Die achte Nacht.

Auch heute wieder! Dieses leise Sieden des Blutes, dieses Knistern hinter den Tapeten, diese langen Atemzüge des Windes! Eine Sekunde, eine Minute, noch eine, wieder eine, und so rinnt ein Tropfen des kurzen, kurzen Lebens um den andern fremd und unaufhaltsam an mir vorbei. Wieviele Stunden sind mir so unter den fiebernden Händen zerronnen? Vielleicht tausend, vielleicht zehntausend! Sie sind hin, sie haben kein Leid noch Glück mehr zu verschenken, sie sind ungelebt und doch abgezogen von dem mir Bestimmten.

Und dann werde ich weiß und schweigend liegen! Und unter geschmacklosen Förmlichkeiten in einem Holzkasten in die schmale feuchte Grube gelegt werden! Bekannte werden hinterher gehen, von Tagesgeschichten plaudernd. Ein Prediger wird vielleicht am Grabe in der entsetzlichen Sprache Jehovas die Lehre von Zeit und Ewigkeit verkündigen. Am Grabe eines Dichters!

Ja, lache nur, schöne Muse! Ich weiß, du wirst hinter dem Prediger stehen und deine süßen ironischen Staunaugen machen. Du bist ja schon an so vielen Gräbern gestanden. Und wie du aufhorchen wirst, wenn er von meiner unsterblichen Seele redet! Diese Seele ist ja du, oder ist doch ein Teil, ein Zug von dir. Sie lebt und ist ewig in einer deiner Geberden, in einer Art zu lächeln, in einer besonderen Biegung deiner Stimme, in einer Nuance deines Lockenfalls. Wieviele tote und vergessene Dichter haben an dir gedichtet, bis du zu mir kamst, bis du so gliederschön, schlank und biegsam wurdest! Und nun bist du mein! Wenn auch kein Wort noch Reim von mir mich überdauert, einen Zug von mir wirst du Unsterbliche doch weitertragen. Und den werden meine Nachfolger, die meinen Namen nicht kennen, ehren und verstehen. In dem unsterblichen Werke, das einer von ihnen vollenden wird, wird irgendwo, sei’s nur in einem Wort, einem Ton, einem kleinen zarten Zug, mein Leben verewigt sein. Eine kleine Stelle doch wird dich in den besonderen Zügen malen, die du mir verdankst. Eine kleine Schönheit doch wird in dem unsterblichen Werke sein, die ohne mich nicht wäre möglich gewesen, und der unerlöste Nachklang meines Lebens wird als willkommener Ton in eine Harmonie der Ewigkeit sich fügen. Ewigkeit! Was ist dann noch Tod, Grab und Prediger? Unbequeme Zufälle, wie tausend im Leben sind.

Und so arbeite ich bewußt an meinem Werk, an dem Völker, Erde und Gestirne unbewußt mitschaffen. Was sind Jahrtausende? Eine Spanne Zeit, Staub im Vergleich mit einem einzigen Blick des Ewigen. Jene schöne junge Nausikaa, die vor unendlichen Zeiten am Meere wandelte, ward von einem solchen Blick getroffen und ist heute so schön, jung und lebendig wie an jenem seit Jahrtausenden vergangenen Tage.

Du lächelst wieder? Meine schöne Muse, du bist ein Weib. Ihr Frauen stehet dem Ewigen so nah, daß ihr unser Händeausstrecken und Hinübersehnen nicht verstehet. Und was ihr nicht verstehet, darüber lachet ihr. „Wie komisch!“ — so könnt ihr ausrufen, wenn eines Andern Züge von Leiden entstellt sind, die ihr nicht kennt. Dir zuliebe werde ich einmal versuchen müssen elegant zu sterben!

Ich beneide dich, meine Muse! Ach, für dich ist mein ganzes Leben eine Episode, eine Herbstgeschichte, eine unruhige, kranke Nacht! Nachher wirst du wieder lachen und blühen, als wäre nichts gewesen, nichts als ein nervöser, unangenehmer Augenblick. „Nachher“ — das heißt: wenn ich tot sein werde. „Ein unangenehmer Augenblick“ — das heißt: mein Leben vom ersten bis zum letzten Lallen, mit der ganzen Welt von Jauchzen und Verzweifeln. Es wird ja nicht ins Leere fallen, aber was ist dieser Schimmer von Ewigkeit? Was sind selbst die größten Toten: der große Alexander, der große Tizian, der große Napoleon? Einem Hungernden ist ein Bissen Brot wichtiger als der große Alexander. Und wer hungert nicht? Wer ist nicht von tausend elenden Bedürfnischen umgeben, deren jedes ihm wichtiger ist als der große Alexander? Wieviel von meiner Unsterblichkeit würde ich geben, wenn ich jetzt schlafen könnte, wenn ich das leise, infame Fiebern der unflüggen Gedanken hinter meiner Stirn und den schmerzenden Augen zur Ruhe bringen könnte? Ein Viertel, die halbe, die ganze!

O wie du mich ansiehst! Wie du mich leiden siehst! Und alles um ein Weib, und alles um dich! Und jeder schwere Herzschlag in meiner Brust, und jedes schmerzliche Zittern meiner Lider, und jedes bedrückte heisere Atemholen meines Mundes ist ein Tropfen Leben für dich, ein Meißelführen, ein Pinselzug an deinem Bilde.

Ermahne mich nicht! Laß mich nicht denken, wie es wäre, das alles zu leiden nicht für dich, ohne dich, für Nichts! Lies mir ein Märchen vor! Sag mir, daß du mich liebst, daß die Ewigkeit an meinem Lager sitzt und mit mir leidet.

Wie deine Hand zu streicheln versteht! Ich fühle dabei die ganze Geschichte dieser Hand, die ganze adlige Kultur ihrer Form und Geste, an der schon die Maler des frühen Florenz gearbeitet haben, die auf so viel lorbeerbekränzten, ungenügsamen, scharfgefalteten Künstlerstirnen ruhte. Wo ist ein Fürst, dessen uradlig geborene Geliebte solche Hände hat? Und auch in meiner Hand und auf meiner Stirn ruht deine Rechte nicht vergebens, auch von mir geht der leise Strom eines eigenartigen und feinen Lebens in sie über. Sie wird, wenn niemand mehr von mir weiß, auf andern Stirnen liegen, andere Schultern berühren, und in ihrer Berührung wird mit allen tausend andern auch meine Schönheit, Krankheit und Kunst verewigt und tätig sein.

Und diese Kultur, dieser unsichtbare, leise, ununterbrochene Strom bewußten Lebens, in welchem Dante und Donatello nur schöne Windungen sind — das ist die Ewigkeit. Das ist die Ewigkeit! Das bist du, meine schöne Muse!

Tagebuch 1900.

Basel, 7. April 1900.

