Der Karst und die Grotte von Adelsberg.
Es ist etwas Eigenes um jene vielgerühmten Stellen, die zu Zielpunkten eines allsommerlichen Touristenstromes geworden sind. Seit sie jedes Reisehandbuch bespricht, seit sie nur noch durch die Spießrutengasse der Spekulation zu erreichen sind und sich das reisende Volk aller Winde an ihnen sammelt, wirken sie auf den selbständigen Touristen nur noch mit halber Anziehungskraft. Es mutet ihn an, als ob sie durch den ihnen überreich dargebrachten Tribut gelitten hätten, und das Reizendste an ihnen, die Frische und Unmittelbarkeit des ersten Eindrucks dahin sei.
Allein wochenlang am Karst und in seiner nächsten Nähe zu flanieren, mit der größten Gefahr für die lieben Knochen sein Karrengefelse zu durchwandern, um einige Fledermaus- und Taubenhöhlen, einige seiner in verlorenen Schluchten rauschenden Quellen und kleinen Seen zu sehen, ohne einmal das berühmteste unter den vielen Wundern dieses eigenartigen Gebirges, die Adelsberger-Grotte, zu schauen, wäre denn doch gegen mein Gewissen gegangen.
Sie ist zwar auch eine jener Sammellinsen des Fremdenverkehrs, eines jener Schaustücke, an die man mit dem Gefühle herantritt, es möchte sich um eine abgegriffene Münze handeln. Als ich sie aber sah, da wurde ich aus einem Saulus ein Paulus.
Der frühe Osterschein flutete wonnig auf den blauen Golf von Triest, als der Kurierzug meinen liebenswürdigen Gastgeber, Direktor Johannes Heer von Monfalcone, und mich aus dem Bereiche voll entfalteten Lenzes, aus der klassisch schönen Meerlandschaft von Duino und Miramar in das noch winteröde Karsthochland von Nabresina und Sesana trug.
Der Schienenweg dahin bildet eine gewaltige, nach Norden ausweichende Schlinge, die sich nach einem vierzig Kilometer langen Weg bei Sesana wieder bis auf zwei Stunden dem adriatischen Handelsemporium nähert.
Die fahlen Steinklippen der Gegend von Nabresina erscheinen, nachdem man die Duftwellen des Frühlings von Miramar geatmet, unsäglich vegetationsarm, ärmer, als sie in Tat und Wahrheit sind; denn das Pflanzenleben hat sich in die Dolinen, die merkwürdigen Gesteinskessel des Karsts, zurückgezogen. Da feiert es, vor der Bora geschützt, seinen einsamen, wenig beobachteten Frühling und bedeckt die rötliche Erde dieser Vertiefungen mit dem Schnee fallender Olivenblüten.
Nähert man sich Sesana, so schimmert der weiße Steinobelisk von Obcina, der von Triest aus gesehen auf steiler Bergeshöhe steht, horizontal über das Plateau her. In dem freundlich aus grauen, wenig bebuschten Karren emporsteigenden Ort sind wir bereits drei und ein halbhundert Meter über Meer. Ein Hauch des Nordens zieht hier selbst im Sommer, wenn Triest zum unausstehlichen Glühkessel wird, durchs Land. Darum ist Sesana die Sommerfrische der reichen Triestinerfamilien, deren Landhäuser aus kleinen, dem Karst abgerungenen Gärten heraus auf die im einzelnen ebenso bizarren, als im ganzen einförmigen Steinklippen schauen.
Allmählich geht die Gegend in ein Gebirgsland über, dessen Bodenerhebungen nur hügelartig als ein Wirrsal von Geröllkuppen über die Landschaft steigen. Als wäre ein weiter, gewaltiger Bergsturz über das Land gegangen, starrt, wohin immer der Blick auch streift, das lichtgraue, zerklüftete Gefelse auf. Wilder Thymian und andere kleine Heidekräuter überwuchern es, ohne die grenzenlose Blöße des Landschaftsbildes zu verhüllen.
Der Karst ist ein weites Gebirge; denn der Hirt der Tolmeinberge, der seine Ziegen unter dem Predilpasse weiden führt, und der montenegrinische Schäfer am Scutarisee hüten ihre Tiere an seinen Gehängen. Er bildet abgeschlossene Talbecken, wo ein Seespiegel oder ein Wasserfaden glänzt, der aus dem Berge sprudelt, sich lustig im Lichte sonnt, bis er sich wieder in einen Höhlengrund stürzt und, dem menschlichen Blick entzogen, eine tolle Welt von Tropfstein baut. Die Hänge und die Höhen aber dürsten wie der reiche Mann in der Gehenna.
