Elisa
in zwei Gesängen.
Erster Gesang.
Tod.
Welch’ ein Getümmel erschallt auf Edoms sandigen Fluren?
Nächtliche Schatten umhüllen die Erd’, und es strömt aus dem Lichtmeer
Zahlloser Stern’ ihr nur ein schwachumleuchtender Schimmer,
Heute noch zu: denn weit erhellen den wölbenden Himmel
Lagerfeuer umher; das Wiehern der Ross’, und der Krieger
Lautes Geschrei durchfährt die gesonderten Heere mit Schauder.
Doch wie nahet dem wilden Gewirr’ umlagernder Gegner
Jetzt in der Stille der Nacht Elisa, der Seher Jehova’s?
Als Helias der Erd’, im wetternden Feuer entrissen,
Ihm der Prophetenwürd’ erlesenes Zeichen, den Mantel,
Gab an dem Jordan, zuvor: da erfüllt’ urplötzlich die Brust ihm
Heilige Gluth für Jehova’s Ruhm, und er eilte von dannen,
Sein verirretes Volk auf die früheren Pfade des Heiles
Wieder zu führen durch Lehr’, und mächtiger Thaten Vollendung.
Drüben zu Jericho gab er zuerst der schädlichen Quelle
Fruchtbarkeit und Geschmack: nur weniges Salz mit dem Wasser
Mengend, und blickend empor mit festem Vertrau’n zu Jehova,
Und erflehte von ihm die Straf’ auf die Knaben vor Bethel,
Die mit unbändigem Trotz’ ihn verhöhneten: grimmige Bären
Eilten vom Walde heran, und zerrissen Jehova’s Verächter:
Freunde des Bilderdienst’s, und darum die Feinde des Sehers.
Jetzo gewahrt’ er im Feld die Umlagernden. Israels Herrscher,
Joram, einte sein Heer mit Josaphats, Königs von Juda,
Scharen, und Gimals krieg’rischem Volk, der Edom beherrschte,
Daß er, im furchtbarn Bund, zerschmett’re die Völker von Moab,[1]
Die, von Mesa, dem König’, empört, den Tribut von den Heerden
Ihm verweigerten, kühn gesinnt, und zum Kampfe gerüstet.
Erst an des Todten-Meer’s von Trauer umhüllten Gestaden,
Zog das verbündete Heer g’en Edom, und eilete rastlos
Vorwärts, bis es, verirrt in den Sandgefilden der Wüsten,
Und verschmachtend vor Durst, nach siebentägiger Wand’rung
Laut um Rettung schrie zu den Königen. Joram, der Herrscher
Israels, rief, verzweifelnd, zuerst mit jammerndem Laut’ auf:
„Weh’, im furchtbaren Zorn hat uns Jehova verleitet,
Durch die Wüste zu zieh’n, wo wüthende Feinde, vor Rachsucht
Tobend, uns weitumher die Spuren der Quellen zerstörten;
Wo kein Strom sich ergießt, kein Bach im sanften Gemurmel
Netzt, und kühlet den glühenden Sand: daß Menschen und Thieren
Schwinde der Muth und die Kraft, und wir, ein elendes Opfer,
Fallen durch Moabs Schwert im schmachgebärenden Kampf hier!“
„Wie,“ so entgegnete Josaphat ihm, „du sprichst von Jehova?
Wer ist zur Hand, der uns im Nahmen des Ewigen künde,
Was er im Geiste vernahm — ein gotterleuchteter Seher?“
Eben brachten in sorglicher Hast edomitische Krieger
Einen Fremdling heran, der fern’ an der äußersten Vorhuth,
Schweigend, vorüberging. Ein Späher schien er von Anseh’n,
Von dem Feinde gesandt, in geheim zu erforschen das Lager;
Aber geführt in Jorams Zelt, wo im wichtigen Kriegsrath
Saßen die Fürsten, vereint mit den Feldherrn, sah er die Augen
Aller gewendet nach ihm. Wie er stand, mit den feurigen Blicken:
Klein von Gestalt, ergraut und kahl in der Blüthe des Lebens:
Denn ihm kocht’ in den Adern das Blut, und sein Feuer verzehrt’ ihn,
Rief, ein Staunender, Josaphat aus: „Ha! seh’ ich Elisa,
Saphaths Sohn, vor mir? Dich leitete Gott in das Zelt her.“
Aber Joram begann, voll Hast und Ungeduld, also:
„Sprich, gerühmter Prophet, was hat Jehova beschlossen,
Welchem du dienst? Wird Moabs Volk uns erliegen im Schlachtfeld?
Oder entbrannte sein Zorn, und liefert er jetzo den Feinden
Uns in die Hand? Erforsche den Gott, und verkünde die Wahrheit.“
Finster blickt’ Elisa nach ihm, und sagte, voll Unmuths:
„Wie, du fragst, du Abgötter, mich, den Diener Jehova’s,
Nicht die Propheten Baals, die schon dein herrschender Vater,
Achab, emsig befragt’, und Jesabel nährt’ in der Hofburg,
Sie, die Mutter dir ist, und rathersinnende Freundinn?
Stünde nicht Josaphat hier, der, treu dem Schöpfer des Weltalls,
Keine Götzen verehrt, fürwahr, nicht würd’ ich dir Antwort
Geben, o Fürst! Nun hört: ich komme, gesandt von Jehova!
Schafft den Harfner herbei, daß er eine die Töne der Saiten
Meinem heil’gen Gesang’. Ich künde Jehova’s Gericht’ euch.“
Sagt’ es, und ließ sich am Zelteingang’ auf den wolligen Teppich
Nieder, harrend daselbst des hochgefeierten Harfners,
Der, ein Greis, in den Jahren unendlichen Jammers erblindet,
Schwermuth nährt’ in der wunden Brust, und im Haufen des Volkes
So, wie im traulichen Kreis’ der Freund’, ein Schweigender, weilte:
Denn ihm raffte der Tod die Gattinn und blühende Kinder
Frühe hinweg; er stand, verlassen im einsamen Leben!
Jetzo trat er in’s Zelt. Die Schulter des leitenden Knaben
Hielt er fest mit der Linken, und trug die Harfe mit Sorgfalt
Unter dem Arm, gesenkt in die Höhle der zitternden Rechten.
Sitzend dort auf der Bank, durchfuhr er mit prüfenden Fingern,
All’ die goldenen Saiten zugleich, und in Milde verkläret
Ward sein Gesicht, da er leis’ aufhorchte dem schwebenden Wohllaut.
Dann ertöneten hell und gedämpft, vereinet und einzeln,
Von der Linken und Rechten durchwühlt, die Saiten — es pochte
Allen das Herz in der Brust, bis jetzt, wie lieblicher Westwind
Folgt dem brausenden Nord, und melodisch säuselt am Abend,
Immer sanfterentwirrt aus vielverschlungenen Tönen,
Sich auflös’te dem Ohr die Weise des hehren Gesanges.
Erst aufhorchte dem Harfenklang der heilige Seher,
Ruhigen Blicks; doch jetzt entflammt’ er sich: glühender Purpur
Färbte sein blasses Gesicht; er hob in schwebender Haltung
Von dem Boden sich auf, und begann in hoher Begeist’rung:
„Groß ist Jehova, der Herr: denn Himmel und Erde verkünden
Seine Macht! Du hörst sie im brausenden Sturm’, in des Waldstroms
Lautaufrauschendem Ruf’, in des grünenden Waldes Gesäusel;
Sieh’st sie in wogender Saaten Gold’, in lieblicher Blumen
Glühendem Schmelz’, im Glanz des stern’erhelleten Himmels.
Furchtbar tönt sie im Donnergeroll, und flammt in des Blitzes
Schnellhinzuckendem Flug; doch kündet das pochende Herz dir,
Fühlbarer noch, Jehova’s Macht, des ewigen Gottes,
Blickst du, flehend, empor, und hoff’st von ihm Huld und Erbarmen!“
„Höret Jehova’s Wort, verbündete Völkerbeherrscher!
Grabt nun Gruben im Thal’, und Gruben auf Gruben im Blachfeld:
Denn nicht höret ihr rauschen den Wind;[2] nicht seht ihr den Himmel,
Schwarzumflort vom Gewölk, das dauernden Regen im Schooß trägt:
Dennoch sollt ihr das Thal, und sollet das Lager erfüllet
Seh’n von gewaltiger Fluth, dem Menschen und Thiere zur Labung.
Moab fällt euch besiegt; doch weh’, ihr grausamen Sieger!
Ist’s nicht genug zu verwüsten die Städt’, und zerstören die Vesten?
Soll von eurem geschwungenen Beil noch jeglicher Fruchtbaum
Stürzen gefällt, in den Staub, und sollen die kühligen Brunnen
Voll mit Sande gefüllt, den Wanderer nimmer erquicken?
Wollt ihr, erboßt, auch noch die reichernährenden Felder
Ueberdecken mit Sand und Gestein, und in Wüsten verwandeln?
Also wüthet ihr bald, getrieben von schrecklicher Rachgier.“
Tief verstummte Jehova’s Prophet; die tönenden Saiten
Schwiegen: er kehrte zurück — dorthin, wo am Rande des Himmels,
Schimmernd in Wolkenhöh’n, ihm winkte der bläuliche Karmel.
Fern’, an des Ostens Thor erhob sich der dämmernde Morgen,
Glühendroth: Verkündiger so des unendlichen Regens,
Oder des erdumbrausenden Wind’s. Doch hatte die Nacht durch
Weder gestürmt der Wind, noch schütteten schwangere Wolken
Dort auf die Erd’ ersehnete Fluth, und sieh’, in des Morgens
Heiliger Opferstunde begrub aufquellendes Wasser,
Klar und kühl, wie Elisa zuvor verhieß von Jehova,
Rings das Gefild’, und labte das schmachtende Volk in dem Lager!
Moabs tapferer Fürst entboth die erlesensten Scharen:
Kühn zu begegnen der Macht der drei verbündeten Fürsten.
Zahllos standen umher an den Marken die rüstigen Männer
Moabs; aber auch wankende Greis’ und Jünglinge harrten,
Kampfgefaßt, und bereit zum Sieg’ und zum Tode, des Feindes.
Als in dem Morgenroth den wachebesorgenden Kriegern
Dort die röthliche Fluth ein See von gährendem Blut schien,
Griffen die Jünglinge, Männer, und Greis’, im Lärm und Getümmel
Schnell zu den Waffen, im Wahn: die jüngst verbündeten Scharen
Hatten, entzweit, sich gemordet im Kampf’, und drüben das Blachfeld
Also bedeckt mit Blut. Sie rannten heran an das Lager,
Rufend: „Moab, dein ist der Sieg, nun sammle die Beut’ ein!“
Aber Juda, vereint mit Israel, brach auf die Gegner
Los mit des Sturmes Gewalt, und so, wie er wüthet im Eichwald,
Zahllos schleudernd herab von der Wurzel die krachenden Stämme:
Also warf das verbündete Heer mit der Schärfe des Erzes
Tausende hin: entsetzlich war der Getödteten Anblick.
D’rauf verfolgten sie mit empörterer Wuth die Verzagten
Rasch durch Moabs Flur; verstopften die rieselnde Quelle;
Deckten den Acker mit Sand und Gestein, und zerhieben des Gartens
Fruchterzeugenden Baum, wie Elisa, der Seher, verkündet.
