Dienstag 1. Jänner 1889.

 Die weiss angestrichene »Hecuba« mitihrem hellblauen Schornstein (daher dieOcean-Line von Hold & Co. in Liverpool»Blue Funnel Line« genannt wird) ist wohleines der ungemüthlichsten Fahrzeuge, dieje im Meere geschwommen: Cabinen gibt esim Ganzen vier, eine erhält der Gesandte,eine zweite wird Sapieha und mir angewiesen,doch ist sie so schmutzig und ekelhaft undwimmelt dermassen von Ameisen und Schwaben,dass wir sie nur als Repositorium fürsHandgepäck benützen können, – die drittehat ein siamesischer Prinz inne, königlicheHoheit Chowfa Krom Khun Narisranuwattiwongsa,der mit einem etwas englisch sprechendenSecretär und zwei anderen Begleiternvon einer Tour nach Mandalay, der altenHauptstadt Burmas, zurückkehrt; er ist einBruder des Königs (der deren achtzig habensoll) und schreibt den ganzen Tag an einemReisebericht. – Die vierte Cabine bewohnt einamerikanisches Ehepaar, Mr. und Mrs. Neadaus Philadelphia, die wahren »Globetrotters«,die in drei Jahren bereits zweimal um dieErde gefahren, von Siam noch nach Indien,nach Korea und Australien wollen; dabeisind die guten Leute schon an die Sechzig!Die Badehütte lässt an Einfachheit und Unreinlichkeitnichts zu wünschen übrig; amOberdeck, wo wir uns alle in leidlich gutenLiegesesseln niedergelassen, haben eineMenge scheusslicher kleiner Köter, Eigenthumdes sonst gutmüthigen Capitäns, ihrenWohnort aufgeschlagen und zeichnen sichdurch einen merkwürdigen Grad von Zudringlichkeitund dadurch aus, dass sie ringsum uns kleine Tümpel und Häufchen zurücklassen,die die chinesischen Boys höchst seltenwegzukehren belieben. – Die Kost ist elend,das Getränk noch mehr so, unsere Koffersind unter einer vollen Schiffsladung vonCocosnüssen ganz unnahbar, dabei schaukeltund stampft das liebe Schiff wie besessen. –»Was ist uns Hecuba?« frage ich den traurigund blass hingestreckten Chef. »Ein Greuel!«wird prompt geantwortet.