Gebet einer Mutter am Verlobungstage ihrer Tochter

———

Du Gnadenreicher! aus dessen Hand alles Gute kommt, das wir genießen, aus dessen Huld jede Freude entspringt, die wir empfinden, aus der Fülle meines Herzens bete ich heut zu Dir, um Dank und Bitte vor Dir zu offenbaren. Mit dem Gefühle, mit dem ein Wanderer das Ziel einer langen mühevollen Wanderung an seinem Gesichtskreis auftauchen sieht, mit demselben Gefühle sehe ich heut den Abschluß einer langen, mühevollen Arbeit von Ferne, und wie der Wanderer bittet: „O Herr! laß keinen Unfall nahe am Ziele die Vollendung stören“, so bitte ich: O Herr! laß keinen Unfall nahe am Ziele die Vollendung meiner Arbeit unterbrechen. Ich habe mein liebes Kind mit Mühe und Sorgfalt erzogen, ich war bestrebt, sie heranzubilden, daß sie fähig werde, als wackere Hausfrau ihre Pflichten auf Erden Dir und den Menschen wohlgefällig zu verrichten. Nun hast Du in Deiner Gnade das Werk meiner Fürsorge gesegnet und uns den Mann zugeführt, für den ich meine (wir unsere) Tochter erzogen habe (haben). Dank sei Dir für Deine Hilfe, mit der Du mir (uns) beigestanden hast bis hierher! Guter Gott! gib, daß unsere Einsicht uns nicht irre geführt habe, laß meine (unsere) Tochter durch diese Wahl glücklich werden, und den Erwählten glücklich machen. Tausend Gedanken beschäftigen mich, tausend verschiedene Wünsche möchte ich heut vor Dir aussprechen, doch Du schaust ja in mein Herz und verstehst ganz, was ich denke, wenn ich auch mangelhaft nur spreche; darum, gütiger Gott: sei mit uns allen, wie Du bisher mit uns gewesen und führe alles zum Guten. In Deine Hand befehlen wir unser Schicksal. Nichts ohne Dich, und alles mit Dir! Denn alles Gute kommt von Dir! Amen!

——————