51. Der ehemalige Silberbergbau.
a. Altes Berglied.
Ein Bergmann:
Wenn der Schacht erst eingesenket,
Fahrt und Sprossen wohlverwahrt,
Seil und Kübel eingehenket,
Ist des edlen Bergmanns Art,
Daß er mit Schlegel und Eisen
Mag seine Kunst erweisen!
Der volle Chor:
Daß er mit Schlägel und Eisen
Mag seine Kunst erweisen!
Hurra! – Glückauf!
Ein Bergmann:
Wenn das Glöcklein drei thut läuten,
So heißt's: Bergmann, steh' auf mit Freuden,
Es heißt: Bergmann, geh' auf die Zech,
Dann wirst du wohl finden
Steiger, Häuer und die Knecht!
Chor:
Steiger, Häuer und die Knecht!
Hurra! – Glückauf!
Ein Bergmann:
Zünd' ich an mein Grubenlicht,
So heißt's: Bergmann, fahr an die Schicht,
Fahr ein die Schächtlein tief und lang,
Dann wirst du wohl finden
Einen schönen Silbergang.
Chor:
Einen schönen Silbergang.
Hurra! – Glückauf!
Ein Bergmann:
Und als ich kam vor meinen Ort,
Da saßen die lieben Engelein und wachten dort.
Sie thun mich recht lehren und weisen,
Wo ich soll ansetzen mit meinem Eisen.
Schlag ich darauf mit allem Fleiß,
Daß von mir abdringt der Schweiß,
So bin ich doch derhalben nicht
Verzaget, dieweil ich schönes Silber sah,
Das Herzlein darauf thät lachen.
Chor:
Das Herzlein darauf thät lachen.
Hurra! – Glückauf!
Ein Bergmann:
Wenn die Schicht verfahren ist,
Ruf' ich zu dir, Herr Jesu Christ,
Befehl' Leib' und Seel' in deine Hände.
Du wirst mich wohl führen
In das himmlische Zelt.
Chor:
Du wirst mich wohl führen
In das himmlische Zelt.
Chor:
Du wirst mich wohl führen
In das himmlische Zelt.
Hurra! – Glückauf!
b. Die Namen der Zechen.
Was die Namen der Zechen nach ihrer Entstehung und Bedeutung anlangt, so ist zu merken, nur die wenigsten knüpfen an die ursprüngliche Benennung des Ortes an, wo sie entstanden, oder an bestimmte Eigentümlichkeiten der Zeche selbst und der bei ihrer Eröffnung maßgebenden Umstände. Die meisten erklären sich aus dem dem Bergmannsstande namentlich in früheren Jahrhunderten vor anderen eigenen frommen Glauben an die göttliche Allmacht, zum Teil auch aus seinem Aberglauben. Frommer Glaube war maßgebend bei den überaus zahlreichen Benennungen der Gruben nach Heiligen und anderem, der Aberglaube in Namen wie Wilder Mann, Wilde Frau, Einhorn, Löwe, Wolf, Rabe, Molch, Hase, Goldner Esel. Riesen und Einhörnern schrieb man die Kraft zu, gewisse »Bergsäfte«, namentlich das Quecksilber, zu edlem Erze zu verdichten. Der Molch sollte seinen Winterschlaf in der Nähe geheimer Schätze halten. Wolf und Rabe galten als »weisende« Tiere. Der Hase schien als fruchtbarstes Tier von guter Vorbedeutung zu sein. Im Goldnen Esel hat man wohl gar eine Erinnerung an das Märchen vom »Eselein, streck' dich« zu erblicken.
Nach Dr. Bachmann.
c. Obererzgebirgische Bergleute in der Fremde.