Abends. Ein dunkler, kühler Tag. Ich lege Tolstois „Auferstehung“ aus der Hand. Ich hatte geschworen, sie nicht zu lesen, aber alle Welt war voll davon, ich mußte darein beißen, und nun ist es hinter mir. Zwar etwas von der trostlos traurigen, rohen, schrecklichen Luft dieses Russen drückt mich noch — es ist körperlich ungesund, solche Sachen zu lesen. Mit Tolstoi geht es mir genau wie mit Zola, mit Ibsen, mit Robert, mit Uhde, mit Hebbel und zwanzig andern Größen — sehe ich sie, so muß ich den Hut abnehmen, wohler aber ist mir, wenn ich sie nicht sehe. Tolstoi ist von einer imponierenden seelischen Größe, er hat einmal die Stimme der Wahrheit gehört und folgt ihr nun wie ein Hund und wie ein Märtyrer, durch dick und dünn, durch Schmutz und Blut. Was ihn so häßlich macht, ist eben das Russische an ihm, dessen Schwere, Düsterkeit, Mangel an Kultur, Mangel an Freude sogar den zarten Turgenjew ungenießbar macht. Die Heiligen Martin und Franziskus haben dieselbe Lehre wie Tolstoi gepredigt, aber bei ihnen ist Person und Lehre ebenso hell, elastisch und erfreuend wie bei Tolstoi dunkel, spröde und niederdrückend. Vielleicht, ich will nicht leugnen, kommt von dorther die Erneuerung der Welt; aber ehe aus diesen herben, frischen, rohen Keimen Kunst werden kann, müssen sie noch hundert Jahre und länger reifen.

Mir träumte einmal, ich wäre mitten in einer großen, sonderbar schweigsamen Gesellschaft. Ein starker Mann in einem zu weiten Frack trat mich plötzlich ernst, streng und herrisch an und fragte mit rauher Stimme: Glaubst du an Christus? Während ich mich besann, was ich antworten sollte, sah ich sein glühendes Auge und seine groben, herausfordernden Züge so unangenehm nahe, daß das Gefühl der Beleidigung sich mir aufdrängte; ich mußte ein eisiges, verächtliches Nein sagen, lediglich um diesen aufdringlichen Blick und die ganze unerwünschte Gegenwart des groben Fragers abzuweisen.

In dieser Weise fragt Tolstoi. Seine Stimme hat nicht nur die zitternde Glut des Fanatikers, sondern auch den peinlich rohen Gurgelton des östlichen Barbaren.

Ich habe Sehnsucht danach, mich am nächsten warmen Tage in den hellen Frühlingswald zu legen und dort ein paar Seiten Goethe zu lesen.

Basel, 11. April 1900.

Glaubst du an Christus?

Es war gestern, auf Riehenhof, in der kleinen Halle gegen Abend; ich war zwei Tage bei Doktor Nagels zu Gast. Die freundliche Wirtin saß mit mir in herzlichem Gespräch in der zarten Abendglut, es war eine ungerufene glückliche Stunde; unsre Fragen rührten an alles Wichtige, Ernste, Beglückende, an den Tod, an die Sterne, an das Wunder. Auf die letzten Fragen gab kein Wort mehr Antwort, ein freundschaftlich vertrauendes Schweigen, ein Kopfnicken, ein Blick in die Röte des Himmels, ein stummes Deuten auf die sammetblauen Vogesen und den klaren, dunkelgrünen Schwarzwald —, und vor dem Schlafengehen lasen wir den dritten der Hymnen des Novalis.

Auf dem Kanapee im großen Gesellschaftszimmer auf Riehenhof stand ein fast vollendetes Bild von Fritz Burger: die Bachwiese mit reichem Obstblust. Bei solchen entstehenden oder eben entstandenen Kunstwerken empfinde ich immer Schmerz, Erhebung und Neid zugleich, denn ich stehe ja, mitten in Tag und Kram, ferner als je von meinem Werk, nach dem ich doch täglich lüsterner und sehnsüchtiger werde.

Basel, 15. April 1900.

Diese warmen, grünen Abende auf Riehenhof! Seit Monaten hatte sich mir keine Zeile gereimt, und jetzt — es quillt so weich und ohne Ende, Verse, Verse! Es ist ganz wie es in schönen Anthologien steht: Frühling, junges Grün und Amselgesang, und dem Dichter verhängt ein selig goldener Nebel die Welt. Ich liege im Rasen, ich wandere durch die Wiesen, ich lehne im Halbdunkel abends im Zimmer, ich gehe zum Wein, und meine Lippen sind heiß und rot von lauter Reimen. Kein Inhalt, kein Gedanke, nur Musik von schlanken, lachenden Worten, nur Takt, nur Reim. Ich weiß dabei wohl, daß diese Verse, wenn noch so gut, noch nicht einmal Lyrik sind, und weiß, daß ich schon bald an heute und gestern als an etwas Unbegreifliches, Schönes, Vergangenes denken werde, mit Schmerz und Ironie. Auch ist mir, ein Dichter hätte das, was ich eben denke, schon mit sehr schönen Versen zu Tode gesungen, und wenn ich mich besinne, so ist es der unangenehme Freund Heine und sind es die Zeilen:

Sag nicht, daß du mich liebst,

Ich weiß, das Schönste auf Erden,

Der Frühling und die Liebe,

Es muß zu schanden werden.

Der Frühling und die Liebe. Liebe? Ich weiß nicht. Es ist nur ein Name, und bei mir ist die Liebe eben dieser weich zerfließende Lyrismus, der mich als besondere Form des Sentimentalen jeweils befällt und eben so süß als schwächend ist. Oder soll ich dabei an Elisabeth denken? Ist das denn Liebe, daß ich manchmal Lust habe ihr mehr zu sagen, als man sonst Mädchen sagt? Daß es mich zuweilen traurig macht, wenn ich mir vorstelle, ich mache ihr Geständnisse und führe mit Schande von dannen? Müßte ich nicht den unsichern Grund meines ganzen jetzigen Lebens antasten, einen steinernen Grund legen und von da aus mit der roten Fahne der Leidenschaft, mit Stürmen und Opfern nach ihr jagen? Wenn ich mich jener ernstlichen, brennenden Leidenschaft erinnere, mit der ich noch als halber Knabe der ersten Frauenliebe verfiel, an jene Entzückungen, an jene durchweinten Nächte, an jene im Fieber entworfenen, von plötzlichen Selbstmordgedanken gekreuzten, dennoch selig frechen Lebenspläne, an jene Wut, den Namen Elise viele hundert Mal im Bette zu flüstern, im Garten zu singen, im Walde laut zu schreien — wenn ich an das alles denke, so muß ich traurig lachen und kann dieses zarte Hinüberneigen nicht Liebe nennen. Eine Stimmung, ein in Dämmerung angeschlagener Moll-Akkord, ein scheuer Anfang eines unsicher elegischen Gedichtes — und schließlich eben dennoch seit Jahren die einzige, wenn noch so leise Erregung, bei der mir der Name Liebe einfiel. Der lodernde Rausch von damals, durch viel Philosophie, viel Ästhetik, viel Kunst und viel Ironie jahrelang ins Blassere, Flüchtigere nuanciert, ists doch vielleicht. Aber ich träume doch zuweilen von jener alten Liebe so rot und feuerfarben, habe Sehnsucht nach einer Leidenschaft, die gellend und bacchantisch sich aus Übermut und Ungenügen zum Verhängnis wöbe. Ist dieser Traum und diese Sehnsucht alles, was ich vermag, ist es der Nachklang der alten Liebe oder Ahnung einer kommenden, noch möglichen? Und steigt dieser Traum rein aus dem unbewußten Leben, aus Instinkt und verlorener Erinnerung, oder hat er seine Farben von Böcklin und seinen großen, dämonischen Takt von Chopin und Wagner?