Kir-Hareseth,[3] die Königsstadt (unzählige lagen
Schon verwüstet im Schutt) von ragenden Mauern umfangen,
Barg in dem Felsenschooß die Flüchtigen. Mesa, der König,
Both den Schleuderern Trotz, und schlug die stürmenden Scharen
Muthig zurück; doch jetzt, so viele der Gegner auch sanken,
Schwand ihm jegliche Hoffnung dahin. Im nächtlichen Dunkel
Sucht’ er mit tapferem Volk, das kühn dem Tode sich weihte,
Durchzubrechen — umsonst! Da trübt’ ihm den Geist die Verzweiflung:
Denn nicht dienend dem Herrn, Jehova, dem einigen Gotte,
War das Gesetz ihm fremd des Ewigen. Kostbares Blut nur
Könne die Götter allein, so wähnt’ er thöricht, versöhnen:
Nahm den einzigen Sohn, den Erben des Throns, und erwürgt’ ihn,
Opfernd, im Angesicht des umlagernden Heer’s, auf der Mauer.
Josaphats mildes Herz erbebte dem gräßlichen Anblick;
Gimal schäumte vor Zorn: sich schnell von Israels König,
Der sie entboth zu dem furchtbarn Kampf’, und den Jammer herbeirief,
Trennend, zogen sie heim, und Moab athmete freier.
Freudig ging Elis’ aus Sunems[4] lachenden Fluren
Nach dem Karmel hinauf. Er hatte der Witwe so eben
Rettung verschafft, da zwei holdblühende Söhne der Schuldherr
Ihr entriß, auf dem Markt sie feil zu biethen, entschlossen:
Denn kaum faßten die Krüg’ die unendliche Menge des Oehles,
Das, von Jehova erfleht, der Dürftigen schaffte die Lösung.
Aber in Sunem fand der Prophet stets freundliche Herberg’
Bei dem redlichen Paar, das dort Jehova mit Ehrfurcht
Dienete; nur vermißt’ es im Glück sich mehrenden Wohlstand’s,
Noch den Erben, betrübt. Nun wurde der Wunsch ihm gewähret:
Denn Elisa erbath den überseligen Aeltern
Von Jehova den Sohn, der blühender Schönheit heranwuchs.
Draußen im Aehrenfeld’, umgeben von fröhlichen Schnittern,
Saß der Vater im Schatten des Baums, und blickte mit heißem,
Innigem Dank’, empor zu dem Ewigen. Goldener Aehren
Fülle wogte vor ihm, und heiter lachte die Zukunft.
Siehe, da lief der muntere Knab’ in der Schwüle des Mittags,
Sehnlich, zum Vater hinaus; er drückte die glühenden Wangen
Ihm an die Brust, und der Vater wiegt’ ihn mit Lieb’ auf den Knieen!
Plötzlich entfuhr: „Weh’ mir!“ den erblassenden Lippen des Knaben,
Und er sank, wie entseelt im Schooße des Vaters zusammen.
„Trage sogleich,“ geboth er dem Knecht’, „ihn heim zu der Mutter:
Denn der Knab’ erkrankte, vom Strahl der glühenden Sonne
Schwer getroffen am Haupt’: er wird in der Kühle gesunden.“
Alsbald eilte der Knecht mit der theuren Last zu der Mutter,
Heim. Dem Bebenden schien: nicht athme das liebliche Kind mehr.
Bleicher, denn ihr verblichener Sohn, und stumm vor Entsetzen,
Hob ihn die Mutter sofort auf den Arm, und mit zitternden Knieen
Stand sie, gefoltert von Angst, die noch die Thränen zurückhielt;
Starrete bald auf das Kind, und bald, um Erbarmen und Rettung
Flehend, empor zum schweigenden Himmel. Die Augen verglommen
Ihr, wie die Stern’ im Herbst, die ein fliehender Nebel verhüllet,
Als sie voll Angst dort stand; doch plötzlich flammten sie hell auf.
Ihres Jammers Nacht durchfuhr ein leuchtender Blitzstrahl:
Rufen wollte sie laut, und die bebenden Lippen bewegten
Sich nur leis’. Im Geist’ ermuthiget, flog sie die Treppen
Aufwärts nach dem Gemach’ im Obergebäude des Hauses,
Das dem Propheten sie einst erbaut’, und mit schicklichem Hausrath
Selber versah. Sie legte das Kind mit verwendeten Blicken
Auf sein Lager; verschloß die Thür’, ermuthigt, und eilte
Schnell nach dem Aehrenfeld, wo ihr Gatt’ in den Reihen der Schnitter
Schaltete. „Heiß’ mir den Knecht,“ sprach sie mit verhaltenen Thränen,
„Eilig das Saumthier jetzt aufsatteln: denn zum Propheten
Drängt mich ein wichtig’ Geschäft; bald kehr’ ich wieder von dort heim.“
Jener staunte dem Wort: nur im Neumond, oder am Sabbath,
Ging sie sonst, aus dem Mund des Propheten, die Worte des Heiles
Von Jehova dem Herrn und seinem Gesetze, zu hören;
Winkte dem Knecht’, und bald empor den ragenden Karmel
Trabte das Saumthier hin, geleitet vom redlichen Diener
Sorglich am Zaum’, und tragend die Frau zur Wohnung Elisa’s.
„Siehe, die Sunemitinn kommt,“ so sprach zu Ghiesi,
Seinem Knecht, der Prophet, „lauf’ ihr entgegen, und frage:
Steht es noch gut mit dir, mit dem Gatten, und gut mit dem Knaben?“
Hurtig nahte der Knecht, und stellte dem Weibe die Fragen;
Doch sie, die erst zuvor den emsigen Führer des Saumthiers
Rastlos fort zum ersehneten Ziel, des frommen Propheten
Wohnung, eilen hieß, vernehmend die schrecklichen Fragen:
„Steht es noch gut mit dir, mit dem Gatten, und gut mit dem Knaben?“
Dachte zu sterben vor Schmerz, und dennoch heftete fester
Sie die Blicke zur Erd’, und sprach mit erzwungenem Laut: „Gut.“
Jetzt erreichend die Höh’n, wo im Schatten des säuselnden Ahorns,
Dicht an Felsen gelehnt, die Hütte des frommen Propheten
Ruhete, sprang sie vom Sattel herab, und stürzte, vergehend,
Hin in den Staub; umfaßte die Knie’ Elisa’s, und schluchzte.
Aber Ghiesi (wie oft die Diener der besten Gebiether,
Hart und grausamgesinnt, vor Flehenden schließen der Großmuth
Milderöffnetes Thor) sprang näher, und wollte mit Unmuth
Sie wegdrängen von ihm. „Laß’ sie,“ so rief ihm Elisa,
Zürnend, „ihr Mutterherz beschwert unendlicher Jammer.
Zwar enthüllete mir Jehova’s heilige Stimme,
Was da gescheh’n, noch nicht; doch Schreckliches kündet ihr Aug’ an.“
„Ach!“ so jammerte laut die Unglückliche, „hast du den Sohn mir
Selber nur darum erbethen von Gott, daß ich, elende Mutter,
Seiner so frühe beraubt, vergehe vor schrecklichem Herzleid?
Weh’, nun liegt er entseelt! Wer rettet vor Angst und Verzweiflung?“
Schweigend ging Elisa von ihr in die trauliche Hütte;
Weilete nicht, und kam, in der Rechten tragend das Stäbchen,
Von Tamariskenzweig geschnitzt, und gedörret mit Vorsicht
Dann an der Gluth, daß es, leicht, aufflog im Hauche des Windes.
Dieses reicht’ er dem Knecht’, und sprach mit gebiethender Stimme:
„Gürte dich schnell; dann rastlos fort in die Mauern von Sunem!
Wohl ist des Grüßens und Dankens kein End’ auf bewanderten Pfaden:
Stets von neuem beginnt der Wanderer, gehet, und kehret
Wieder zurück’, und grüßt, und dankt, der Sitte geziemend;[5]
Aber nicht wollest du jetzt des Grußes und Dankes gedenken,
Bis du erreichest das Haus der tiefbekümmerten Mutter.
Dort auf das schlummernde Kind dann legst du den Stab, und bemerkest:
Ob er, leicht, wie ein schwebender Flaum, auf dem Herzen des Kindes
Steiget, und sinkt, und ob er, vom Hauche des Mundes beweget,
Noch das Zeichen dir gibt vom tiefverborgenen Leben?“
Jener gürtete sich, und ging. Da stürzte die Mutter
Aengstlicher denn noch zuvor, zu den Füßen des Sehers; umschlang ihm,
Weinend, die Knie’, und rief: „So wahr Jehova, des Weltalls
Gott, uns siehet, und hört, ich weiche von dir nicht, erwählter,
Machtbegabter Prophet, bis du nicht, erbarmend, mir folgest!“
Rief es, und hob die Augen zu ihm mit erschütternder Angst auf.
Aber er gürtete sich, und folgte der weinenden Mutter
Schnell nach Sunem hinab. Da kam, unferne dem Stadtthor,
Ihm, unmuthigen Blick’s, Ghiesi entgegen, und sagte:
„Siehe, was half mein Laufen herab in die Wohnung des Todes
So, daß der Athem mir stockt’, und in Strömen der glühende Schweiß rann?
Was der Stab, auf den Todten gelegt, und all das Erforschen:
Ob er, leicht, wie ein schwebender Flaum, auf dem Herzen des Kindes
Steiget, und sinkt, und ob ihn des Mundes Hauch noch beweget?
Denn da war kein Laut, kein Leben, Gefühl und Empfindung!“
Finster blickte der Seher nach ihm, und eilte die Stufen
Aufwärts, schnell zu der Kammer hin, wo auf wolligen Decken
Lag das verblichene Kind, in todannahender Ohnmacht.
Jetzo verschloß er die Thüre, daß ihn die erschütterte Mutter
Nicht im Gebeth zu Jehova, dem mild Erbarmenden, störe;
Sank auf die Knie’, und rief: „Ach, Herr, nicht verschmähe das Flehen
Deines Dieners im Staub! Lass’ wiedergenesen das Kindlein,
Liebenden Aeltern zum Trost’, und deinen Verehrern zur Stärkung
Hier in dem Glauben an dich, den gütigen Vater im Himmel!“
Rief’s, und streckte, wie ihn sein liebender Meister gelehret,
Auf den Knaben sich aus. Er preßte den Mund auf den Mund ihm;
Auf das Auge das Aug’, und hielt die erstarreten Händchen,
Mitten im heißen Gebeth’ und vertrauendem Muth zu Jehova,
Fest in die Hände gedrückt, bis er dort auf dem Lager erwärmt war.
Siehe, da löste das Band des gehirnumstrickenden Uebels,
Durch Jehova’s Huld, zur Wonne des heiligen Sehers,
Plötzlich sich auf: denn siebenmal laut nieste das Kind jetzt;
Oeffnete, lächelnd, die Augen, und sah in der dämmernden Kammer,
Staunend, umher, erhob sich, und saß auf den Knieen Elisa’s.
Aber er herzte das Kind, und rief in die Halle: „Ghiesi,
Leite die Sunemitinn herauf in die Wohnung des Lebens!“
Und mit geflügeltem Schritt, von Angst und Hoffnung getrieben,
Stürzte die Mutter herein in die Kammer. Sie schrie, zu dem Himmel
Hebend die zitternden Händ’ empor, den jauchzenden Dankruf,
Als den Sohn sie erweckt, im blühenden Leben erblickte;
Drückt’ ihn fest an die Brust, und küßt’ ihn, und sank zu den Füßen
Seines Erretters hin, und weinete selige Thränen.
D’rauf, der Stimme beraubt vor Wonn’, und der Kammer enteilend,
Trug sie ihn auf dem Arm dem kehrenden Vater entgegen.
