersehen und mir befohlen, mich mit Krytschynski ins Einvernehmen zu setzen. Ich habe im Quartier Briefe von Herrn Bogusch, die ich vorzeigen kann, und welchen Ew. Liebden mehr Glauben schenken werden als meinen Worten.«
»Gehe mit Herrn Snitko nach jenen Briefen und bringe sie sofort.«
»Meine Herren,« sagte der kleine Ritter schnell, »wir haben vielleicht diesem Ritter durch allzu frühen Verdacht unrecht getan, denn wenn er diese Briefe hat und die Wahrheit spricht — und ich fange an zu glauben, daß es so ist — so ist er nicht nur ein Ritter, den Kriegstaten berühmt gemacht haben, sondern auch ein Mann, dem das Wohl des Vaterlandes am Herzen liegt, und der Belohnung und nicht Mißtrauen verdient. Bei Gott, wir werden das bald gutmachen müssen.«
Die anderen waren in Schweigen versunken und wußten nicht, was sie sagen sollten; Sagloba aber hielt die Augen geschlossen und tat diesmal so, als schlummere er.
Inzwischen war Asya zurückgekommen und reichte Wolodyjowski Boguschs Brief.
Der kleine Ritter las:
»Von allen Seiten höre ich, daß es niemand gibt, der zu diesem Dienst tauglicher wäre als Du, wegen der wunderbaren Liebe, mit der sie alle an Dir hängen. Der Herr Hetman ist bereit, ihnen zu verzeihen, und nimmt die Verzeihung der Republik auf sich. Setze Dich so schnell wie möglich mit Krytschynski in Verbindung durch sichere Männer und versprich ihm eine Belohnung; das Geheimnis wahre sorgfältig, denn bei Gott, Du könntest sie alle zugrunde richten. Herrn Wolodyjowski kannst Du das Geheimnis aufdecken, denn er ist Dein Vorgesetzter und kann Dir vieles erleichtern. Scheue Schwierigkeiten und Mühen nicht, und denke daran: der Erfolg krönt das Werk. Sei überzeugt, daß für Deine Zuneigung unser Mutterland Dir mit gleicher Liebe lohnt.«
»Das nenne ich lohnen!« murmelte düster der junge Tatar.
»Bei Gott, warum hast du niemand ein Wort davon gesagt?« rief Wolodyjowski.
»Ew. Liebden wollt' ich alles sagen, aber ich hatte noch keine Gelegenheit, da ich nach jenem Unfall krank lag. Vor den Herren,« hier wandte sich Asya zu den Offizieren, »war mir Geheimnis anbefohlen, und diesen Befehl, zu schweigen, wollen Ew. Liebden jetzt wiederum den Herren aufs ernsteste geben, um jene dort nicht ins Verderben zu stürzen.«
»Die Beweise deiner Tugend sind so offenbar, daß auch ein Blinder sie nicht ableugnen könnte,« sagte der kleine Ritter. »Führe das Werk mit Krytschynski weiter, du sollst kein Hindernis finden, vielmehr Hilfe, worauf ich dir meine Hand gebe, als einem braven Rittersmann. Komme heute zur Abendmahlzeit zu mir.«
Asya drückte die Hand, die ihm Herr Michael reichte, und verneigte sich zum dritten Male. Auch die anderen Offiziere kamen zu ihm heran und sagten: »Wir haben uns in dir getäuscht, aber niemand, der die Tugend liebt, wird dir jetzt den Händedruck versagen.«
Aber der junge Lipker richtete sich plötzlich auf, warf den Kopf in den Nacken wie ein Raubvogel, der im Begriff ist, auf seine Beute zu stoßen.
»Ich stehe vor Männern, die würdiger sind,« sagte er.
Dann verließ er das Zimmer.