Ein toniger Humus, die terra rossa, füllt die Karstklüfte und Mulden aus. Er ist der Träger der Pflanzenwelt und, wo genügend Wasser vorhanden ist, ungemein fruchtbar. Man sagt, daß die Bauern auf den Miniaturäckern, welche im Grunde der Gebirgstrichter liegen, drei Jahre Weizen ernten können, ohne zu düngen. Allein die Felder und fruchtbaren Talböden bedecken nur ein Fünftel des Karsts; mehr als die Hälfte ist Weide; doch gibt es unter diesen Weiden Flächen von der Größe eines Quadratkilometers, wo sich keine Ziege satt fressen könnte; der Rest ist Wald, aber stundenweit steht kein armsdicker Baum. Nur im Ternovanerwald bei Görz schlägt man noch Mastbäume; im Tiergarten von Duino stehen dunkle, große Terebinthen, und in Lippiza bei Sesana weiden die Füllen eines Gestüts im Schatten eines Hochwaldes. Der übrige Wald ist ein lichtes Gebüsch von Eichen und Wachholder, Ahorn und Pappeln, welches die Klippen begrünt.
Auf einer solchen Waldoase ruht das Auge, wenn der Zug an einer Berglehne hinbrausend ins Tal der Reka tritt, eines kleinen Karstwassers, das seine Wellen plaudernd gegen St. Kanzian hinunterträgt, wo es sich in einem Felsenschlund verliert. Man nimmt an, daß die Dolinen des Plateau von Nabresina das unterirdische Flußbett der Reka zu den drei mächtig aufrauschenden Quellen des Timavo andeuten.
Längs der Eisenbahn stehen hölzerne und steinerne Schutzwehren gegen die Bora, graue, unheimliche Bauten, die auch dem im goldenen Sonnenschein durch den Karst fahrenden Fremden nahe führen, wie wild die Geister der Luft in dieser Felswüstenei zuweilen ihre Sturmorgien feiern. Zu solchen Zeiten leisten die Bahnangestellten dieser Gegend den Sicherungsdienst mit Steigeisen an den Schuhen. Sogar die Gewalt der Lokomotive bricht sich zu Winterszeiten hin und wieder an den von der Bora geteilten zusammengewehten Schneemassen, so daß der Verkehr auf dieser Linie stockt. Dann mögen sich die Reisenden, die in einem armseligen Karstdörfchen eingeschneit auf Erlösung warten, sehnsüchtig an die Beefsteaks Wiens oder die Meerfische Triests erinnern!
Die Bora steht ebenso sehr durch ihre Kälte als durch die explosionsartige Heftigkeit ihrer Stöße in Verruf; allein so erstarrend sie auch auf den Körper wirkt, ihre Temperatur sinkt selten auf den Gefrierpunkt, und das Kältegefühl, das sie erzeugt, beruht aus einem subjektiven Vorgang, auf der durch die Trockenheit des Windes hervorgerufenen, lebhaften Verdunstung der Haut.
Man hat, ähnlich wie zur Ergründung des Föhns, zu dem die Bora so recht die Kontrasterscheinung bildet, allerlei künstliche Theorien herbeigezogen, um ihr Wesen zu erklären; die neueren, meteorologischen Forschungen haben indes erwiesen, daß sie einfach der Abfluß eines hohen Luftdruckes, der über den Saveländern lagert, gegen das Adriabecken ist.
Nirgends tritt die vegetationsertötende Wirkung dieses Windes und die grenzenlose Armut des Karsts so überredend vor den Blick, wie bei St. Peter, der zweiten Station von Adelsberg.
Überschaut man diese Öde, so glaubt man es kaum, doch ist es durch geschichtliche Dokumente bezeugt, daß der Karst einst mit nur unterbrochenem Hochwald bestockt war. Im Volke lebt die Sage, die Venetianer hätten die gewaltigen Eichenhaine geschlagen, um Bauholz für ihre Flotten zu gewinnen. Da sei der Fluch der an die Schiffsplanken hingeschmiedeten Galeerensklaven über die Heimat des Schiffsholzes gekommen, und die Forste seien abgestanden.
Vox populi, vox Dei! Nur hier nicht. Venedig hat lange vor andern Staaten in seinen Provinzen für die Erhaltung des Waldes Sorge getragen, und als der Markuslöwe seine Flügel über die Karstländer schlug, da war das Hauptwerk der Forstverwüstung bereits getan. Die Jahrhunderte alte Schuld trägt die Mißwirtschaft der Gemeinden, der Karstbauer mit seinem Weidgang.
Eigentlich virtuos geht man in einigen Gegenden Istriens gegen den Wald vor, wo der »contadino« nicht warten mag, bis sich durch die Wurzeltriebe etwas verkäufliches Staudenwerk gebildet hat, sondern die Wurzeln selber ausgräbt und in die nahen Städte zu Markte führt.
Unter dem wenigen Guten, das man dem österreichischen Großgrundbesitz nachreden kann, gehört das vielleicht zum Besten, daß er in den Karstgegenden am meisten die Kraft besaß, den ursprünglichen Hochwald, so die schönen Buchenhaine Oberkrains, in die Gegenwart herüber zu retten, während die Gemeinden ihre einstigen Forste, soweit sie nicht der vegetationslosen Öde gewichen sind, auf Niederwald herabgewirtschaftet haben, der je nach der Holzart alle sieben oder vierzehn Jahre geschlagen wird.
Die christliche Legende erzählt, der blinde Missionar Beda habe, von einem Knaben irre geführt, einst den Steinen gepredigt; da hätten diese statt der Menschen gerufen: »Amen! Amen!« Auch die nackten Karstklippen rufen. »Gebirgsvölker, schont den Wald!« rufen sie.