Bekannt und gut beglaubigt ist die Überlieferung, daß im 12. Jahrhundert in unserem Sachsen zunächst der Freiberger Bergbau durch den Zuzug Goslaer Bergleute aus dem Harz begründet worden sei. Nach seinen ursprünglichen Bewohnern, sächsischen Bergleuten aus dem Harz, heißt heute noch ein Teil von Freiberg die »Sächsstadt«. Es steht fest, daß umgekehrt im 16. Jahrhunderte Bewohner unseres Landes, Bergleute aus dem Obererzgebirge und namentlich aus dem westlichen Teile desselben, der Gegend von Freiberg, Annaberg und Schneeberg, nach dem Oberharz gezogen sind und dort Anlaß zur Gründung namentlich der Bergstädte Andreasberg, Clausthal, Zellerfeld, Wildemann, Lautenthal und Altenau gegeben haben. Zwar war schon im 13. Jahrhundert, von Goslar aus dahin verpflanzt, auch auf dem Oberharz um das Kloster Celle her der Bergbau in Blüte gekommen, aber dieser verfiel bald wieder, wie das Kloster selbst, bis bald kaum noch eine Spur davon in dem wieder verödenden Lande sich zeigte. Erst im Zeitalter der Reformation lockten reiche Silberanbrüche in der Gegend des heutigen Andreasberg und anderswo eine bergbaulustige Bevölkerung wieder herbei, nur konnte diese nicht aus der Nähe kommen, nicht aus Goslar, das vielmehr selbst des Zuzuges bedurfte und zudem mit den im Oberharz gebietenden Fürsten verfehdet war, und nicht aus dem Mansfeldischen, sondern man mußte sie anderswo suchen. Daß man sich zu diesem Zweck nach dem Erzgebirge gewendet, daß von dort her die ohnedies stets wanderlustigen und auf jedes »neue Geschrei« hin leicht beweglichen Bergknappen zugeströmt seien, das wird, soweit es nicht urkundlich bezeugt ist, durch folgendes bewiesen.
Zunächst handelte es sich bei der Errichtung des neuen Bergwerks auf dem Oberharz um Stollenbau, auf welchen sich damals eigentlich nur »Meißnische Bergleute« aus dem oberen Gebirge, die deshalb auch in aller Welt gesucht waren, verstanden. Die Chroniken von Freiberg, Schneeberg, Annaberg etc. wissen zu erzählen, wie Bergleute aus diesen Gegenden nach allen Teilen Europas gekommen seien und dorthin ihr Bergrecht mitgebracht hätten, ja selbst in Calcutta, im fernen Indien, finden wir solche und kaum 40 Jahre nach der Entdeckung Amerikas im Dienste der Welser auf dem fernen San Domingo. Die Sendung einzelner hervorragender Bergverständiger, Bergmeister etc. aus dem Erzgebirge nach dem Harz wird ausdrücklich bezeugt, und es versteht sich ganz von selbst, daß diese nicht allein kamen, sondern zur Ausführung der ihnen übertragenen Arbeiten Bergleute in größerer Zahl mit sich führten. Diese ließen dann wieder, wie es heute noch Sitte der Auswanderer ist, dafern es ihnen anders in der neuen Heimat gefiel und daselbst wohlging, ihre Angehörigen und Freunde nachkommen, und so entstand in dem Jahrhundert von 1520–1620 etwa eine größere Kolonie von aus dem Meißnischen eingewanderten Bewohnern und damit eine Sprachinsel mit oberdeutscher Mundart mitten in dem sonst niederdeutsch sprechenden Gebiet. Diese oberdeutsche Mundart aber ist die des Erzgebirges, und zwar des westlichen Teiles desselben, und das ist der Hauptbeweis für die Herkunft der ursprünglichen Bewohner jener Harzstädte aus unserem Erzgebirge.
Es ist zu bemerken, daß die Ähnlichkeit des Oberharzischen und Obererzgebirgischen in der That ganz außerordentlich groß und gemeinsame Abstammung unabweisbar ist.
Ferner ist bemerkenswert das überaus häufige Vorkommen derselben Grubennamen im Oberharz und Erzgebirge und daß mindestens die große Hälfte der im Oberharz vorkommenden Namen den älteren Bergwerken des Erzgebirges entnommen ist. Da es sich bei der Namengebung namentlich auch um solche von guter Vorbedeutung handelte, so sind Namen besondere häufig, die als Benennungen solcher Zechen, welche im Erzgebirge reiche Ausbeute gebracht hatten, bekannt waren, wie z. B. der Name der stolzesten Schneeberger Zeche, »St. Georg«, deren ausgebrachtes Silber auf 40 Tonnen Goldes, d. i. 4 000 000 Thaler, geschätzt wurde, auch im Harz vorkommt, ebenso die »St. Anna«, die in Schneeberg schon 1478 gewaltig »schüttete« und 1528 von allen Gruben die größte Ausbeute gab.
