Gebet für die erkrankte Mutter.

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Allgütiger! Ein Gedanke ist es, der nun schon viele Tage (lange Wochen) mein ganzes Gemüt in düstere Schatten hüllt, meinen Geist niederbeugt, mein Herz mit Angst erfüllt; meine Mutter, meine gute Mutter ist krank. Menschliche Hilfe und treue Pflege vermögen nicht, ihr Heilung und Genesung zu bringen, ihrer Schmerzen sie zu entledigen, ihre Hoffnung aufzurichten und ihr Auge wieder heiter zu machen. Ihre Leiden verdoppeln sich, so oft sie auf uns, die ihrigen, schaut, weil der Gedanke an unser Unglück, wenn sie jetzt von uns scheiden müßte, ihr trübe und schrecklich erscheint. Ach, und auch auf uns lastet der Kummer und die Gefahr so schwer! Wir müssen die geliebte Mutter leiden sehen und können ihr nicht helfen, wir nehmen wahr, wie ihre Kräfte schwinden, und die traurige Besorgnis bemächtigt sich unser, sie vielleicht verlieren zu müssen, sie, die wir so innig lieben, sie, die (gleich unserem Vater) uns das teuerste auf Erden ist.

Was kann ich anderes tun, als meine Zuflucht zu Dir nehmen, Allgütiger, der Du in Deiner Barmherzigkeit so oft uns beigestanden hast in Not und Trübsal. O höre mein Gebet! Wie Du so oft die Gefahr gnädig von uns abgewandt, so befiehl auch diesmal ihr, daß sie von uns weiche. Ach mein Gott, ich will nicht murren gegen Deinen Willen, ich will nicht Zweifel setzen in Deine Allweisheit, aber das Menschenherz, und über alles das vom Leid gequälte Menschenherz ist schwach, und der Geängstigte legt seine Bitte Dir dar in Demut und Vertrauen. Darum, mein Gott! zürne nicht, wenn ich nicht in ruhiger Ergebenheit Deine Weisheit walten lasse, sondern meine Bitte zu Dir erheben will, die nicht Deine Wege meistern, nur Deine Gnade erflehen soll. Richte meine Mutter wieder auf von ihrem Krankenlager, laß sie wieder in Fröhlichkeit an unserer Seite wandeln, laß sie wieder in frohem Danke ihr Herz zu Dir erheben und ob ihrer Genesung Deine Vatergüte preisen.

Herr, mein Gott, Du hast zwar nicht Wohlgefallen an Opfern, und der Mensch kann Deine Weisheit nicht leiten, Deine Gerechtigkeit nicht bestechen; aber Du hast Wohlgefallen an einem reinen Herzen, darum will ich mich prüfen und meine Fehler ausfindig machen und meine üblen Neigungen und meine fehlerhaften Begierden opfern, um Deiner Gnade, Deiner Liebe würdig zu sein und täglich würdiger zu werden.

Ich suche Trost im Gebete und finde ihn, o Herr, laß mich auch Hilfe und Rettung finden. Laß mich nicht leer zurückkehren von Deinem Angesichte und öffne die Pforten der Barmherzigkeit dem andächtigen Worte meines Mundes. Amen!

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