Ich glaube, daß kein anderer Mensch über die Gründe seines inneren Lebens und über die wahren Ursachen seines Begehrens und Ungenügens so durchaus im Dunkeln ist und immer tiefere Finsternis findet, wie eben der, der seine flüchtigsten Regungen beobachtet und dem Entstehen jeder Reizung nachspürt. Als ob dadurch sich das verscheuchte Unbewußte nur enger konzentrierte und sich, ängstlich geworden, vollends jedem vorsichtigsten Blick entzöge.

Axenstein, 3. Mai 1900.

Hier darf man nicht schreiben. Mir ists wie eine Ahnung von Gesundwerden.

Basel, 13. Mai 1900.

Der See wirkt noch leise nach. Seine Schönheit ist unerschöpflich und ist jetzt, da alle Berge noch tiefen Schnee haben, noch frischer und reiner. So oft ich ihn schon besuchte, er ist immer wieder neu, voll Trost und Reichtum. Jedesmal, wenn ich in Luzern an den Quai trete, beginnt seine Wirkung und ist jedesmal verstärkt oder verändert. Ich meine nicht die schönen Matten, nicht den Pilatus, die Wälder oder den Rigi, den langweiligsten aller Berge, — was mein Auge so begeistert, ist einzig die Schönheit dieses klaren Wassers, das vom Blauschwarz übers Grün und Grau bis zum silbernsten Silber jeder Farbe und Nuance fähig ist. Bald hat das Wasser ein metallen schweres Grau, bald bei schwachem Wellenschlag ein kühles Hellgrün, bald ist „Öl auf dem See“, wie die Maler verzweifelnd sagen. Dies ist das Schönste, diese Flecken von verschiedenster Farbe, oft mit scharfem Kontur begrenzt, oft in den verfeinertsten Übergängen aufgelöst, darauf tiefblau die Wolkenschatten und silbern oder bleiern, je nach der Sonne, die Schneespiegel. Aus großer Höhe verliert der See fast allen Reiz, am schönsten ist er vom Boot aus oder, wenn viel Sonne ist, von Morschach oder Seelisberg.

Ich sah neulich dort ein kühles, helles Blaugrün, ganz wie am Himmel das Spätblau nach dem Abendrot, aber nicht goldig, sondern silbern getönt, — diese unbeschreibliche Farbe und ihr Übergang zum völligen Mattsilber gewährte mir eine ganz überschwängliche Lust, ein Gefühl der Befreiung vom Gesetz der Schwere, ein Gefühl der Auflösung, als läge meine Seele kühl und ohne von mir zu wissen auf dem schweigenden Seebusen ausgebreitet, ganz Äther, ganz Farbe, ganz Schönheit. Nur äußerst selten hat mich ein Eindruck künstlerischer, poetischer oder philosophischer Art in diese Höhe und Ruhe versetzt. Das war nicht mehr die Freude am schönen Bild, die freundliche Selbsttäuschung, welche man sich vor guten Kunstwerken gestattet — im Anblick dieser Farbe genoß ich für Augenblicke den Triumph der reinen Schönheit über alle Regungen des bewußten und unbewußten Lebens. Hatte ich nicht doch zuweilen an meinem Stern gezweifelt und war geneigt, einigen landläufigen Angriffen gegen die „ästhetische Weltanschauung“ Recht zu geben? Ich weiß nun, daß meine Religion kein Aberglaube ist, daß es sich lohnt, alle körperlichen und geistigen Dinge nur in ihren Beziehungen zur Schönheit zu betrachten und daß diese Religion Erhebungen schenken kann, die an Reinheit und Seligkeit denen der Märtyrer und Heiligen nicht nachstehen. Daß sie zugleich nicht mindere Opfer verlangt und nicht geringere Qualen und Zweifel und Kämpfe bringt, wußte ich längst. Der Schönheit gegenüber ist in uns dieselbe Erbsünde, dasselbe Fallen und Wiederaufstehen, dasselbe mit Beseligungen abwechselnde Elendgefühl, wie im Leben des Christen. Überhaupt sind diese wahrhaftig Frommen für uns Ästheten die einzigen würdigen Feinde, denn sie allein kennen ebenso tief wie wir die Abgründe des täglichen Lebens, das Leiden unter der Gemeinheit, das auf Knien Liegen vor dem Ideal, die Ehrfurcht vor der Wahrheit und die schonungslose Konsequenz des Glaubens. Seit dem Untergang der von uns immer nur höchstens annähernd verstandenen Antike sind immer nur diese beiden Wege über das Gemeine hinausgegangen, denn nach meinem Gefühl ließen sich die Wege der Ästheten und der Christen durchaus auch in der Geschichte der Philosophie verfolgen. Jedenfalls führt auch der Weg des Denkers, sobald er irgend eine Stellung zum Ewigen bewahrt, durch dieselben Opfer und Leiden, durch schmerzhaftes Berühren einer immer offenen Wunde, durch Weltentsagung in irgend einem Sinn, durch niedergezwungenen Ekel und durch die Finsternisse des Zweifels am Ideal. Ist es der Philosoph, der Schönheitsucher oder der Christ, zu dessen Ideal die immer gleiche „Welt“ im peinlicheren Kontraste steht? Alle drei jedenfalls leiden und alle drei verschmähen die Kompromisse, also das „von Fall zu Fall“, und den Humor. Oder gibt es wirklich einen Humor, vom gemeinen Witz abgesehen, dessen letzter Grund nicht eine Schwachheit, ein Schwindeln und Zurücktreten vor der schmerzlichen Konsequenz des Idealisten ist? Spürt man die Grenze nicht in jedem witzigen Gespräch, wenn ein Mitredender noch so geistreich beginnt an Dinge zu rühren, deren Wesen Würde ist und deren Mithereinziehen in den Kreis des Witzes auch dem Gröbsten zuweilen ans Gewissen greift? Wie kann man Mitspieler in einem Lustspiel sein wollen, da man doch weiß, daß der Witz der Komödie auf der Erbärmlichkeit der Personen beruht? Jedoch liegt für den toleranten Idealisten ein höchster komischer Reiz eben im Untersinken eines Helden zum Gemeinen. Es gehört zu den Opfern, die wir dem Ideal schuldig sind, auch diesen überaus verführerischen Reiz zu töten. Die schwärmerischen Verliebten, die nach erfolgter Aufklärung über die geringe Mitgift so komisch Halt machen, die Helden, die auf dem Weg zu etwas Edlem im Augenblick des körperlichen Ermattens ihr Ideal für eine Mahlzeit verkaufen, diese und alle ähnlichen Lustspielfiguren haben unter ihren applaudierenden Zuschauern immer eine Menge von Brüdern, für welche der heftigste Reiz des Spiels im halberwachenden Gewissen liegt. Manche von diesen hätten vielleicht für Augenblicke Lust zur Entrüstung, da aber der Mut fehlt und da sie schon hundertmal an derselben Klippe gestrandet sind, applaudieren sie dem Helden und ahmen ihn nach, indem sie ihr Ideal für das Vergnügen zu lachen verkaufen. Ich kenne wenige, denen es gelingt, und mir selbst gelingt es selten, auch ein solches Spiel, falls dieses es verdient, rein als Kunstäußerung und ohne Bezug zur stofflichen Komik zu genießen. Die wenigen Lustspiele solcher Art, welche ich besuche, machen mich meistens nur ärgerlich oder traurig, je nach der künstlerischen Qualität.

