Am Grabe bedeutender Menschen.

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Du weilest nicht mehr unter uns, aber die Spuren deines Wirkens sind tief eingegraben und sprießen vielfach hervor: du bist noch unter uns mit deinem bessern Anteile. An deinem Grabe lerne ich es und wird es mir zur unzweideutigen Gewißheit: es ist nicht alles eitel und vergänglich. Die Taten deines Geistes, deiner edlen Natur leben fort und erquicken viele, die dich nicht geschaut haben mit leiblichem Auge, die, ach, vielleicht kaum ahnen, daß sie dir reiche Nahrung des Geistes und des Herzens zu danken haben. In dem Menschen, der über die Gewöhnlichkeit sich erhebt, da erkennen wir erst das Göttliche, da ist Gott uns nahe. Nicht mit Schmerz stehe ich an deinem Grabe, die Vernichtung hat nur deine Hülle getroffen. Hier fühle ich mich gehoben, denn ich lerne den Menschen in seiner Würde kennen und ehren; neben der Demut, die mich erfüllt, ob meiner eignen Schwäche, gewinne ich doch auch Kraft, um zum Ziele wahrer Menschenbildung mich hinanzuringen. Der Geist, der hier schon die Unendlichkeit in sich getragen hat, ihm ist wohl in den Räumen der Ewigkeit; dort fühlst du dich heimisch, du begrüßest alle Edlen, du lebst in Gott, bei dem da ist des Lebens Quelle, in dessen Licht du Licht schaust.

(Die Gemeinde kehrt von den Gräbern zurück.)

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Es kehrt der Staub zur Erde zurück, wie er gewesen, doch der Geist kehrt zu Gott zurück, der ihn gegeben. (Pred. Sal. 12, 7.)

Und wall' ich auch im finstern Tale, nicht fürcht' ich Böses; denn du bist bei mir; Dein Stab und deine Stütze, sie trösten mich. (Psalm, 23, 4.)

Wandle ich in Frömmigkeit, werde ich Dein Antlitz schauen, erwachend mich freuen Deines Anblickes. (Ps. 17, 15.)

וְיָשֹׁב הֶעָפָר עַל הָאָרֶץ כְּשֶׁהָיָה וְהָרוּחַ תָּשׁוּב אֶל הָאֱלֹהִים אֲשֶׁר נְתָנָהּ׃

גַּם כִּי אֵלֵךְ בְּגֵיא צַלְמָוֶת לֹא אִירָא רָע כִּי אַתָּה עִמָּדִי שִׁבְטְךָ וּמִשְׁעַנְתֶּךָ הֵמָּה יְנַחֲמֻנִי׃

אֲנִי בְּצֶדֶק אֶחֱזֶה פָנֶיךָ אֶשְׂבְּעָה בְהָקִיץ תְּמוּנָתֶךָ׃

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