III. Eigenschaftswörter.
§. 7. 1. Eigenschaftsw. bezeichnen die Eigenschaften der Gegenstände. Sie bestimmen also das Hauptw. und stehen:
a) beifügend (attributiv) auf die Frage: Was für ein, eine, ein? (Welcher, e, es?)
b) aussagend (prädicativ) auf die Frage: Wie ist der, die, das? Das große Haus. — Das Haus ist groß.
2. Die Eigenschaftsw. endigen oft auf: ig, isch, icht, ern, bar, sam, lich, haft.
3. Die Eigenschaftsw. werden klein geschrieben. Bestimmen sie jedoch das Hauptw. nicht, sondern nehmen sie dasselbe in sich auf, so werden sie selbst zum Hauptw. und also auch groß geschrieben. Der kranke Mann ißt Suppe. — Der Kranke ißt Suppe.
4. Die Eigenschaftsw. stehen mit ihrem Hauptw. in gleichem Geschlecht, gleicher Zahl und gleichem Falle.
5. Die Eigenschaftsw. unterliegen einer starken, schwachen und gemischten Biegung.
§. 8. Steht das Eigenschaftsw. mit seinem Hauptw. allein, so nimmt es die Endungen des best. Geschlechtsw. an und hat also:
I. Die starke Biegung.
| E. | 1. F. | gut e r Sohn | schön e Beere | klein e s Kind |
| 2. F. | gut e s Sohnes | schön e r Beere | klein e s Kindes | |
| 3. F. | gut e m Sohne | schön e r Beere | klein e m Kinde | |
| 4. F. | gut e n Sohn | schön e Beere | klein e s Kind | |
| M. | 1. F. | gut e Söhne | schön e Beeren | klein e Kinder |
| 2. F. | gut e r Söhne | schön e r Beeren | klein e r Kinder | |
| 3. F. | gut e n Söhnen | schön e n Beeren | klein e n Kindern | |
| 4. F. | gut e Söhne | schön e Beeren | klein e Kinder |
Beisp. hoher Baum, großer Mann; feine Arbeit, zarte Hand; plattes Dach, blaues Auge.
§. 9. Tritt zu dem Eigenschaftsw. und Hauptw. noch ein best. Geschlechtsw., oder ein Für- oder Zahlwort, das wie das best. Geschlechtsw. biegt, so hat dasselbe:
II. Die schwache Biegung.
| E. | 1. F. | der gut e Sohn | die schön e Beere |
| 2. F. | unseres gut e n Sohnes | unserer schön e n Beere | |
| 3. F. | diesem gut e n Sohne | dieser schön e n Beere | |
| 4. F. | jenen gut e n Sohn | jene schön e Beere | |
| M. | 1. F. | manche gut e n Söhne | manche schön e n Beeren |
| E. | 1. F. | das klein e Kind |
| 2. F. | manches klein e n Kindes | |
| 3. F. | diesem klein e n Kinde | |
| 4. F. | jenes klein e Kind | |
| M. | 1. F. | manche klein e n Kinder |
§. 10. Tritt zu dem Eigenschaftsw. ein unbest. Geschlechtsw., oder ein Für- oder Zahlw., das wie dies Geschlechtsw. biegt, so nimmt dasselbe im 1. F. des männlichen e r und im 1. und 4. F. des sächl. Geschl. e s an. In den übrigen Fällen geht es nach der schw. Biegung. Man hat dann:
III. Die gemischte Biegung.
| E. | 1. F. | ein gut e r Sohn | kein baar e s Geld |
| 2. F. | eines gut e n Sohnes | keines baar e n Geldes | |
| 3. F. | einem gut e n Sohne | keinem baar e n Gelde | |
| 4. F. | einen gut e n Sohn | kein baar e s Geld |
Anm. 1. Stehen zwei oder mehrere Eigenschaftsw. ohne Geschlechtsw., Für- oder Zahlw. vor einem Hauptw., so biegen sie im 1. F. der E. u. M. wie das best. Geschlechtsw.; in den übrigen F. biegt nur das erste in dieser Weise; die andern biegen schwach; 1. F. guter, braver Mann; 2. F. guten, braven Mannes; 3. F. gutem, braven Manne; 4. F. guten, braven Mann etc.
Anm. 2. Steht ein Umstandsw. vor einem Eigenschaftsw. so darf Ersteres nicht biegen. Man darf also nicht sagen: ein ganzer braver Mann, sondern ein ganz braver Mann.
§. 11. Die Eigenschaftsw. können gesteigert werden. Es giebt 3 Stufen der Steigerung (Gradbiegung — Comparation). 1. Stufe (Positiv), 2. Stufe (Comparativ), 3. Stufe (Superlativ).
| 1. | 2. | 3. | ||
| schön | schöner | schönst — am schönsten | ||
| nahe | näher | nächst — am nächsten | ||
| hoch | höher | höchst — am höchsten | ||
| viel | mehr | meist — am meisten | ||
| gut | besser | best — am besten |
Beisp.: lang, niedrig, scharf, klug, stolz, faul, süß, kalt, warm, arm, stark, krumm, breit.
Anm. 1. Todt, mündlich, ganz, recht, bleiern, wahr, leer etc. haben keine Steigerung.
Anm. 2. Die 2. u. 3. Stufe biegen in derselben Weise wie die erste Stufe.
Anm. 3. Wie = 1. Stufe; als = 2. Stufe. Karl ist so schnell wie Fritz. Anton ist schneller als Julius.
Anm. 4. Oft wird die Steigerung durch die Wörter: äußerst, höchst, sehr, vorzüglich etc. ausgedrückt.
§. 12. Die Eigenschaftsw. erfordern oft bestimmte Fälle. Es haben:
1. Den 2. Fall:
ansichtig, bedürftig, beflissen, benöthigt, bewußt, eingedenk, fähig, froh, geständig, gewärtig, gewahr, gewiß, gewohnt, habhaft, kundig, ledig, los, mächtig, müde, satt, schuldig, sicher, theilhaftig, überdrüssig, verdächtig, verlustig, voll, werth, würdig.
Man wurde des Verfolgten nicht ansichtig. Der Arme ist der Unterstützung bedürftig. Bist du deiner Sache gewiß? Dies ist nicht der Rede werth. Sie ist eines seltenen Glückes theilhaftig geworden.
2. Den 4. Fall:
alt, breit, dick, groß, hoch, reich, lang, schwer, tief, werth — wenn ihnen die Angabe des Alters, Gewichtes, Preises etc. beigefügt wird.
Der Stein ist einen und einen halben Centner schwer.
3. Die übrigen Eigenschaftsw. haben entweder keinen oder in Verbindung mit den Hülfszeitw. sein oder werden
den 3. Fall bei sich:
abtrünnig, abgeneigt, angenehm, anstößig, anständig, angeboren, ähnlich, ängstlich, ärgerlich, bange, behülflich, bedenklich, bewußt, bekannt, beschieden, beschwerlich, bequem, dienlich, dankbar, dunkel, eigen, einleuchtend, ekelhaft, empfindlich, ergeben, erlaubt, erinnerlich, erwünscht, fremd, gefällig, gefährlich, gehorsam, geläufig, gewogen, gewachsen, gleich, gut, heilsam, heiß, hold, klar, kostbar, lästig, lieb, nahe, nützlich, rathsam, schädlich, unausstehlich, unbegreiflich, überlegen, verantwortlich, verbindlich, verderblich, verhaßt, verwandt, werth, willkommen, zugethan.
Du bist dem Vereine abtrünnig geworden. — Ich bin Deinem Vorhaben nicht abgeneigt. — Dein Besuch ist mir angenehm.