Hinter dem fernen Gebirg verglomm der freundlichen Sonne
Allbelebender Strahl; der Puls des geschäftigen Lebens
Ruhete; Grau’n der Nacht umhüllte die schweigenden Fluren
Rings, und der hohe Prophet sah lang’ aus der einsamen Kammer
Nach den Sternen empor. Ernstweckende Todesgedanken
Regten den Busen ihm auf. Jetzt rief er in wechselnder Stimmung:
„Tag, und Nacht, wie Leben, und Tod. Zur dunkelen Grabsnacht
Sinkt das Leben hinab, und ewige Schauer umhüllen
Seinen schnellverlöschenden Glanz. Doch, ewige Schauer?
Nein! Mein Heiland lebt, ich weiß es: am jüngsten der Tag’ einst,
Werd’ ich erstehen vom Staub’, im hellverkläreten Leib’ ihn
Anzuschaun, ihn selbst, auf den ich gehofft, den Erbarmer![6]
Wäre das nicht? — wie schrecklich! Noch heut, wie hüpft in den Adern
Mir das kreisende Blut, wie leicht bewegen die Glieder
Sich umher, wie schau’ ich so munter hinaus in des Lebens
Buntes Gewirr, wie erfüllet mein Ohr der lieblichste Laut noch;
Aus der Brust so kräftig, so hell erschallet des Wortes
Völkerbewegende Macht, und morgen?... liegt auf dem Bahrtuch
Starr, und weiß, und erkaltet die Leich’, und bald, wie entsetzlich
Anzuschau’n, zerfällt sie in grausenumhüllter Verwesung!“
Nun verstummt’ er wieder, und sann; doch endlich begann er:
„Hohes erringet des Menschen Geist auf dem Pfade des Lebens,
Schauend in sich, um sich her, und empor zu dem ewigen Urlicht,
Und es erfüllen sein Herz die Empfindungen heiliger Tugend,
Wenn von jenem erhellt, nach jeglichem Guten und Wahren
Strebt hienieden Vernunft und Wille in würdiger Freiheit...
Dieses von ihm, dem verwesenden Fleisch, verschiedene Wesen:
Seele, unsterblicher Geist, wohin entflieht es — und kehret
Nimmer, nimmer zurück’, uns Sterblichen Kunde zu bringen
Von dem furchtbarn Jenseits, das in Dunkel gehüllt ist?
Einst, o Seligkeit, wird der Erstgeborne der Todten[7]
Ruh’n drei Tag’ in dem Felsengrab’, und am dritten erstehen!
Dann erschallt ein Ruf, daß des Erdballs Vesten erzittern!
„Ha, vernichtet im Sieg’ ist der Tod, vernichtet auf immer:
Wo ist dein Sieg, o Tod? dein grausamer Stachel, o Tod! wo?“[8]
Zweiter Gesang.
Unsterblichkeit.
Schaurig wehte der Morgenwind, als, kehrend, Elisa
Gilgals dunkeles Thor durchwanderte, heute die Schüler
Wiederzuseh’n, ihr stets voll Huld annahender Meister.
„Kinder,“ so sprach er im traulichen Kreis’, „ich finde doch Vorrath?
Kühl ist des Morgens Hauch, den Wanderer quälet der Hunger.“
Traurig entgegneten sie: „Du weißt, erhabener Lehrer,
Daß wir darben im Land der Götzendiener! Versucht uns
Etwa dein Wort? Ein Gericht bereiten wir freilich am Feuer.
Seltsam ist es indeß. Ein Rüstiger brachte vom Saatfeld
Koloquinten uns heim, so viel ihm faßte der Mantel.
Hunger geboth es. Versuch’ auch du die dürftige Nahrung.“
Und sie brachten den Topf, und kosteten einigen Aufrufs:
„O der unseligen Frucht voll bitter’n, giftigen Saftes!“
Auf zu Jehova sah, voll Trost und Hoffnung, Elisa;
Nahm des Mehles, so viel er hielt in der segnenden Rechten,
Warf’s in den Topf, und sprach: „Nun esset davon, und erquickt euch.“
Sieh’, und das Giftgewächs, in köstliche Speise verwandelt,
Labte die hungernde Schar: sie pries die Güte Jehova’s!
Aber er saß verkläreten Blick’s: aus der heiligen Zukunft
Wies ein hehres Gesicht ihm weit erhabnere Wunder.
„Dort auf den luftigen Höh’n des grasumwucherten Berges
Saß, im traulichen Kreis’ zwölf eifernder Schüler, der Meister
(Göttlich zu schau’n) und, rings, an der Zahl viertausend gerechnet,
Hungriges Volk, das ihm, dem Lehrer zu horchen, gefolgt war.
Einer der Schüler enthüllte den Korb, und sagt’ ihm bekümmert:
„Nur fünf Brote darinn mit zwei gerösteten Fischen.“
Aber der Göttliche hieß das gesegnete Brot mit den Fischen
Theilen unter die Schar der Hungernden. Sieh’, und gesättigt
Wurden sie alle, nach Herzenslust! Zwölf muntere Knaben
Eilten mit Körben umher, und sammelten, was noch erübrigt.“[1]
Ihm ein Vorbild, sah Elisa, mit Demuth im Herzen,
Jetzt in die Halle hinaus. Der Ruf erscholl in dem Land dort,
Daß er in Gilgals Mauern erschien, die Schüler zu trösten.
Alsbald bracht’ in dem Reisesack ein redlicher Landmann,
Aehren herbei, die er erst von den grünenden Halmen geschnitten —
Zwanzig Gerstenbrote zugleich, als Geschenk dem Propheten.
Aus den Straßen der Stadt nachfolgten ihm hundert der Armen,
Bis in die Hall’, und harreten; doch der heilige Seher,
Schauend die hungernde Schar, geboth dem Knechte Ghiesi:
„Röste die Aehren mit Oehl’ auf der Gluth, nach der Sitte des Landes,
Und vertheile sie gleich mit dem Brot’ an das dürftige Volk da.“
Mürrisch sagte darauf der hartgesinnete Diener:
„Herr! wie soll ich das Brot an hundert Menschen vertheilen,
Selbst mit den Aehren, geröstet in Oehl? Kaum reicht es für zeh’n hin.“
„Thue,“ so sprach Elisa erzürnt, „wie ich sagte: Jehova’s
Stimme geboth’s. Gesättiget wird das Volk aus der Halle
Gehen; erübrigen noch des Vorraths, und preisen Jehova.“
Also geschah’s: denn sie aßen, erübrigten, priesen Jehova.
Eilenden Schrittes begab sich zur Königsstadt Samaria
Jetzo der Seher hinauf, wo ihm Sulmal, Jehova’s Verehrer,
Stets ein freundliches Obdach both. Da scholl auf dem Heerweg,
Dumpf der Wägen Geroll’, und des Rosses eiserner Hufschlag
Tönte die drönenden Straßen entlang: denn Hunderte nahten
Heute zum Ehrengefolg dem syrischen Helden, Naeman,
Den der König von Syrien hoch vor jeglichem ehrte,
Weil er Israels Macht gebändiget. Aber sein Leib war,
Lange vom Aussatz[2] weiß wie der Schnee, und Syriens Aerzt’ all’
Wußten nicht Hülfe, nicht Rath, so viel er des Goldes gespendet.
Sieh’, da sprach die Magd, ein israelitisches Mädchen,
Das er gefangen geführt nach Syrien, so zu Naemans
Gattinn: „Ginge mein Herr nur nach Samaria, zum Seher,
Wahrlich, er würde geheilt von der abscheuweckenden Krankheit!“
Solches vernehmend, kam, mit reichlichen Schätzen versehen,
Nach Samaria, der Königsstadt, Naeman gezogen;
Brachte vom König die Schrift dem Könige: daß er vom Aussatz
Heile den Liebling ihm. Da schrie, betroffen, der Herrscher
Israels, sich an der Brust zerreißend das Kleid vor Entsetzen,
Laut auf: „Bin ich denn Gott? — allmächtig über des Menschen
Leben und Tod? Ach, ich ihn heilen vom schrecklichen Aussatz?
Gott vermag es allein! Ihr seht, daß Syriens König,
Sinnend von neuem nur Krieg und Verderben, uns also verhöhne.“
„Mög’ er kommen,“ so sprach Elisa, den Jammer vernehmend,
„Und erfahren, daß ein Prophet in Israel lebe,
Den Jehova’s Huld verherrlichet: sagt es dem König.“
Aber der Feldherr kam, und hielt vor der Wohnung Elisa’s:
Hier in dem Land’ unrein, von den Reinen geschieden, durch Satzung.[3]
„Eile hinaus,“ so rief der Herr zu Ghiesi, „und sage:
Daß in des Jordans heilige Fluth sich tauche der Fremdling
Siebenmal — er werde genesen vom schrecklichen Aussatz.“
Als Naeman die Worte vernahm, da ergrimmt’ er im Herzen:
Schon entrüstet zuvor, weil ihm vor dem Volke der Seher
Nicht, wie er solches gehofft, der allumschmeichelte Günstling,
Huldigte. Jetzt fuhr er mit stolzem Gefolg’ aus den Mauern
Von Samaria, der Königsstadt, und erblickend den Jordan,
Hielt er nahe dem Strom’, und rief mit empörterem Unmuth:
„Ha, wie war ich ein Thor nach Israels Landen zu ziehen,
Hoffend, der Seher erscheine vor mir, ein mächtiger Helfer;
Lege die Hände mir auf, und dann zugleich zu Jehova
Flehend, zu seinem Gott, mir erwirke die holde Genesung?
Nein, er sprach: in den Jordan soll ich mich tauchen. Wie thöricht!
Ist Pharphars und Amana’s Fluth,[4] unferne Damaskus,
Minder heilsam denn sein’? Ach, grausam täuschte die Hoffnung!“
Also rief er, ergrimmt. Da sprach ein redlicher Diener,
Flehend, zu ihm: „Gehorche dem Wink des erhab’nen Propheten;
Steig’ in die Fluthen hinab! Wohl Schwereres hätt’st du erduldet,
Wenn sein Mund es geboth, ob freudiger Wiedergenesung.“
Jener besann sich, stieg in den Jordan hinab, und, die Glieder
Siebenmal mit neuerregtem Vertrau’n in die Wellen
Tauchend, ward er rein. Wie die Glieder des blühenden Säuglings
Glänzen, so wurd’ er gereint in dem Jordan, und völlig geheilet.
Freudig kehrt’ er mit seinem Gefolg zur Wohnung Elisa’s;
Naht’ ihm thränenden Blick’s, und sprach: „Fürwahr, ich erkenne:
Nur Jehova ist Gott, in seiner unendlichen Allmacht,
Dessen Wege du lehrst, und zu dem du Verirrte geleitest!
Nimm dieß Geschenk von deinem Knecht’, erhabner Prophet, an!“
Aber so dringend er bath, Elisa nahm das Geschenk nicht.
