Gebet der Mutter für ihr krankes Kind.
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Allgütiger Gott! Mein Herz ist schwer, und traurig mein Gemüt, mein Auge blickt angstvoll auf die Gefahr, die als ein Schreckensbote des Unglücks herangenaht ist und die Hand ausstreckt, mein heilig bewahrtes Gut, mein liebliches Kind, den Liebling meines Herzens mir zu rauben. Ach, vergib, gütiger Gott, wenn ich in der Angst meiner Seele mich allzuweit entferne von der Ruhe der Frommen, deren Pflicht es ist, in Ergebenheit alles, was sie treffen kann, Deinem Willen anheimzustellen. Du aber selbst hast das Gefühl der Mutterliebe in mein Herz gepflanzt und mit ihm die Zaghaftigkeit und auch die Verzagtheit am Krankenbette eines hart und schwer darniederliegenden Kindes. Darum, mein Gott, kann ich auch jetzt nicht dulden und schweigen, ich kann nur beten: O, sei mir gnädig, mein Gott! „Herr! Herr! strafe mich nicht in Deinem Zorne, züchtige mich nicht in Deinem Grimme.“ Schenke Linderung und Genesung meinem lieben Kinde, daß es wieder heiter und freundlich sein Auge auf mich richte, sein Mund mir wieder zulächle in kindlichem Vergnügen. O, laß auch bald, bald mich inne werden des Gebetes Wunderkraft, daß das Bangen verwandelt sei in Hoffen, die Furcht in Vertrauen. Denn wahrlich, ich bedarf des Mutes und der Ruhe, um die heilige Pflicht der Pflege nicht um ein Geringes zu verabsäumen. O, Herr, Herr, gütiger Gott! Du bist ja ein wunderbarer Helfer in der Not, Du hast mir oft die Klage in Jubelton verwandelt, hast der Trauer mich entkleidet und mit Freude umgürtet. Ich will nicht wanken im Glauben an Deine Hilfe, kehrt oft am Abend auch Betrübnis ein, so wird sie bis zum Morgen Freudenruf.
Mein Gott! sei auch diesmal barmherzig. Amen!
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