IV. Gebete für die Halbfeste.
1. Chanucka.
חֲנֻכָּה
Gebet am Chanuckafeste.
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Herr und Vater! Dank Dir! Du warst ein treuer Helfer Deines Volkes zu allen Zeiten und wirst es bleiben in Ewigkeit. Als zu den Zeiten des Hohenpriesters Matthatias, Sohnes des Hasmonäers Jochanan und seiner Söhne, die tyrannische Regierung des Heidenkönigs Antiochus wider Dein Volk tobte, um in seiner Mitte Deine heilige Lehre zu unterdrücken, Deine Verehrer abzuleiten von den Gesetzen Deines Willens und Deine Gebote der Vergessenheit anheimzugeben, da standest Du auf mit Deiner großen Barmherzigkeit, um ihnen beizustehen zur Zeit der Not. Du strittest ihren Streit, Du saßest zu Gericht, um für sie Recht zu üben, Du übernahmst die Vergeltung an ihren Widersachern. Damals hast Du die Schwachen siegen lassen über die Mächtigen, die Wenigen über die Zahlreichen, die Gerechten über die Frevler, über die Übermütigen — die demutsvollen Bekenner Deiner Lehre. Aber wie Du Sieg und Heil verschafft hast dem gedrückten und geknechteten Volke Israel, das, vertrauend auf Deine Hilfe, den Kampf der Verzweiflung aufnahm, so hast Du auch Deinen heiligen Namen groß gemacht in den Augen der ganzen Welt. Dankerfüllt wallfahrteten Deine Kinder in die Hallen Deines Hauses, ergötzten sich an der Wiederherstellung des Gottesdienstes im Tempel zu Jerusalem, reinigten die entweihte Stätte Deiner Verehrung von den Götzenbildern der Heiden, erleuchteten festlich die Vorhöfe Deines Heiligtums und bestimmten die acht Tage der Weihe zum Freudenfest für alle Zeiten, zum Ruhm und zur Verherrlichung Deines Namens. Immer will auch ich der Fürsorge eingedenk sein, mit der Du meine Vorfahren geleitet hast durch die Zeiten, daß sie siegreich hervorgingen aus allen Kämpfen, aus Leid und Drangsal. Wie Du ein Helfer bist dem ganzen Volke, so bist Du auch ein Helfer jedem Einzelnen, der in Glauben und Vertrauen zu Dir sich wendet. Gepriesen sei Dein Name in Ewigkeit! Amen!
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2. Das Purimfest.
פּוּרִים
Gebet am Purimfeste.
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Herr und Vater! Du warst dem Volke Deiner Verehrer zu allen Zeiten ein treuer Helfer in Not und Drangsal, Du wirst es auch ferner bleiben und die Deinen nicht verlassen in Ewigkeit!
Auch der heutige Tag, für ewige Zeiten als ein Freudentag eingesetzt, erinnert uns in seiner Veranlassung an Deine Liebe und Güte für Israel, vergegenwärtigt uns Deine Weisheit, wie Du wunderbar wirkest auch ohne anscheinendes Wunder, wie Du helfen kannst, wo alles verloren scheint, auch ohne Eingriff in den natürlichen Lauf der Dinge. Denn in Deiner Hand sind die Herzen der Mächtigen, die Gedanken der Könige; von Dir gezählt und nach ihrem Zwecke geordnet sind die wirren Fäden in dem Knäuel irdischer Begebenheiten.
Als zu den Zeiten des persischen Königs Ahasveros, dessen mächtiger Günstling Haman, aus dem Geschlechte der seit Jahrhunderten Israel feindlichen Amalekiter, voll Rache und Bosheit die Pläne schmiedete, ganz Israel, Männer und Frauen, Greise und Kinder, in allen Provinzen des weiten Perser- und Mederreiches zu vernichten, als die Ausführung seiner bösen Ratschläge schon zum Entsetzen nahe bis an die Grenze ihres Zieles gerückt war, als selbst der freche Übermut den Tag des Mordes schon durch das Los gewählt hatte und nach menschlichem Ermessen kein Ausweg der Rettung dem Blicke der Verfolgten mehr sichtbar war, da tratest Du helfend ein mit unvorhergesehener Fügung. Hamans Veranstaltungen wurden vereitelt, er selbst erlitt den Tod samt allen Genossen seiner Bosheit und die Unschuldigen gingen gerettet und siegreich aus der Bedrängnis hervor.
Und welches Werkzeug hat Deine Weisheit sich erkoren? Ein Weib war es, an deren Mut das Haupt zertrümmerte, das Tücke und Arglist gesonnen.
Esther, das Kind ohne Eltern, der gehorsame Pflegling ihres väterlichen Freundes Mordechai, vereitelte die Anschläge des Feindes und verwandelte den gefürchteten Tag des Elends in einen Tag der Freude noch für die spätesten Geschlechter.
Aber Esther war kein blindes Werkzeug. Sie war bereit, Glanz und irdische Größe der Pflicht zu opfern, sie setzte ihr Leben ein für das Wohl ihres Volkes, sie hielt sich nicht für machtlos, denn sie vertrauete auf Gott.
So wie damals, so hast Du Herr, noch oft Dein Volk Israel aus der Gewalt mächtiger Feinde gerettet. Gar viele Männer sind im Geiste Hamans gegen uns aufgetreten, aber Israel ist nicht untergegangen, und ist heute noch, was es sein soll, ein Gotteskämpfer auf Erden, um alle Herzen und Geister zu gewinnen für Dein Reich, für die Verehrung des einzigen Gottes.
Mir aber soll Esther ein Muster und ein Vorbild sein in Mut und Stärke zur Erfüllung der Pflicht, in treuer Liebe und Anhänglichkeit an mein Volk und in unwandelbarem Vertrauen auf Deine Hilfe in den Tagen der Prüfung. Amen!
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