Sinnend stand Naeman vor ihm, und sagte zum Abschied:
„Gebt mir Erde von hier, der heiligen, daß ich den Altar
Baue Jehova daheim, und auf ihr ihm opfere. Mög’ er
Mir nicht zürnen, da ich dem Könige folg’ in dem Tempel
Rimmons[5] auch hinfort, und die Hand ihm biethe, sein Feldherr,
Wann auf das Antlitz geworfen, er dort anbethet den Götzen.“
„Wehe dir,“ dacht’ Elisa im Geist, „daß unseren Staubes
Du, Jehova zu opfern, bedarfst, und die ehrende Stelle
Wichtiger als sein Ruhm dir ist — noch irrst du im Dunkeln!“
Dacht’ es, und wandte sich schnell, und rief, abgehend, ihm laut zu:
„Kehre beglückter heim; dich leite Jehova im Segen!“
Als Naeman jetzt auf dem Heerweg ferne dahinschwand,
Eilte Ghiesi ihm nach. „Mein Herr,“ so sprach er für sich hin,
„Nahm die Geschenke Naemans nicht: ich werde sie nehmen.“
Ihn erblickend, sprang aus Ehrfurcht für den Propheten
Syriens Feldherr schnell aus dem Wagen, und fragte betroffen:
„Steht noch Jegliches wohl?“ „So steht es,“ entgegnete jener,
„Aber von Ephraims rauhem Gebirg’ anlangten so eben
Zween, mit Jammer und Noth hartkämpfende Schüler. Elisa
Sendet mich, flehend, zu dir: du mögest für beide, des Silbers
Ein Talent, und zugleich zwei Wechselkleider ihm spenden.“
„Nimm hier doppelt so viel,“ begann mit Freude Naeman,
Und geboth alsbald, daß zween der rüstigen Krieger
Trugen vor ihm einher die Geschenke zur Wohnung Elisas;
Aber der Falsch’ entließ die rüstigen Männer im Thalweg;
Barg die Geschenk’ im Haus’, und ging dem Seher zu dienen:
Lügend die heitere Stirn’, als sey kein Frevel geschehen.
Aber Elisa’s Blick durchdrang die Seele des Heuchlers.
Als er begann: „Wo warst du?“ und er: „Ich — wo?“ mit Erstaunen
Fragt’, und that, als sey er daheim gewesen die Zeit her,
Ha, da sprach Elisa zu ihm: „Hab’ ich nicht im Geist’ erst
Einen geseh’n, der schnell vom Wagen sprang, und entgegen
Eilte dem Knecht? Das also die Zeit, um Gelder und Kleider
Sich zu schaffen durch Trug, und dafür zu erlangen den Hausrath
Dann mit dem Hause zugleich, um den üppigen Lüsten zu fröhnen?
Siehe, weil du Jehova’s Ruhm vor den Heiden verhöhnt hast,
Und des Falschen mich ziehst, ein Heuchelnder, sollst du vom Aussatz
Schwellen — die Deinen mit dir: zur Strafe der schändlichen Läst’rung.“
Jener eilte davon, mit dem furchtbar’n Uebel behaftet.
Aber Elisa ging an des Jordans rauschenden Fluthen,
Einsam, nach Dothan[6] hinab, der Stadt, die auf Felsen erbaut war.
Dort an dem Ufer, im Hain, hinstreckten so eben die Schüler
Schlanke Stämme zum Bau des verfallenen Hauses, und riefen,
Lächelnden Blick’s, jetzt auch den nahenden Meister zur Arbeit.
Einer der Schüler hieb mit verstärkter Kraft in des Baumes
Wurzel: da flog das Beil vom Stiel’, und sank in das Wasser.
„Wehe,“ so rief der Dürftige laut, „das Beil ist verloren,
Das ich geborgt: ich darb’, und Ersatz gebühret dem Eigner!“
Schnell erfüllte die Brust des Sehers ein heiliges Mitleid
Wegen des armen: er hob die flehenden Blicke zum Himmel;
Faßte den Wipfel des Baums, entblößt’ ihn rings von den Aesten,
Schleudert’ ihn tief in den Strom, und, siehe, die wirbelnden Fluthen
Wälzten das Beil von dort nach dem sanftaufsteigenden Ufer!
Aber der Seher ergriff’s, und gab es dem jubelnden Schüler:
Immer bedacht, Vertrau’n und innige Liebe zum wahren,
Einigen Gott in der Brust trostdürftiger Menschen zu wecken.
Bald ergoß sich Benhadads Macht, des syrischen Fürsten,
Ueber Israels Reich; doch Joram, der König, empörte
Seine Völker zum Widerstand’, und häufiges Blut floß.
Heimlichen Ueberfall geboth im nächtlichen Kriegsrath
Seinen Erwählten der Hort von Syrien. Aber Elisa
Warnte Joram, und sprach: „Bei Dothan werden sie kommen.“
D’rauf von diesem und jenem Ort, wo Gegner Verderben
Brüteten, gab er zuvor errettende Winke dem König.
Wüthend vor Zorn, erhob Benhadad also die Stimme:
„Wer von den Unseren gibt von allem, was ich beginne,
Sichere Kunde dem Feind’? Ihr kennet den Falschen, und schweiget?“
Da sprach Bertazan, sein Rath: „Ich kenne den Mann wohl:
Alles was du, o König, beginnst, und heimlich beschließest
Im verborg’nen Gemach’, enthüllt ein mächtiger Seher
Israels, der Elisa sich nennt, dem feindlichen Feldherrn.“
Aber der König schrie: „So strebt den Mann zu erhaschen:
Sey’s durch List, durch off’ne Gewalt, und grause Verheerung.“
D’rauf, vernehmend, daß heut’ Elisa g’en Dothan gewandert,
Sandt’ er ein mächtiges Heer, Streitwägen, Reiter, und Fußvolk,
Nächtlich dahin, die Stadt umlagernd, den Seher zu fahen.
Als am Morgen erwacht, ringsum verschlossen den Ausgang
Samma, Elisa’s Diener, ersah, da kam er, und sagte:
„Weh’ uns, Herr, die Stadt umringen unzählige Gegner!“
Alsbald hob Elisa den Blick zum Himmel, und flehte
Leise zu Gott, daß er, milderbarmend, den dunkelen Schleier
Vor den Augen des Knechts aufhüllete so, daß er sehe.
„Wende den Blick,“ begann er zu ihm, „nach den Höhen des Berges,
Dort sind mehr auf unserer, denn auf der Seite der Gegner!“
Samma wandte sich nun, und sah auf den dämmernden Höhen
Himmlische Scharen steh’n mit feurigen Wägen und Reitern,
Blitzend im Waffenschmuck’, und schrecklich den sterblichen Augen.
Furchtlos ging Elisa, entlang die Zelte des Feindes
G’en Samaria hinaus. Erst sahen die Scharen dem Fremdling
Staunend nach; dann folgten ihm mehr denn hundert der Krieger:
Ob nicht Elisa’s Spur sie erforschten, des mächtigen Sehers?
„Kommt nur,“ rief er dem Volk’, „ihr schau’t den, welchen ihr suchet.“
Und er flehte zu Gott, und sprach in lispelnden Lauten:
„Straf’ sie mit Blindheit, Herr, und verwirre die Sinne der Männer,
Daß sie schauen umher, und dennoch den Pfad nicht erkennen!“
Und er führte die blind Nachfolgenden nach Samaria.
Dort in des Volkes Gedräng’ und erschütternder Nähe des Königs
Sank die täuschende Nacht von ihren geblendeten Augen:
Denn sie sah’n jetzt hell; doch furchtbar dünkte die Helle.
„Tödtet sie alle!“ so stürmte das Volk, und der König begann so:
„Sey nun Mord die Losung, Prophet?“ Da sagt’ ihm Elisa:
„Denke zurück’: auch sonst hast du gefangene Krieger
Heimgeführt — erwürgtest du sie? Schnell reiche den armen
Speis’ und Trank, und laß sie heim zu den Ihrigen kehren!“
Also geschah’s: denn trefflichbewirthet entließ sie der König.
Doch sie kehrten, Elisa preisend, zurück’ in das Lager!
Und nicht strebt’ ihm Syriens Fürst dann mehr nach dem Leben.
Aber er kam mit unendlicher Macht, Samaria zu stürmen.
Schauend den tapferen Widerstand, umzog er die Mauern
Rings mit lagerndem Volk, Streitwägen, und trennenden Gräben,
Daß von innen die Noth verschlänge die Menge des Volkes.
Bald gebar die Belagerung dort entsetzlichen Jammer:
Zahllos lagen im Staub verhungerte Thier’ und auch Menschen.
Wilde Verzweiflung weckte die Qual, daß unmenschliche Mütter
Gegen ihr eigenes Fleisch frech wütheten. Solches gewahrend,
Jammerte Joram laut; zerriß an der Brust sich die Kleider
Mitten im Volk’, und schrie: „Wer hat uns getäuscht: Samaria
Würde trotzen dem Feind’, und Jehova schützen die Mauern?
Thorheit war die Hoffnung auf ihn, das Streiten vergebens,
Schrecklich die Strafe der Schuld; doch soll, vor allen Elisa,
Er, der falsche Prophet, mit dem Haupt die Lüge mir büßen.
Aber ihm trat Elisa, beherzt, entgegen, und sagte:
„Hört, was Jehova, der Herr, euch kündet! Am kommenden Morgen
Soll Samaria der Gerst’ und des Weizens so wenig ermangeln,
Daß ihr die Speicher gesammt euch füllt um weniges Silber.“
Und ein Führer des Heer’s, auf dessen Rechte der König
Stützte die Linke, der Würde gemäß, rief zweifelnden Herzens:
„Ließe Jehova die Frucht vom Himmel herab, wie den Regen,
Strömen, dennoch geschähe das nicht.“ „Du wirst es wohl sehen,“
Sprach Elisa, „doch werden nur dich nicht die Früchte mehr laben.“
Welch ein Wunder erfüllte das Wort des erhabnen Propheten?
Siehe, die Kriegsheerschar der Himmlischen, die zu erblicken,
Samma von Gott gewürdiget ward, stieg, waffengerüstet,
Von den Höhen herab, und zog, im sinkenden Nachtgrau’n,
Wider das syrische Heer! In der Fern’ ein Schlachtengetümmel,
Nah’, ein Brausen der Luft, und ein Blitzen umher in dem Dunkel,
Sträubte jeglichen Kriegers Haar auf dem Haupt, wie des Igels
Stachel, empor; doch jetzt, als jene die flammenden Waffen
Schüttelten, tönt’ es, zugleich vom Süden und Norden auf einmal
Näher, wie Pferdegetrab und Gedröne der eisernen Achsen.
Laut aufschrie’n die Syrer, und floh’n. Sie ließen ihr Alles,
Aufgehäuft zum Genuß’, in dem weitumkreisenden Lager.
Wähnend: im furchtbaren Bund mit Aegypten und Kanaans Völkern
Komme Israels König heran, jetzt Rache zu üben,
Floh’n sie eilig davon, und tief verstummte das Lager.
Welch’ unglaubliche Schau! Es traten am dämmernden Morgen
Männer zum König’ ein, und verkündeten, was da geschehen.
Doch als Jedes erforscht, und erwiesen die schreckliche Flucht war,
Siehe, da drängte das Volk sich hinaus, nach dem feindlichen Lager,
Dorther Silber und Gold, und die Früchte gehäuft in den Zelten,
Heimzubringen zur Stadt — zu erfreuen das Herz am Genusse
Langentbehreten Brot’s, und am Glanz des erbeuteten Reichthums!
Aber es fiel der Feldherr jetzt im Gedränge des Volkes
Unter dem dunkeln Thor’: er wurde zertreten, und starb dort.
Sah’s, und labte sich nicht an der Frucht, nach den Worten Elisa’s.
Jahre entfloh’n. Durch ihn gesalbt zum Könige, tilgte
Jehu Achabs verfluchtes Geschlecht aus der Mitte des Volkes;
Hieß vom Fenster herab die Jesabel stürzen, im Zwinger
Jesreels, wo an der Wand, von des Rosses zermalmenden Hufen,
Klebt’ ihr Blut, und die gierigen Hunde dem Grab sie entrissen:
Also verkündete dort Jehova’s Gerichte Helias.
Aber es lag Elisa, der Greis (er zählete nun schon
Hundert der Jahr’) auf dem Bett’ in vollendender Todesermattung.