Basel, 19. Mai 1900.

Elisabeth. Ich traf sie im Garten. Sie trug eine neue Sommertoilette, sehr einfach, matt hellblau. Sie saß auf der Schaukel und wiegte sich wie ein schöner Vogel, der weiß, wie schön er ist. Und dann kam Frau Doktor, und es wurde dunkel, man trank Tee und Eiswasser, Sterne kamen herauf. Ich begleitete sie nach Hause und fühlte, daß ich heute abend langweilig war. Ich erzählte sogar von einem Roman, den ich schreiben wolle und den ich ihr zu dedizieren versprach.

Jetzt scheinen mir die Sterne ins Zimmer. Etwas von der ehemaligen süßen Trauer klingt in mir an, eine Melodie von Chopin, aus der G-Moll-Ballade, fällt mir ein.

Basel, 23. Mai 1900.

Ironie! Wir sprachen den ganzen Abend davon. Natürlich schreib ich wieder nachts, ein Uhr. Ironie? Wir haben wenig davon. Und doch, sonderbar, lüstet mich oft nach ihr. Meine ganze schwerblütige Art aufzulösen und als schmucke Seifenblase ins Blaue zu blasen. Alles zur Oberfläche machen, alles Ungesagte mit raffinierter Bewußtheit sich selber als entdecktes Mysterium servieren! Ich weiß wohl, das ist Romantik. Das ist Fichte in Schlegel, Schlegel in Tieck und Tieck ins Moderne übersetzt. Warum nicht? Tieck ist unerreicht, auch von Heine unerreicht, und müßte eigentlich mit seiner unplastischen, musikalischen Grazie mein Liebling sein.

Basel, 30. Mai 1900.

Schopenhauer. Ich habe oft das Gefühl, er mime und habe nicht recht, ohne daß ich doch etwas besseres wüßte. Oder doch, ich weiß etwas besseres, aber es ist zu schwer und unversucht zum Sagen.

Basel, 6. Juni 1900.

Meine Märchennovelle ist fertig. Man lobt sie, zuweilen mit Verständnis. Mir genügt sie wieder nicht, so sehr die Lust beim Schreiben wuchs. Den Cäsarius hab ich zu Ende. In den Kapiteln de tentationibus (?) speziell de tentatione dormiendi (?) einige kleine reizende Stoffe. Meine Sammlung Romantica um zwei gute Stücke vermehrt, die „Minnelieder“ von 1803 und der erste Sternbald, erstere überaus köstlich. Hoffmann tritt mir als romantischer Erzähler immer mehr an die erste Stelle, Tieck versagt doch öfters, auch in den Märchen, Novalis ist nicht fertig geworden und Brentano ist doch zu bewußt formlos. Übrigens ist der Godwi ein geniales Buch, oberflächlicher, aber unendlich reizender als der Lovell. Den Ofterdingen abgerechnet, der nicht mehr Literatur ist, schätze ich doch eigentlich die „Brambilla“ am höchsten. Technisch betrachtet ist das meiste Seitherige minderwertig, auch Keller hat nur wenige Mal einen Stoff so von innen erleuchtet und so ganz zu Kunst gemacht. Wieviel Romantik übrigens in Kellers Technik noch steckt, ist auffallend.

Vitznau, 4. September 1900.

In den Uffizien von Florenz könnte ich nicht so fleißig, selig und eifersüchtig der Schönheit nachgehen wie auf diesem herrlichen Stück Wasser.

September. Vormittagsnebel; selten ein Regentag. Heiße Mittagsstunden, kühle Nächte bei zunehmendem Mond. Noch nirgends sieht man ein welkes Blatt, das Laub ist spätsommergrün und bekommt schon überall den Metallglanz des Septembers; Äpfel, Pfirsiche und Feigen fallen von den überladenen Bäumen. Die Abende sind ohne Ausnahme hell, farbig und leuchtend.

Vitznau, 5. September 1900.

O wenn ich jetzt die naive Genußsucht meiner früheren Jahre wieder hätte, wenn noch mein Herz wie früher des berauschten schwelgerischen Schlagens fähig wäre!

Aber trotzdem — ich feiere täglich einen Kranz von Festen. Der See entschleiert sich allmählich meinem fleißigen Auge und hält mich nun fortwährend in einem Kreis von Lockungen, Reizen und Überraschungen gefangen. Zuweilen hält er an sich, läßt mich warten und wirft mich dann unversehens händevoll mit Kostbarkeiten, daß mir die Augen flimmern. Die wesentlichen Farbenwechsel der einzelnen Buchten, Himmelsrichtungen und Tageszeiten habe ich wohl erfaßt, aber was ist dieses Gerippe gegen das überströmend freudige Leben, das sich ohne Ziel und Norm von Augenblick zu Augenblick in unglaublicher Üppigkeit verblutet und erneuert!

Ich verbringe alle Stunden des Tages damit, dem See seine Farbenspiele und Geheimnisse abzuspähen. Nachdem ich in den ersten Tagen die Uferwege unzähligemal hin und her gestrichen, bringe ich nun ziemlich meine ganze Zeit auf dem Wasser selbst zu. Zuweilen versuche ich es noch mit dem Blick von oben her, ohne große Entdeckungen. Von der Höhe der Hammetschwand ist das Wasser für mein Auge eben noch zu genießen, darüber hinaus schwindet Glanz und Farbe von Meter zu Meter, und von Rigikulm aus ist der See stumpf und beinahe grau anzusehen. In geringerer Höhe gewährt er noch einige feine Reize, namentlich durch Wald hindurch betrachtet, wobei Buchen-, Kastanien- und Eichenlaub zuweilen köstliche Nuancen gewähren.

Doch wozu diese ärmeren und entlegeneren Blicke suchen und Zeit und Sonne daran vergeuden? Statt dessen kreuze ich den ganzen Tag im Boot auf der Fläche und in den Buchten umher. Ein leichtes Kielboot, für die Ruhepausen eine Zigarre und ein Band Plato, sowie Rute und Angelzeug, das ist meine Ausrüstung.

Ob der Tag noch kommen wird, an dem ich in Worten diese Flut von bunten Seligkeiten und farbig erregten Momenten werde zu Ende dichten können? Diese Lockungen, Lüsternheiten, Begierden, diese plötzlichen Befriedigungen, Ekstasen und Blendungen? Heute kann ich nur stammeln und prosaisch notieren. Vielleicht wird es dabei bleiben, vielleicht ist es überhaupt der Sprache nicht möglich, dem individuell forschenden und genießenden Auge auch nur bis über die ersten gröberen Nuancen weg zu folgen. Auch die Maler müssen ja schon bei den scheinbar simpelsten Mischungen sich dem Instinkt überlassen und problematische eigene Wege gehen. — Kann man sich einen sprachlichen Pointillisten denken? Und doch — was ist Blaugrün? Was ist Perlblau? Wie läßt sich das leise Überwiegen etwa des Gelb, des Kobaltblau, des Violett aussprechen? — und doch liegt in diesem leisen Überwiegen das ganze süße Geheimnis einer Stimmung, einer beglückenden Kombination beschlossen.

