Gebet in trauriger Lebenslage.

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Du schaust in mein Herz, Allwissender, und es ist Dir bekannt, daß ich nicht mit Neid und Mißgunst auf das Glück meiner Nebenmenschen blicke. Du weißt es, daß ich mich jederzeit der Bescheidenheit in meinen Lebensansprüchen befleißigt habe, daß ich zufrieden bin mit dem Lose, das Du für mich bestimmt hast, wenn nicht Sorge und Kummer in außergewöhnlicher Weise mich niederbeugen. Ach, leider ist es nun schon lange so. Ich will nicht murren und rechten mit Deiner Allweisheit, aber Dir klagen, was mich bedrückt, zu Dir beten um Hilfe, das kann nicht sündhaft sein. Ich war redlich bestrebt, meinen Weg zu ebnen, einen anspruchslosen Pfad für meinen Wandel mir zu bahnen, ich habe dem Leichtsinn nicht Raum gegeben in mir, so daß er mich abführen mußte von der Straße des Glückes und der Zufriedenheit, und doch hast Du es anders über mich beschlossen, und nun reicht meine Einsicht nicht aus, mein Schicksal zu ändern, meine Kraft nicht, ihm Trotz zu bieten. Vielleicht führt dieser Weg mich zum Heile, aber mein Auge schaut es nicht. Vielleicht bedarf ich der Läuterung, aber mir fehlt die Ruhe der Ergebung. Darum ist meine Seele betrübt und mein Herz traurig. Nur Du, mein Gott, bist mein Trost, meine Zuflucht und meine Hoffnung; vor Dir ist die Zukunft offenbar, Du weißt den Ausgang aller Dinge. Deine Weisheit führt alles zum guten Ende. O, laß mich fest sein in diesem Glauben, damit mein Geist aufrecht bleibe. Vielleicht aber auch habe ich durch meine Torheit und meine Fehler mein Schicksal verschuldet. Dann, o Herr, mein Gott! vergib mir, laß es genug sein und blicke wieder freundlich auf mich. Nimm Dich meiner an um Deiner unendlichen Liebe willen, sende wieder Freudigkeit und Frieden in mein Denken und Fühlen. Trostreich spricht zu mir das Wort des Sängers: „Nicht für immer bleibt der Bedrängte vergessen.“ „Wird denn Gott ewig zürnen? Wird er denn nicht wieder freundlich sein? Hat denn der Herr seine Gnade vergessen, kann denn im Zorne seine Liebe untergehn?“ Darum: „Was betrübst Du Dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir?“ „Vertrauen will ich auf Gott und werde ihm danken können, angesichts dessen, daß er mein Gott und meine Hilfe ist.“ Amen!

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