Es wurde schwül, als er gegangen war. »Kein Wunder,« sagten die Offiziere zueinander, »das Herz schwillt ihm noch wegen des Verdachts, aber das wird vorübergehen; wir müssen ihn anders behandeln, er hat wahrhaft ritterlichen Mut. Der Hetman wußte, was er tat; es geschehen Zeichen und Wunder.«
Herr Snitko triumphierte im stillen und konnte es schließlich nicht mehr aushalten. Er trat an Herrn Sagloba heran, neigte sich zu ihm herab, und sagte:
»Verzeiht, Herr, so ist jener Wolf doch kein Verräter?«
»Kein Verräter?« versetzte Sagloba, »gewiß ein Verräter, ein tugendhafter Verräter, denn er verrät nicht uns, sondern die Horde ... Verliert die Hoffnung nicht, Herr Snitko, ich will täglich beten für unseren Verstand, vielleicht wird sich der heilige Geist erbarmen.«
Bärbchen freute sich sehr, als Herr Sagloba ihr den ganzen Vorgang erzählte, denn sie hatte für Asya Wohlwollen und Mitleid.
»Michael und ich, wir müssen beide zur ersten gefährlichen Expedition absichtlich mit ihm hinausziehen; auf diese Weise zeigen wir ihm unser Vertrauen.«
Aber der kleine Ritter streichelte Bärbchens rosiges Gesicht und erwiderte:
»O, du kleines Mäuschen, wir kennen dich! Nicht um Asya ist dir's zu tun: du möchtest gern in die Steppe hinaus und dich am Kampf erfreuen. Daraus wird nichts.«
Und er küßte sie ein über das anderemal auf den Mund.
»Die Mehrzahl ist maßgebend,« sagte Sagloba mit Würde.
Inzwischen saß Asya mit dem Lipkischen Boten in seinem Quartier; sie sprachen leise. Sie saßen so nahe nebeneinander, daß ihre Stirnen sich fast berührten. Eine Kerze von Schafstalg brannte auf dem Tische und warf ihr gelbes Licht auf Asyas Gesicht, das trotz seiner Schönheit geradezu schrecklich war, denn es malte sich in ihm Haß, Grausamkeit und wilde Freude.
»Halim, höre,« flüsterte Asya.
»Effendi!« antwortete der Bote.
»Sage Krytschynski, daß er klug ist, denn im Briefe war nichts, was mich hätte vernichten können. Sag' ihm, daß er klug ist, daß er nie deutlicher schreibe! Sie werden mir jetzt noch mehr vertrauen — alle ... der Hetman selbst, Bogusch, Myslischewski, das ganze Kommando hier — alle! Hörst du? — Daß sie die Pest erwürge!«
»Ich höre, Effendi!«
»Aber erst muß ich nach Raschkow und dann hierher zurückkommen.«
»Effendi, der junge Nowowiejski wird dich erkennen.«
»Er wird mich nicht erkennen; er hat mich schon bei Kalnik gesehen, bei Brazlaw, und hat mich nicht erkannt. Er sieht mich an, runzelt die Brauen, aber erkennt mich nicht. Er war fünfzehn Jahre alt, als er von Hause entfloh; achtmal hat der Winter seit jener Zeit die Steppen mit Schnee bedeckt, ich habe mich verändert. Der Alte würde mich erkennen, aber der Junge nicht ... Aus Raschkow geb' ich dir Nachricht. Krytschynski soll bereit sein und sich in der Nähe halten; mit den Perkulaben müßt Ihr im Einverständnis sein; in Jampol ist auch eine Fahne von uns voraus. Dem Bogusch werde ich einreden, daß er beim Hetman für mich eine Ordonnanz erwirke, damit es mir von dort aus leichter sei, den Krytschynski herüberzubringen. Aber hierher muß ich zurückkommen ... ich muß. Ich weiß nicht, was geschehen wird, wie es sich machen wird ... Ein Feuer glüht in mir, in der Nacht flieht mich der Schlaf ... Wäre sie nicht, ich wäre gestorben.«
»Gesegnet seien ihre Hände!«
Asyas Lippen begannen zu beben und sie flüsterten, zu dem Lipker hingeneigt, wie in Fieberglut:
»Halim, gesegnet seien ihre Hände, gesegnet ihr Haupt, gesegnet der Boden, auf den sie tritt. Hörst du, Halim, sage ihnen dort, daß ich schon genesen bin — durch sie ...«