Zehnte Szene

Die Vorigen. Frau Homeyer. Marie

Frau Homeyer

(geht quer über den Platz zu der Gruppe hin)

Göttlingk

(sich rasch vom Wüterich in den Schwerenöter verwandelnd)

Oi, da kommt ja hoher Besuch, feiner Besuch, pikefeiner Besuch. Nu, mein süßes, strammes Frau Homeyerchen, mein —

Frau Homeyer (ihn abwehrend)

Man wird schließlich nich mal mehr unbelästigt auf den Platz kommen können.

Göttlingk

Aber Kindchen, Puppechen! Sie waren doch sonst nich so. Ich hab' Ihnen doch manches liebe Mal in Ihren warmen, sanften Oberarm gekniffen.

Frau Homeyer

Und haben immer noch von mir auf die Finger gekriegt.

Göttlingk

Aber gelächelt haben Sie dazu — so sieß! (Schmachtend) Ach, wie so sieß!

Frau Homeyer

Ach, Sie sollten sich was schämen. Dort vor der Tür steht das Fräulein. Das will Sie sprechen.

Göttlingk

Das Fräulein — mich? — Mich — das —? So! Na! Sie, Nachtwächter, Sie können abrutschen. Aber Sie werden mir noch Rede stehn. Verstanden? —

Lohmann (leise)

Hab man keine Bange vor dem!

Struve (leise)

Und wenn du für irgend was 'n Zeugen brauchst, ick beschwör' alles ... Unbesehn.

Biegler

Ich dank' euch schön.

Göttlingk

(dreht eitel seinen Schnurrbart)

Na, bin ich nu nobel genug fürs Fräulein? (Geht nach vorne links)

Frau Homeyer

(schaut verliebt hinter ihm her, einer der Steinmetzen umfaßt sie von hinten, sie schlägt nach ihm, die andern lachen, sie geht nach links)

Biegler (nach der Kantine ab)