Dreizehntes Kapitel.

In Batavia. — Todesfälle. — Ungesundes Klima. — Tupia stirbt. — Die Javaner und ihre Lebensgewohnheiten. — Nationallaster. — Sklaverei. — Abreise.

Am 21. September 1770 gingen wir am frühen Morgen unter Segel und steuerten längs der Küste von Savu westwärts. Am 26. um 7 Uhr abends befanden wir uns in der Breite, in der das Vorgebirge von Java liegt. Trotzdem sah ich kein Land; ich richtete daher meinen Lauf nach Ostnordost. In der Nacht zum 1. Oktober bekamen wir ein Gewitter mit heftigem Donner und Blitz. Mitternacht, als ein fürchterlicher Blitzstrahl Himmel und Meer erhellte, sahen wir Land im Osten. Um 6 Uhr morgens lag das westliche Ende von Java nur noch fünf Seemeilen im Südosten. Am 2. Oktober früh 4 Uhr liefen wir hart an die Küste von Java hinein, sodann steuerten wir längs des Landes hin. Am Morgen schickte ich ein Boot ab, um einige Früchte für den schwer erkrankten Tupia und Heu für das Vieh einzuhandeln. Nach zwei Stunden kam es mit dem Verlangten zurück. Die Küste war so mit Bäumen bewachsen, daß es wie ein einziger Wald aussah und einen herrlichen, zauberhaft schönen Anblick gewährte. Um 11 Uhr sahen wir zwei holländische Schiffe auf der Höhe der Angerspitze liegen. Ich schickte meinen ersten Offizier Hicks aus, um Neuigkeiten aus unserm Vaterland einzuholen, von dem wir so lange nichts gehört hatten. Es war nicht viel, was er zu hören bekam.

Endlich kamen wir nach einigen Kreuzfahrten glücklich auf der Reede von Batavia vor Anker. Hier fanden wir den englischen Ostindienfahrer »Harcourt« und zwei englische Kauffahrteischiffe, dreizehn große und viele kleinere holländische Schiffe vor Anker liegen. Kaum waren wir angelangt, so wurde von einem Schiffe her, das einen Kommandowimpel führte, ein Boot an uns abgefertigt. Der Offizier, der es befehligte, befragte uns, wer wir seien und woher wir kämen, und kehrte dann mit der Antwort sofort an Bord seines Schiffes zurück; er und seine Leute sahen so blaß aus wie Gespenster: eine traurige Vorbedeutung von den Leiden, die wir in einem so ungesunden Lande ausstehen sollten! Kurz darauf sandte ich einen Leutnant an den Statthalter ab, um ihm unsre Ankunft mit dem Ausdruck des Bedauerns zu melden, daß wir ihn nicht wie üblich mit neun Kanonenschüssen begrüßt hätten. Hierauf überreichte mir der Schiffszimmermann den offiziellen Bericht über die Havarien des Schiffes, den ich einem Gesuch an den Statthalter beilegte, das Schiff in der Reede kielholen und reparieren zu dürfen; sodann gingen wir alle ans Land.

Wir begaben uns sofort zu Herrn Leith, einem angesehenen Engländer, um ihn um Rat zu fragen. Herr Leith empfing uns sehr höflich und behielt uns zu Tisch bei sich. Wir fragten ihn, wo wir am besten in der Stadt wohnen könnten. Er teilte uns mit, daß es einen Gasthof in Batavia gebe, in dem alle fremden Kaufleute wohnen müßten; da wir jedoch einem königlichen Schiffe angehörten, so bezweifle er nicht, daß uns der Statthalter erlauben würde nach freier Wahl zu wohnen. Herr Leith meinte, wir könnten uns besser und billiger einrichten, wenn wir in der Stadt ein Haus mieteten und uns zur Bedienung einige Leute vom Schiff aussuchten. Da wir aber niemand an Bord hatten, der sich mit den Eingeborenen wegen des Einkaufs von Lebensmitteln hätte verständigen können, so zogen es unsre Freunde vor, im Hotel zu wohnen. Um 5 Uhr des Nachmittags wurde ich dem Statthalter vorgestellt und mit Auszeichnung empfangen. Er sagte mir, daß ich alles erhalten würde, dessen ich bedürfte; die Petition aber werde er dem Staatsrat unterbreiten, dem er mich vorstellen würde. Um 9 Uhr des Abends brach ein fürchterliches Gewitter mit Sturm, Donner und Blitz über uns herein. Der Blitz spaltete den großen Mast eines holländischen Schiffes, das in unsrer Nähe lag, und schleuderte ihn über Verdeck. Wir würden das nämliche Schicksal erlitten haben, wenn wir nicht kurz vorher eine elektrische Kette aufgehängt hätten, in die der Strahl schlug. Der Blitz fuhr jedoch die Kette entlang ins Wasser, ohne das Schiff zu beschädigen. Wir empfanden nur einen gewaltigen Stoß. Die Kette sprühte Funken, und einer Schildwache, die in diesem Augenblick ihr Gewehr lud, wurde dieses aus der Hand geschleudert und der Ladestock zerschmettert. Von dem Staatsrat erhielt ich am nächsten Morgen persönlich die Zusicherung, daß ich alles, was ich nötig hätte, erhalten sollte.

