28. August.

Ich hatte mir in Tindosoe schon Abends vorher das Pferd zur Weiterreise auf heute Morgens 5 Uhr bestellt; trotz dem mußte ich bis 7 Uhr warten.

Obwohl ich nur eine kleine Reise in das Innere des Landes machte, hatte ich doch volle Gelegenheit, all die Prellereien und Unannehmlichkeiten kennen zu lernen, welchen der Fremde in Norwegen ausgesetzt ist. – Ich glaube, daß es in ganz Europa kein Land geben mag, das hinsichtlich der Reiseverbindungen noch so in der Kindheit liegt wie dieses. Man bekömmt zwar überall Pferde, Wagen, Boote u. s. w., das Gesetz hat auch die Gebühren dafür festgestellt; leider ist aber Alles in den Händen der Bauern oder der Wirthe, und diese wissen den Fremdling durch ihr Zaudern, und durch ihre absichtliche Langsamkeit so zu quälen, daß er, um nur etwas schneller fort zu kommen, gezwungen ist, das Doppelte und Dreifache zu bezahlen. Die Stationen sind sehr klein, höchstens 1 oder 1¼ Meile lang; man muß daher alle Augenblicke Pferde wechseln. Kömmt man nun auf die Station, so ist entweder wirklich kein Pferd vorhanden, oder es wird nur so vorgegeben. – Dem Fremden wird dann gesagt, daß man das Pferd erst vom Berge holen müsse, daß er aber in 1½ bis 2 Stunden befördert werde. – Man fährt also eine Stunde um dann zweie warten zu können. Es ist auch höchst nöthig ein ganzes Register zu führen; denn jede Kleinigkeit, der Wagen, der Sattel, das Pferdegeschirr, das Holen des Pferdes, das Boot u. s. w., Alles muß bezahlt werden. Weiß man nun nicht die dafür bestimmten Taxen, so wird man auch hierin tüchtig betrogen. Auf jeder Station liegt zwar ein Buch, in welchem sie angegeben sind; es ist aber nur in der Landessprache, und also für den Fremden so gut als gar nicht vorhanden. Man kann in dieses Buch, das alle Monate dem nächsten Gerichte vorgelegt werden muß, auch seine Klagen gegen Bauer oder Wirth einzeichnen; jedoch scheinen Beide nur wenig Furcht davor zu haben, denn der Führer z. B. der mich nach dem Rykanfosser Falle begleitete, suchte mich zweimal auf die unverschämteste Weise zu prellen, indem er für den Gebrauch des Sattels das Achtfache, und für das Holen des Pferdes das Sechsfache begehrte. Als ich ihm mit dem Strafbuche drohte, kehrte er sich wenig daran, und bestand derart auf seiner Forderung, daß ich ihn wirklich bezahlen mußte. Bei meiner Rückkehr nach Mael hielt jedoch auch ich Wort, forderte das Buch, und zeichnete in Gegenwart aller Bauern, obwohl ich mich ganz allein unter ihnen befand, meine Klage ein – Es war nicht der Geldbetrag, was mich dazu bewogen, sondern nur die niederträchtige Prellerei. Ich bin der Meinung, daß jeder Mensch sich stets beschweren soll, wenn ihm Unrecht geschieht; wird auch ihm selbst nichts vergütet, so macht er es vielleicht doch für seinen Nachfolger leichter.

Zum Lobe der Bauern muß ich sagen, daß, als ich ihnen die Betrügereien ihres Landsmannes erklärte, sie sehr ungehalten über ihn waren, und durchaus keinen Versuch machten, mich von der Klage abzuhalten.

Um nun noch zum Schlusse meiner Reise zu kommen, so bemerke ich nur, daß der Regen zwar aufgehört hatte, der Himmel jedoch noch immer mit Wolken bedeckt, und die Gegend in Nebel gehüllt war. Ich nahm deßhalb den frühern kürzern Weg nach Christiania zurück, obwohl ich dadurch um eine schöne Partie kam, wo ich, wie man mir sagte, eine der herrlichsten Gegenden, und besonders der schönsten Fernsichten Norwegens gesehen hätte. Man kann nämlich von Kongsberg über Kroxleben nach Christiania gehen. Bei Kroxleben ist diese herrliche Gegend.

Doch meine Zeit war zu kurz, um diesen Umweg machen zu können, und ich ging über Drammen zurück. Eine Meile hinter Kongsberg, in dem Oertchen Muni, wo ich gegen 7 Uhr Abends ankam, wollte mich der liebenswürdige Wirth abermals zwei Stunden auf ein Pferd warten lassen. Da mir dasselbe wahrscheinlich auf jeder Station geschehen wäre, so war ich gezwungen ein Pferd gleich auf die ganze noch übrige Strecke von 6 Meilen, bis Christiania, um den dreifachen Betrag zu miethen, legte mich dann auf einige Stunden zur Ruhe, fuhr in der Nacht um 1 Uhr ab, und erreichte Christiania glücklich gegen 2 Uhr Nachmittag.

Ich fand auf dieser Reise alle jene Leute sehr gut und gefällig, die mit mir in keine Geldverbindung kamen, aber die Wirthe, Bootführer, Fuhrmänner, Führer u. s. w. waren eben so eigennützig und habsüchtig, wie in allen andern Ländern. – Ich glaube, daß man bei diesen Leuten Biederkeit und Treuherzigkeit nur dort fände, wo man das Glück hätte der erste Reisende zu sein.

Diese kleine Reise kam mich ziemlich theuer, und dennoch getraute ich mich auch dieses bekannt theure Land ziemlich billig zu durchreisen. Ich würde mit dem Dampfschiffe die Küstenreise bis Hammerfast machen, dort mir ein gutes Pferd und ein Wägelchen kaufen, und dann die Reise mitten durch das Land recht angenehm und ohne Aerger fortsetzen. Einer Familie aber, die in einem gedeckten bequemen Wagen fahren wollte, käme diese Reise über alle Maßen hoch, und wäre wohl an manchen Stellen, der schlechten Wege halber, gar nicht ausführbar.

Das norwegische Landvolk ist kräftig und stark, ihre Gesichtszüge gehören aber gerade auch nicht zu den hübschen und anmuthigen; – auch schienen sie mir weder wohlhabend noch Reinlichkeit liebend zu sein. Sie waren meistentheils sehr ärmlich gekleidet, und gingen barfuß. Ihre Hütten, von Holz erbaut, und häufig mit Ziegeln gedeckt, sind zwar geräumiger als jene der Isländer, aber nichts desto weniger schmutzig und armselig. Eine Schwäche der Norweger scheint der Kaffee zu sein. Sie trinken ihn schwarz und ohne Zucker. – Die alten Weiber rauchen so gut wie die Männer des Abends und des Morgen ihr Pfeifchen.

Von Christiania bis Kongsberg 9deutscheM.
Von Kongsberg bis an den Wasserfall Labrafoß 1""
Von Kongsberg nach Bolkesoe 3""
Von Bolkesoe bis Tindosoe""
Von Tindosoe über den See nach Maelen""
Von Maelen bis an den Wasserfall Rykanfoß""
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22½Meilen.