Fünfzehntes Kapitel.

Heimreise. — Eine Sträflingsinsel. — St. Helena. — Grausame Behandlung der Sklaven daselbst. — Wieder zu Hause.

Am 14. April 1771 früh hoben wir den Anker und steuerten aus der Bai hinaus. Um 5 Uhr des Nachmittags befanden wir uns an der Pequin- oder Robininsel, wo wir für die Nacht vor Anker gingen. Da ich am Morgen der Windstille wegen nicht weiter konnte, so schickte ich ein Boot nach der Küste, um einige Kleinigkeiten einzukaufen, die ich am Kap zu kaufen vergessen hatte. Als sich das Boot der Küste näherte, wurde es angerufen und ihm die Landung untersagt. Gleichzeitig erschienen sechs Soldaten am Strand und stellten sich in Reih' und Glied mit angelegtem Gewehr auf. Um ein paar Köpfe Gemüse, denn darum handelte es sich, wollte der das Boot kommandierende Offizier kein Blut vergießen; er kehrte daher zum Schiff zurück. Anfänglich war uns die wenig gastfreundliche Art der Herren Holländer befremdlich, aber dann erinnerten wir uns, daß die Kapholländer ihre schweren Verbrecher auf diese Insel deportierten, wo sie in den Kalksteinbrüchen, deren es hier sehr viele gibt, schwer arbeiten mußten. Auch erinnerten wir uns des Vorfalls, der die Kapregierung bewogen hatte, künftighin jede Landung eines fremden Schiffes auf der Strafinsel zu untersagen. Der Fall war allerdings provozierend genug und macht die Rigorosität der Holländer verständlich. Der Kapitän eines dänischen Schiffes nämlich, dem seine Mannschaft durch Sterbefälle stark dezimiert worden und dem es nicht gelungen war, in Kapstadt so viele Ersatzmannschaften anzuheuern, als er zu seiner Heimreise gebrauchte, hatte die Wachmannschaften auf der Insel überfallen und sich so vieler Verbrecher bemächtigt, als er zur Bedienung seines Schiffes nötig hatte. Diesem Gewaltakt hatten wir es zu verdanken, daß man uns die Landung verwehrte, was wir sehr begreiflich fanden.

Am 25. erst konnten wir bei leichtem Ostwind die Anker heben und wieder in See gehen. Um 4 Uhr starb unser leichtlebiger Steuermann Robert Mollineux. Er war ein junger, sehr befähigter Seemann, aber zu seinem Unglück genoß er die Freuden des Lebens in vollen Zügen, so daß er sich selbst während seiner Krankheit nicht schonte. Aber sein Tod ging uns allen sehr nahe, denn er war die Lebensfreude selbst und in den fatalsten Lagen stets bei guter Laune.

Am 29. April passierten wir den Äquator. Wir hatten nunmehr die Welt von Osten nach Westen her völlig umsegelt. Natürlich veranstalteten wir bei dieser Gelegenheit ganz besondere Festlichkeiten, an denen sogar unsre Kranken und Rekonvaleszenten regen Anteil nahmen. Am 1. Mai erblickten wir bei Anbruch des Tages die Insel Sankt Helena. Am Mittag legten wir uns auf der Reede vor dem Fort James vor Anker, wo wir bis zum 4. Mai blieben.

Herr Banks, der sich vollständig wieder erholt hatte, machte in dieser Zeit eine Rundfahrt um die Insel herum. Sankt Helena liegt fast in der Mitte des Großen Ozeans und ist von der Küste Afrikas 400, von der Amerikas 600 Seemeilen entfernt. Die Insel besteht aus dem Gipfel eines ungeheuren Berges, der steil aus der unergründlichen Tiefe des Meeres hervorragt und nicht über zwölf Seemeilen lang und sechs breit ist. Bekanntlich ist in den Ländern, wo es Vulkane gibt, deren Sitz stets in den höchsten Bergen zu suchen. So ist der Ätna der höchste Berg von Sizilien und der Vesuv der von Neapel. In Island ist der höchste Berg der Vulkan Hekla; in Südamerika liegen die Vulkane in den höchsten Regionen der Anden und in dem berühmten Pik von Teneriffa. Alle diese Vulkane brennen noch. Aber es gibt noch eine Menge ausgebrannter Vulkane; unter diese gehört die Insel Sankt Helena. Ihre Oberfläche ist sehr uneben, bald Berg, bald Tal. Diese Ungleichheiten des Bodens sind dadurch entstanden, daß sich die Erde infolge der Wirkungen des unterirdischen Feuers stellenweise hob oder senkte. Jedenfalls ist die Insel vulkanischen Charakters, wie die dort vorkommenden Gesteinarten beweisen.

