Gebet einer Wöchnerin.

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Gnädiger Gott! Du mein himmlischer Wohltäter! Aus der Tiefe meines Herzens steigt mein Dank zu Dir empor, da ich in Freude zurückblicke auf die Zeit, die, noch vor kurzem von mir erwartet, mich mit Bangen erfüllte. Deine Hilfe ist mir nahe gewesen, durch Dich bin ich erlöset und unendlich reicher geworden, da Du ein holdes Kind mir (wiederum) geschenkt hast. (Wieder lausche ich mit Muttersorge und Mutterlust auf seine Atemzüge, wiederum treten die Bilder einer schönen Zukunft vor meine hoffende Seele.) Ich lausche mit nie geahntem Mutterglück auf seine Atemzüge, und die Bilder einer schönen Zukunft treten vor meine hoffende Seele, wenn ich daran denke, daß ich mein liebes Kind erziehen, seine Entwicklung beobachten und leiten und an seinem Gedeihen mich ergötzen soll.

Du weißt es, mein Gott, daß ich meine Pflicht erfüllen, die reinste Mutterliebe betätigen und nicht ruhen und rasten will in der Sorge um das Gedeihen meines Lieblings.

Aber alles menschliche Wollen und Streben reift nur zum Segen, wenn Du, o Gott, Deinen Beistand gibst. Darum flehe ich zu Dir: O, stehe mir bei in meinem Vorsatze. Erhalte mein Kind gesund an Leib und Seele, erhalte auch mich gesund zu seinem Heile, segne auch meinen Gatten, daß er immer in Freude und Fröhlichkeit für sein Haus zu sorgen vermöge. Schenke uns beiden die süße Lust, unser Kind kräftig emporwachsen zu sehen, daß es angenehm sei in Deinen Augen und in den Augen der Menschen. O, wie freue ich mich heute schon der Zeit, daß ich es werde anleiten können, selbst zu Dir zu beten, Dich zu lieben und zu verehren, Dich von ganzem Herzen Vater zu nennen, wie ich Dich Vater nenne.

O sei mir gnädig und bleib in meiner Hilfe. Amen!

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