Nach Dr. Bochmann.
d. Die bergmännischen Werkzeuge und sonstige Einrichtungen in früherer Zeit.
Im Jahre 1497 findet man schon Spuren von den Kunstgezeugen in der Schneeberger Gegend. 1504 bestand ebenda der erste bekannte Pferdegöpel. 1512 führte Sigismund von Maltitz auf Dippoldiswalde die nassen Pochwerke zuerst daselbst ein. Seit 1529 waren gedruckte Ausbeutebogen, seit 1533 sind Anschnittzettel statt der Kerbhölzer üblich. 1550 wurden die Stangenkünste eingeführt, 1551 die Bergquartale statt der vorherigen Drittale, mit Ausschluß des Obergebirges, wo man schon seit 1477 nach Quartalen rechnete. Im Jahre 1555 wurde das Rohschmelzen erfunden; in die Jahre 1540 bis 1560 fällt die Aufkunft der Blaufarbenwerke. Im Jahre 1561 nahm die Stollnmaurung ihren Anfang, 1567 die Grubenmaurung durch den Bergmeister Martin Plauer in Freiberg. Vom Jahre 1578 schreibt sich die Anordnung des Gebets auf den Gruben her. 1613 wurde das Sprengen mit Pulver eingeführt. Seit 1649 stiftete man Quartal-Bergpredigten. In den Jahren 1710–1717 wurde die General-Schmelz-Administration eingeführt. Mit dem Bergbohren machte damals man die ersten bekannten Versuche. 1731 schaffte man beim Rechnungswesen die Meißnischen Gülden ab. 1765 ist die Freiberger Bergakademie gegründet worden. Im Jahre 1768 ward das Tragen der Berguniform verordnet und 1788 die Entführung der Amalgamation versucht.
Der erzgebirgische Bergstaat zerfiel am Anfange unsern Jahrhunderts in das Oberbergamt und in das Oberhüttenamt zu Freiberg. Unter ersterem standen die Oberzehntner- und Austeilämter in Freiberg und im Obergebirge, wo wir finden die Bergämter Annaberg, Geyer, Ehrenfriedersdorf, Johanngeorgenstadt mit Schwarzenberg und Eibenstock, Marienberg, Scheibenberg mit Oberwiesenthal.
Außer den Steigern giebt es: Kunstarbeiter, Ganghäuer, Helfersknechte, Zimmerlinge, Doppelhäuer, Lehrhäuer, Siebsetzer, Treibeleute, Haspelmeister, Nachtpocher, Gruben-, Wasch- und Scheidejungen. Eine Schicht umfaßt 4, 6 oder 8 Stunden. Im Annaberger Bergamte gab es 5 Schichten die Woche, weil Sonnabend frei war.
Die Häuerglocke forderte zum Anfange auf. Seit 1595 wurde im Hut- oder Zechenhause vor Beginn Betstunde gehalten. Im Huthause wohnt der Steiger, der das Werkzeug bewahrt.
Ist ein Arbeiter alt oder krank, so heißt er bergfertig. Die Büchsenpfennige fließen in die Knappschaftskasse.
Ehemals gab es in jedem Bergamte einen verpflichteten Rutengänger. Für die Bergleute sind auch Getreidemagazine angelegt worden. Sie sind frei von allen Abgaben.
Schon der Bergknabe vom 6. Jahre an kennt und übt den Fleiß als eine der ersten Tugenden, und dadurch wird sie dem Bergmanne gleichsam zur andern Natur. Die Poch- und Scheidejungen müssen bei Karbatschenstrafe oder Vogelbolzen täglich ihre bestimmte Zahl Körbe voll Erz pochen, ja sogar die Feiertage in den Wochentagen nach und nach mit einbringen. Sie treiben einander häufig durch Wetten an. Wer z. B. zum Johannisfeste am ersten mit der bestimmten Arbeit fertig ist oder Schicht hat, heißt König oder Staatslümmel und wird, mit Blumen oder Kränzen behangen, unter dem Vorantragen einer roten Fahne mit Ehrenbezeigungen nach Hause geführt. Den aber, der zuletzt Schicht hat, nennt man den faulen Lümmel und begleitet ihn, ihn mit diesem Namen neckend, nach seiner Wohnung.
