Sonntag 27. Jänner.

Früh um ½6 Uhr rudere ich im Hafen von Dampfer zu Dampfer, ohne das Boot nach Riouw finden zu können; überall glotzen mich unverständige Chinesen und Malayen an, nirgends ein englisch sprechender Mensch. Wüthend und schnaubend lasse ich den Sampan zur Esplanade zurückkehren und finde dort zu meinem unbeschreiblichen Jubel Biegeleben und Sapieha, – mit diesen vereint erreiche ich endlich das ersehnte Schiff, einen schmutzigen winzigen Dampfer, auf dessen Oberdeck einige 60 Chinesen mit uns zusammengepfercht werden und daselbst ruhig sowohl alle Leibesbedürfnisse erfüllen, als ihre Mahlzeiten kochen, Hühner rupfen, Reis sieden u. s. w. Jeden Moment geht ein Platzregen nieder und durchnässt uns und alle unsere Habseligkeiten; dagegen ist die Fahrt wirklich reizend, an zahllosen Inseln vorbei, die, mit Cocospalmen ganz überwachsen, auf allen Seiten dunkelgrün aus dem Meere auftauchen und wieder verschwinden. Leider ist die Maschine defect, und statt um 3 Uhr laufen wir erst um 6 Uhr den Hafen von Riouw an, einer kleinen friedlichen Stadt, dem Hauptorte der gleichnamigen Insel. Mit Mühe entnehmen wir dem malayischen Kauderwelsch des sogenannten Capitäns, dass er schon um 10 Uhr Abends statt morgen früh zurückkehre; wir sehen daher von den landschaftlichen Schönheiten der niederländischen Insel und ihren Kaffeeplantagen gar nichts. Es ist zu spät, den holländischen Gouverneur aufzusuchen, an den ich durch Lavino Empfehlungsschreiben habe, wir lustwandeln durch die dunkeln Strassen, bewundern die mit echt holländischer Reinlichkeit gehaltenen Bungalows und Clubhäuser und nehmen in einem sogenannten Hôtel ein erträgliches Souper ein, wo es aber wiederum mit der Sprache sehr happert, nachdem Wirth und Wirthstochter blos holländisch sprechen und meine paar Brocken nicht weit reichen. Nach einem förmlichen Kampf mit den Bootsleuten, die uns durchaus übers Ohr hauen möchten, sind wir um 10 Uhr Nachts wieder auf unserem Marterschiffe und suchen alle drei auf zwei Bänken ohne Lehnen so gut als möglich zu schlafen! Ein vergebliches Beginnen. Um 5½ Uhr früh ankern wir vor Singapore, und drei kräftige Rickshawmen rollen uns schläfrig in unsere verschiedenen Herbergen.