Aufenthalt in Berlin. – Rückkehr nach Wien.
Ich sah noch nie eine schöner und regelmäßiger gebaute Stadt als Berlin – die eigentliche Stadt Berlin; – höchstens können die vorzüglichsten Straßen, Plätze und Paläste Kopenhagens einen Vergleich mit ihr aushalten.
Ich konnte mich nur einige Tage da aufhalten, und hatte daher kaum Zeit, das Merkwürdigste und Interessanteste zu besehen.
In einem ziemlich nahen Umkreise liegen die herrliche königl. Residenz, die ausgedehnten Gebäude der Bildergallerie und der Museen, der große Dom u. s. w.
Die Domkirche ist groß und regelmäßig; an jeder Seite des Einganges steht eine Kapelle, die mit eisernen Gittern umgeben ist. Einige Könige liegen hier begraben, und alterthümliche Sarkophage decken die Grüfte, die unter dem Namen der Königsgräber bekannt sind. Unweit davon sieht man ein schönes, in Erz gegossenes Monument, unter welchem ein Graf Brandenburg ruht.
Die katholische Kirche ist im Style der Rotonde zu Rom gebaut, nur erhält sie nicht wie diese das Licht von oben, sondern durch Fenster, die rund herum im Kreise angebracht sind. Schöne Statuen, und ein einfacher aber geschmackvoller Altar sind die einzigen Zierden der Kirche. An dem Porticus sieht man kunstvolle Reliefs.
Die Werderische Kirche stammt aus neuerer Zeit, ist aber ganz im gothischen Style gehalten. Die Thürme schmücken schöne Bronce-Relief's. Die Wände im Innern der Kirche sind mit Holztafeln ausgelegt, die bis an die Gallerien reichen, und färbig eingelegt sind. Sie endigen in gothisches Schnitzwerk. Die Orgel hat einen klaren, starken Ton. Die Brüstung vor derselben enthält ein Gemälde, das man auf den ersten Blick eher für eine Fantasie aus der Göttergeschichte, als für ein Heiligenbild halten würde. Eine Menge Amoretten schweben zwischen Blumengewinden, und umgeben drei schöne weibliche Figuren.
Ganz nahe an dieser Kirche stehen das Münzgebäude und die Bauakademie. Ersteres ist mit schönen Bildhauerarbeiten geschmückt, Letzteres ist von viereckiger Form, mit ziegelrother Farbe angestrichen, ohne alle Architectur, und gleicht ganz einem ausgezeichnet großen Privat-Gebäude. Das untere Geschoß ist zu glänzenden Kaufmannsladen verwendet.
In der Nähe der Residenz liegt der Opernplatz, auf welchem außer dem berühmten Opernhause, auch noch das Zeughaus, die Universität, die Bibliothek, die Akademie, das Wachthaus, und einige königl. Paläste, u. s. w. stehen. – Der Platz selbst ist mit drei Statuen der Generäle: Graf Bülov, Graf Scharnhorst und Fürst Blücher geziert. Alle drei sind sehr schön gearbeitet; nur gefällt mir ihr Costume nicht, welches aus ganz gewöhnlichen Tuchmänteln besteht, die, vorne auseinander geschlagen, einen Theil ihrer Pracht-Uniform erblicken lassen.
Das Zeughaus ist eines der prachtvollsten Gebäude Berlin's; es bildet ein schönes Viereck. – Da zu der Zeit, als ich mich in dieser Stadt befand, einige kleine Ausbesserungen im Zeughause statt fanden, so war es für den Fremden geschlossen. Ich begnügte mich daher durch die Fenster im Erdgeschoße zu sehen, wo ich ungeheure Säle erblickte, in welchen ganze Reihen großer Kanonen aufgepflanzt waren.
Das Wachthaus ist gleich daneben, und gleicht mit seinem Säulenporticus einem artigen Tempel.
Des Opernhaus bildet ein längliches Viereck, es steht von allen Seiten frei. Es würde sich ungemein besser ausnehmen, wenn die Eingänge nicht so jämmerlich aussähen. Jener an der Hauptfaçade gleicht einer engen, ärmlichen Kirchthüre, er ist schmal, und von dunkler Farbe. Die untern Eingänge sind noch niedriger, und man vermuthet durchaus nicht, durch sie in solch ein Pracht-Lokale zu gelangen. – Die innere Einrichtung des Theaters ist über alle Beschreibung luxuriös und bequem. Im Parterre reihen sich höchst bequeme, herrlichst gepolsterte Stühle, die mit breiten, ebenfalls gepolsterten Lehnen versehen sind, an einander; sie werden nicht gesperrt, sondern offen gelassen; jeder Stuhl ist mit einer Nummer bezeichnet. Die Logen sind durch kaum fußhohe Wände geschieden; man sieht da die elegante Welt wie auf Tribunen sitzen. Die Stühle im Parterre, so wie die Logen des ersten und des zweiten Ranges, sind mit dunkelrothem Seidendamast überdeckt. Die königliche Loge ist ein herrlicher Salon, dessen Boden die feinsten Teppiche bedecken. – Den Plafond des Theaters schmücken schöne Oelgemälde, die in zierlich goldenen Rahmen gefaßt sind. Das größte Meisterwerk aber ist der ungeheure Luster. Er sieht so massiv in Bronce gearbeitet aus, daß einem ordentlich bangt, diese schwere Masse so frei in der Luft über den Köpfen der Zuseher schweben zu sehen. Das Ganze ist aber nur Täuschung, denn er soll aus Pappe zusammengesetzt, und blos broncirt sein. Eine Unzahl Gasflammen verbreiten das heiterste Licht. – Nur Eines geht mir bei so schönen und neu erbauten Theatern ab, – daß nirgends eine Uhr angebracht ist, – eine Sache, die man fast in jedem italienischen Theater findet.