Da es Herrn Banks im Gasthof zu unruhig war, so mietete er nebenan für sich und seine Freunde ein Privathaus; sobald er sich darin eingerichtet hatte, ließ er den kranken Tupia von Bord holen, dem er nebst Tayeto hier ein Zimmer anwies. Als Tupia die Stadt sah, lebte er wieder auf; er promenierte gern und viel in den Straßen und sah sich alles mit dem größten Interesse an. Als er wahrnahm, daß hier jedermann in seiner Landestracht erscheint, so ging er nur noch in der seinigen aus und wurde deshalb vielfach für Otourou gehalten, den Insulaner, den Herr von Bougainville seinerzeit aus Otahiti mit sich nach Frankreich nahm.

Die Kosten, die die Ausbesserung und die Ausrüstung des Schiffes erforderten, nötigten mich Gelder aufzunehmen. Der Generalstatthalter streckte mir die Summe, die ich brauchte, aus der Kasse der Kompanie vor, worauf ich das Schiff auf die Werft brachte. Unterdessen machte sich das mörderische Klima über uns her. Der erste, der schwer erkrankte, war Tupia; Tayeto bekam eine Lungenentzündung; zwei Bediente des Herrn Banks wurden bettlägerig, und bei den Herren Banks und Dr. Solander stellten sich schwere Fiebererscheinungen ein. Nach wenigen Tagen war fast jedermann von uns krank. Dies rührte ohne Zweifel von der niedrigen, sumpfigen Lage des Ortes und von den unzähligen, unreinen Kanälen her, die die Stadt nach allen Richtungen hin durchziehen. Tupia war der erste, der sich wieder nach der reineren Seeluft sehnte. Herr Banks ging mit ihm nach dem Kuyporeiland und errichtete ihm bei der Schiffswerft ein Zelt. Auch pflegte er ihn so lange, bis er selbst so schwach wurde, daß er kaum mehr gehen konnte. Dr. Solander brach ebenfalls zusammen, und unser Schiffsarzt Monkhouse konnte das Bett nicht mehr verlassen. Am 5. November, an dem Tage, wo das Schiff umgelegt wurde, starb der arme Monkhouse, ein einsichtsvoller Arzt und uns allen ein treuer Freund. Ein furchtbarer Schlag für uns. Herr Banks war so schwach, daß er nicht einmal dem Leichenbegängnis beiwohnen konnte. Der Tod kam uns allen sichtbar näher, und wir konnten ihm nicht entfliehen. Am 9. November starb Tayeto, dessen Tod unsern armen Tupia so furchtbar hart traf, daß wir an seinem Aufkommen zu zweifeln begannen.

Der Boden des Schiffes war unterdessen genau untersucht worden. Der Afterkiel fehlte bis auf eine Kleinigkeit; der Hauptkiel war schwer beschädigt; ein großer Teil der Schiffshaut fehlte, und viele von den inneren Planken waren derart abgescheuert, daß sie kaum mehr einen achtel Zoll dick waren. Auch die Würmer hatten ihr Zerstörungswerk begonnen und die Rippen angefressen. In diesem trostlosen Zustand war das Schiff viele Hunderte von Seemeilen über den Teil des Weltmeers gesegelt, der für die Schiffahrt als der gefährlichste gilt. Welches Glück, daß wir nicht wußten, daß unser Schiffsboden noch dünner als eine Schuhsohle war, daß zwischen uns und dem bodenlosen Abgrund des Korallenmeers nur diese dünne Scheidewand war! Und allen diesen Gefahren waren wir entgangen, um hier am Lande eines elenden Todes zu sterben!