Als wir uns der Insel auf der Windseite näherten, sah sie einem ungestalten Haufen Felsen gleich, die nach der See hin fürchterlich steil abfallen und ohne jede Vegetation sind. Als wir noch ziemlich weit von der Küste entfernt waren, glaubten wir, daß uns die große Entfernung die Vegetation verberge; allein je näher wir kamen, desto trostloser sahen die kahlen Felsen aus. Einzelne Felsen neigen sich mit ihren Gipfeln gleichsam über die See, so daß wir unter ihnen hindurchfuhren; es sah geradezu beängstigend aus. Es war uns zumute, als wollten die Felsen herabstürzen. Der Anblick war so furchterregend und bedrohlich, daß wir unwillkürlich die Augen schlossen. Endlich gelangten wir an das Kapellental, das wie ein großer trockener Graben aussieht. Und in diesem traurigen Graben, dessen Boden mit spärlichem, dünnem Graswuchs bedeckt ist, liegt die Stadt.

So sieht auf den ersten Anblick die Insel aus. Hinter den Bergen erst beginnt die Vegetation, die allerdings ebenso reich wie vielseitig ist und die Produkte aller Zonen hervorbringt. Die Stadt liegt hart am Strande. Sie besitzt viele, schlecht gebaute Häuser, eine alte, baufällige Kirche und ein ebenso altes Stadthaus. Alle weißen Einwohner der Insel, die im Besitz der Englisch-Ostindischen Kompanie ist, sind Engländer. Allein da sie für ihre Rechnung keine Schiffahrt zum Zweck des Handels treiben dürfen — die Kompanie hat dieses Verbot erlassen — so sind sie auf den Kleinhandel angewiesen, den sie mit den einlaufenden Schiffen treiben. Dennoch könnten sie gute Geschäfte machen, würden sie sich die Lage der Insel, auf der nicht nur alle europäischen, sondern auch alle ostindischen Landesprodukte gedeihen, mehr zunutze machen.

Es gibt zwar Pferde genug auf der Insel, doch dienen sie nur zum Reiten. Als Lasttiere dienen hier die Sklaven, und diese Unglücklichen, die fast aus allen Gegenden der Welt hier zum Verkauf kommen, werden in der fürchterlichsten Weise ausgenützt und durch die schweren Arbeiten, die man ihnen aufbürdet, auf die schnellste Weise aufgerieben. Die unerhörtesten Mißhandlungen und die unglaublich rohe Behandlung, denen die hiesigen Sklaven ausgesetzt sind, machen sie zu den unglücklichsten Menschen unter der Sonne. Es tut mir leid, daß ich die Klagen dieser Unglücklichen für berechtigt halten und daß ich zur Schande meiner Landsleute hier konstatieren muß, daß sie ihre Sklaven weit grausamer und unmenschlicher behandeln als die Holländer am Kap und in Batavia die ihrigen. Und die holländischen Sklavenhalter sind doch dafür bekannt, daß sie aller Menschlichkeit bar sind.

Am 4. Mai lichteten wir die Anker. Um 1 Uhr nachmittags liefen wir in Gesellschaft des Kriegsschiffs »Portland« und von zwölf Ostindienfahrern in See. Mit dieser kleinen Flotte segelten wir bis zum 10. Mai. Da ich aber wahrgenommen hatte, daß wir mit den übrigen Segelschiffen auf die Dauer nicht in der Schnelligkeit konkurrieren könnten, so signalisierte ich dem »Portland«, er möge mir jemand an Bord senden. Der Kapitän erschien in eigener Person, und ich händigte ihm einen Brief an die Admiralität sowie ferner die Schiffsrechnungsbücher und die Tagebücher der verstorbenen Offiziere ein, da er voraussichtlich vor uns nach England kommen würde. Am 23. Mai verloren wir die ganze Flotte aus dem Gesicht. Am Nachmittag starb mein erster Leutnant Hicks an der Schwindsucht, mit der er schon in England behaftet war; seit Batavia nahm die Krankheit zu. Am Abend bestatteten wir ihn feierlich in des Seemanns Kirchhof, dem Weltenmeer. Unser Takelwerk und unsre Segel waren so schlecht geworden, daß sie fast jeden Tag stückweise in Fetzen gingen. Doch setzten wir unsre Reise ohne Unfall fort. Am 10. Juni erblickte Nikolaus Young, derselbe Schiffsjunge, der Neuseeland zuerst entdeckt hatte, Land; es war Kap Lizard. Am 11. liefen wir den Kanal hinauf; am 12. mittags sahen wir uns Dover gegenüber; und um 3 Uhr kamen wir in den Dünen vor Anker und landeten in Deal.

