Mittwoch 23. Jänner.

Um den schmutzigen Gharries zu entgehen, habe ich mir für die ganze Zeit einen Lohnwagen gemiethet, und in diesem schweren Landauer rollen wir nordwestlich auf vorzüglicher Landstrasse, zwischen üppigen Kaffeeplantagen, an zahlreichen Malayendörfern vorbei nach Bukit-Timah, einem in der Mitte der Insel gelegenen, von einem Park bedeckten Hügel, auf dem ein Staats-Bungalow zu längerem Aufenthalte einladet. Das ganze Eiland liegt zu unseren Füssen, südlich hunderte von kleinen Inseln, nördlich jenseits des Tambrohcanals die Malaccahalbinsel und das selbstständige Sultanat Johore. – Um uns Palmenwälder, Jungle und noch Stücke Urwald. – Bukit-Timah wird auch als Sanatorium benützt, in den drei bis vier reinen Zimmern, bei der frischeren Luft und dem herrlichen Rundblicke muss sich's ganz gut wohnen lassen. – In die Stadt zurückgekehrt, müssen Sapieha und ich zu Lavino, der einen schönen Garten und Bungalow mit prachtvoller Norfolkpinie neben den Botanical-Gardens besitzt. Die ganz aus Holländern zusammengesetzte Lawntennis-Gesellschaft muss leider vor einem Platzregen ins Haus flüchten, wo ein kleiner Orang-Utang aus Borneo die Gäste seines Herrn belustigt.

Fattehpore Sikri, Marmorfenster.

24. bis 26. Jänner.

Langsam vergehen die Tage ohne besondere Abwechslung, ohne neue Eindrücke. Der vielbesprochene Ausflug nach Johore, wo wir Tiger zu jagen hofften, ist verschoben, da der Sultan verreist ist; auch die Tour nach Sumatra fällt ins Wasser, da weder Brand noch ein Anderer eine ordentliche Dampfyacht besitzt, und das gewöhnliche Passagierschiff nach Deli viel zu viel Zeit braucht. Der Gouverneur der Straits Settlements ist momentan in Malacca, so dass jede grössere Geselligkeit seitens der Engländer sistirt wird. Biegeleben hat mit Sapieha am Siranganflusse den Jungle abgejagt – leider ganz ohne Erfolg.

Donnerstag Abends war Galadiner bei Brand's, die consularischen Vertreter Deutschlands (C. Frensberg, früher in Haiti), Frankreichs, Belgiens und Italiens, auch ein gewisser Cavaliere A. Luzzatti, Ingegnere Civile, der im Auftrage Chulalonkorn's in Bang-tah-phan Goldminen einrichtet. – Madame Brand überbot sich an Liebenswürdigkeit. – Ein hübscher Ausflug war der zu den »Waterworks«, einem kolossalen ausgemauerten Reservoir, welches das Wasser für ganz Singapore liefert. Schon die vier Meilen hin führen durch reichste und üppigste Waldungen, theilweise in tiefem Schatten, ohne dass Ein Haus, Ein Mensch die Stille dieser tropischen Spazierfahrt stört. Um das Bassin ist ein schöner Park angelegt mit herrlichen Blumen, – eine Colonie Chinesen sorgt als Gärtner für die Erhaltung des Gartens. – Schön ist auch der Park des im Renaissancestil erbauten Government-House, mit Mangrove-, Banian- und Bambusgruppen und einem kleineren Wasserreservoir. Hooper von Johnston & Co. führt Poche und mich ins Gefängniss, eine wahre Musteranstalt, das Ideal von Reinlichkeit, Nettigkeit und Ordnung. Jeder Sträfling nimmt zweimal täglich ein kaltes Bad, und haben wohl die meisten Insassen früher nie so hygienisch gelebt. Nur ist der Commandant, Major Grey, ein liebenswürdiger alter Graukopf, der nach dem Grafen Hübner fragt, zu weich und nachsichtig, und scheinen die 12 europäischen Aufseher gegenüber 1500 Sträflingen viel zu schwach. Es wurden auch schon einige durch die chinesischen und malayischen Bestien mit ihren Steinhämmern erschlagen! Oben auf den Umfassungsmauern kleben Wächterhäuschen, in welchen Sepoys, indische Soldaten, Tag und Nacht postirt sind, um etwaige Fluchtversuche zu hindern. Ueberhaupt ist Singapore der Versammlungsort der ärgsten Gauner des Ostens, des Abschaumes Oceaniens, wohin die Verbrecher Chinas, der Philippinen, Australiens und der Sundainseln strömen. Fast in jedes Bungalow wird alljährlich eingebrochen, und schlafen alle Europäer mit Revolvern unter dem Kissen. Eine Ausnahme bildet Bidadaré, vielleicht weil dort bei Nacht alle Lichter ausgelöscht werden und die Herren Malayen sich im Finsteren schwer orientiren können.

Auf der Esplanade versammelt sich allabendlich das »High-Life« der Stadt, – in der Mitte des Platzes wird Lawn-Tennis gespielt, und rund herum, am Hôtel Europe, an der Kathedrale, am siamesischen Elephanten, am alten Hafendamm vorbei, rollen schwere Landauer mit reichen Chinesen, hübsche Victorias und fesche Dogcarts mit schönen, aber bleichen Engländerinnen, manchmal einige Jin-rickshaws, von stämmigen Malayen gezogen und netten, geschmackvoll gekleideten Japanerinnen darinnen. Für einen Weissen im Rickshaw bei Tage zu fahren wäre »shocking«, dies Vehikel können nur Natives benützen. Ich errege auch das Entsetzen aller anständigen Leute, als ich kühn, die Cigarre im Mund, um 5 Uhr im Rickshaw um den Corso rolle und die empörten Gesichter aller Europäer grinsend beobachte... – Sapieha hat sich endlich entschieden, den Gesandten auf dessen Einladung nach Tokio zu begleiten, – er schwankte lange hin und her, wollte auf dringendes Zureden des Grafen Zaluski mit mir über Britisch-Indien zurück. – Schliesslich rieth ich ihm selbst, nach Japan zu gehen, von wo er über Peking, Kiachta und über Sibirien die Landreise antreten wird. Ganz interessant, aber sehr beschwerlich!

Solches Obst wie hier gibt's wohl in der Welt nicht wieder! Grossartigste Ananasse, Mangos, Mangosteens, Durriens, Pomaloes, vierzehn verschiedene Arten Bananen, Cocosnüsse u. s. w. Das Paradies für Dysenterie!