Die Herren Banks und Dr. Solander waren so krank, daß der Arzt ihnen als einziges Rettungsmittel Luftveränderung vorschrieb. Wir mieteten ihnen ein Landhaus zwei Meilen von der Stadt entfernt und kauften ihnen auf ihren Wunsch zwei malaiische Sklavinnen als Pflegerinnen. Kurz nach der Übersiedelung der beiden Herren starb zu unser aller Leidwesen der arme Tupia, der sich von dem Verluste seines jungen Freundes nicht mehr erholen konnte. Zum Glück wirkten die Seeluft und der Landaufenthalt bei unsern andern Kranken; die Herren Banks und Dr. Solander erholten sich zusehends. Während sie genasen, erkrankten andre, so daß von der ganzen Besatzung kaum zehn Mann imstande waren Dienst zu tun. Auch ich konnte mich vor Fieber nicht mehr aufrecht halten. Desungeachtet fuhr ich fort, das Schiff auszurüsten und den nötigen Proviant einzuhandeln. Am 26. November stellte sich nach einem furchtbaren, wolkenbruchartigen Unwetter der Passatwind ein. Der Regen durchströmte unser Landhaus wie ein Sieb; und in den untern Zimmern wütete das Wasser wie ein Bach, der ein Mühlrad hätte treiben können. In der Stadt war es nicht anders. Alles war überschwemmt. Auf diese Weise stellte sich die Regenzeit ein; doch gab es noch schöne und heitere Tage. Die Frösche, die hier zehnmal lauter quaken als die europäischen, waren uns zu gute Wetterpropheten, und die Moskitos, die in der heißen Jahreszeit lästig genug waren, wurden zur Landplage; sie schwärmten aus ihren Pfützen und Tümpeln in solcher Unzahl, daß man sich ihrer kaum erwehren konnte. Aber der Mensch gewöhnt sich an alles.

Am 8. Dezember war das Schiff ausgebessert, die Kranken waren an Bord, und wir liefen die Reede hinauf. Hier ankerten wir bis zum 24. Dezember, um das Schiff vollständig auszurüsten und zu verproviantieren. Wir wären früher fertig geworden, wenn uns nicht Krankheiten und Todesfälle heimgesucht hätten.

Am Nachmittag verabschiedete ich mich von dem Statthalter und den angesehensten Bürgern, die uns während unseres Aufenthalts in Batavia so gastfreundlich begegnet waren. Weihnachten feierten wir am Lande; am Abend des ersten Feiertags gingen wir alle an Bord, und am 26. Dezember früh 6 Uhr lichteten wir die Anker. Der englische Ostindienfahrer Elgin, Kapitän Cook, ein Namensvetter von mir, mit dem wir sehr frohe Stunden verlebt hatten, begrüßte uns mit dreimaligem Hurra und dreizehn Kanonenschüssen; das Fort brachte einen Salut von vierzehn Schüssen. Beide Grüße erwiderten wir mit Hilfe unsrer Drehbassen.

Wir waren aber kaum an den letzten Schiffen vorüber, als der Wind sich drehte und uns zwang, bis zum nächsten Tag vor Anker zu gehen. Zu dieser Zeit belief sich die Anzahl unsrer Kranken an Bord auf vierzig Mann, und der Rest war kaum genesen. Mit Ausnahme des Segelmachers, eines Jünglings von ungefähr 75 Jahren, waren wir alle mehr oder minder krank; der gute Knabe war aber während unseres ganzen Aufenthalts in Batavia niemals so nüchtern gewesen, daß er selbst hätte wissen können, ob er die Malaria hatte oder nicht; jedenfalls hat er sie weggeekelt, während wir im ganzen sieben Genossen ans Grab zu begleiten hatten. Von diesen fielen sechs dem Klima zum Opfer, während der arme Tupia mehr seiner veränderten Lebensweise unterlag.