Vitznau, 6. September 1900.

Das ist mein Fluch und Glück, daß ich keine Schönheit grob und froh genießen kann, daß ich sie auflösen, durchdringen, in Einheiten zerlegen und über die Möglichkeit ihres Wiederaufbauens auf künstlerischem Wege nachdenken muß. Nur zuweilen kommt das alte schwere Wesen, das ich so konsequent von mir abstreifte, für Augenblicke anklingend wieder über mich — die alte unschuldig stumpfe Hingebung und rechenschaftslose Schwelgerei. Diese Augenblicke müssen immer seltener werden, ich darf um ihre kurze trübe Lust nicht mein Ideal verkaufen, denn ein völliges Zurückkehren in die harmlose Dämmerung ist mir doch nie mehr erlaubt. Wenn irgendwo, so liegt für mich Lust und Sinn des Lebens im Fortschreiten, im immer bewußteren Klarlegen und Durchdringen der Wesenheit und Gesetze des Schönen.

Eine Stunde jenes Zurückdämmerns hatte ich heute. Nach Mittag, in der herrlichen Sonnenglut, mitten auf dem breiten See, Weggis gegenüber. Ich lag über die Rudersitze hingestreckt und blickte über die Seefläche. Eine Flut von Rotblau und Gold schwoll vor meinem Blick breit und rastlos hin. Alle meine Sinne schliefen und träumten; ein warmes schwärmerisches Wohlsein hielt mich gebannt. Mein Auge vermochte keinen Kontur, keinen Strahl, keine Lichtgrenze zu unterscheiden, mein Blick verlor allen Willen und taumelte wie ein Freigelassener durch ein Meer von unverstandener Schönheit, von Rot, Blau und Gold, ungleich und ziellos wie der Flatterflug eines Falters.

Vitznau, 7. September 1900.

Der äußerste Vorsprung der „oberen Nase“, vom Lande unzugänglich, ist mit einer kleinen Pflanzung junger, ich schätze etwa fünfzehnjähriger Eichen bestanden. Das helle, in der Farbe herbe Laub gibt im Wasser einen wunderbaren Effekt. Der ganze Wasserfleck erscheint schon von ferne ausgezeichnet durch eine aparte, gelbliche Helligkeit, und überraschend köstlich ist es, aus dem tiefgrünen, vormittäglichen See in diese scharfbegrenzte, hellere Fläche zu fahren. Ich sah heute dort, leider ohne Sonne, den Spiegelkontur einer weißen Wolke diese eichengrüne Grenze zweimal schneiden. Das Weiß blieb unverändert und zeigte nur an der Seeseite schärfere Konturen. Während ich die schönen Linien verfolgte, ging ein Dampfer vorüber, in dessen Kielwasser plötzlich das Silber eines flüchtigen Sonnenblickes aufblitzte. Einige Sekunden lang blieb der ebene Wasserstreif im Silber, die jenseitigen Schiffswellen glänzten matt goldbraun, die diesseitigen blieben hellgrün mit weißen Lichtern. Einige Sekunden — und in diesen Sekunden verstand und genoß ich mit freiem Auge diese plötzliche, raffinierte Kombination wie das Lächeln einer Göttin, wie den aufleuchtenden, reimgeschmückten, prägnanten Vers eines Gedichtes.

Vitznau, 8. September 1900.

Ein unsicherer, windiger Tag, mit flüchtigen Sonnenblitzen. Ich fuhr Buochs gegenüber am Bürgenstock hin. Jenseits glomm der See gegen das Ufer hin unzähligemal in einer seltsamen, feinen, kühlen Farbenflucht auf, ganz wie blanker Stahl im Verkühlen: rotblau, rotbraun, gelb, weiß. Von halber Höhe des Bürgenstocks drang Geläute von Kuhglocken herab. Die schönen, welligen Matten standen lichtgrün in den blassen Himmel und zeigten jenen unsäglichen, traurig-kühlen herbstlichen Ton, den man nie entstehen sieht und der jedes Jahr wieder in irgend einer Stunde plötzlich da ist und uns erinnert, wie uns der Name eines lieben Toten erinnert — an den großen Wechsel, an die Unsicherheit des Grundes, auf dem wir bauen, an den Tod, an die unzähligen mühsamen Wege, die wir unnützerweise gegangen sind.

Ich ruderte aus, um die Tönungen der Wellen im Buochser See zu betrachten, um mein Gedächtnis mit dem Bild einiger Farbenvermischungen, einiger Lichtbrechungen, einiger Silbertöne zu bereichern. Ich ruderte aus, kühl, fröhlich und elastisch, einen Reim im Ohr, einen Vers auf den Lippen, um die Schönheit auf einigen mir noch fremden Wegen, in einigen neuen Spielen zu belauschen — und endete damit, diese Herbstmatten zu finden, die ersten dieses Jahrs, diese unabweislichen, zarten, traurigen Boten.

Ich wendete mich um und ließ das Auge lang auf dem bewegten, frischen Wasser ruhen, ich beobachtete in der Luft gegen Brunnen und an der Wand des Oberbauen einen einzelnen Sonnenstrahl; aber mein Gedanke verfolgte ihn nicht mit seinem rastlosen, elastischen Eindringen. Nur mein Auge sah die blaßgoldenen Reflexe zittern und verleuchten, mein Gedanke nahm nicht teil, er verweilte hinter mir, über dem steilen Walde, auf jenen bleichgrünen Matten. — Herbst!

Und ich besann mich, ob ich auf dem rechten Wege sei, ob mein rastloser Lauf mich meinem Sterne nähere oder entführe, ob er mich jemals in geistige Höhen führen könne, in welchen dieser Herbst und diese Traurigkeit mich nicht mehr würden berühren können.

Hier gab es in meinem Nachsinnen einen Moment, in welchem ich, hätte ich es in meiner Macht gehabt, den ganzen Schleier des äußeren Lebens von mir gelegt und alle Fäden der Lust, der Liebe, der Trauer, des Heimwehs und der Erinnerung abgeschnitten hätte. Ein Höhepunkt, ein kurzes, ruhiges Atemholen auf hohen Gipfeln: hinter mir alle Beziehungen des Menschlichen, vor mir die leichte, kühle Weite der Schönheit des Absoluten, des Unpersönlichen. Ein Augenblick — ein Atemzug!

Die Glockenlaute schwankten herab, ich schloß die Augen und sank und sank von der Höhe. Eine schwere, körperhafte Trauer bekam Gewalt über mich. Ich wollte entrinnen, mein Gedanke bäumte sich noch einmal wie ein mißhandeltes Roß, aber ich unterlag. Und jene schwere, müde Traurigkeit überwältigte mich, beugte mich tiefer und tiefer, löschte alle Sterne aus, quälte mich und feierte alle schmachvollen Triumphe eines grausamen Siegers.