Joas, Israels König trat in die dunkele Kammer;
Sah den sterbenden Greis, und beugte sich über ihn, weinend;
Preßt’ auf den eisigen Mund und die thauende Stirn’ ihm die Lippen;
Hob die sonst gewaltige Recht’, erstarrt in dem Tod jetzt,
Jammernden Laut’s an die Brust, und rief mit gebrochener Stimme:
„Vater, du scheidest von uns, der du bewährt, wie Helias,
Israels Wagen und reisiges Volk, sein erlesenstes Kriegsheer
Aufwogst, mächtig und stark, von Jehova durch Zeichen verherrlicht?
Wehe, du scheidest von uns, da Israel unter des Syrers
Eisernem Joche gebeugt, umsonst nach Rettung umherschaut,
Und die Hülf’ uns schwindet im Grau’n des nahen Verderbens!“
Jetzt erhob sich der Greis mit kehrender Kraft, auf dem Lager;
Flammen sprühte sein Aug’: er sah dem weinenden König
In das Gesicht, und sprach: „Du weinest, und jammerst nach Rettung
Wider Israels Feind’? Auf Jehova vertraue vor allem.
Nimm jetzt Bogen und Pfeile zur Hand:[7] als Zeichen der Zukunft!“
Joas machte sich auf, und ergriff die Pfeil’ und den Bogen.
„Spanne den Bogen,“ so rief der Greis. Er spannte den Bogen.
Jener bethete still; dann legt’ er die Hand auf die Scheitel
Joas, des Königs, und sprach: „Jetzt öffne das Fenster g’en Morgen;
Schieße den Pfeil in die Luft!“ Er schoß, und Elisa begann so:
„Siehe den Siegespfeil, im Vertrau’n auf Jehova gesendet!
Recht nach Kriegesgebrauch, ge’n Syriens Gränzen in Osten,
Hast du geschnellt das Geschoß, zum Zeichen des muthigen Angriff’s.
Bald erschallet die Kriegsdromet’, und unzählige Gegner
Werden bei Aphek[8] dir unferne Damaskus, erliegen.
Aber ich frage dich noch, hast du Vertrau’n auf Jehova?
Sage, wie oft erkühnst du dich wohl, die Feinde zu schlagen?
Nimm die Pfeile zur Hand, und schlage damit auf den Boden,
Mir zum Zeichen!“ Er schlug mit den festgebundenen Pfeilen
Dreimal laut auf den Boden, und sah den Propheten vergnügt an.
Aber er schüttelte, zürnend, das Haupt, und sagte dem König:
„Muthiger wähnt’ ich dich. Nur dreimal hoffst du, zu siegen?
Also gescheh’s! Auch fünf- und sechsmal wäre der Sieg dir
Worden — Vernichtung dem Feind’, im Vertrau’n auf die Rechte Jehova’s!“
Sagt’ es; er sank auf das Lager zurück’, und hauchte den Geist aus.
Draußen im Felsengrab[9] lag schon des hohen Propheten
Sterbliche Hüll’, ein Jahr, als hin leidtragende Männer
Brachten die Bahre des jüngstverstorbenen, redlichen Bürgers
Von Samaria. Auch Micha, der gotterleuchtete Seher,
Folgte dem Zug. Da stürzten aus Moabs rauhen Gebirgen
Räuber heran. Die Trauernden stellten die Bahre mit Vorsicht
Nieder, und wälzten den Stein von dem Grab; dann warfen den Todten
Sie auf Elisa’s Gebein’, und ergriffen die Flucht vor den Räubern.
Sieh’, und kaum berührte die Leich’, in die Höhle geworfen,
Dort des Sehers Gebein’, so kehrte die Seele, von neuem,
Durch Jehova’s Macht und Huld in die Leiche des Mannes.
Glühend erpochte sein Herz, und goß in die starrenden Glieder
Leben. Jetzt aufschlug er das Aug’; er blickte zum Himmel,
Eilte heraus, und ging, lobpreisend Gott, in die Stadt heim.
Micha stand auf dem Fels; er sah, verkläreten Blickes,
Nach der sinkenden Sonne hinab, und rief ihr, entzückt, nach:
„Fahre dahin zur Ruh’: am kommenden Morgen erhebst du
Wieder dein strahlendes Antlitz, zur Lust der verjüngeten Schöpfung!
Also sah ich zuvor aus modernder Leichen Behausung
Kommen den Todten, erweckt von Jehova’s allmächtiger Rechten,
Uns zum erhebenden Trost’ unsterblichen, ewigen Lebens.“
Preis’t, o Völker, den Herrn! Nach wechselnden Tagen und Nächten
Schwebt der schönere Morgen herauf, dem nimmer des Abends
Grau’n, nicht Dunkel der Nacht mehr folgt, und hüllt vor den Augen
Unsers verkläreten Leib’s die Wohnung des ewigen Glück’s auf,
Welch’ uns Er, der Eins mit dem Vater und Heiligen-Geist ist,
Liebend bereitet. O, er kommt, nach seiner Verheißung,
Wieder, und hebt uns dann, erbarmend, empor zu dem Lichtreich,
Wo uns Unsterblichkeit wird in ewiger Wonne des Anschau’ns!
Die Makkabäer[*]
in drei Gesängen.
I.
Mathathias
Trost.
Tön’, o Gesang, im lauteren Schlag der Fittige brausend
Ueber den Erdkreis hin, den Ruhm des Heldengeschlechtes,
Das für Jehova’s Gesetz und die vaterländischen Sitten
Eifernd, im Schlachtengefild die frechumwüthenden Gegner
Tapfer bekämpft’, und aus dem ein Weib, voll hohen Gemüthes,
Sie, der blühenden Söhn’ entsetzlichen Tod in der Folter
Muthig ertragend, besiegt’, und so noch der spätesten Nachwelt
Weihte der Thaten Gewinn: der Tugend erhebendes Beispiel.
Asia’s König, Antiochos[1] — er, den niedrige Schmeichler,
Feig, den Erlauchten genannt, entboth unzählige Scharen:
Auszutilgen das Volk von Israel, das ihm verhaßt war.
Sieh’, schon hatt’ er die Stadt Jerusalem, stürmend, erobert;
Hingewürgt an dem Tag wohl achtzig tausend’ des Volkes:
Jünglinge, Männer, und Greis’ — auch säugende Mütter, und Jungfrau’n;
Tausende fortgeschleppt, und zum Kauf gebothen, dem Thier gleich,
Oder zerstreut in den Ländern umher, und in schmählichen Banden
Wund gedrückt: auf daß sie entsagten dem Glauben der Väter;
D’rauf die ehrwürdigen Mauern der heiligen Stadt mit den Thürmen
Niedergeworfen, zur Schmach des Volks, und das Heiligthum selber
Frech entweih’t, da er raubte die herrlichen Opfergefäß’ all’,
Als: den Altar von Gold, den goldenen Leuchter und Schautisch,
Wie auch den heimlichen Tempelschatz, den ihm die Verräther
Zeigten für schmählichen Lohn, in den unterirdischen Hallen.
Doch, o schreckliche Schau für gottergebne Gemüther!
Dort in dem Allerheiligsten, wo Jehova, dem wahren,
Und unsichtbaren Gott der Hohe-Priester des Jahres
Einmal nahte mit heiliger Scheu, und ihm, bebend vor Ehrfurcht,
Fern nachblickte das Volk, da er leis’ aufhüllte den Vorhang:
Dort erhöhte das Bild des Zeus, mit Gesängen und Opfern,
König Antiochos Ruf, und heischte vom Volk die Verehrung.
Götzendienst sollt’ ihm ersetzen den Glauben der Väter,
Den auf Sinais Höh’n der Ewige selber ihm kund that.
Auch erbaut’ er die Burg auf Zions entweiheten Höhen,
Daß die unmenschliche Schar der Söldlinge, waffengewaltig,
Zwänge das Volk, des Wüth’richs Ruf zu gehorchen in Demuth.
Tausende starben den Tod der Gerechten für Glauben und Freiheit;
Tausende bebten dem Tod’ und der Qual, und opferten, treulos
Dann dem ererbten Gesetz, vor schändlichen Götzenaltären.
Doch jetzt drohte dem bebenden Volk noch größerer Jammer.
Immer furchtbarer scholl’s: der rachebrütende König
Zieh’ an den Marken des Reichs unzählige Völker zusammen,
Und durch Asia rings ertönen die Hämmer der Essen:
Schmiedend des Kriegs Werkzeug’ und der Knechtschaft schmähliche Fessel.
Sieh’, auch der Himmel ging seither mit Entsetzlichem schwanger,
Trug’s im gährenden Schooß’, und gebar’s dem Volke zum Zeichen
Unglückdräuender Zeit! Durch vierzig Nächte des Grauens
War in der Luft Getös’ und furchtbares Schlachtengetümmel.
Wie das Abendgewölk entschwindet am rosigen Himmel;
Wie der Gedanke so schnell — wie Morgenträume, so flüchtig
Schwanden die Luftgestalten dahin im dunkelen Aether.
Dann zum erneuerten Kampf herbrausend von Osten und Westen,
Stürmten auf feurigen Rossen sie an (der goldenen Rüstung
Glanz erhellte die Nacht, wie Mondesschimmer im Vollschein)
Schwenkten über den Helm den Speer, und trieben, und drängten
Gegeneinander die Ross’ im Gemenge der blitzenden Waffen;
Und an dem Grashalm hing in des Morgens kühleren Stunden
Dann der Thau, wie Blut in dunkelröthlichen Tropfen.
Doch das unzählige Volk von Jerusalem sah zu dem Himmel,
Schaudernd, auf: nicht der Waffen gedachte der Krieger; vergessen
Stand das Gespann mit dem Pflug’ in den halbgezogenen Furchen —
Jegliche Werkstatt leer. Auf die Straßen hinaus, und die Wälle
Strömte das Volk, und stand, und jammerte laut zu Jehova:
Möchten doch Israels Heil vorkünden die schrecklichen Zeichen!
Kehrend, als Sieger heim aus Aegypten; sandte der König
Drohende Worte des Zorns an die Feldhauptleute der Scharen,
Die er gelegt in die heilige Stadt und die Vesten des Landes:
„Jetzt und auf immer verbannt aus Israels Landen und Juda’s
Sey Jehova’s Dienst — der Glaub’ und die Sprache der Väter.
Ein’ und dasselbe hellenische Volk (so frevelt’ ein Syrer!)
Wohne hinfort in dem Reich, das seinem Zepter gehorchet.“
Und mit grimmiger Lust vernahmen die Scharengebiether
Jetzo den Ruf. Sie rissen entzwei die heiligen Bücher;
Baueten rings im Land’ Altäre den nichtigen Götzen;
Schleppten die Jünglinge hin, die Greis’, und die Männer, und Weiber,
Daß sie, Jehova zum Trotz, Unreines genößen, und höhnten
Moses zugleich, der, väterlich weis’ auf jegliches achtend,
Solches dem Volke verboth in den Gluthgefilden des Südens.
Wer getreu sich erwies, den würgten die Wüthriche nieder,
Mitleidlos, voll höhnenden Grimm’s und entsetzlicher Blutgier.
Doch erbebend dem Tod’ und des Henkers zerfleischender Geißel,
Folgten Viele dem Ruf’, und die Redlichen jammerten laut auf.
Endlich erhob sich im Volk Mathathias, Sohn des Jochanan,
Simeons Enkel, und jetzt der Hohe-Priester Jehova’s:
Ein ehrwürdiger Greis. In staunengebiethender Hoheit
Trat er im Tempel einher, wenn dort das silberne Haupt ihm
Zierte das Horn, die Brust die funkelnden Steine des Ephods
Deckten, und ihm das schneeige Kleid zu der Ferse herabfloß.
Aber das Volk hieß ihn: den gottgesegneten Vater
Fünf erlesener Söhn’, und hieß ihn den Vater der Armen,
Wie den mächtigen Schild und das rettende Schwert der Bedrängten.