Seit drei Jahrzehnten macht sich eine Bewegung, deren Seele der k. k. Forstrat Ritter von Guttenberg ist, für eine Verbesserung der Waldverhältnisse des Karstes geltend. Das große Losungswort heißt: »Wiederaufforstung« und Gesetz bietet die staatliche Grundlage für die Wiederbewaldung wenigstens des küstenländischen Karsts. Man hofft, durch diese die Gewalt der Bora zu brechen, die Bodenfeuchtigkeit zu vermehren, die seit der Entforstung gesteigerten Gegensätze des Klimas zu mildern und nach und nach den durch Gewitterregen weggeschwemmten Humus wieder zu gewinnen.
Es liegt etwas Großartiges in diesem Plan. Allein die Anlagen sind teuer, und Wien ist weit; ja die Karstgemeinden selber leisten Widerstand; der Bauer läßt sich seinen Weidgang nicht gern beschränken. Ob der Karst je wieder im Schmuck eines geschlossenen Hochwaldes prangen wird? Künftige Generationen werden es sagen können. Wer ihn jetzt bei St. Peter sieht, kann es kaum glauben.
Anders schaut die Gegend schon bei der folgenden Station aus, bei Prestanek, wo das grüne Wald- und Wiesental der Poik, das sich zur Linken öffnet, unsern Blick aus dem Klippengrau erlöst, und langen wir auf der Station Adelsberg an, so grüßt das kleine Städtchen gar freundlich aus weitem grünem Talgrund auf. Nur die öden Berglehnen verraten, daß wir uns noch mitten im Karst und zwar auf seiner höchstgelegenen Station, 583 Meter über der See, befinden.
Es war uns eine Herzenserleichterung, als wir aus dem engen Bahnwagen hinaus in den österlichen Sonnenschein traten. Um der Zudringlichkeit der Führer und Hotelwerber ein rasches Ende zu bereiten, vertrauten wir uns dem eleganten Omnibus des Adelsbergerhofes an. Während die Pferde davontrotteten, überblickten wir von seinem Imperiale herunter das bergumrahmte, grüne Tal, auf welches von kahlem Felsgipfel ernst und streng die Trümmer der Burg Adelsberg herunterblicken.
Bald hatten wir den »Markt« erreicht, wie sich Adelsberg in der Rangstufe österreichischer Ortschaften nennt. Seine stattlichen, blankgeweißten Häuser mit den Flachziegeldächern muten uns mehr deutsch denn slavisch an. Bei seiner hübschen Pfarrkirche vorbei gelangen wir zu dem großen, modernen Hotelbau des Adelsbergerhofes im Norden des Städtchens.
Dem goldig herniederflutenden Ostersonnenschein zum Trotz schien außer dem Omnibusführer das gesamte Hotelpersonal noch im Winterschlaf zu liegen, bis endlich ein erwachsendes Dornröschen, eine junge, wenig gesprächige Dame erschien und das Halbdutzend Grottengäste, die sich im Hausflur zusammengefunden, in die nächsten Räume wies. Während sie wieder für ein Viertelstündchen unsichtbar wurde, bemerkten wir, die Fensterläden öffnend, daß wir uns in einem sehr hübsch ausgestatteten Lesesaal, aber jedenfalls noch nicht in der haute saison von Adelsberg befanden.
Allein am Dornensträuchlein der Geduld wuchs denn doch ein frugaler Morgenimbiß auf, und bald kam die Nachricht, daß sich in den verschiedenen Gasthöfen der Stadt etliche dreißig Fremde zum Besuche der Grotte eingefunden hätten und ihre Beleuchtung um halb elf Uhr in Szene gehen könne.
So hatten wir uns denn in der Voraussetzung, es werde der Ostermontag, dieser in Nord und Süd gleich beliebte Ausflugstag, auch ein Häuflein Neugieriger am Grottentor von Adelsberg versammeln, nicht getäuscht. Es ist für die Touristen, welche alljährlich zu den Höhlenwundern der krainischen Berge pilgern, ein wahres Glück, daß die Tropfsteinunterwelt von Adelsberg eine Staatsdomäne und so der Privatspekulation entzogen ist. Sie steht unter einer aus Staats- und Gemeindebeamten zusammengesetzten Verwaltung, welche den Grottenbesuchern durch eine wirklich liberale Besuchsordnung entgegenkommt und den Grottenapparat, den Führerdienst, die Wege und die Beleuchtung in einen Stand gesetzt hat, der allen Ansprüchen genügt.
Ihre spekulative Mäßigung sticht wohltuend ab von der Touristenschererei der Hotels. Ihr hat es Adelsberg zu verdanken, daß es ein so blühender Touristenort ist, der seine zweitausend Einwohner unmittelbar oder mittelbar durch den Fremdenverkehr ernährt.