Die übrigen Gebäude und Paläste auf dem Opernplatz zeichnen sich sowohl durch ihre Größe, als auch durch ihre schöne Bauart aus.
Eine ganz außerordentlich breite, steinerne Brücke mit künstlich gearbeitetem ehernem Geländer führt über einen kleinen Arm der Spree, und verbindet den Opernplatz mit jenem, auf welchem die Residenz steht.
Das königliche Museum gehört auch unter die vorzüglichsten Bauten; – schöne Fresken zieren den hohen Porticus. – Die Bildergallerie enthält manches Meisterwerk; und sehr bedauerte ich, für diese Schätze, so wie auch für die Antiken nicht mehr Zeit gehabt zu haben, – ich durchflog Beide in drei Stunden.
An die Akademie schließt sich eine ungemein breite und lange Straße, in welcher Reihen von Linden stehen, die ihr den Namen unter den Linden gegeben haben. Diese Alleen bilden den freundlichsten Spaziergang nach dem schönen Brandenburger Thor, vor welchem der Thiergarten liegt. – Unter den Straßen, welche in den Linden auslaufen, sind die längsten und hübschesten die Friedrichs- und Wilhelmsstraße. Die Leipzigerstraße, welche zwar nicht hier ausmündet, gehört auch noch unter die vorzüglichsten.
Auf dem Gensd'arme-Platz zeichnen sich die französische und deutsche Kirche, jedoch nur durch ihre herrliche Außenseite, durch ihre schönen hohen Kuppeln, Säulen und Porticus aus; die Kirchen selbst sind klein und unbedeutend. Auf diesem Platze steht auch das königliche Schauspielhaus, ein geschmackvolles, ausgezeichnet schönes Gebäude, das mit vielem Säulenwerk, den Musen und andern Statuen geziert ist.
Den Thurm, auf welchem sich der Telegraph befindet, bestieg ich der Aussicht halber, die man da über die Stadt und deren einförmige, flache Gegend hat. – Ein recht höflicher Beamter war so gütig, mir die Zeichen des Telegraphen zu erklären und erlaubte mir auch, durch die Fernröhre auf die entfernten Telegraphen zu sehen.
In der Königsstadt, die unweit der königl. Residenz am jenseitigen Ufer der Spree liegt, ist nicht viel zu sehen. Die Hauptstraße Königsstraße, ist zwar lang, aber schmal und etwas schmutzig. Ueberhaupt herrscht hier ein mächtiger Abstand gegen die eigentliche Stadt Berlin; die Gassen sind enge, kurz und mitunter auch winklicht. Die merkwürdigsten Gebäude sind die Post und ein Theater.
Der Luxus in den Auslagen der Waaren ist hier an einigen Plätzen und Straßen bedeutend. Manche Spiegelwand und manches Spiegelfenster erinnerte mich an Hamburgs Pracht, doch steht sie dort noch auf ungleich höherer Stufe als in Berlin.
An Ausflügen besitzt Berlin nicht viel, da die Umgebung größtentheils flach und einförmig ist. – Die einigen interessanten sind der Thiergarten, Charlottenburg, und jetzt, seit die Eisenbahnen Alles nahe bringen, auch Potsdam.
Der Thiergarten liegt gleich außerhalb des Brandenburger Thores; er ist in mehrere Partieen getheilt, deren eine mich ganz an unsern beliebten Prater erinnerte. – Schöne Alleen waren voll von Wagen, Reitern und Fußgängern; zierliche Kaffeehäuser belebten die freundlichen Waldpartieen und auf den grünen Plätzen schäckerten fröhliche Kinder. – Ich fand mich so sehr in meinen lieben Prater versetzt, daß ich mich nur wunderte, keine bekannten Gesichter zu sehen, keinen herzlichen Gruß zu empfangen. – Auf dieser Seite des Thiergartens steht auch das Krollische Casino; auch Wintergarten genannt. – Ich weiß nicht, wie ich dieß Gebäude nennen soll; – es ist ein wahrer Feenpalast. Alles was man sich Kostbares an Einrichtung, Vergoldung, Malereien, Drapirungen u. s. w. zu denken vermag, findet sich hier in herrlichen Säälen, Salon's, Tempeln, Galerien, Logen, u. s. w. vereint. Der Hauptsaal, welcher für 1800 Couverts Raum hat, erhält sein Licht nicht nur durch große Fenster, sondern auch durch eine Glasdecke, die sich als Dach darüber wölbt. Ganze Reihen von Säulen stützen hier Gallerien oder scheiden die kleinern Sääle vom Hauptsaale. In den Fensternischen, in den Ecken, um die Säulen, überall stehen duftende Blumen und Gewächse in zierlichen Töpfen und Vasen, welche dieses Lokale im Winter in einen wahren Zaubergarten umschaffen mögen. Alle Sonntage finden hier Conzerte und Reunionen statt, zu welchen der Zudrang des Publikums außerordentlich ist – trotz dem, daß nicht geraucht werden darf. – Dieses Lokale soll Raum für 5000 Menschen haben.
Die Seite des Thiergartens, welche sich gegen das Potsdamer Thor zieht, gleicht mit den beschnittenen Alleen, Blumenbeeten und Terassen, Inseln, Goldfischteichen u. s. w. einem vollkommenen Ziergarten. Hier besuche man die Luiseinsel, auf welcher ein schönes Denkmal der Königin Luise zu sehen ist. – Auf der Seite des Ziergartens ist das Kaffeehaus Odeon das vorzüglichste, es kann sich aber in keiner Art mit dem Krollischen Casino messen. – Hier stehen auch ganze Reihen der elegantesten Landhäuser, worunter die meisten im italienischen Style gebaut sind.