Am Grabe eines Lehrers oder einer Lehrerin.

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Meinem Geiste bist du, als er noch unentwickelt war, ein redlicher Führer (eine redliche Führerin) gewesen, meinem Herzen hast du die Richtung gegeben. Nun erst erkenne ich es recht, was dein liebevoller Ernst von mir verlangt hat, was ich deinem Wirken schulde. Nimm, verklärter Geist, den Dank des Geistes an, der in dir seine Nahrung gefunden hat; du warst der Quell, der mich befruchtet hat; der Quell versieget nicht, wenn er auch meinem leiblichen Auge sich entzieht. Ob ich immer deinen Wünschen entsprochen habe? Ob deine Lehren eine fruchtbare Stätte bei mir gefunden haben, es sei mein redlich Streben, deine würdige Schülerin heißen zu dürfen. — Schon hier war dein Leben einem höheren Ziele zugewandt, du hast es erreicht; des Lebens Mühsal ist geschwunden, des Geistes freudige Klarheit, nach der du so ernst gerungen, sie ist dein Lohn. Was Menschen nicht belohnen können, oft auch nicht belohnen wollen, das wägt Gott auf gerechter Wage, und seine Liebe wird dort dich beglücken!

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