Batavia, die Hauptstadt der holländischen Kolonien in Java, ist, was die Kanäle betrifft, ein zweites Holland, ein zweites Venedig. In der heißen Jahreszeit aber verpesten diese Kanäle mit ihrem stagnierenden Wasser die Luft; in der Regenzeit überschwemmen sie die niedriger gelegenen Stadtteile mit ihrem Schlamm und ihrem Kot und sind beinahe stets mit Tierleichen gefüllt. Tote Hunde und Pferde bleiben so lange liegen, bis sie von einer zufälligen Überschwemmung abgetrieben werden. Ich sah hier einen toten Ochsen über acht Tage lang im Hauptkanal umhertreiben. Daher auch die ungesunden Verhältnisse von Batavia, die so mörderisch sind, daß, wie man uns sagte, von hundert Soldaten, die aus Europa hier anlangen, kaum fünfzig das erste Jahr überleben und kaum zehn dienstfähig sind. Dieser Bericht kann zwar übertrieben sein, allein die Gespenster, die wir hier mit einem Gewehr herumlaufen sahen, bestätigen die traurige Wahrheit des Gesagten. In ganz Batavia haben wir keinen wirklich gesunden Mann getroffen; auch die Frauen sahen alle blaß und krank aus. Man nimmt hier die Arzneien fast gewohnheitsmäßig ein und spricht vom Sterben wie von einer alltäglichen Sache. Die Eingeborenen verbrennen eine Unmasse von wohlriechendem Holz und Harzen und sind die üppigsten Blumenzüchter, die man sich denken kann; vermutlich sollen ihnen die Wohlgerüche als Gegengift gegen die mephitischen Ausdünstungen ihrer Gruben und Kanäle dienen.

Wir sahen zwar viele weiße Frauen, aber kaum zehn waren geborene Europäerinnen; doch stammten die meisten von Europäern ab. Merkwürdigerweise schadet das Klima den Frauen weniger als den Männern. Diese Kreolinnen ahmen jedoch die Gebräuche der Malaiinnen so sehr nach, kauen Betel wie sie und tragen Kleidung und Haar so sehr nach der Mode der Eingeborenen, daß man sie nur an der Hautfarbe erkennen kann. Die Bevölkerung selbst besteht aus Holländern, Portugiesen, Chinesen, Malaien und Negern. Die Chinesen treiben meist Handelsgeschäfte; sie sind in der Tat die rührigsten Kaufleute, die man sich denken kann, und ohne sie ist hier kein Geschäft möglich. Die Portugiesen, die Java bevölkern, haben sich mit den Javanern so sehr vermischt, daß man sie nur an der Hautfarbe von ihnen unterscheiden kann. Die Malaien sind meist als Sklaven von den benachbarten Inseln importiert und später freigelassen worden. Als Mohammedaner nennen sie sich die Rechtgläubigen, die Isalams, was sie aber nicht hindert, sich durch Opiumhandel zu bereichern, Betel und Areka zu pflanzen und die Laster ihrer alten Heimat getreulich beizubehalten. Die eigentlichen Javaner sind mit den Isalams verschmolzen. Männer wie Frauen verwenden trotz des Betelkauens auf die Pflege ihrer Zähne die größte Sorgfalt, indem sie die Zähne gleichlang abfeilen und eine Rinne in die obere Zahnreihe schneiden, die mit dem Zahnfleisch parallel läuft. Allgemein frönen sie dem Laster des Opiumrauchens so sehr, daß unter ihnen eine besondere Art von Wahnsinn herrscht, den man das Amoklaufen nennt. Wenn jemand Amok läuft, so ist er vogelfrei, man kann ihn niederschlagen wie einen tollen Hund, denn er ist nichts anders als ein Tobsüchtiger, der sich mit Opium zu einem Mord berauscht, rasend auf die Straße läuft und nun unterschiedslos jedermann anfällt, der ihm begegnet. Wir sahen einen wohlhabenden Mann Amok laufen aus Eifersucht auf seinen Bruder, den er in seinem Blutrausch tötete. Diese Mordmanie ist so verbreitet, daß die Gerichtsdiener eigene Fangapparate, große Gabelzangen, mit sich herumtragen, um die Amokläufer, die ihr Leben teuer genug verkaufen, unschädlich zu machen. Die gefangenen Amokläufer werden unmittelbar nach ihrer Verhaftung auf dem Schauplatz ihres ersten Mordes ohne Gnade lebendig gerädert.