Bei uns ist ferner erschienen:

Quintessenz der Lebensweisheit und Weltkunst.

Lord Chesterfield

Briefe an meinen Sohn.

Ausgewählt und aus dem Englischen übersetzt von

Dr. Karl Munding.

22.-25. Tausend.

In moderner Ausstattung :: Leicht gebunden 3 Mark 60 Pf.
In feinem Leinenband mit Goldschnitt 5 Mark.

Der Inhalt dieses Werkes ist weltberühmt.

Ein Vater schreibt seinem Sohne Briefe der allervertraulichsten Art. Der Sohn steht im Begriff, ins praktische Leben einzutreten. Der ihn zärtlich liebende Vater möchte ihm die Wege ebnen. Ein vollendeter Welt- und Menschenkenner, der eine fast fünfzigjährige Erfahrung hinter sich hat, der immer mit offenen Augen, immer sonnenklar in die Welt hineingeschaut, ein Mann, der die Sonde des schärfsten Verstandes an die Menschen legte, spricht zu einem unerfahrenen Jüngling, um ihm diejenige Erkenntnis beizubringen, die in den Stürmen, Nöten und Bedrängnissen des Lebens wohl keinem erspart bleibt, die aber die meisten erst mit ihrem Herzblut erkaufen müssen.

Jahrelang wird die Korrespondenz geführt. Der Inhalt der Briefe wächst allmählich an zu einem ganzen System der Weltkunst und Lebensweisheit. Immer wieder werden neue Saiten aufgezogen. Da stirbt der inzwischen zum Manne herangereifte Sohn. Fünf Jahre später folgt ihm der Vater. Kaum hat sich das Grab über ihm geschlossen, so fliegen auch schon seine Briefe in die Welt hinaus. Die Gattin des Sohnes verkauft sie in Bausch und Bogen einem Buchhändler für die enorme Summe von 30000 Mark. Und schon ein Jahr später sind sie öffentliches Gemeingut. In den Salons der »oberen Zehntausend«, in der ganzen gebildeten Welt spricht man von »Chesterfields Briefen an seinen Sohn«.

Die Briefe Chesterfields sind der Ausfluss einer durch das Alter und zahlreiche Erfahrungen gereiften Lebensweisheit. Chesterfield ist Realist. Er beleuchtet und nimmt die Menschen wie sie sind und zeigt den Weg, der zum Frieden mit ihnen führt. Das Buch enthält einen herrlichen Schatz der feinsten Beobachtungen und Lebensmaximen. Es spricht ein feiner, erfahrener und liebenswürdiger Geist zu uns. Das Buch lehrt, wie man mit den Menschen verkehren soll, was man tun muss und was man nicht tun darf, um in der Welt fortzukommen und sein Glück zu machen. Es ist ein nützliches Geschenkwerk allerersten Ranges, besonders für Jünglinge. Aber selbst auch ein Virtuose der Lebenskunst wird noch vieles daraus lernen.

Schwabacher'sche Verlagsbuchhandlung in Stuttgart.

Bei uns ist ferner erschienen:

Unseren Söhnen.

Ratschläge für ihr äusseres Leben
daheim und in der Fremde.

Von

— M. Grimm. —

Broschiert 3 Mark. Fein gebunden 4 Mark.

Einige Urteile der Presse:

»Ein wahrhaft vorzügliches Buch, das besonders allen denen, die aus den sicheren Grenzen des Elternhauses zum erstenmal allein in das Leben hinaustreten (sei es des Studiums oder eines andern Berufs halber) nicht warm genug empfohlen werden kann.«

Deutsche Warte.

»Seit langem haben wir kein so nützliches Buch in die Hand bekommen.«

Frankfurter Zeitung.

»Gewissermassen ein Lexikon der Praxis — gibt dem jungen Manne Aufklärung über Dinge, über die alle Konversationslexika sich in Schweigen hüllen.«

Weser-Zeitung.

»Ein durchaus prächtiges Buch, dessen Besitz wir jedem in das Leben eintretenden jungen Manne wünschen möchten. Es wird ihm ein guter Berater und bald ein lieber Freund sein.«

Breslauer Zeitung.

Schwabacher'sche Verlagsbuchhandlung in Stuttgart.