Ein Schacht ist eine viereckige Öffnung, die senkrecht in die Erde führt. Dahinein führen Fahrten oder Leitern. Die Absätze zum Ruhen heißen Böhnen. Das Innere ist ausgezimmert oder ausgemauert. Die Stolln führen wagerecht ins Gebirge und dienen zum Wasserabfluß, zur Zuführung frischer Luft und Abfuhr des Erzes auf Hunden.
Gänge nennt der Bergmann nach ihrem Gehalte edel oder taub, mächtig oder leer.
Fäustel, Schlägel, Bohrer sind Werkzeuge des Bergmanns. Das Zutagefördern geschieht mit dem Haspel, an dem durch einen an dem Seile hängenden Kübel die Erze emporgewunden werden. Tiefe Gruben brauchen den Göpel, welchen Pferde oder Wasser treiben. Das Wasser heben die »Künste« empor, deren Pumpen durch Räder getrieben werden.
Bergbauanteilscheine heißen Kuxe.
Im Berggebiete war das Holz ein wichtiges Bedürfnis. Das Auszimmern der Schächte und Stolln, der Wasser- und Maschinenbau, die Schmelzöfen, Schmiedehammer, Siedewerke, Pechhütten und dergleichen verschlangen viel Holz. Schon im Anfange des 15. Jahrhunderts merkte man das. Der Bergbau, das damalige weit stärkere Brauwesen, die häufigen Brände nagten um die Wette an dem Kern der Waldungen. Hierdurch wurden die ersten Flößen aus holzreichen in holzärmere Gegenden veranlaßt.
Steinkohlen benutzte man erst in der Mitte des 16., Torf im Anfange des 17. Jahrhunderts.
Der erste sächsische Fürst, der vom Bergsegen den besten Gebrauch machte, war der Kurfürst August. Er ließ herrliche Schlösser bauen, kaufte große Güter an, richtete nützliche Anstalten ein, rief Künstler und Handwerker ins Land und sorgte bei alledem noch für seinen Schatz. Unter ihm erhielt das Bergwesen weit bessere Einrichtung, und er ist als der eigentliche Gesetzgeber des Bergwesens zu betrachten.
e. Die Verbreitung des obererzgebirgischen Bergbaues.
1. In seiner Blütezeit.
Erwiesenermaßen ist der Freiberger Bergbau der älteste unseres Landes, und zwar fällt die Entdeckung der Freiberger Erzgänge in die Zeit zwischen 1162 und 1170. Die Sage von dem Goslarer Fuhrmann weist auf Bergleute aus dem Harze hin, von wo auch eine Einwanderung bergbaukundiger Sachsen in unser Erzgebirge in den Jahren 1167 und 1181 im Zusammenhang mit den Kämpfen zwischen Heinrich dem Löwen und den niedersächsischen Fürsten und Städten erfolgte. Um diese Zeit regierte Otto der Reiche in Sachsen. Die beginnende Ausbreitung des Bergbaues tritt im ganzen in Wechselbeziehung zu der fortschreitenden Besiedelung unserer Gegend, das heißt, entweder begann man da, wo deutsche Niederlassungen auf dem Waldgebirge entstanden, nach Erz zu graben oder der Erzsucher schweifte mit seiner Wünschelrute durch die Bergwildnis, und da, wo er Erzgänge erschloß, entstanden neue Niederlassungen.
Im 13. Jahrhunderte finden wir die Herren von Waldenburg bereits im Besitze von Silberbergwerken zu Wolkenstein und von Zinn- und Silbergruben auf dem Sauberge bei Ehrenfriedersdorf. Mit dem Tode Heinrichs des Erlauchten, 1288, schließt die erste Glanzzeit des Freiberger Bergbaues. Dann kommt die Zeit, in welcher die Menschen in den Schoß der Erde eindringen müssen. Der beschwerliche Schacht- und Stollenbau ward nun erforderlich. Aus den Jahren 1335 und 1339 stammen dann die ersten Nachrichten über den Bergbau in dem unter die Burggrafen von Meißen gehörigen Gerichte Frauenstein, sowie in dem zur Grafschaft Hartenstein gehörigen Gebiete des Klosters Grünhain.
