Siebente Szene
Die Vorigen. Jakob Biegler
(Jakob Biegler: Mitte der Dreißig, sehr dürftig, doch nicht schmutzig gekleidet, Hose von grauem Bauernvelvet, vielfach geflickt und zu kurz. Altes, blankgewordenes Jakett, gleichfalls geflickt, darunter braune Strickweste. Defektes Schuhwerk. Wäsche nirgends zu sehn. — Gelbes, zermürbtes Gesicht mit scheuen Augen und kurzem, wildwachsendem Blondbart. Auftreten gedrückt, verhetzt, bisweilen in verzweifelte Rauheit umschlagend)
Biegler
Guten Morgen.
Marie
Sie wünschen meinen Vater zu sprechen?
Biegler
Herrn Zarncke — möcht' ich sprechen.
Marie
Heißen Sie Biegler?
Biegler (betroffen)
Ach so! — Sie wissen schon. Na — dann — (Macht eine halbe Wendung zur Tür)
Lenchen
(ist zu ihm gegangen und streckt die Hand empor)
Guten Tag!
Marie
(seinen Seelenzustand erkennend)
Mein Vater hat gesagt, wenn jemand mit Namen Biegler kommt, dann möcht' ich ihn rufen.
Biegler (erleichtert)
Ja, der bin ich.
Lenchen
Nu sag doch: Guten Tag.
Biegler
(sieht das Kind, ein leeres Lächeln geht über sein Gesicht. Er weiß nicht, was tun)
Lore (sie leise zurückrufend)
Lenchen!
Marie
Nehmen Sie's als gute Vorbedeutung, daß dies Kindchen Sie willkommen heißt.
Biegler
(sieht sie groß an, versteht nicht)
Erst — muß — ich — Herrn Zarncke — sprechen.
Marie (aufstehend)
Lore, klopf, bitte, im Vorbeigehn bei Vater an (leiser) und bring dem was zu essen. Er hat's nötig.
Lore (nickt)
Komm, Lenchen. (Mit dem Kinde ab)
Marie
Nehmen Sie so lange Platz, bitte.
Biegler
Ich kann auch stehen.
Marie (ab)