Klar und nahe, wie durch eine plötzlich zerrissene Hülle, lag der helle Garten meiner frühesten Erinnerungen vor meinem Auge. Und meine Eltern. Und meine Knabenzeit, meine ersten Liebeszeiten, meine Jugendfreundschaften. In dieser bedrückten Stunde redeten sie alle eine so traurig-fremde, schöne Sprache, so heimwehmachend und so ernsthaft fragend wie die Züge von Toten, denen wir Tränen nicht getrocknet und Wohltaten nicht erwidert haben. Ich wies sie von mir, und sie gingen, eine tote Gegenwart hinterlassend.

Zugleich mit dem lastenden, schwächenden Herbstgefühl stieg eine peinigende Abschiedsstimmung in mir auf. Ich sah hinter den wenigen noch freien, einsamen Ruhetagen die Stadt und das wiederbeginnende aufreibende Leben auf mich warten, die vielen Menschen, die vielen Bücher, die unzähligen Nötigungen zu Lüge, Selbstbetrug und Zeitverderb. Und plötzlich brannte meine ganze Jugend in schmerzlicher Lebenslust in mir auf, ich warf mich in die Ruder, kreuzte auf der großen Bucht umher, kehrte um den Vorsprung des Bürgenstocks zurück, bis an die Matt, bis nach Weggis. Die notwendige Ermüdung sättigte mich nicht, gierig und verzweifelnd erfüllte mich ein klaffendes Ungenügen, eine Lust, alle Freiheit und Kraft meines Lebens in eine einzige Stunde gedrängt jäh und lachend zu vergeuden. Der See war mir zu schaal, die Berge zu grau, der Himmel zu niedrig. In Weggis nahm ich ein Bad und schwamm in den See hinein, drängte mich mit beiden Armen in das Wasser, tief atmend. Müde geworden legte ich mich auf den Rücken, ganz langsam schwimmend, und hing mit wartenden Augen am Himmel, unbefriedigt, überdrüssig. Ich hätte mein Leben für das Gefühl der Fülle und des Genusses gegeben, nach dem ich dürstete.

Und dann schwamm ich zurück und bestieg das Boot wieder mit der ganzen dumpfen Trauer des Herbstes, des Abschieds und der inneren Ungewißheit.

Seither bin ich ruhiger geworden. Mein Prinzip hat gesiegt, ich genieße nun diese Trauer und Hoffnungslosigkeit, wie ich mich gewöhnt habe, auch schlechtes Wetter zu genießen. Sie hat ihre eigene Süßigkeit. Ich unterrede mich mit ihr und spiele auf ihr, wie ein Sänger auf einer schwarzen in Moll gestimmten Harfe spielt. Was will ich im Grunde anders von jedem Tag als eine Stimmung, eine ihm eigentümliche Farbe, und, wenn es glückt, ein Lied?

Vitznau, 9. September 1900.

Als ich heute mit der Angelrute am Ufer saß, der nachklingenden gestrigen Traurigkeit ergeben, trat mir plötzlich der Name Elisabeth auf die Lippen. Es gelang mir, ihre Gestalt scharf und rein in mir heraufzubeschwören, so daß sie mich aus meinem Traum wie aus einem tiefen Spiegel anblickte. Zugleich empfand ich eine mächtige Sehnsucht nach der Lektüre der vita nuova, so daß ich beinahe diesem herrischen Gelüste zulieb schon heute nach Basel zurückgekehrt wäre.

Bölsche könnte an mir einen eklatanten Fall von Distanzliebe konstatieren. Prüfe ich mich genau, so muß ich sagen, daß die Anziehungskraft, die Elisabeth auf mich übt, vom ersten Augenblicke an auf einer einzigen frappanten Profillinie beruhte, namentlich auf dem raffiniert eleganten Kontur des Halses und des Kinns im Profil. Aber — was ist an meinem Fall am Ende besonderes, da erwiesenermaßen schon eine Frisur, ja schon ein Kleid, ein Gürtel, ein Band diese Wirkung üben kann.

Ich besitze die Schönheit meiner Liebe in dieser Linie, wie man ein Meisterbild nach reichlicher Anschauung besitzt, so daß es nur an dem jeweiligen Versagen der Vorstellungskraft liegt, wenn ich noch nach ihrer körperlichen Gegenwart verlange. Und doch — ich tue Unrecht, meine Liebe, das arme Schoßkind, so formal zu deuten. Wie oft habe ich doch gewünscht, ihre feine Hand zärtlich zu berühren, sie zum Plaudern zu bringen, lang in ihre Augen zu sehen! In diese Gedanken und Begierden spielen schon alle unfaßbaren Reflexe der jenseitigen Schönheit herein. Sobald meine Skepsis einen Augenblick schläft, höre ich doch in meiner Liebe die Engel singen und Paradieserinnerungen an die Pforte meiner Seele pochen. Und sie selbst, meine Seele, leidet lächelnd unter allen Rohheiten und Vergewaltigungen des herrschsüchtigen Gedankens. Sie schläft unter dunklen Schleiern, schläft und träumt vielleicht von den innersten Geheimnissen jener Welt, an deren Toren mein bewußtes Leben in seinen höchsten Momenten noch beklommen stehen bleibt.

Und diese meine Seele erzählt mir in wohllaut-fremder Sprache von einer seligen Heimat, deren wir beide, Elisabeth und ich, verlaufene Kinder und verirrte Bürger sind. Wie ein fremdartig süßer Duft, wie Takte einer niegehörten, dennoch traumbekannten Melodie — wie Antwort auf nie gefragte, dennoch wohlgefühlte Fragen.

O diese Seele, dieses schöne, dunkle, heimatliche, gefährliche Meer! Während ich ihre schillernde Oberfläche unermüdlich prüfe, liebkose, befrage und bestürme, spült sie zuweilen immer wieder wie zum Hohn ein fremdfarbiges Rätsel aus bodenloser Tiefe vor mir aus, Muscheln, die von unermeßlichen, fremden Räumen reden, wie ein Stück uralten Schmuckes vereinzelte, unsichere Ahnungen einer versunkenen Vorzeit beschwört.

Dort liegt vielleicht auch meine Kunst, dort schläft vielleicht mein Lied, das heiße, stolze Lied mit den stürmenden, bacchischen Takten, während ich auf unfruchtbaren Feldern Kraft und Jugend vergeude. O, fände ich jene Stimmungen wieder, die in vergangenen Jahren mir jede Frühlingsnacht so reich und üppig gab, jenen schwärmerisch maßlosen Herzschlag, jenes satte Verlorensein an die Phantasie und an das erregte Klingen des eigenen Blutes!

Vitznau, 10. September 1900.

Ich kannte heute kaum die Menschen mehr, die seit acht Tagen neben mir zu Tische sitzen. Als wären seit gestern zehn Jahre vergangen. Meine Bücher, mein Zimmer, mein Angelzeug, meine Kleider, meine eigene Hand — alles fremd, alles mir nicht zugehörig, alles mich mit seiner unerwarteten Gegenwart bedrückend.

