46. Die Freiheitskriege.
Das Banner der sächsischen Freiwilligen.
1. Der Aufruf.
Unter dem Namen »Das Banner der Freiwilligen« sollte dem gebildeten Teile des sächsischen Volkes, wie in Preußen durch die Jägerkorps, Gelegenheit gegeben werden, seine Teilnahme an dem großen Werke der Befreiung Deutschlands werkthätig an den Tag zu legen. Der Ausschuß des Erzgebirgischen Kreises zur Landesbewaffnung erließ deshalb folgenden Aufruf:
»Das Vaterland erhebt sich zum heiligen Kampfe für Ehre, Recht und eine bessere Zeit, die mutig erzwungen werden muß. Wem noch ein deutsches Herz im Busen schlägt und wer den kräftigen, mutvollen Geist der Sachsen treu bewahrt hat im Drange der Ereignisse, der hört mit lauter Freude den Ruf der Ehre und des Vaterlandes. Schon strömen von allen Seiten mutige Jünglinge und Männer in die Reihen der Freiwilligen, und bald erhebt sich der Sachsen Banner in dichten Haufen der Edlen, Blut und Leben dem heiligen Kampfe weihend.
Biedere Bewohner des Erzgebirges! – stets brav und treu der Ehre und dem Vaterlande – eilt, den ersten Preis des mutigen Sinnes für die gerechte Sache zu gewinnen. Sorgt, daß der alte Ruhm des Biedersinns und der Vaterlandsliebe nicht unserem Kreise entrissen werde! Wer von Euch könnte es ertragen, einst sagen zu hören, daß die Söhne des Gebirges schmachvoll zurückgeblieben seien im großen Kampfe für die gute Sache? Was Ihr jetzt thut für diese, wie Ihr jetzt Euch zeigt vor den Augen der Völker, das entscheidet für Jahrhunderte hinaus über Eure Ehre, das Glück Eurer Enkel, den Ruhm unseres Kreises!
Und Ihr werdet – wir verbürgen das mit Stolz im voraus – kräftig und mutvoll Euch zeigen, werdet tapfere Beschützer des Rechts und willige Förderer der guten Sache sein; Ihr werdet ruhmvoll kämpfen oder, wenn die Umstände Euch diese Ehre versagen, eifrigst sorgen, daß das große Werk des Volkes durch jedes Hilfsmittel, durch willige Opfer, That, Kraft und warme Teilnahme mächtig gefördert und erleichtert werde.
Wir werden deshalb in den nächsten Tagen näher zu Euch reden. Um indes im voraus dem edlen Drange derer, die bereits freiwillige Beiträge zur Ausrüstung der unbemittelten Landesverteidiger bei uns gemeldet haben und noch melden wollen, zu begegnen, haben wir eine Kreiskasse zur Aufnahme solcher Beiträge bestimmt und ein offenes Buch anlegen lassen, worin der Name und der Beitrag jedes edelmütigen Vaterlandsfreundes, der auf diese ehrenvolle Weise seinen Eifer für die gute Sache an den Tag legt, eingetragen wird. Diese schöne Liste soll öffentlich bekannt gemacht werden, damit das Vaterland die Förderer seiner Ehre und seiner Wohlfahrt kennen lerne. Diese Beiträge können hier unmittelbar oder durch die Bezirksämter gemeldet werden.
Ausschuß des Erzgebirgischen Kreises zur Landes-Bewaffnung.«
2. Die Einrichtung des Banners.
Das sächsische Banner sollte aus 5 Schwadronen Reiterei, 2 Regimentern Jäger, 1 Kompanie Sappeurs und aus einem verhältnismäßigen Artilleriekorps bestehen. Die Mitglieder des Banners erhielten den Rang eines Gefreiten, Befreiung von körperlicher Züchtigung und wurden mit »Sie« angeredet. Wer aus bürgerlichem Dienste in das Banner trat, behielt sein Amt und die Einkünfte desselben. Nach Beendigung des Krieges konnte jedes Banner in seine vorigen Verhältnisse zurücktreten. Jeder, der den Feldzug mitgemacht hatte, sollte bei seiner Beförderung im Dienste berücksichtigt werden. Die Freiwilligen des Banners mußten sich selbst kleiden, beritten machen und womöglich auch bewaffnen. Anfang Dezember war die Anzahl der Freiwilligen bereits auf 1500 gestiegen. Die angesehensten Männer traten in die Reihen der Gemeinen. Einer der ersten Freiwilligen war der Professor Krug in Leipzig, der das Jahr zuvor Rektor Magnifikus gewesen war. Ebenso folgte der Professor Dr. Tzschirner in Leipzig als Feldprobst.
Aus Schwarzenberg und dem Hammerwerke Erla traten 17 junge Männer zum Banner.
Aller Orten und Enden wurden zahllose Scharen von Rekruten geübt, um geschickt zu werden, an der feierlichst verkündigten und versprochenen Freiheit des deutschen Vaterlandes mit aller Macht kämpfen und arbeiten zu helfen. Das Erzgebirge blieb nicht zurück. Mehrere Abteilungen Landwehr bildeten sich auf den Bergen und in den Thälern desselben. Auch das Banner erhielt manchen Gebirger in seinen stattlichen Reihen. Das erste Bataillon des Banners empfing sogar eine Fahne von Schneeberg.
Nach Karl Lehmann.