Eine hübsche Allee junger Linden führt längs eines nicht gar hohen felsklippigen Bergrückens zum Eingangstor der Grotte, die als ein stundenlanges Labyrinth den Leib dieses Höhenzuges mit ihren Tropfsteingängen durchzieht. An die grauen, mit spärlichem Eichenwuchs geschmückten Hänge schlängelt sich ein dunkelglänzendes Wasserband, die Poik heran, und verliert sich, nachdem sie noch ein klapperndes Mühlenrad geschlagen hat, mit raschem Wellenzug ins Innere des Berges.
Eine gar gemischte Gesellschaft standen wir erwartungsvoll am gotischen Gittertor und wehrten den zudringlichen Jungen, welche zierliche Tropfsteingebilde und Erinnerungsstücke feilboten und mit jeder Minute um fünf Kreuzer billiger wurden.
Endlich kamen die Führer und Grottenwächter, alles ältere Leute in zerschossenen Knappentrachten, die Bergmannslaterne im Gürtel, dahergeschritten. Der Riegel klirrte; die Karawane, in welcher die Gestalt eines mit Fez und weißem Filzmantel angetanen bochesischen Magnaten besonders hervorstach, zog, nachdem sie zum Schutz gegen die nur 8–9° R betragende Höhlentemperatur die Überröcke und Shawls umgeworfen, in die Grotte ein.
Die ersten fünfzig Schritte boten nichts Bemerkenswertes, und schon wollten wir unserer kühlen Stimmung recht geben, da horch – verlorenes Wasserrauschen – da sieh – eine weite Halle über uns und herrlich hereinflutend eine Garbe elektrischen Lichts. Wir selber stehen hoch auf einer Felsengalerie über einem Höhlenabgrund, in dem mit flimmernden Wellen der unterirdische Fluß durchs Halbdunkel zieht.
Es geht allen Besuchern gleich. Sie sind bezaubert vom Anblick des »großen Doms«, der gewaltigen Halle, mit welcher die Adelsberger Grotte kaum 30 Meter vom Eingang überrascht. Und doch muß das Auge sich erst an die Kontrastlichter gewöhnen, in denen Höhlendunkel und elektrische Flamme sich widerstreiten, ehe es die gewaltige Deckenspaltung und die Höhe des weiten Raums ermißt. Mögen die Führer in ihren ledernen Erklärungen jene zu 45, diese zu 28 Meter angeben, auch in der dürftigsten Seele ist die Phantasie machtvoll erwacht, und den Meterstab bei Seite setzend, mißt sie den Naturdom nur mit ihrer bewundernden Andacht aus.
Etwas unendlich Geheimnisvolles, Düsterschönes, liegt in dem weltabgeschiedenen Raum. So mag die ahnende Seele des Griechen sich die Ufer der Lethe und den Totenfluß selber vorgestellt haben, wie hier die Poik zwischen feuchten Felsensäumen strömt.
Die Wände und das Gewölbe des großen Domes sind zwar arm an jenen wundersamen Tropfsteingebilden, welche die Zierde anderer Grottenteile bilden; aber gerade durch dieses Zurücktreten der Einzelformen wirken die gewaltigen Ausdehnungen hinreißend auf die Phantasie.
Im Innersten erregt, schreiten wir die Stufen der westlichen Wand zu einer Naturbrücke hinab, unter welcher die Poik rauschend aus dem Höhlengestein quillt, um ihre im Licht erzitternden Wasser nach doppelt gekrümmtem Laufe bei den Ostfelsen des unterirdischen Münsters wieder in unerforschte Höhlenschachte einzusargen.
In den verborgenen Wasseradern und in den Tümpeln der Grotte lebt ein seltsames Tier, ein spannenlanger, aalähnlicher Lurch von farblosem oder hübsch rosa angehauchtem Leib, mit vier zierlichen Beinchen und noch viel zierlichern, roten Kiemenbüscheln, der Olm. Der lichtscheue, kleine Geselle kommt nur etwa nach langem Regenwetter und am häufigsten in der mit der Adelsberger in Verbindung stehenden Magdalenengrotte zum Vorschein, hat aber den Gelehrten schon viel zu reden gegeben; denn er ist einer der Hauptzeugen für die Darwinsche und Häckelsche Anpassungstheorie. Sie haben ihn mit dem Namen des Proteus belegt, da er wie dieser sich verwandeln kann. Je nachdem er in tiefem oder seichtem Wasser lebt, ist er Kiemen- oder Lungenatmer, gewissermaßen also Fisch oder Vogel. Ein Führer, der uns in einer Wasserflasche ein solches Tierchen zeigte, behauptete, daß es jahrelang ohne Nahrung lebe.
Jenseits der Naturbrücke, welche über die Poik führt, steht, damit wir ja nicht vergessen, daß wir, wenn auch im Berginnern, doch immer noch im loyalen Österreich sind, ein Denkmal, das in den devotesten Ausdrücken der Untertanenehrfurcht die Erinnerung an Franz I. feiert, der den großen Dom im Jahre 1816 besucht hat, und wandern wir auf einer künstlich in die Felswand eingesprengten Galerie dem Hintergrunde der Halle zu, wo bei einem zweiten Monument die Ferdinandsgrotte anhebt, so stehen wir gar vor dem Polsterwagen einer Schiebbahn, mit der bequeme Grottengäste von den Wächtern etwas mehr als anderthalb Kilometer weit bergeinwärts gestoßen werden können.