O diese Nacht! Zehn Stunden ohne Schlaf, jede Minute ein Kampf meiner unterdrückten Seele mit dem grausamen, gewaltherrischen Gedanken, ein Kampf mit Zähneknirschen und Schluchzen, ein Ringen ohne Waffen, Brust an Brust, mit allen Listen und Grausamkeiten der Verzweiflung. Alle Dämme und Grenzen, die ich meinem inneren Leben gezogen hatte, alle mühsam vorbereiteten Saaten, alle gelegten Grundsteine sind in diesen Stunden zertreten und vernichtet worden. Mir ist es noch wie ein Traum.

Nach einem schweren, traurigmüden Abend — es war ein Sonnenuntergang, wie ich nie einen gesehen — legte ich mich früh zu Bette. Vor meinem Fenster dampfte der See und schlug mit feinen, regelmäßigen Wellen an die Mauern. Ich sah vom Bett aus die Hammetschwand in den bleichen Himmel stechen. Da begann ich zu fühlen, daß die Stunde eines lang verschobenen Kampfes unerbittlich gekommen war, daß alles Unterdrückte, an Ketten Gelegte, Halbgebändigte in mir erbittert und drohend an den Fesseln zerrte. Alle wichtigen Augenblicke meines Lebens, in denen ich meiner Bestimmung einen neuen, engeren Kreis gezogen, in denen ich dem Gefühl des Ewigen, dem naiven Instinkt, dem eingeborenen, unbewußten Leben ein Feld entzogen hatte, traten in voller, feindseliger Schar vor mein Gedächtnis. Vor ihrem Andrängen begannen alle Throne und Säulen zu zittern. Und nun wußte ich plötzlich, daß nichts mehr zu retten wäre; freigelassen taumelte die ganze untere Welt in mir hervor, zerbrach und verhöhnte die weißen Tempel und kühlen Lieblingsbilder. Und dennoch fühlte ich diese verzweifelten Empörer und Bilderstürmer mir verwandt, sie trugen Züge meiner liebsten Erinnerungen und Kindertage.

Zugleich mit diesem Wiedererkennen drang ein scharfer Schmerz todesbitter durch mein innerstes Wesen, der mich in verzerrten, zwiespältigen Gefühlen marterte und aufrieb, lang, stundenlang, bis ich wurde wie ein gequältes, ratloses, verängstetes Kind. Ein Schluchzen überfiel mich, ein Schluchzen ohne Tränen, unsäglich bitter, zuckend und verzweifelnd.

Genug, genug! Die Nacht ist um; ich weiß, daß eine so entsetzliche nicht wiederkommen kann. Ich spüre keinen Schmerz mehr, nur eine träge Erschlaffung und ein Gefühl, ein müdes, rätselhaftes, unsicher schmerzendes, als wäre mir im Innern etwas gesprungen, ein Nerv zerrissen, ein Keim geknickt. Und ich glaube — . . . . Nein, nein!

Und dennoch: ich glaube nicht, ich fühle, ich weiß mit unabänderlicher Gewißheit — das ist meine Jugend, das ist meine Hoffnung, das ist mein Bestes und Heiligstes, dessen abgeknickte Ranke ich wie etwas Fremdes, Störendes in mir spüre. Herbst.

Es leidet mich nicht länger hier. Morgen will ich in die Stadt zurück. Dieser melancholisch stille See mit den bleichen Herbstmatten, diese kühlen Berge und dieser kühle Himmel ängstigen mich. Der mitgebrachte Plato liegt auf dem Tisch. Elende Scharteke! Was ist mir Plato? Ich muß Menschen sehen, Wagen fahren hören, neue Bücher und Zeitungen aufschneiden und den frischen, unreifen Duft des schnellen Lebens atmen, auch sehne ich mich danach, Nächte in kleinen Weinschenken zu verbringen, mit gemeinen Mädchen gemeine Gespräche zu führen, Billard zu spielen und tausend Nichtigkeiten zu treiben, die ich mir selber als tausend Gründe dieses Jammergefühls aufzählen kann, das ich ohne Gründe und ohne Betäubung nicht länger ertrage. Es muß noch Genüsse geben, die mir unbekannt geblieben sind, es muß noch Reize geben, auf die meine Nerven heftig reagieren, noch rare Bücher, die mir Freude machen können, noch irgend eine neue, raffinierte Musik.

Ich werde es nicht vergessen, mein Leben lang nicht. O diese Nacht! Ich werde in jeder schlaflosen Nacht an der Erinnerung dieser Qualen leiden, sie werden aus jedem Genuß, aus jeder Reizung wie verborgene böse Geister hervorblicken, alle Grenzen von Wohl und Weh verwischend und alle Empfindungen auflösend in jenes stachelnde, giftig süße, schmerzlich ermüdende Gefühl, das mich nie so wie in dieser Nacht gepeinigt hat. Das Presto jener unheimlichen B-Moll-Sonate von Chopin hat etwas davon — es ist einem dabei, als würden feine, feine bloßliegende Nerven streichelnd berührt. Prickelndes Wehgefühl, leiser süßer Schmerz — aber ein Takt zu viel und man fällt in alle Foltern einer verzweifelten, raffinierten Traurigkeit, die bis zum heftigen körperlichen Schmerz zu steigen vermag.

Elisabeth — . . . . .

Ziehen wir das Fazit! Mir bleibt bei leidlich jungen Jahren der noch respektabel konservierte Rest einer ehemals recht ansehnlichen Phantasie, eine gewisse, wenn schon etwas abgenützte Fähigkeit zum Genießen und Arrangieren schillernder Stimmungen, sowie ein kleiner Fonds von „Seele“, der bei vorsichtigem Gebrauch eventuell noch eine und die andere Liebe leichteren Genres zu inszenieren und zu überdauern vermag. Rechnen wir dazu eine durch lange Gewohnheit erworbene Fertigkeit im Tragisch-Idealischen und in der souverän duldenden Pose, so muß ich mir selbst zu so schönen dichterischen Fähigkeiten gratulieren und habe keinen Grund, um meine Zukunft als Autor besorgt zu sein. Ich werde Niels Lyhne nicht ohne persönliche Note imitieren und die sublimsten Wiener in Ekstasen übertreffen. Das heißt auf deutsch: Pfui Teufel! Aber wozu habe ich Neudeutsch und Wienerisch gelernt?

Basel, 16. September 1900.