Merkwürdig ist, daß die Javaner, obwohl sie meist Mohammedaner sind, den Teufel als den Urheber alles Übels anbeten und ihm in der Not sogenannte Versöhnungsopfer darbringen. Auch glauben sie, daß manche Menschen einen Sandura, d. h. ein Krokodil, als Zwillingsbruder hätten. Die Familie, in der sich eine solche Geburt ereignet haben soll, trägt ihrem Sandura im nahen Fluß so reichlich Nahrungsmittel zu, daß sie selbst oft darunter notleidet; denn eine Vernachlässigung dieser Pflicht wird unnachsichtlich mit einem Krankheits- oder Sterbefall in der Familie geahndet. Eine junge Sklavin, die unter Engländern erzogen worden war, erzählte Herrn Banks, ihr Vater habe ihr auf seinem Totenbett entdeckt, daß er ein Krokodil zu seinem Sandura hätte, und habe ihr aufgetragen, die Bestie zeit ihres Lebens zu füttern. Sie gehe daher jeden Tag an den Fluß, um ihren Oheim zu füttern. Gegen die Macht dieses Aberglaubens helfen keine Vernunftgründe. Die Leute glauben so fest an die Mythe vom Sandura, daß sie an gewissen Festtagen gemeinsam hinausrudern, um ihre gefräßigen Verwandten mit Fleisch, Betel und Tabak zu regalieren.

Nächst den Chinesen, die in einem besondern Quartier wohnen und allen ihren Nationallastern, dem Opiumrauchen und dem Spiele frönen, sind in Batavia die Sklaven am zahlreichsten. Jedermann hält sich zu seiner Bedienung Sklaven, und wo man einen Holländer, einen Portugiesen oder einen Isalam sieht, er sei vornehmen oder geringen Standes, reich oder arm, so sieht man ihn in Begleitung seiner Sklaven. Man führt sie aus Sumatra und den östlichen Provinzen ein. Die Javaner selbst sind durch die Gesetze und schwere Strafen vor der Leibeigenschaft und dem Lose geschützt, als Sklaven in dem Lande zu leben, dessen Herren sie einst waren; eine gesetzgeberische Maßnahme, die ihrem trägen Sinne wenig zusagt, zumal da die Sklaven hier ein Leben wie in Arkadien führen und die faulste Menschensorte unter Gottes Himmel sind. Für einen Sklaven zahlt man in Batavia zehn bis zwanzig Pfund Sterling, für ein Mädchen, wenn es schön ist, bis zu hundert Pfund. Man hat Sklaven aus allen Völkerschaften. Berüchtigt sind die Negersklaven aus Afrika, die man hier Papuas nennt; sie sind Diebe und unverbesserliche Faulenzer. Nicht viel besser sind die Sklaven von der Insel Celebes, die sich nicht nur durch ihre Faulheit, sondern auch durch ihren rachsüchtigen Charakter auszeichnen. Die zuverlässigsten Sklaven kommen aus Bali, die schönsten Sklavinnen aus Bias, einer kleinen Insel bei Sumatra. Leider sind diese Mädchen körperlich so zart, daß sie dem mörderischen Klima von Batavia leicht erliegen. Die Sklaven stehen unter der Strafgewalt ihrer Herren; wer jedoch seinen Sklaven so mißhandelt, daß er daran stirbt, verfällt der Todesstrafe. Daher züchtigen die Sklavenhalter ihre Leute nicht selbst, sondern sie überlassen das dem Marineu, einer Gerichtsperson, der es obliegt, den Straßenfrieden zu wahren, die Amokläufer einzufangen und straffällige Sklaven zu züchtigen. Dies besorgt jedoch der Marineu nicht selbst, sondern er läßt es von seinen Sklaven ausführen. Die Sklaven werden öffentlich vor der Haustüre ihres Herrn, die Sklavinnen innerhalb des Hauses gezüchtigt. Als Strafinstrument dienen dünne Bambusrohre, die aber so kräftig wirken, daß auf jeden Hieb Blut fließt. Für jede gewöhnliche Exekution erhält der Marineu einen Taler, für eine besonders harte einen Dukaten.