| Die »Schwalbe« vom Norddeutschen Lloyd,das einzige gute Schiff, das uns hier mit derAussenwelt verbindet, ist gestern ausgelaufen,– wir müssen daher Mittwoch mit einemSchwesterboot der »Hecuba« absegeln: dasdürfte hübsch werden! Doch hat längeresVerweilen wenig Zweck: der König und derHof sind fort, Prinz Dewang könnte, so vielwir davon merken, auch verreist sein, Festlichkeitenwerden keine gegeben, Sehenswürdigkeitenhaben wir so ziemlich alle genossen;Phya Smud erzählt von Reisfeldernbei Paknam, wo allnächtlich Dutzende vonwilden Elephanten zur Tränke kommensollen, wir glauben ihm nicht – auch wäremangels an Shikarries eine Jagd sehr schwerdurchzuführen, da hier Niemand jagt, nichteinmal der König. – Verschiedene Schreibenans Auswärtige Amt, Spaziergänge durch dieBazars und Besuche füllen den Tag, – einlanger schmaler Weg, vom Palais (demKraton) auslaufend, zu beiden Seiten mitchinesischen Läden, die europäische Exportwaarescheusslicher Qualität zum Verkaufeanbieten, – zuweilen ein siamesisches Theehaus,wo ohrenzerreissende Musik die Passantenverscheucht. Dazu ein Gewühl vonhalb- und ganz nackten Leuten, an den Eckenviele Aussätzige mit ganz zerfressenen Gesichtern.– Angenehmer sind die schwimmendenVerkaufsläden; in einem solchen versehenwir uns mit Photographien, mit Palmenhüten,mit vergoldeten Buddhas, währendwir im eigentlichen Palaisviertel theils beieinem englischen Uhrmacher, theils bei einerchinesischen Pfandleihanstalt einige Silberschmucksachenund kleine Modelle von Häusernund Booten erschachern. Mittags werdenSapieha und ich durch einen alten birmanischenBonzen kunstgerecht tätowirt, – beideerhalten wir am rechten Arm den Ratschaschi,das räthselhafte Thier der siamesischen Urwälder,dessen Schrei noch kein Menschüberlebt hat, schön blau eingeritzt. – Alsich später von einem Besuche bei Kempermannnach Hause kehren will, verfehle ichden Weg beim »Celestial Club« (Opiumhöhle)und gerathe in ein Labyrinth vonStegen und Wegen, – eine Schar von Edelleutenin Hoftracht erwidern meine Anfragemit Hohngelächter! Die guten Manieren sinddoch überall gleich angenehm! Der deutscheResident erzählte wieder viel Anziehendes:wenn junge Europäer sich hier niederlassen,kaufen sie für die Zeit ihres Aufenthaltesein 14-17jähriges Siamesenmädelund zahlen den Eltern 200-300 Dollars.(In Britisch-Indien kostet ein Hindumädchen,14 Jahre, hübsch und mit ärztlichem Atteste,15 Rupien! Die Erhaltung monatlich 25 Rupien!)– Während des Zusammenlebensdürfen die Kleinen kein Betel kauen, –wenn sie momentan unwohl sind, stellen sieumsonst eine Stellvertreterin, die sie aus denschönsten und jüngsten ihrer Freundinnenaussuchen, – kaum ist die eigentliche Donnawieder hergestellt, so muss die Repräsentantinunbarmherzig verschwinden! – Abendsfahren wir wieder auf dem Flusse, – dasTreiben der Tausende von Gondeln in dermilden Luft und dem vollen Mondschein istherrlich. – Komisch sind die kleinen nacktenKinder, die vom Kopf bis Fuss mit Safraneingerieben werden, – es scheint gegenFliegen und sonstiges Ungeziefer gesund, diekleinen hochgelben Kerle sehen aber gar zuspassig aus. – Spät geht's noch zu unserenjapanischen Freundinnen, wir werden aberdurch einen dort eingedrungenen betrunkenenDeutschen bald verscheucht. | |  STROHHUT |