Tief ergrimmt’ er im Geist: der heiligen Stadt und des Volkes
Israel Schmach in dem Untergang so nahe gewahrend.
Vorn an der Brust zerriß er das Kleid, und sagte den Söhnen:
„Weh’, welch’ Jammergeschick! Wer könnt’ es noch länger erdulden?
Fremdlinge schalten im Heiligthum, und den verachteten Sclaven
Gleich ist das Haus des Herrn; der prächtige Tempel Jehova’s
All’ der heil’gen Gefäße beraubt — sein Schimmer erloschen.
Kinder und Greis’, erwürgt, bedecken die Straßen; der Männer
Blüth’ ist niedergehau’n, und unrühmlich der Waffen beraubet.
Eine Magd ist die heilige Stadt, die Freie, geworden;
All’ ihr Schmuck ist dahin: denn Heiden verschlangen ihr Erbtheil,
Schnaubend vor Gier, und bedeckten die Reine mit Schmach und Verachtung.
Kinder, lasset uns flieh’n! In des Sandmeer’s wüsten Gefilden,
Unter den reißenden Thieren des Wald’s ist bessere Herberg,
Als im verpesteten Hauch der mordbesudelten Hauptstadt.“
Alsbald macht’ er sich auf. Nach Modin,[2] der Stadt im Gebirgsthal
Zog mit den Söhnen er fort: fünf Heldenjünglingen, glühend
Für unsterblichen Ruhm in Israels Rettung, und barg sich,
Nächtlich, im einsamen Haus’. Doch siehe, gesendet auch dorthin
Kam die frevelgebiethende Schar; erhöhte des Götzen
Steingebild’, und rief zu dem Opfer die bangen Bewohner!
Auch Mathathias entboth Apelles, der Scharen Gebiether,
Nun zu dem schmählichen Götzendienst’, und sprach vor dem Volk so:
„Komm’, ehrwürdiger Greis, und nahe den mächtigen Göttern,
Huldigend; streu’ Weihrauch auf die Gluth, und opf’re das Böcklein,
Hier auf dem Markt, daß dich, den hochgepriesenen Vater,
Mitten im Kreise der trefflichen Söhn’, am Altar die Bewohner
Modins schau’n, und sie zum Gehorsam lenke dein Beispiel.
Schon gehorchte das Volk zu Jerusalem. Folgst du des Königs
Freundlichem Ruf, so soll dir Gold und Silber die Fülle
Werden: als Günstling stehst du am Thron mit deinen Erzeugten.“
Doch Mathathias erhob mit erschütternder Würde die Stimme:
„Soll ganz Israel nun, Antiochos Winken gehorchend,
Feig’ abfallen im Land von Jehova’s Gesetz’ und den Götzen
Huldigen, wie dem lebendigen Gott, so will ich, sein Diener,
Hier mit den Söhnen vereint und den Brüdern, fest an den Glauben
Meiner Väter mich halten, und steh’n, und fallen mit ihnen,
Wie’s Jehova gefällt, dem wahren und einigen Gotte.“
Als er die Worte gesagt, da trat ein niedriger Wüstling,
Ischahar, vor (verachtet im Volk’, und vom Bunde der Väter
Ausgeschlossen schon lang’ ob fluchbeladener Thaten),
Streute den Weihrauch kühn, und rief: „Ich entsage Jehova,
Hier vor Zeus Altar, des Königes Stimme gehorchend,
Und verehre hinfort die unsterblichen, ewigen Götter.“
Als geschehen die That, und gesprochen das frevelnde Wort war,
Sprang Mathathias hervor aus dem Kreis’. Ihm bebten die Glieder:
Denn unduldbarer Schmerz erfüllte die heilige Brust ihm.
Für Jehova’s Gesetz entflammt, entriß er dem Krieger
Jetzt das blinkende Schwert; dann stürzt’ er schnell zum Altar hin;
Würgte den Frevler dort, und mit ihm Apelles, den Hauptmann,
Der, ihn zu tödten, bereit, lautschreiend, und fluchend herankam;
Warf den Götzenaltar in den Staub, und sprach zu den Seinen:
„Kommt, und folget mir nach! Erfüllt ist der schreckliche Zeitraum,
Wo wir, ausgeschlossen vom Kreis’ des geselligen Lebens,
Nur in den Wüsten umher, in den Wäldern und felsigen Höhlen,
Oder im Schlachtengefild’ uns retten vor sündiger Knechtschaft.
Wer den heiligen Bund, das Gesetz Jehova’s, zu schirmen,
Glüht, der folge mir nach. Wir leben, und sterben in Freiheit!“
Laut umjauchzte das Volk den Eifernden. Aber er eilte
Jetzt mit den Söhnen hinauf in die waldumhüllete Felsschlucht.
Tausende folgten ihm nach: verschmähend die Güter des Lebens
Ob Jehova’s heiligem Dienst. Am liebenden Busen
Trug die Mutter das Kind. Umringt von munteren Kleinen,
Floh der Vater, und, frommgesinnt, erhob auf die Schulter
Mancher den wankenden Greis, und eilete fort nach den Höhen,
Von den Henkern entfernt, in dunkeler Höhle zu wohnen.
Bald erscholl der Ruf zu Jerusalem: „Wie Mathathias
Eiferte für Jehova’s Ruhm, wie er würgte den Hauptmann,
Und empörte das Volk im frechumwüthenden Unsinn.“
Mächtige Scharen, gesandt von Zions entweiheten Höhen,
Wo die Heiden die Burg erbaueten, eisern zu schalten
Ueber Israels Land, annahten mit eiligen Schritten,
Lechzend nach Rach’ im Blut des gottergebenen Volkes.
Wie im dunkelen Forst die wildauftreibenden Spürer
Wenden die Schritte nun links, nun rechts, und gierig umherschau’n:
Also erforschten auch sie die Spur der flüchtigen Scharen.
Siehe, da wies ein Weib, Jehova verläugnend, dem Hauptmann
Oben im Felsenthal die jüngstbevölkerten Höhlen;
Warnt’, und sprach: „Nicht heut — nein, morgen greife den Feind an:
Denn der Sabbath naht, und Israel ruht an demselben.“
Also geschah’s. Fern war Mathathias mit seinen Erzeugten:
Rings um Modin versammelnd ein Heer, und wehrlos das Volk hier:
Denn still feiert’ es nun des Sabbaths heiligen Festtag.
Aber der Hauptmann sandte zuvor nach den Höhen den Herold,
Der, lautrufend, begann: „Hervor aus den Höhlen, Empörer!
Opfert den Göttern frei: ihr erlangt dann Huld und Vergebung!“
Aber da sprach einmüthig das Volk: „Wir folgen dem Ruf nicht;
Nur Jehova ist Gott, nicht ehren wir nichtige Götter!
Lechzt ihr also nach unserem Blut? Wir sinken in Unschuld
Hier in das Grab. Weh’ euch: denn Himmel und Erde sind Zeugen,
Wie ihr ermordet ein Volk, weil solches Jehova getreu blieb!“
D’rauf erhob sich ein Kampf, unwürdig des Tapfern. Die Heiden
Würgten mit steigender Wuth die wehrlossinkenden Männer,
Weiber, Kinder, und Greis’, an der Zahl drei tausend dem Götzen.
Auch erschlugen sie all’ das Vieh, und verbrannten die Leichen.
Glühender Schmerz durchzuckte die Brust Mathathias, des Helden,
Als er die Kunde vernahm von dem frechermordeten Volk dort.
Weinend saß er im Staub’, und fleht’ um Rettung zu Gott auf;
Dann berief er die Seinen zum Rath’, und sagte mit Nachdruck:
„Gebt mir willig Gehör! Wenn wir im Feiern des Sabbaths
Wehrlos fallen dem würgenden Feind’, so schwinden wir alle
Bald von der Erde hinweg; d’rum laßt uns muthig die Waffen
Biethen dem Listigen, so er an ihm uns wieder bekämpfte.
Nichts sey uns wichtiger mehr, als daß wir von wüthenden Feinden
Retten das Vaterland, und kämpfen für Gott und die Freiheit!“
All’ aufjauchzten dem Wort’. Alsbald zum Kampfe gerüstet,
Kam der gewaltige Greis von den waldumschatteten Berghöhn
Mit erlesenem Volk’ in die Eb’ne herab, und bekämpfte,
Siegend, des Feindes Macht. Er wüthete gegen die Frevler,
Die, verläugnend Jehova’s Gesetz, zu den Heiden sich wandten;
Warf die Altär’ und Tempel in Staub mit den Götzengebilden;
Baute des Weltalls Gott, Jehova, den heiligen Altar
Rings in den Städten umher, die er, stürmend, aus feindlicher Obmacht
Rettet’, und rächte das Vaterland: denn Israels Völker
Athmeten frei, und auf Zions Höh’n erbebten die Gegner.
Syriens Feldherr, Seron, vernahm, daß in Modins Gebirgen
Meuterer — ha, so hießen den Heiden die tapferen Männer,
Sich vereinten zum Waffenbund: den heiligen Glauben,
Nach dem ererbten Gesetz, mit Macht zu schirmen entschlossen!
Schnell berief er zum Rath die Feldherrn all’, und die Hauptleut’
In Samaria, der Stadt, und rief den Versammelten also:
„Tapfere Männer und Brüder, hört! In Modins Gebirgen
Hat ein nied’riges Volk in geistverblendender Frechheit
Jüngst sich vereint, uns entgegen zu steh’n, das Schicksal des Krieges
Kühn zu versuchen, und so zu ersiegen im Felde die Freiheit
Von Antiochos Macht, des Herrlichen! Denket den Unsinn!
Soll ich erwähnen des Muths, mit welchem die Krieger des Königs
Dieß verachtete Volk, das Israels Söhne sich rühmet,
Stets bezwangen im Kampf’, und zerstäubten, wie Spreu auf der Tenne
Schnell zerstäubet der sausende Sturm? Sie flohen, erschrocken,
Schon vor euerem Blick, den Blitze des Todes bewaffnen!
Jetzo will ich mir herrlichen Ruhm ersiegen für immer.
Staunen sollt ihr, wie schnell, wie furchtbar Seron des Feindes
Scharen besiegt. Noch heut’, am dämmernden Abend, versamml’ ich
Dreißigtausend im Kampf gestählete Krieger, und breche
Los auf den schlummernden dort: dem nächtlichen Donnergewitter
Gleich, das plötzlich naht, und zerschmett’re den Feigen auf einmal.
Dir, Apollon, winkt in dem Vorder-Zuge vor allen
Heute das Glück, wenn du die erlesene Schar Elephanten
Gegen den Feind vordrängst, auf welchen herab aus den Thürmen
Ström’ ein Hagel von Pfeilen zugleich und von Steinen der Schleuder,
Bis ihn ihr Rüssel erfaßt, und zermalmt ihr eherner Fußtritt:
Dann ist in eiliger Flucht sein Los nur Tod und Verderben,
Und wir sammeln die Beut’ auf dem blutgerötheten Feld’ ein!
Alle zugleich gedenket des Kampf’s und des herrlichsten Sieges,
Waffnend in Eile das Volk. Antiochos Ruhm ist die Losung.“
Also rief er zur Schar der schnell versammelten Führer.
Siehe, nicht lang: da zog das geordnete Heer aus den Mauern
Von Samaria hinaus g’en Modins dunkles Gebirgsthal.
Allen voran herbraus’ten die Schleuderer, deckend die Reihen,
Zwölf, auf dem Rücken den Thurm, und im Thurm gewaffnete Männer
Tragender Elephanten: die Erd’ erzitterte weithin
Unter dem ehernen Fuß des riesengestalteten Lastthiers.