Im 15. Jahrhunderte kam neues Leben in den Bergbaubetrieb durch das Fündigwerden der mächtigen Erzgänge auf dem Schneeberg. Damit beginnt die zweite Blütezeit des erzgebirgischen Bergbaues. 1606 wurde eine neue Bergordnung von den Landesherren erlassen.
Im Gebiete der Herren von Waldenburg fand ein lebhafter Bergbaubetrieb um das Jahr 1407 bei Wolkenstein, Ehrenfriedersdorf, Thum, Geyer und Zschopau statt. Als 1470 bei Schneeberg das Hauptsilberlager erschlossen wurde, da verließ der Bauer Acker und Pflug, der Handwerker Werkstatt und Heimatsort; alles strömte hinauf nach dem Schneeberg, um dort das erträumte Glück zu erjagen. Einzelnen gelang es; Hunderte kehrten als Bettler, getäuscht und verspottet, nach Hause zurück. Am Schneeberg sanken die uralten Fichten- und Eichen-, Buchen- und Ahornwälder unter der Köhleraxt dahin; sie alle verschwanden in den gierigen Schloten zahlloser Schmelzhütten. Am Anfange des nächsten Jahrzehntes begann ein Herr von Schönburg-Glauchau in Beierfeld bei Schwarzenberg nach Silber zu graben und den schon früher betriebenen Bergbau am Galgenberge bei Elterlein fortzusetzen. Im Jahre 1484 sehen wir weiter ein Bergwerk, die »Mönchsgrube« bei Wüstenschletta, später Marienberg, in Betrieb, während ein Jahr später eine ältere, am Eisenberg bei Geyer gelegene Fundgrube wieder aufgethan wird. Schließlich werden in derselben Zeit noch die Orte Breitenbrunn, Breitenbach, Ober- und Niederjugel in Urkunden erwähnt. Nicht minder zahlreich sind endlich aber die Zeugnisse von einem lebhaften Bergbaubetriebe zu Ehrenfriedersdorf, Wolkenstein, Grünhain u. a.
Aber alle die genannten Bergwerke erlangten nicht die Bedeutung, wie der gleichfalls inzwischen erschlossene Annaberger Bergbau. Am Pöhlberge ist schon 1442 auf St. Briccius Silber gefunden worden. Die erste sichere Nachricht stammt aus dem Jahre 1483. Der eigentliche Annaberger Bergbau aber knüpft sich ja an den Schreckenberg. Erst vom 31. Juli 1492 hat sich eine Urkunde erhalten, in der den Gewerken am Schreckenberge eine Münzfreiheit auf 6 Jahre gewährt wird. Die entstehende Ansiedelung erhielt unterm 28. Oktober 1497 Stadt- und Bergrecht und am 22. März 1501 den Namen St. Annaberg. Es entstanden alsbald zahlreiche Zechen; allein in den Jahren 1496–1499 waren es 51; in der Zeit von 1496–1530 sind nicht weniger als 380 Zechen in Betrieb gewesen. Neben dem Schreckenberge werden aber auch schon 1497 Bergwerke zu Buchholz genannt.
Der Eisenbergbau blühte in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, namentlich im Gebiete des Klosters Grünhain, sodaß sich der Abt dieses Klosters einen eigenen Bergmeister hielt und zu Elterlein und Waschleite seine Eisenhämmer besaß. Schließlich mag zum 15. Jahrhundert auch noch des beginnenden Kohlenbaues gedacht werden, insofern, als das schon genannte Kloster Grünhain um die Mitte dieses Jahrhunderts im Gemeindewald zu Bockwa bei Zwickau ein Kohlenbergwerk besaß, von dem es den Kohlenzehnten erhob.
