Bahnhofstück.
Auf einer Reise, heiß und matt,
Saß ich im überfüllten Wagen,
Ein altes, breites Zeitungsblatt
In beiden Händen aufgeschlagen.
Der Zug hielt an. Ich schaute auch
Wie andre müßig durch die Scheiben,
Sah Hüte, Schleier, halb im Rauch
Mir fensterlang vorübertreiben.
Da bog aus dunklem Seidenflor
Mit feiner Stirn und blonden Haaren
Ein schöner Frauenkopf sich vor,
Den ich gesucht seit vielen Jahren.
Ich schrak empor, und meine Hand
Fuhr zitternd nach dem Fensterrahmen,
Da hört’ ich im Gewühl genannt
Mit lauter Stimme ihren Namen.
Ich sah nun, den ich lang gehaßt,
Mit kühlem Gruße zu ihr treten,
Am Arm die leichte Reiselast
Und hört’ ihn leise mit ihr reden.
Sie gingen weg. Der Pfiff erklang,
Ich sank zurück; ein schwerer, trüber,
Schmerzhafter Dunst in’s Aug’ mir drang,
Und draußen flog die Stadt vorüber.
Reich des Todes.
Die Lichter sind erloschen,
Die Nacht tritt in das Haus;
Die hellen Taggespenster
Erblassen und ziehen aus.
Vorüber ist der Becher,
Der mir Vergessen bot;
Mein Haupt ist grau, und alle,
Die ich geliebt, sind tot.
Ich hülle mich in den Purpur
Und schaue über mein Reich.
Verschneit sind Straßen und Gärten,
Der Himmel ist fahl und bleich.
Mein Haupt ist grau und schüttelt
Sein Silber in den Wind.
Ein Wächter wacht und ruft Stunden,
Die tot und vorüber sind.