Als der Lenker der Schar der Schleuderer, kühn und verwegen,
Kam Apollon, und trieb das Viergespann aus dem Wagen,
Der, zweiräderig, ihm nachflog, mit donnernder Stimm’ an.
D’rauf, ein gleiches Gespann vom ringsvergoldeten Wagen
Geißelnd, kam in der Mitte des Heer’s der oberste Feldherr,
Seron, dem an der Zahl zehntausend Krieger, mit Lanzen
Trefflich verseh’n, und bewehrt mit dem Helm’ und dem Panzer, gehorchten.
Aber im Nach-Zug dann, den Bogenschützen gebiethend,
Die, an der Zahl, wie jen’ in der Mitte des mächtigen Heeres
Naheten, kam Zorain, der stürmische Held in der Feldschlacht.
Hundert folgten zugleich Streitwägen ihm nach; mit dem Lenker
Saß in jeglichem ein, mit Speeren bewaffneter Krieger.
Also geordnet, eilte das Heer den Feinden entgegen.
Draußen im felsigen Thal’, im Graun des dunkelen Waldes
Lag, entschlummert, der Greis Mathathias — um ihn die Erzeugten
All’, und, rings in dem Thal’, in Felsenschluchten gelagert,
Oder in Mäntel gehüllt, und gestreckt auf rauschende Blätter,
Ruhte die Schar achttausend kampfgewaltiger Männer.
Mitternacht entschwand. Die Flamme verlosch in dem Lager
Ringsher; nur ein bläulicher Rauch stieg noch aus dem Haufen
Glimmender Asch’ empor, und schwamm, wie ein duftiger Nebel,
Durch das Laubgewölb’ der hochaufragenden Stämme.
Aber nicht thöricht hatte der Greis die Gefahren verachtet,
Oder, unkundig des Kriegs, versäumt, zu begegnen des Feindes
Dräuender Hinterlist und geistverwirrendem Anschlag.
All’ die waldigen Höhen entlang, vertheilt’ er die Wachen,
Die, ringsher umschauend vom Fels, ihm Alles und Jedes
Kündeten, was in der Ferne bedenklich erschien, und Verderben
Drohte dem lagernden Volk’ aus dem weitverbreiteten Blachfeld.
Doch jetzt nahte Rephim, der Krieger, mit Angst in den Blicken,
Zitternd, ähnlich dem Laub der Silberpappel im Lufthauch;
Faßte sogleich die Hand des ruhenden Greises, und dachte,
Ihn zu erwecken vom Schlaf’ in geheim vor den lagernden Scharen.
Aber der freundliche Greis sah ihm mit verkläreten Augen
In das Gesicht: denn eben verließ ihn der Engel Jehova’s,
Der ihm genahet im Traum; zu gottvertrauendem Muth ihn
Mahnete, Sieg ihm verhieß, und herrlichen Lohn in der Zukunft.
Jetzo begann der Wächter der Höh’n: „Unzählige Heiden
Kommen, zu würgen, heran. Streitwägen und blitzende Waffen
Sträubten das Haar auf der Scheitel mir auf; doch sank ich vor Schrecken
Auf die Kniee, vor mir die Riesenthiere der Wüsten
Schauend, welche dem Heer’, gleich wandelnden Bergen, voranzieh’n;
Thürme, gleich Vesten, mit Kriegern besetzt, auf dem wölbenden Rücken
Tragen, und Tod und Jammer dräu’n mit dem furchtbaren Rüssel,
Der jetzt, eingeschrumpft, in den Hauern schwebet, und plötzlich
Wieder vom Haupte verlängt, mit der Schnelle des Blitzes den Krieger
Fest umschlingt, ihn erdrückt, in die Lüft’ aufschleudert mit Ingrimm,
Daß er ihn dann sogleich mit den ehernen Füßen zermalme.
Wahrlich, o Herr, so Jehova säumt, aus den Händen des Feindes
Nun zu erretten sein Volk: so ist es auf immer verloren!“
Rasch erhob sich der Greis; er winkte dem Priester Abisah,
Und er stieß alsbald in die Kriegesposaune so mächtig,
Daß der empörende Laut, in des Waldthals felsigen Räumen
Donnernd erklang, und das Volk, urschnell, um den Vater vereinte:
Denn so nannt’ es den Greis, Mathathias, voll heiliger Ehrfurcht.
Aber der jugendlichblühende Held, der tapfere Juda,
Hob sich der erste vom Laub’, und sah in dem nächtlichen Dunkel,
Wie der muthige Leu umher, der nahe den Gegner
Wittert. Er faßte das Schwert, und hing an den Augen des Vaters.
Auch Eleazar kam, und Jonathan, glühenden Muthes
Näher; sie forschten besorgt, was ihn mit Jochanan und Simon,
Ihren Brüdern, empört, warum die Posaune getönet?
Sieh’, da sprach der edele Greis zum versammelten Volk so:
„Fasset das Schwert; wir zieh’n jetzt Israels Feinden entgegen!
Doch schon hatte das Volk von dem furchtverblendeten Krieger,
Schreckenbetäubt, vernommen die Macht und die Stärke der Gegner,
Die mit der Schar der Riesenthier’ entsetzlich zu schau’n war,
Murrete laut, und Sadok, der Aelteste, rief voll Entrüstung:
„Groß ist dein Muth, erhabener Greis, wir ehren ihn alle;
Aber er leitet dich irre, daß du, vergessend der Weisheit,
Welche dich sonst beseelt’, unzähligen Feinden entgegen
Führest das Volk, das nur ein unbedeutendes Häuflein,
Und durch Fasten erschöpft, schon kleineren Scharen erbebte!
Thorheit wäre der Kampf, und vermessen der Streit mit dem König,
Dem Jehova im Zorn’ uns preisgegeben für immer.“
Drohend erhob Mathathias die Hand, und sagte mit Wehmuth:
„O, nicht schaffet die Meng’ uns Sieg in dem Sturme der Feldschlacht;
Gottes gewaltiger Arm errettet mit wenigen Händen
Eben so schnell, wie mit vielen, vom Joch’ entehrender Knechtschaft
Sein erlesenes Volk, so er will, barmherzig, und gnädig!“
Aber, urplötzlich entriß der Scheid’, im furchtbaren Jähzorn
Juda sein Schwert, und hieb mit nerviger Rechte der Zeder
Lastenden Zweig von dem Stamm, daß er weit in den Lüften dahinflog.
Sadok wich, erschrocken, zurück’, und beugte sein Antlitz
Nieder in Staub: denn nah’ ihm schien, zermalmend, der Tod schon;
Aber auch All’ ergriff ein herzbeklemmendes Staunen
Ueber des Jüngling’s Kraft, der jetzo, entflammt, zu dem Volk rief:
„Ha, ihr bebt vor der Menge zurück, vor den nied’rigen Sündern,
Welch’ im wüthigen Trotz ermorden die jammernden Weiber,
Und den lächelnden Säugling zugleich an dem Busen der Mutter!
Die für schnöden Gewinn verhandeln den Mann und den Jüngling,
Gleich dem Vieh’, auf dem Markt, an den weltdurchwandernden Kaufmann:
Also vor uns Jehova’s Ruhm zu verhöhnen, entschlossen?
Besser der Tod in dem Kampf’, als solch unrühmliches Leben!
Auf — wir streiten für Gott, für unser Leben und Freiheit!
Zaget nicht, fasset nur Muth: der Herr ist mit uns in dem Schlachtfeld.“
Also rief er, und ging; ihm folgte, begeistert, das Volk nach.
Nicht auf dem breiteren Pfad, der unten durch üppige Matten,
Führte des Wanderers Fuß zur felsumstarreten Waldschlucht,
Zog nun Israels Heer auf den Feind mit erneuertem Muth los,
Sondern auf waldigen Höh’n bis hin, wo der letzte der Hügel
Sich an Bethoron, der Stadt, hinzieht, und zu lachenden Eb’nen,
Durch die goldene Aehrenflur, den grünenden Fuß dehnt,
Eilte das muthige vor. D’rauf ordnete Juda die Scharen;
Gab an dem linken Horn dort, Jonathan, und an dem rechten
Hier, Eleazar Gewalt, zu gebiethen im Sturme der Feldschlacht.
Er, der erst’ entgegen dem Feind’ in der Mitte zu kämpfen,
Stand voll freudigen Muthes allein und jubelte laut auf,
Als Jochanan sich ihm, der Helden-Bruder, nun anschloß.
Doch Mathathias stand, umgeben vom Volk’, auf des Hügels
Felsigem Haupt mit Simon, dem ältesten Sohn’, und erhob jetzt,
Warnend, g’en Juda die Hand, und fragt’ ihn, sorglichen Blickes:
„Juda! Hast du erwogen das Ziel — gesichtet des Herzens
Tiefverborgenen Grund: ob nicht vermessener Stolz nur,
Ob Vertrau’n auf eigene Kraft zur gefährlichen Stelle
Dort, an der Spitze des Heer’s, dich trieb in eiteler Ruhmsucht?
Hast du heiß zu Jehova gefleht, und des Ewigen Beifall,
Demutherfüllet, geahnt in des Herzens heiliger Regung?“
Juda entgegnete schnell: „Erwogen das Ziel, und gesichtet
Hab’ ich, o Vater, die tiefverborgenen Räume des Herzens!
Nicht vermessener Stolz, nicht Vertrau’n auf eignes Vermögen
Heißt mich steh’n an der Spitze des Heers: Jehova geboth mir —
Ja, in der Brust rief Gott, daß ich leite die Unsern im Schlachtfeld!“
Jetzt entblößt’ er sein Schwert; ließ dann im Grase sich nieder,
Stützte das Kinn auf die Hand, und sah mit glühenden Blicken
Durch das nächtliche Grau’n den nahenden Feinden entgegen.
Wie der Leu, der jüngst entwöhnt von der säugenden Mutter,
Im Vertrauen auf eigene Kraft, von dem Lager sich aufmacht,
Vor der Höhle sich stellt, und mit wuthgerötheten Augen
Schauet im Wald’ umher: ob mächtige Gegner ihm nahen?
Lechzend nach Blut’, umleckt er mit stachliger Zunge den Rachen;
Peitscht den drönenden Grund mit dem buschigen Schweif, daß, zum Himmel
Wirbelnd, der Staub auffleugt, und brüllt, und schüttelt die Mähnen:
Also saß vor den Scharen der Held auf dem Boden, und blickte
Starr in die Fläche hinab, nach feindlichem Blute sich sehnend.
Jetzt erglühte der Saum des lichtergewordenen Himmels
Drüben im Osten; im Frühwind floh’n die umwandernden Nebel;
Jauchzend schwangen die Lerchen sich auf in den Lüften, und ringsum,
Durch die bethaute Flur erwacht’ ein Laut nach dem ander’n —
So in dem Wald’, auf den Höh’n, und in tiefverborgener Thalschlucht;
Doch, als jetzo ihr Flammenhaupt, im duftigen Goldglanz
Schwebend, die Sonn’ erhob, und rings die verjüngete Schöpfung
Jubelte, sieh’, da zog die syrische Macht auf des Landmanns
Saaten in täuschender Stille heran: denn Seron gedachte
Heimlich im Ueberfall den lagernden Feind zu erwürgen.
Wohl erbebte das Volk von Israel, als es die Reihen
Jener gewaltigen Thiere vor sich im feindlichen Heer’ sah:
Aber der älteste Sohn Mathathia, des heiligen Greises,
Simon, eilte herab, und sagte zu Juda, dem Feldherrn:
„Kühner, entbieth’ aus dem Heer’ Freiwillige, die für die Rettung
Unseres Volks dem Tode sich weih’n, und sie muthig erringen!
