SHWE DAGONE PAGODE | | Seit frühem Morgen
fahren wir den Irawadi hinauf, einen der
grössten Ströme der Welt – die Ufer flach,
öde. – Am Landungsplatze Tausende von
Zuschauern in den farbenprächtigsten Kleidern,
meist rosa und himmelblau – die Männer
sind schlanker, grösser und schöner als die
stammverwandten Bewohner Siams. Das
Haupthôtel Rangoons, das »British-Burmah H.«,
ist als Gasthof dem Schiffe »Hekate«
ebenbürtig. Hier empfangen uns die vorausgeeilten
Amerikaner mit »bad news from
Austria«, und die furchtbare Nachricht des
Todes unseres Kronprinzen wirkt fast lähmend
auf Poche und mich. – Wir hoffen, die
Kabelgramme haben falsch berichtet – auch
weiss unser Honorarconsul Biedermann noch
gar nichts. – Mit schwerem Herzen erfüllen
wir unsere Touristenpflichten und bewundern
die »Shvay Dagon-Pagode«, entschieden die
prachtvollste, kolossalste, grossartigste Pagode
Asiens. – Die Lage sowohl, als die
Bronzen, Schnitzereien und vor Allem die
321 Fuss hohe, ganz vergoldete Daghoba
sind überwältigend. Mein Plan, einen Dampfer
zu überschlagen, mit der neuen Bahn nach
Mandelay zu fahren und erst nächste Woche
weiter nach Calcutta zu reisen, muss – wie
so manches Andere – aufgegeben werden.
Die Bahn nimmt nur bis Prome Passagiere.
Erst in 14 Tagen wird der Verkehr bis Mandelay
eröffnet – bis jetzt gehen nur Militärzüge
– zur Flussfahrt auf dem Irawádi gebricht
es an Zeit; also morgen nach Maulmain. |