Das darauffolgende, das 16. Jahrhundert, war der Entwickelung des erzgebirgischen Bergbaues im allgemeinen günstig, indem die Landesfürsten, wie Herzog Georg der Bärtige, Heinrich der Fromme und Moritz in den zuständigen Gebieten, nachmals aber Kurfürst August I., der große Volkswirt des 16. Jahrhunderts, im ganzen Lande dem Bergbau eine vorzügliche Pflege angedeihen ließen. 1515 wird das Bergstädtchen Brand gegründet, 1517 Gottesgab, Eibenstock, Jöhstadt, 1521 Marienberg; gleichzeitig wird Schlettau zur Bergstadt erhoben. 1522 ist Scheibenberg gegründet, 1526 Wiesenthal, 1532 Platten. 1534 werden wir durch eine landesherrliche Bergordnung mit dem Bergbau zu Schwarzenberg, Gottesgab und dem Zinnbau zu Platten bekannt gemacht; während in den Jahren 1515–1537 nach einem Annaberger Silberbuche zu Annaberg 86, Marienberg 17, Elterlein 4, Wiesenthal 2 und zu Scheibenberg 8 Zechen in Erzlieferung waren. Gleichzeitig deutet eine Urkunde vom Jahre 1538 auf den auch zu Olbernhau betriebenen Bergbau. In den 50er Jahren finden sich dann Zechen zu Lauterstein, zu Drehbach, zu Scharfenstein und 1556 der Zinnbau zu Eibenstock erwähnt. 1578 erfahren wir etwas vom Bergbau zu Wildenau, Dörfel und Jugel. Seit 1573 wird dann die Stahlfabrikation erwähnt, und 1561 schon begegnen wir zahlreichen Eisen- und Blechhämmern, namentlich in der Schwarzenberger und Eibenstocker Gegend. Seit 1561 finden wir die Torfstecherei im oberen Erzgebirge erwähnt. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurden die Marmorbrüche bei Crottendorf, 1583 die Serpentinsteinbrüche zu Zöblitz begonnen. Auch hatte man im Jahre 1577 noch den Versuch gemacht, zu Wolkenstein ein Salzwerk anzulegen, ohne damit jedoch einen Erfolg zu erzielen.
Im nächsten Jahrhunderte vernichtete der Dreißigjährige Krieg den Bergbau im Obererzgebirge fast ganz.
Nach W. Zöller.
2. In späteren Jahrhunderten.
Anfang des 19. Jahrhunderts zählte man auf dem Erzgebirge etwa 700 Gruben mit gegen 12 000 Bergleuten, während 50 000 Menschen vom Bergbau lebten.
Der Erzgebirgische Bergstaat bestand 1815 aus dem Oberbergamt und dem Oberhüttenamt zu Freiberg.
Unter dem Oberbergamt standen die beiden Oberzehntner- und Austeilerämter in Freiberg und im Obergebirge, die Bergakademie und die Bergämter Altenberg mit Berggießhübel und Glashütte, Annaberg, Freiberg, Geyer mit Ehrenfriedersdorf, Johanngeorgenstadt mit Schwarzenberg und Eibenstock, Marienberg, Scheibenberg mit Oberwiesenthal und Hohenstein, Neugeysing, Bärenstein, Seiffen.
Unter dem Oberhüttenamte standen alle Schmelzhütten und das Halsbrücker Amalgamirwerk. Dagegen waren die Saigerhütte Grünthal, das doppelte Blaufarbenwerk in Oberschlema, die Blaufarben-Kommunfaktorei in Schneeberg, das Pfannenstieler, Zschopauthaler und Schindlersche Blaufarbenwerk unmittelbar unter dem Geheimen Finanz-Kollegium.
Unter der Verwaltung des Oberberghauptmanns Freiherr von Herder, 1821 Berghauptmann, 1826 Oberberghauptmann, entwickelte sich auf Grund der alten Verfassung und eines edlen Standesgeistes ein außerordentlich reges bergmännisches Leben. Neue Maschinen wurden in Anwendung gebracht, das Schmelzwesen bedeutend verbessert, besonders seit der Einführung der Koaks im Hüttenwesen 1820, und das Ausbringen bedeutend erhöht, wenn es auch noch nicht den Umfang der neuesten Zeit erreichte.
Im Freiberger Revier baute man auf Silber und Blei, im Altenberger auf Zinn und Eisen, im Glashütter auf Silber und Vitriol, schwefelsaure Metallsalze, im Marienberger auf Silber, etwas Arsenik und Zinn, in Geyer und Ehrenfriedersdorf auf Zinn, Vitriol und Arsenik, in Annaberg auf Silber und Kobalt, im Scheibenberger Revier, welches jedoch in dieser Zeit schon einging, auf Silber, Kobalt, Eisen, Arsenik, im Johanngeorgenstädter auf Silber, Eisen, Zinn, Vitriol, Schwefel, und im Schneeberger auf Silber, Kobalt, Wismut, Eisen, Vitriol, Schwefel und Arsenik.
Nach Süßmilch.