Schon wieder genug und übersatt! Ich hatte mich auf meine Bücher gestürzt, die Pausen der vita nuova-Lektüre mit E. T. A. Hoffmann und Heine gefüllt, in müden Stunden zwischen den preziösen George und den lyrischen Hofmannsthal ein Kapitel Jakob Böhme eingeflochten. Übrigens Respekt vor meinem Antiquar! Er hat mir den unvergleichlichen 1730er Böhme verschafft, ed. Ueberfeld, mit angefügten Kupfern. Wenn nur der „Gottselige Hocherleuchtete Teutonicus Philosophus“ mit seiner ganzen Theosophia revelata etwas amüsanter wäre! Es sind Kapitel von besonderem Reiz vorhanden, aber man muß sparsam lesen, um der Sprache die fremde Tonart zu lassen. Den Spruch von der Galle, den ich heute bei ihm gelesen, will ich mir doch notieren: „Siehe, ein Mensch hat in sich eine Galle, das ist Gift, und kann ohne die Galle nicht leben, denn die Galle macht die siderischen Geister beweglich, freudenreich, triumphierend oder lachend, denn sie ist ein Quell der Freuden. So sie sich aber in einem Element entzündet, so verderbt sie den ganzen Menschen, denn der Zorn in den siderischen Geistern kommt von der Galle.“ Und dann: „Eben einen solchen Quell hat auch die Freude, und auch aus derselben Substanz wie der Zorn. Das ist, wenn sich die Galle in der liebhabenden oder süßen Qualität entzündet, in dem, was dem Menschen lieb ist, so zittert der ganze Leib vor Freuden, in welchem manchmal die siderischen Geister auch angesteckt werden, wenn sich die Galle zu sehr erhebt und in der süßen Qualität entzündet.“

Vor wenig mehr als zwanzig Jahren machte ich als kleiner, blonder Knabe den ersten Leseversuch. Mein Vater fand mich über ein Buch gebückt und nannte mir einige Lettern. Dann aber schloß er das Buch und erzählte mir nach seiner klugen, liebreichen Art von der großen Welt der Buchstaben und Bücher, die sich mir mit dem A-B-C erschließen würde und zu deren Kenntnis das längste Leben des fleißigsten Lesers nicht zum tausendsten Teil genüge. Er selber war damals schon über Büchern fast grau geworden und trug die Werte unzähliger Bände hinter seiner hohen, scharfen, allzu oft schmerzenden Stirn gespeichert. Zwanzig Jahre! Ich habe seither ein tüchtiges Stück dieser Buchstabenwelt umgeackert und manchen fast verschollenen Schmöker hervorgekramt und umgeblättert. Und jetzt — die wenigen überragenden Worte, die noch Gewalt über mich haben, würden keine zehn Bände füllen. Es gibt noch eine Zahl von seltenen alten Schriften, nach denen ich Verlangen habe und deren jede mich, wenn sie in meine Hände fällt, neugierig zu machen und zu erregen vermag — und dann ist es wie mit dem gefangenen Schmetterling: die Lust ist gebüßt, das seltene Exemplar hat einen Augenblick den erfreuenden Glanz gehabt, und übrig bleibt — ein Büchertitel und eine Lücke im Register der noch zu erhoffenden Befriedigungen.

Basel, ohne Datum.

Ich wartete gestern abends am Kasino, um das Publikum aus dem Konzertsaal kommen zu sehen. Es war kalt und regnete. Dann quoll die Menschenmasse heraus. Und auf der Treppe von den Balkonsitzen tauchte plötzlich zwischen bekannten Gesichtern das Gesicht Elisabeths hervor. Sie stieg langsam herab und verschwand mit ihren Begleitern in der Menge. Diese Minute, in welcher die ganze schöne Gestalt auf der beleuchteten Treppe warm und fröhlich heraustrat, gab mir eine eigentümliche Stimmung. Ganz wie in schönen antiquierten Romanen war ich der traurige Liebhaber, der vor erleuchtetem Festsaal in der Regennacht steht und seine Dame geschmückt und scherzend mit begünstigten Begleitern vorüberschreiten sieht. Sein Hut ist tief in die schmerzende Stirn gedrückt, sein grauer Mantel flattert im Wind. Sein Auge blickt Verachtung, aber auf den schmerzlich verzogenen Lippen liegt Liebesweh und zehrende Trauer. Er wendet sich ab, lüftet den Hut, streicht mit der heißen Hand über die heiße Stirn und das regennasse Haar und verschwindet in den Nebeln der unwirtlichen Regennacht.

Und zwar zu Frau Buser in die Fischerstube. Diese brachte mir in zahlreichen Bechern die „süße Qualität“ herbei, nachdem die Reaktion der Galle auf die „liebhabende Qualität“ den guten Böhme Lügen gestraft hatte. Ich hatte dort ein langes Gespräch mit Hesse, der mich natürlich wieder nörgelte und zwickte, bis ich grob wurde. Dann war er zufrieden, ich auch, und am Ende führte mich der Gute durch alle Fährlichkeiten wankender Häuserreihen und walzertanzender Gaslaternen meinen Penaten zu.

Basel, ohne Datum.

Wenn sich mein Jugendfreund Elenderle nicht in jener ärgerlichen Nacht im Tübinger „Walfisch“ erschossen hätte, würde ich ihn zur Aufnahme in unsern famosen Klub vorschlagen. Wir haben nämlich zu dreien einen „Klub der Entgleisten“ gegründet. Drei Mitglieder ist wenig, aber die Stadt Basel vermag in dieser Branche nicht mehr.

Basel, ohne Datum.

Hesse will mir einen Artikel über Tieck abjagen, den er doch besser kennen müßte als ich. Dabei fiel mir plötzlich die fabelhafte Ähnlichkeit auf, die zwischen jenem Märchendichter und mir besteht. Bei uns beiden dieselben sensibeln Nerven, derselbe Mangel an Plastik, derselbe Zug zum Flüchtigsten, Oberflächlichsten, zum Schillernden, Flackernden und Unfesten, dieselbe launenhaft bewegte Phantasie, dieselbe Verwandtschaft mit der Musik, dieselbe Tendenz zur Auflösung der Prinzipien, zur künstlerischen Ironie.

Basel, ohne Datum.

Ah! ce n’est point gai tous les jours, la bohème!

Basel, ohne Datum.

Das Weintrinken wird auch nicht lange vorhalten. Ich sitze zuweilen in der Wolfsschlucht, trinke Hallauer und blättere in Böhmes „Weg zu Christo“, wobei mir zuweilen die eigentliche Ruchlosigkeit dieser Lektüre für Augenblicke einen leisen Reiz gewährt. „Ich will dich aber gewarnet haben,“ sagt der Theosophus, „ist dirs nicht ein Ernst, so laß die teuern Namen Gottes, daß sie dir nicht den Zorn Gottes in deiner Seele entzünden.“ Und später: „Bist du nicht in ernstem Vorsatze, auf dem Wege zur neuen Wiedergeburt, so laß die obgeschriebenen Worte im Gebete ungenannt, oder sie werden dir in dir zum Gerichte Gottes werden.“

Der fromme Weise hat recht. Seine Worte machen mich unheiligen Leser traurig und „wirken Verzweiflung“, denn jedes von ihnen besitzt jene Kraft und ewige Jugend der Begeisterung und des Glaubens, deren Anblick mich mit Neid und Heimweh erfüllt.

Basel, ohne Datum.

Ich will verreisen. Mir träumte diese Nacht von meiner Jugend, als wohne sie irgendwo verzaubert in einem fernen Lande zwischen grünen Bergen. Auch war mir, als spielte eine schöne, wohlbekannte Frau auf dem Veilchenstraußflügel die Nocturne in Es-Dur von Chopin, jenes Lied, das nur Heimweh- und Flügelkranke ganz verstehen, mit seinen zarten, durch ein geheimes Leiden vergeistigten Takten. Ich holte meine vergessene und verstaubte Geige hervor und rief die zärtlich scheue Melodie mit leisem Striche wach, und aus dem alten, braunen Instrument sang meine verlorene Jugend in heimlichen Untertönen mit.

Letzte Gedichte.
(Sommer und Herbst 1900.)

Meiner Liebe.