Man kann darüber, wie weit die Technik, ohne den guten Geschmack zu verletzen, ein Naturschönes zu Bequemlichkeitszwecken antasten darf, verschiedener Meinung sein. Man mag die hübsch geebneten Wege, welche die frühern Treppen und holperigen Steige der Grotte ersetzen, das herrliche elektrische Bogenlicht an Stelle einer unruhigen Fackelbeleuchtung über alles Lob angenehm finden, ohne zugleich diese Schiebbahn, die denn doch nur einem winzigen Teil der Adelsberger Gäste wirkliches Bedürfnis ist, für eine glückliche Schöpfung ansehen zu müssen.
Wo sie beginnt, hat man einen hübschen Rückblick auf den großen Dom, die gewaltige Vorhalle des übrigen Grottensystems. Sie war bis im Anfang des 19. Jahrhunderts der einzige bekannte Raum, wurde aber schon im 13. Jahrhundert besucht; denn in einer Nebengrotte sind noch eingehauene Namen und Jahrzahlen von 1213 und 1290 erhalten. So sind durch sechs Jahrhunderte hindurch die Geschlechter im großen Dom bewundernd gestanden, ohne zu ahnen, was für märchenhafte Schönheit von Tropfsteingebilden in den Gängen und Hallen des tieferen Berginnern prangt. Erst das Jahr 1818 hat die Entdeckung der weiter zurückliegenden Grottenteile, insbesondere der an den großen Dom anschließenden Ferdinandsgrotte gebracht. Vorwärts nun!
Bald hat sich der milde weiße Schein der Bogenlampen, die den großen Dom erhellen, unserem Blicke entzogen; allein nun flammen in den Falten und Nischen, an den Erkern und Gesimsen des Höhlenschachtes, der sich hier zum Engpaß schließt, dort zur herrlichen Halle weitet, Hunderte von Kerzen auf. Es ist ein Gang durch ein Märchenreich:
»An den Wänden rankt in buntem
Formenspiel des grauen Tropfsteins
Geisterhaftes Steingeweb,
Bald wie Tränen, die der Fels weint,
Bald wie reizverschlung'ne Zierat
Riesiger Korallenäste.«
(Scheffel.)
Schlank wie die Palmen des Morgenlandes, dann kräftig und knorrig wie deutsche Eichen wachsen die Steinschäfte, von Lianen umschlungen, zur Ornamentik der Höhlendecke auf.
Da hängt nächst dem Grotteneingang an grauer Tropfsteinwand eine »Kanzel.« Allein wer möchte da droben stehen und predigen, wo die Steine in ihrer Pracht den Menschen überschreien! Da steht, damit es dem staunenden Wanderer nicht gar zu andächtig ums Herz wird, eine »Metzgerbank«, und die »Speckschwarten« hangen drüber hin; da ist eine »Diamantengrube«, wo das Licht sich tausendfach an blitzenden Kristallen bricht; dort ein feiner »Regen« von wunderzarten Tropfsteinröhrchen; jetzt wandeln wir durch die reizenden Gebüsche eines »englischen Gartens.«
Wie sie nur zu Wege kamen, diese feierlichen Hallen, dieser Säulenprunk, diese tolle, andächtig schöne Märchenwelt!
Gewiß wüßte der Höhlenfluß, die Poik, die am Karst entspringt, einige Stunden im Sonnenlicht wandert, dann sich in die Unterwelt von Adelsberg verkriecht und, durch ein Felsentor im Tal von Planina wieder zu Tage tretend, Unz heißt, sich aufs neue in ein Gebirge begräbt und jenseits desselben als Laibach, Schiffe auf ihrem Rücken tragend, der Save zueilt, gewiß wüßte sie das Geheimnis der Grotte zu lösen. Allein sie plaudert mit ihren Wellen nur in Rätsellauten von dem Schattenreich, das sie durchwandert.
Sonst würde sie uns vielleicht erzählen von uraltem Tagewerk, wie sie einst – es mögen hunderttausend Jahre her sein – müd der Sonne und der oberflachen Welt, bei Adelsberg an die Höhe hinkroch, sich langsam eine dunkle, einsame Gruft in den Kalkstein des Gebirges wühlte und nagte, bis sie sich einsargen konnte in einen stillen, selbstgeschaffenen Hades.
Dieses abgeschiedene Gelände aber war noch öde und leer. Da kamen andere Werkmeister, kleine, aber nicht verachtungswürdige. Es waren die vom Bergrücken durch das Gestein hinunterkriechenden Wassertropfen, ganz gewöhnliche Wassertropfen. Einer lief dem andern nach, und jeder brachte eine kleine Ladung Kalk auf dem Rücken. So damals, so vor einer Jahrmyriade, vor einem Jahrtausend, vor einem Jahrhundert, so gestern, so heute. Einer hat sein Körnchen Kalk hübsch zu dem Körnchen seines Vorgängers gelegt, und alle die Dinge wurden, wie sie nun sind: die Pforten, die Hallen, die Obelisken, die Säulen, die Zacken, die Bäume, die Falten, die Tierfiguren und die Menschengestalten.
