Dienstag 15. Jänner.
Eine englische Meile stromabwärts liegt, am Ufer des Menam natürlich, das ausgedehnte weitläufige Haus Phya Smud's mit schönen Gärten und Blumenbeeten; – in einer langen Halle empfängt uns der Hausherr mit Thee und Kuchen und, was noch angenehmer, er hat eine Anzahl Silbergefässe uns zum Kaufe aufstellen lassen, Theekessel, Betelschalen, Kannen, aus oxydirtem Silber mit eingeschlagenen Goldornamenten. Nach wenigen Minuten ist der Vorrath ausverkauft. Interessant sind Phya Smud's Teakholzlagen, menamaufwärts der Mission gegenüber, wo tausende und aber tausende Pflöcke der Verfrachtung harren. Teak soll das resistenzfähigste Holz sein und im Schiffbau unübertroffen. Erzherzog Leopold nahm auf der »Fasana« viele Bretter zum Bootsbau mit. – Abends um 8½ Uhr siamesisches Theater! (»Lakon«). Nur wenn der Mond voll ist, können Aufführungen stattfinden, und wir kommen gerade vor Thorschluss dazu, – ein geräumiges hölzernes Gebäude mit Bänken und Logen und einer ziemlich grossen Bühne mit der englischen Aufschrift »Prince's Theatre«, – alle Plätze mit Weibern und Kindern besetzt, erstere insgesammt bis zur Taille unbekleidet, um die Beine den Sarong, letztere alle splitternackt. In zwei »Avant-Scènes« scheinen sich reich bekleidete Chinesen gütlich zu thun, in unserer »Hofloge« kommen wir in Fracks mit den steifen Stehkrägen vor Hitze fast um, – so was habe ich noch nie gefühlt! Die Aufführung ist ein historisches Drama, in welchem eine Menge Hanuhmans, Jacks, Ratschaschis und andere Teufel auftreten. Costüme prachtvoll, Musik merkwürdiger Höllenlärm im Zweivierteltact, – das Verdrehen aller Finger und aller Zehen ist die auf die Spitze getriebene Schauspielkunst! – Als uns die Barkasse um Mitternacht heimbringt, fühlt sich die freie Luft eisig an, so schauderhaft war die Temperatur im Lakon.
BULLOCK CART