II. Hauptwörter.

§. 3. 1. Die Hauptw. sind Namen für Gegenstände.

a. Man kann die Wörtchen der, die, das vor sie setzen.

b. Sie werden groß geschrieben.

2. Die Hauptw. können sein:

a. Namen für wirkliche Gegenstände (Concreta — Wesennamen) z. B. für Personen, Thiere, Pflanzen, Steine, Städte, Dörfer, Berge, Flüsse, Geräthe, Kleider etc.

b. Namen für Gegenstände, die als wirklich gedacht werden (Abstracta — Begriffsnamen) z. B. die meisten Wörter auf: heit, keit, ung, thum, muth (mut), schaft, niß (nis).

3. Die Hauptw. unter a. zerfallen in:

1. Eigennamen (Nomina propria): Marie, Karl, Berlin etc.

2. Gattungsnamen (N. appellativa): Hund, Apfel, Zimmer etc.

3. Stoffnamen (N. materialia): Milch, Wasser, Zucker, Blei etc.

4. Sammelnamen (N. collectiva): Heer, Christenheit, Waldung.

§. 4. 1. Die Hauptw. haben ein dreifaches Geschlecht (Genus):

Männlich:der Mannein Spiegel.
Weiblich:die Fraueine Wand.
Sächlich:das Kindein Buch.

Anm. Doppeltes Geschlecht haben: Band, Bund, Erbe, Erkenntnis, Flur, Gehalt, Harz, Heide, Hut, Kiefer, Kunde, Leiter, Mast, Messer, Schild, See, Sprosse, Thor, Steuer etc.

2. Die Hauptw. können in zweifacher Zahl (Numerus) stehen: Einzahl (Singularis), Mehrzahl (Pluralis).

E.FensterHundKleidKnabe
M.FensterHund eKleid e rKnab e n
E.BettVaterWandDach
M.Bett e nVäterWänd eDäch e r.

Anm. Es haben:

1. keine Einz.: Eltern, Ostern, Pfingsten, Weihnachten etc.

2. keine Mehrz.: Gold, Silber, Blei, Milch, Mehl, Haß etc.

3. doppelte Einz.: Friede — Frieden, Funke, Same, Buchstabe, Fels, Gedanke, Glaube, Haufe, Schade, Wille etc.

4. Doppelte Mehrz.: Bande, Bänder; Bänke, Banken; Gesichte, Gesichter; Lichte, Lichter; Tuche, Tücher; Worte, Wörter etc.

3. Die Hauptw. können in der E. u. M. in vier verschiedenen Fällen (Casus) stehen: 1. F. = Nominativ, 2. F. = Genitiv, 3. F. = Dativ, 4. F. = Accusativ.

4. Die Hauptw. unterliegen einer starken, schwachen und gemischten Biegung (Declination).

I. Starke Biegung.

§. 5. Die Hauptw. dieser Bieg. erhalten im 2. F. der E. s oder e s und im 1. F. der M. e oder e r. Sie lauten oft um. Die weibl. Wörter bleiben in der E. unverändert.

E.1. F wer?a.der Baumb.das Hausc.die Gans.
2. F. wessen? des Baum e s des Haus e s der Gans
3. F. wem?dem Baum e dem Haus e der Gans
4. F. wen?den Baum das Haus die Gans
M.1. F. wer?die Bäum edie Häus e rdie Gäns e
2. F. wessen?der Bäum e der Häus e r der Gäns e
3. F. wem? den Bäum e n den Häus e r n den Gäns e n
4. F. wen? die Bäum e die Häus e r die Gäns e

a. Hahn, Sohn, Werk, Kreuz; b. Schloß, Gras, Leib, Geist; c. Magd, Stadt, Heinrich, Ludwig.

Anm. Die männl. und sächl. Wörter auf el und er nehmen nur an: im 2. Fall der E. s und im 3. Fall der M. n. Z. B. Apfel, Mantel, Pudel, Räthsel, Müller, Vater, Bruder, Messer. Die weibl. Wörter auf r nehmen aber im 3. F. der M. n an: Mutter, Tochter.

§. 6. Die Hauptw. der schwachen Biegung bleiben entweder in der E. unverändert, oder nehmen im 2. und den übrigen F. der E. und M. n oder e n an. Hauptw. der gemischten Biegung gehen in der E. nach der starken, in der M. nach der schwachen Biegung.

II. Schwache Biegung.III. Gem. Bieg.
E.1. F.wer?a.einHeldb.eineFrauc.einBett
2. F.wessen?einesHeld e neinerFraueinesBett e s
3. F.wem?einemHeld e neinerFraueinemBett e
4. F.wen?einenHeld e neineFraueinBett
M.1. F.wer?Held e nFrau e nBett e n

Der 2., 3. u. 4. F. der M. sind mit dem ersten gleichlautend.

a. Herr, Hase, das Kleine. b. Schule, Person, Marie, Amalie. c. Ohr, See, Auge, Dorn, Ende, Gevatter, Hemde.

Anm. 1. Die Wörter auf en, chen, lein gehen nach der gem. Bieg. und nehmen demnach im 2. F. der E. s an, können dieses s aber nie in der M. behalten, also: des Mädchens, aber nicht: die Mädchens. Herz und Schmerz gehören auch hierher, jedoch hat Schmerz auch — Schmerzes.

Anm. 2. Die männl. Wörter auf e gehen nach der schw. B.; einzelne derselben, welche neben dem 1. F. auf e noch eine veraltete Form auf en haben, bilden den 2. F. der E. auf ens. [S. § 4, 2. 3].

Anm. 3. a. Die männl. Eigennamen biegen mit dem Geschlechtsw. wie die weibl. Hauptw. der st. B.; die weibl. dagegen wie die weibl. Hauptw. der schw. Bieg. — Stehen die Eigennamen ohne Geschlechtsw., so nehmen sie im 2. F. s, ns oder ens und in den übrigen F. n oder en an. 1. F. Marie, 2. F. Mariens, 3. F. Marien, 4. F. Marien. — Fritz, Max, Hans; Ottilie, Emilie, Louise; Heinrichs, Berthas.

b. Folgen mehrere Eigennamen auf einander, so erhält nur der letzte die Fall-Endung. Christian Fürchtegott Gellerts Fabeln.

c. 1. F. Jesus Christus, 2. F. Jesu Christi, 3. F. Jesu Christo, 4. F. Jesum Christum.

Zusatz-Regel: Schwach biegen alle diejenigen Hauptwörter, die in der Mehrzahl ein „n“ oder „en“ annehmen; stark biegen die, welche in der M. kein „n“ oder „en“ erhalten: der Knabe — die Knaben, folglich schwach, und daher der 2. Fall der Einzahl: „des Knaben“; aber: der Garten — die Gärten, folglich, weil kein „n“ hinzugekommen stark und deshalb der 2. Fall der Einz. „des Gartens.“