Donnerstag 31. Jänner.

 Ein 2000 Tonnen grosses, scrupulös reingehaltenes, mit elektrischem Lichte versehenesSchiff, ein charmanter rothbärtiger Commandant,Captain England, jovial und lustig,freundliche, artige Officiere, endlich stattder eckligen chinesischen Boys Bengalis alsDiener und Stewarts, schlanke braune Kerlein weissen Musslinanzügen und riesigen Turbans,die lautlos und flink jedem Wunschezuvorzukommen trachten – welcher Gegensatzgegen »Hecuba, Hekate und Co.«! Ineinen langen Rattansessel hingestreckt, den ichin Singapore für 5 Dollars erworben, fangeich an, die Ruhe, das absolute Nichtsthun, vorAllem die herrliche Kühle der Seeluft (nur30° auf Deck) in vollen Zügen zu geniessen.Ein Ehepaar aus Singapore auf der Hochzeitsreise,Harvey, er von einer schwerenKrankheit soeben auferstanden, sie rothhaarig,aber hübsch – der katholische Bischofvon Rangoon, Monsignore Bigandet, einliebenswürdiger alter Herr, der seit 51 Jahrenden fernen Osten bewohnt und nur zumVatican-Concil nach Europa zurückgekehrtist – ein portugiesischer Eurasier, Dr. deSouza aus Rangoon – der »Very Reverendthe Archdeacon of Singapore«, Meredith,ein etwas bornirter Schotte; drei amerikanischeGlobetrotters, John Coolidge ausBoston, der über ein Jahr als Japaner in Japangelebt, Malcolm Thomas aus Boston, undLarz Anderson 2nd aus Washington, ein guterCaricaturist, – das bildet so ziemlich dieGesellschaft. – Die Staterooms sind, wiealles Uebrige, tadellos rein – störend wirktnur eine Armee winziger grauer Ameisen,die aus der Bordwand kommend Tag undNacht über meine Schwämme, über dasWaschbecken und über mein Bett wandert– die Viecher beissen zwar nicht stark, mangewöhnt sich an Alles – aber angenehm ist'snicht. – Dafür gibt es allerdings wenig Kakerlaken.– Auch ein Vortheil!

PRIESTERHAUS