Dankgebet für die Nahrung.
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Mein Gott! mein Vater! Schwer und bitter ist das Los des Armen. Die Sorge um die Bedürfnisse des Lebens beugt sein Gemüt in Traurigkeit nieder. Hart ist seine Arbeit und gering der Lohn. All seine Zeit muß er hingeben im Dienste um das Brot. Mühe und Drangsal reiben seine Kräfte auf, und doch vermag er nicht, die Mittel zu erwerben, sich wiederum durch Pflege und Ruhe aufzurichten: die er liebt, muß er darben sehen, ohne ihnen hilfreich seine Hand bieten, ohne ihren Kummer lindern zu können. Ach, Herr, mein Gott! das ist böse und mitleidswert! Wenn ich aber solches Leid betrachte und überlege, dann, gütiger Vater, erhebt sich mein Herz in frohem Danke zu Dir, daß Du ein anderes, ein besseres Los mir beschieden hast. Und ob auch andere mit den Gütern der Erde in reicherer Fülle begabt sind, so blickt mein Auge nicht mit Neid auf sie, denn auch mir hast Du so viel beschieden, daß ich nicht bange fragen muß: Was werde ich morgen essen? Wo werde ich mein Haupt zur Ruhe niederlegen? Wo soll ich Kleidung hernehmen, um nicht die Dürftigkeit zur Schau zu tragen?
Bis heutigen Tages hast Du mit Deiner Gnade mir beigestanden, Du wirst auch fernerhin mich nicht verlassen. Frei von den Sorgen um des Leibes Nahrung, kann ich mich aufrichten und erheben an allem Edlen und Schönen, kann teilnehmen an allen Dingen, die die Gesamtheit der Menschen betreffen, habe nicht nötig, in Habgier und Selbstsucht zu versinken. Dank und Preis sei Dir dafür aus der Fülle meines Herzens, Du gütiger Gott, mein Vater. Amen!
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