Fast im Hintergrunde des Höhlenlabyrinthes ist eine schauerlich zerklüftete Nebengrotte, der Tartarus. Da sind die kleinen Arbeiter noch nicht fertig mit ihrem Werk; da sieht man sie noch an der Arbeit. Von der Decke einer 19 Meter hohen Halle fällt ein Wasserfaden auf einen Stalagmitkegel. Aus dem Becken des rötlich glänzenden Steines spritzen perlende Wassertropfen heraus und rieseln über den Kegel nieder. Durch ihre Kalkablagerungen wächst der Tropfbrunnen allmählich zur Decke empor.
Allein der Stein wächst langsam, man sagt in dreizehn Jahren einen Millimeter, in tausend Jahren nicht einmal einen Meter. Da die höchste Säule zehn Meter über den Höhlengrund steigt, so muß sie also über zehntausend Jahre alt sein.
Zehntausend Jahre! Und als vor sechzig Jahren mit rauchenden Fackeln und klopfenden Herzen die Menschen in das Labyrinth von Adelsberg eindrangen und wenn sie heute von ferne her in die Höhle kommen, so halten sie verwundert den Atem an. »Hat hier nicht ein unterirdisches Volk gelebt und unsere Dinge nachgeahmt?« rufen sie verwundert aus. »Steht dort nicht noch der Thron, auf dem sein König gesessen? Dort hängt noch das Bild der Maria mit dem Kinde in der Nische, vor dem sie betend gekniet. Dort ist die Wiege, worin es seine Kinder gewiegt; dort stehen die Särge, worin es seine Toten gebettet. Auch die Kannen, aus denen es getrunken, sind noch da und das Handwerkszeug, mit dem es gearbeitet. Noch hangen an den Decken die Felle des Gerbers, die Linnen der Waschfrau; hier ist das Zelt, unter dem es gerastet, dort die Dorfkirche, in der es den Sonntag gefeiert; es fehlt nicht die Orgel und nicht der Beichtstuhl; es hat also auch gesündigt, dieses Höhlenvolk! Und geliebt wohl auch! Denn was sollten sonst die lauschigen Erker, die stillen Wälder! Jene vermummten, klagend vorgebeugten Gestalten, sind es nicht die letzten der Höhlenbewohner? Vielleicht, wenn man den Stein behutsam losschälte von den armen Leuten, wer weiß, fände man einen Leib mit warmem Blut, mit einem pochenden Herzen. Vielleicht könnte man eine verzauberte Seele erlösen!«
Es ist wunderbar, was für geheimnisvolle Bildwerke die sickernden Wassertropfen im Schleier ewiger Nacht gebaut!
Und Bewohner hat diese Märchenwelt wirklich gehabt. Zwar nicht menschliche Troglodyten, aber den plumpen, zottigen Höhlenbär. Wo sich die Ferdinandsgrotte zu einem hohen gotischen Münster weitet, hat man im Boden seine Knochen gefunden. Jetzt dient das Bärenlager der Vorzeit als Tanzsaal. Am Pfingstmontag, wenn das Grottenfest gefeiert wird, fünftausend Menschen durch die Tropfsteinhallen und Gänge wogen, dann ziehen heitere Klänge hier brausend, dort fern verklingend durch das stille Reich, und in dem weiten Raume reigt junges und altes Volk; am Sonntag Trinitatis aber ist hier Gottesdienst.
Ich möchte nicht tanzen in dieser Halle; ich möchte darin auch keine Predigt hören; am liebsten würde ich, ein stiller Bürger des Hades, einsam und ungestört die Tropfsteingewächse entlang schreiten; denn einem einfachen Gemüte gehen im Alleinsein die schönsten Erkenntnisse auf. Wirklich war ich ein paar Dutzend Schritte hinter der Karawane zurückgeblieben, um mich ungestört meinen Betrachtungen hinzugeben. Allein ich hatte meine Rechnung ohne die Grottenwächter gemacht, die in einiger Entfernung der Wandergruppe folgten und die Kerzenlichter auslöschten, da immer nur der Teil der Grotte erleuchtet ist, wo sich die Grottenkarawane bewegt.
»Vorwärts, vorwärts, junger Herr!« mahnte ein gutmütiger Alter. »Sie könnten sich so verirren, daß wir selber Sie nicht mehr fänden.«
Ich lächelte; aber er hatte recht. Es gibt in der Unterwelt von Adelsberg Nebengrotten, die noch nicht gangbar gemacht worden, zum Teil noch nicht einmal gründlich erforscht sind; wo, geriete ein Wanderer durch einen unglücklichen Zufall hinein, vielleicht erst nach Jahren ein Wagehals oder ein Forscher die gebleichten Knochen des armen Verirrten fände; denn kein Ariadnefaden führt aus diesem Labyrinth heraus.
