Freitag 18. Jänner.

 Es stürmt, es rollt, es stampft, alle paarMinuten geht ein Platzregen nieder, – dieZebus stinken, die Chinesen ditto, meine geschwolleneWange thut höllisch weh, – vorSingapore ist keine Hilfe möglich. Biegelebenliegt regungslos in seiner Deckcabine undklagt, – Sapieha flucht, nur Poche fügt sichins Unvermeidliche. – Nochmals: »Hol' derTeufel die Tropen!«
Alles im Gleichen, Rollen, Regen, Wind,Gestank, Schmerzen.
Der Wind hat nachgelassen, die Chinaseezeigt sich gnädig, dafür verdoppeln die Zebus,von denen gestern mehrere ins Wasserstürzten, und die lieben Celestials ihre Düfte.– Spiro Mersa hatte recht: mit Chinesen zureisen ist eine Tortur. – Ganz hinten entdeckeich eine Colonie Klings, britisch-indischeSchneider, die vom siamesischen Hofezurückgeschickt werden. – Sie sitzen splitternacktam Hinterdeck und sind sehr seekrank!Mein Fieber ist in schönster Blüthe!
Gleich einer Schiffsladung Schwerverwundeterwurden wir heute früh von der »Hekate«ans Land in Singapore gebracht,blass, schlotternd, abgemagert; besonders ichmit meinem Kürbisgesicht sehe reizend aus.– Auch schlage ich deshalb die EinladungBrand's, mit Biegeleben in Bidadaré zuwohnen, aus, überlasse Sapieha das mir bestimmteZimmer und eile gleich zu den»Sepoy Lines«, einem grossen, in gepflegtemGarten gelegenen, musterhaft gehaltenenMilitärspital. Dr. Simons sticht kunstgerechtmeinen oberen Gaumen auf, und sofort binich von der fünf Tage langen Qual erlöst. –Es lebe die Wissenschaft und das gut geführteFedermesser! Mit Poche habe ich michim grossen Hôtel de l'Europe einquartirt underhalte hier ein geräumiges, nicht gar zuheisses Zimmer, von wo aus ich die prächtige»Esplanade« und die schöne gothischeSt. Andrew's Cathedral übersehe. Im »SingaporeClub« treffe ich beim Tiffin mit den Collegenwieder zusammen, in den hohen Hallenund Sälen streicht Nachmittags die Seeluftdurch, belebend und erfrischend; da vergisstman die 36°, die trotzdem herrschen.

GUIRNHILL Singapore