Dennoch.

Dennoch von meiner Jugend Stunden

Genoß ich jede. Soll ich klagen,

Daß die gehegte Blust nur Wunden

Und Bitternis und Weh getragen?

Wenn sie noch einmal wiederkäme

Und trüge alle holden Züge

Von ehmals — fänd ich mein Genüge,

Wenn sie ein andres Ende nähme.

Philosophie.

Vom Unbewußten zum Bewußten,

Von da zurück durch viele Pfade

Zu dem, was unbewußt wir wußten,

Von dort verstoßen ohne Gnade

Zum Zweifel, zur Philosophie,

Erreichen wir die ersten Grade

Der Ironie.

Sodann durch emsige Betrachtung,

Durch scharfe Spiegel mannigfalt

Nimmt uns zu frierender Umnachtung

In grausam eiserne Gewalt

Die kühle Kluft der Weltverachtung.

Die aber lenkt uns klug zurück

Durch der Erkenntnis schmalen Spalt

Zum bittersüßen Greisenglück

Der Selbstverachtung.

Marienlied.

Ohne Schmuck und Perlenglanz

Laß mich auf die Stufen legen,

Stumm erflehend deinen Segen,

Meiner Jugend welken Kranz.

Kämpfe, Fahrten, Wunden viel,

Ungenossene herbe Siege

Ruhmlos durchgekämpfter Kriege

Finden müde nun ihr Ziel.

Lüste bunt und freudefarb

Senken müdgewordene Hände,

Ihr Gelächter ist zu Ende,

Ihre rote Flamme starb.

Sterbend, blaß und fieberwund

Wollen sie, der Welt vergessen,

Müd auf harte Stufen pressen

Den verblühten Liebesmund.

Das ist mein Leid.

Das ist mein Leid, daß ich in allzuvielen

Bemalten Masken allzu gut zu spielen

Und mich und andre allzu gut

Zu täuschen lernte. Keine leise Regung

Zuckt in mir auf und keines Lieds Bewegung,

In der nicht Spiel und Absicht ruht.

Das muß ich meinen Jammer nennen:

Mich selber so ins Innerste zu kennen,

Vorwissend jedes Pulses Schlag,

Daß keines Traumes unbewußte Mahnung

Und keiner Lust und keines Leides Ahnung

Mir mehr die Seele rühren mag.

Spielmann.

Frühlinge und Sommer steigen

Grün herauf und singen Lieder,

Schmücken bunt die Welt, und neigen

Müde sich zur Erde wieder.

Träumend aus dem Kranz der Tage

Grüßen flüchtig helle Stunden

Mir herauf wie schöne Sage,

Lächeln, leuchten, sind verschwunden.

Schauernd in der Tage Wende,

Mag auch Gold und Liebe winken,

Lassen traurig meine Hände

Die geschmückte Leier sinken.

Italienische Nacht.

Ich liebe solche bunt beglänzte Nächte

Im Flackerlicht der Lampen, und ich flechte

Gern meiner Lieder fiebernd Rot darein.

Sieh, Liebste, wie sich dort die Jugend drängt

Im späten Tanz, und wie für uns allein

Der Sichelmond im Rauch der Fackeln hängt.

In solchen Nächten lauscht mein zitternd Herz

Mit Qual und Lust heimat- und jugendwärts,

Und schlägt im Takt verliebter Melodien.

Mein Auge aber schaut den fremden Mond

Im Silberkahn auf sichern Wegen ziehen

Und ist wie er der Einsamkeit gewohnt.

Sieh, meine Jugend war ein farbig Spiel,

Ein Tanz im Fieber, wild und ohne Ziel

Und schwand verknisternd wie ein Meteor.

Dann kreuzt’ ich unstät durch die Welt und fand

Dem Haupt kein Lager, meinem Lied kein Ohr,

Und nur im Traum ein blasses Heimwehland.

Schau dort! Die heiße Menge wogt im Tanz

Und glüht vor Lust und wirft den Loderkranz

Der kurzen Freude jauchzend in die Lüfte.

Ists doch, als spielte meine Jugend dort

Im süßen Rausch fremdländisch heißer Düfte

Das alte Spiel in neuen Tänzen fort.

Das alte Spiel! Nur daß ich jetzt abseits

Zuschauend lehne und den süßen Reiz

Des Taumeltranks auf kühler Lippe wäge,

Und daß mein Geist gleichgültig Umschau hält

Und meines Herzens heimwehrasche Schläge

Lächelnd wie Takte eines Liedes zählt.