Warum hat man diese nicht wegbar gemacht? Wohl aus Kostengründen, wohl auch, um in Zukunft mit ihrer Erschließung den Ruf der Grotte wieder neu zu beleben. Wer jetzt durch dieselbe geht, wird es nicht bedauern, daß ihm einige Räume entzogen bleiben; denn man sieht auf der dreistündigen Wanderung so unendlich viel des Schönen, Sonderbaren, Fremden und Phantastischen, daß auch das Auge des Unersättlichsten satt dieser Steintollnis wird.
Die letzte Halle der Kaiser Ferdinands-Grotte ist das »Grab.« Bei einem versteinerten Springbrunnen, einer Ruine und einer Hieroglyphensäule stehen die vertropften egyptischen Mumien.
Da teilt sich die Grotte in zwei, die Franz-Joseph- und Elisabeth-Grotte zur Linken, die Maria-Anna-Grotte zur Rechten. Sie treffen sich tiefer im Berginnern wieder. Wir schritten durch diejenige zur Linken ein und gingen später durch diejenige zur Rechten hinaus.
In der Franz-Joseph- und Elisabeth-Grotte brechen viele rosig überhauchte Tropfsteine aus blendend weißen Wänden hervor; überraschend schöne Steinfalten hängen durchschimmernd an den Decken; in einer diamantenfunkelnden Kammer liegt unter einer Trauerweide eine schlafende Jungfrau, und an der Decke hängt über ihr das Damoklesschwert.
In der Maria-Anna-Grotte ist der Leuchtturm von Triest, der Dom von Mailand und vielleicht das berühmteste Stück der ganzen Adelsberger Unterwelt – der Vorhang. Man traut seinen Augen kaum! Drei Meter lang und einen Meter breit hängt dieses wunderzarte, schimmernde Gebilde von nur acht Millimetern Dicke aus der Wand und prangt mit feinem, durchsichtigem Faltenwurf und einer braun und rot gestreiften Einfassung von überraschender Natürlichkeit, als wäre es eine Stickerei von kunstfertiger Frauenhand.
Wo sich die beiden Grotten wieder vereinen, treten wir in eine Trauerhalle von schwarzbraunem Gestein, und nun führt der Weg an kristallenem und elfenbeinernem Bilderschmuck hinauf zum letzten der ungeheuern Dome, hinan zum Kalvarienberg.
Was soll ich von ihm sagen? – 58 Meter hoch und 200 in der Weite wölbt sich die Halle über einen 41 Meter hohen, an die Nordwand anlehnenden Hügel. Über einen Bergsturz steigt man an acht wunderlichen Kolossen vorbei auf die Spitze, wo die Arche Noah ist. Da übersieht man eine kleine Landschaft.
Es ist eine ewig geheimnisvolle Welt von vertropften Gebilden. Funkensterne glitzern an Statuen; blau und rote Flämmlein zucken zwischen den Bildwerken auf, und kein Menschengedanke wird klug aus dem düsterschönen Rätsel. Ist's ein versteinerter Wald? Ist's ein mit halbzerstörten, verwitterten Denkmälern übersäter Kirchhof oder der zu Stein erstarrte Zug des Volkes auf die Höhe von Golgatha?
Zum Glück hatte ich nicht Zeit, den Faden dieser Gedanken weiter zu spinnen. Die Führer mahnten zum Aufbruch; sie wußten, daß man die Leute nicht zu lange auf die melancholischen Gruppen des Kalvarienberges darf schauen lassen. Schneller als wir gekommen, schritten wir bergab, bergauf, zurück durch die Grottenhallen.
Es kamen wieder neue Gestalten, neue Bilder; allein ich sah sie nur noch halb. Das wohlige Gefühl, mit dem ich eingewandert war, hatte mich verlassen; die Traurigkeit dieses Schattenreiches hatte es mir angetan; ich dürstete nach Sonnenlicht, Himmelblau, Wiesengrün.
Und wieder standen wir über dem Höhlenfluß. Rauschend und flimmernd zog er einher; aber vom Grotteneingang wehte schon ein warmer, milder Hauch von Tagesluft. Noch ein paar Schritte, und der Bann der Unterwelt war gebrochen; herzinnig grüßte ich das goldige, sonnige Licht, und dankbar schaute ich auf zum blauen Dom des Himmels.
Ich habe die Grotte von Adelsberg beschreiben wollen?
Nicht doch! Wenn tausend Schriftsteller es tun wollten, sie bleibt doch ewig unbeschreiblich; denn sie ist wie die Gletscher des Hochgebirgs, wie das in Sturmlauten tönende Meer eine Naturoffenbarung, deren Schönheit der Mensch nie ganz ausbegreift.
Von J. C. Heer ist bei Huber & Co.
in Frauenfeld und Leipzig erschienen:
Streifzüge im Engadin
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Inhalt: Vorspiel. – Über den Flüela. – Schuls-Tarasp. – Uinatal und Finstermünz. - Von Schuls nach Zernetz. – Von Zernetz nach Samaden. – Samaden. – Pontresina und Morieratsch. – Die Diavolezzatour. – St. Moritz. – Sils-Maria. – Auf dem Maloja. – Über den Julier.
Ein Dichter und ein Meister kraftvoller Schilderung ist Heer. Er weiß nicht nur die überreichen Schönheiten des Engadin in leuchtenden Farben dem Leser vor Augen zu führen; auch die politischen und kulturellen Verhältnisse vermag er, ebenso gut wie Rückblicke aus der Vergangenheit und Betrachtungen zur Gegenwart, einzuflechten. Ein Muster in dieser Hinsicht ist der Abschnitt Schuls-Tarasp.
»Münchner Neueste Nachrichten«
Bücher der Zeit aus dem Verlag von Huber & Co.
Frauenfeld und Leipzig
Aus der Brandung
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Faesis Zeitgedichte sind das erste wirklich bedeutende Kriegsgedichtbuch der deutschen Schweiz und eines der edelsten Stücke der deutschen Kriegslyrik überhaupt.
»Das Literarische Echo«
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Aristophanes-Blümner hat das erste bühnengerechte, dichterisch vollwertige Friedensdrama des Weltkriegs geschrieben! Es ist ein einzigartiger Fall, daß ein Werk nach zweitausend Jahren noch einmal stärkste Aktualität gewinnt. Kriegs- und Friedensparteien, Hetzer und Verständigungspolitiker, ehrliche Patrioten und Gesinnungslumpen, stehen sich gegenüber wie heute.
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Der Roman sprüht und glüht von einer Jugendkraft, um die Paul Ilg zu beneiden ist.
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Es konnte nicht anders sein: Staub hat das Buch viel aufgewirbelt. … Mit unheimlichen Kräften geladen, sorgsam in aller Knappheit durchgeführt, fesselt die Handlung bis zuletzt.
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In diesen Zeiten
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Gebunden Fr. 2.–
Turmhoch über das Geschreibsel so vieler Kriegsbücher erhebt sich das Werkchen dieses Schweizer Schriftstellers. Jede der fünf Geschichten ist ein Kunstwerk und bereitet reinen Genuß.
»Hamburger Fremdenblatt«
In tiefster russischer Provinz
Zwei Erzählungen von L. Haller
Gebunden Fr. 4.50
Wäre dieses prächtig erzählte Buch nicht einige Monate vor dem Krieg sondern während des Kriege erschienen, es hätte bereits Massenauflagen erlebt. Wer die Seele des russischen Volkes mit ihren tiefen Wundern und Unfaßlichkeiten, ihren chaotischen und dumpfen Leidenschaften und ihrem gutmütig-tölpelhaftem Humor in der Spiegelung eines scharfen, neutral beobachtenden Auges sehen will, muß Hallers Schilderungen lesen.
Weitere Anmerkungen zur Transkription
Offensichtlich fehlerhafte Zeichensetzung wurde stillschweigend korrigiert.
Unterschiedliche Schreibweisen wurden beibehalten.
Korrekturen:
S. VII: Sloveneu → Slovenen
Italiener und [Slovenen]
S. VIII: Dee → Die
[Die] Geschichte der Grotte
S. 2: Aufenhaltes → Aufenthaltes
dritten Tag meines dortigen [Aufenthaltes]
S. 10: etwes → etwas
dann liegt wirklich [etwas] exzentrisch Schönes
S. 20: Selsamer → Seltsamer
[Seltsamer] Weise melden die mittelalterlichen Schriften
S. 37: zu Mutter → Mutter zu
in den Schoß einer guten, großen [Mutter zu] legen
S. 41: ihrer → Ihrer
die mir an [Ihrer] Seite beschieden war
S. 42: Ausang → Ausgang
Am [Ausgang] dieses Tieflandwinkels
S. 42: west römischen → weströmischen
vom [weströmischen] Kaiserthrone verjagt
S. 46: Kelter → Kelten
die [Kelten] und Illyrier sahen aus achtungsvoller
S. 48: zusamengewürfelt → zusammengewürfelt
der damaligen Welt [zusammengewürfelt] war
S. 49: ein → eine
[eine] Belagerung glücklich bestand
S. 57: Rönierin → Römerin
goldenen Geschmeid der [Römerin]
S. 77: pläschert → plätschert
die Lagunenwelle im Röhricht [plätschert]
S. 98: Siebenzehnzährige → Siebenzehnjährige
sie eine kaum [Siebenzehnjährige]
S. 105: Leuchturm → Leuchtturm
der [Leuchtturm] spielt mit
S. 109: innen → ihnen
Häuserfronten zwischen [ihnen] fesselten
S. 122: Tag → Tage
In einem elf [Tage] andauernden Sturme
S. 123: die → der
Als wir auf [der] Steuermannsbrücke
S. 128: habe → haben
viereckige Türme [haben] es zu Kriegszeiten
S. 134: nouva → nuova
weder in Umago noch in Citta [nuova]
S. 135: als als → als
sich [als] ein Mann von Welt
S. 146: egypische → egyptische
marokkanische und [egyptische] Wimpel
S. 157: sömmerlich → sommerlich
eine lichtvolle [sommerlich] warme Nacht
S. 165: bizzarren → bizarren
im einzelnen ebenso [bizarren]
S. 176: sieht → steht
Da [steht], damit es dem staunenden Wanderer