Furchtbar ist ihm der Kampf mit dem riesengestalteten Thier nur.
Mögen jene das Schwert mit des langgeschafteten Speeres
Erze vereinen: das Schwert an den Schaft mit kräftigen Riemen
Festigend, und im Gemenge der Schlacht, losstürzend vor allen
Auf die Thiere, sie kühn verwunden am schrecklichen Rüssel,
Daß sie, gefoltert vom Schmerz, im eigenen Heere verbreiten
Flucht, Verwirrung, und Tod, und grausenvolles Verderben.“
Juda erhob das Schwert, und winkte dem sinnigen Bruder
Beifall zu. Kaum war in den Reih’n der geordneten Krieger
Kund geworden der Ruf des kühnen Beginnens: da traten
Hunderte vor, voll Muth zum rühmlichen Tod sich erbiethend;
Aber Simon erlas nur zwölf’ aus den tapfersten Männern,
Die sich bewährten im Schlachtengefild’, ein Schrecken des Feindes.
Alsbald hefteten dies’ ihr Schwert mit kräftigen Riemen
Fest an den ragenden Schaft des fernhintreffenden Speeres;
Eilten hinab zu des Hügels Rand, wo dichtes Gebüsch sich
Nah’ an dem Pfad hinzog, und harrten, verborgen, der Gegner.
Näher und näher erhob sich Gewölk aufqualmenden Staubes;
Blitzender zuckte das Licht der strahlengekröneten Sonne
Mitten in Staubesqualm aus den hellgeglätteten Waffen;
Lauter erscholl der Tritt viel Tausender — schnob das Entsetzen
Vor den Scharen einher, und nah’ war Kampf und Verderben.
Juda, jetzo die Gegner vor sich mit leuchtenden Augen
Schauend, erhob sich behend’; schrie laut, daß die Berg’ und die Thäler
Dröneten, all’ um ihn her erbebten, und oben am Felsriff
Selbst Mathathias erschrack. Von Furcht und Entsetzen ergriffen,
Hörten die Feinde den Ruf, und rissen sich wild aus den Reihen.
Aber jetzt auf den Höh’n das Heer der Gegner mit einmal,
Nur so schwach an der Zahl, und allein mit dem Schwert’ in der Rechten,
Sonder Panzer und Helm, Streitwägen und Rosse gewahrend,
Lachte Seron vor Wuth, und rief, voreilend, Apollon,
Der dem Vorderzuge geboth, mit höhnenden Blicken:
„Wahrlich, ich dacht’ im Geist, ganz Israel, stünde, bewaffnet,
Wider uns auf, und bereit’ uns Tod und grause Vernichtung!
Soll dieß treffliche Heer mit jenem der Feinde sich messen,
Das die verborgenen Höhlen des Wald’s, gleich Räubern, bewohnet,
Wehr’ und Waffen entbehrt, und jetzt, verzweifelnd, den Tod sucht?
Mögen die Schützen allein, von den Rücken der zwölf Elephanten
Schleudernd den tödlichen Stein, und schnellend die Pfeile vom Bogen,
Jene bekämpfen: sie flieh’n vor ihrem entsetzlichen Blick schon.“
Sieh’, da drängten zugleich die lautaufschreienden Führer
All’ Elephanten vor in dem Feld’, und es stachen die Krieger
Sie, daß ihr Grimm erwach’, aus den Thürmen mit spitzigen Lanzen.
Und er erwachte sogleich: sie schritten hinan, mit dem Rüssel
Laut sich peitschend die Brust, und schnoben vor glühender Mordgier.
Von der Sehne geschnellt, durchzuckt’ ein Hagel von Pfeilen,
Sausend, die Luft. Der Schleuderer schwang den spitzigen Wurfstein,
Kreisend, umher: bis jetzt die Schnur von dem hemmenden Finger
Wich; der Stein lautheulend im Luftraum flog, und am Hügel
Dort, mit den Pfeilen zugleich, die tapfersten Krieger erlegte.
Nun erhob Mathathias zu Gott, lautflehend die Augen:
„Rett’, Erbarmer, dein Volk von dem Feind, der Schmach und Verderben
Ihm bereitet mit wüthigem Trotz: verhöhnend dich, wahren,
Ewigen Gott! O, gib uns den Sieg, Allmächtiger, hier jetzt,
Daß er erkenne mit Angst, wie mächtig Jehova, der Herr, ist!“
Sieh’, da warfen sich schnell die zwölf erlesenen Männer,
Die sich dem rühmlichen Tode geweiht, auf das vordere Treffen.
Jeglicher ging mit weitvorragendem Speer’ auf ein Thier los —
Stieß, und verwundet’ es tief an dem Rüssel. Nur Dorach aus Gaza
Fehlte vor Hast: sein Speer glitt ab an dem glänzenden Hauer,
Und durchbohrte des Thiers Ohrlapp’, die faltig herabhing.
Schnell umklammert’ es ihn mit dem schrecklichverlängerten Rüssel,
Ihm zu zermalmen die Brust, und ihn auf in die Lüfte zu schleudern,
Daß es den Sinkenden, racherfüllt, in dem Sande zertrete;
Aber da sprang Nabal, aus Bethoron, herbei, und, erhebend
Hoch den Schaft mit dem festgehefteten Schwerte, durchstieß er
Ihm das funkelnd’ Aug’, das sonst so klug, so verständig,
Sinnig, und mild hersah — nun hellentflammt von der Wuth war.
Jetzo tobten, von Zorn und furchtbarn Schmerzen gefoltert,
All’ Elephanten im Feld’ umher. Sie warfen die Krieger
Aus den Thürmen herab, und eileten, schnaubend, herüber:
Durchzubrechen das eigene Heer, und im rauschenden Bergstrom
Dann zu kühlen die Gluth der tiefgespaltenen Wunden.
Ein gewaltiger stieß an Serons rollenden Wagen,
Der, von dem Sessel herab antreibend die schnaubenden Rosse,
Und ersehend von fern, welch’ schrecklichen Frevel die Gegner
Dort an den Thieren verübeten, jetzt die Führer des Heeres
Schalt, und ermahnte zugleich, die Frevelnden niederzuschmettern;
Doch schon lag er im Staub, und blutete — lagen die Rosse,
Lag der Wagen, zertrümmert, im Feld: denn schnell, wie der Blitzstrahl
Mitten im Hain die hundertjährige Fichte zersplittert,
Daß nur Trümmer umher von dem ragenden Stamme sich weisen:
So zertrümmerte dort das Thier den rollenden Wagen;
So zertrat es die Ross’ und den lautaufschreienden Feldherrn.
Und es entfloh’n alsbald in wilder Verwirrung die Syrer.
Jetzt, wie im Lenz von dem Felsengebirg, gelöset vom Südwind,
Niederrollt die Lawin’, im schrecklichen Donnergetümmel,
Stürzet den Wald, fortreißt die Felder und blühende Matten:
Also kam von dem Hügel herab die Zierde der Helden
Makkabäischen Stamms — kam Juda, der tapfere Jüngling
Her an der Spitze des Heer’s. Den Fliehenden lag er im Rücken,
Schlug, und tränkte sein dürstendes Schwert im Blute des Feindes.
So Eleazar, der Held, so Jonathan. Keiner der Krieger
Rastete jetzt. Weithin ertönte Gejauchze des Sieges;
Tausende lagen erwürgt, und deckten die Pfad’ und die Felder.
Längs dem Zederngehölz’, unferne den Mauern Bethorons,
Stellt’ Apollon sich kühn zur Wehr’. Er hemmte die Seinen
Noch in der Flucht: im Kampf mit Ehre zu sterben, entschlossen.
Juda säumte nicht, kam, und sprang vor den muthigen Feind hin.
Zwar hielt ihm Apollon sogleich den ragenden Speerschaft
Kräftig, entgegen; allein, er schwang sein blinkendes Eisen —
Hieb den ragenden Schaft entzwei, und bohrete jenes
Ihm so tief in die Brust, daß er sank, und das Leben verhauchte.
D’rauf entriß er ihm schnell das reichverzierete Schlachtschwert:
Um noch jetzt, und hinfort, in dem Kampf für den heiligen Glauben,
Für die Rettung des Vaterland’s, und die Sitten der Väter
Solches zu führen, zum Ruhme für Israel, siege verherrlicht.[3]
Aber in eiliger Hast entfloh’n die Trümmer des Heeres,
Das den Juden Vernichtung droht’, und nur Wenige kehrten
Heim in das Vaterland, den Ihren den Jammer zu künden.
Sieh’, Mathathias Vollendung naht’! Er fühlte des Todes
Schaurigen Hauch; hieß seine geliebten Erzeugten ihm nahen;
Hob sich auf in dem Bett’, und begann mit rührender Stimme:
„Nehmt den Segen zum Lohn’, ihr, Theueren! Möge Jehova
Euch behüthen mit ewiger Huld, daß ihr, würdig der Väter
Wandelt, und wirket das Gut’ auf dem heiteren Pfade der Unschuld.
Jammerschwer ist die Zeit, in der ihr lebet: der Hochmuth
Herrscht in der Welt, und der Stolz ersinnet nur Schmach und Verderben.
Haltet fest am Gesetze des Herrn; gedenket der Thaten
Eurer Väter, und suchet den Ruhm, der ihnen zu Theil ward,
Auch um des Lebens Preis: dann lohnt euch ewiger Nachruhm.
Abraham heißt uns gerecht, da er treu in der Prüfung bestanden.
Joseph herrschte mit Macht in Aegypten, weil er im Unglück,
So wie im Glück, Jehova’s Gesetze verehrete. Phine’s
Eiferte redlich für Gottes Wort, und des Priesterthums Vorzug,
Dauernd in seinem Geschlecht, ward ihm zum Lohne gegeben.
Josua that, wie Jehova geboth, und er wurde der Retter
Israels. Laut sprach Kaleb dort vor dem Volke die Wahrheit,
Und er hatte sein Erb’ im verheißenen Lande des Segens.
David war barmherzig und mild, und ihm wurde die Herrschaft —
Ihm und seinem Geschlecht, gegeben auf ewige Zeiten.
Für Jehova’s Wort entglühte der Thesbit Helias,
Und er wurde im Blitz und Sturm g’en Himmel gehoben.
Auch den Glauben Sidrachs, Misach- und Abdenagos, lohnte
Herrlich der Herr: sie kamen gerettet hervor aus den Flammen,
Und die grimmigen Leu’n bezähmte Daniels Unschuld.
Also hinauf, in der dämmernden Frühe der heiligen Vorzeit,
Seht ihr jene belohnt, die liebend Jehova vertrauten.
Fürchtet denn nie den Trotz und die dräuenden Worte des Sünders:
Seine Herrlichkeit ist nur Staub, sein Ende Verwesung;
Heute bläht er sich auf, und dräut der Erd’ und dem Himmel:
Morgen ist er nicht mehr: denn tief in des dunkelen Grab’s Nacht
Sank sein wüthiger Trotz und all’ sein stolzes Beginnen.
Auf, erhebt euch mit Muth, geliebteste Söhne! Jehova’s
Mächtiger Arm schützt euch, so ihr treu dem Gesetze verharret.
Simeon ist erfahren und klug; mein ältester werd’ euch
Vater hinfort: ein Lenker im Grau’n des umnachteten Lebens;
Aber Judas, mein Held, Makkabäer gepriesen vor allen
Meines Geschlecht’s, beherrsche das Feld der eisernen Schlachten:
Euer tapferer Hort, erzogen im Lager der Krieger.
So mit den beiden vereint sey Jonathan, sey Eleazar,
Und Jochanan im Bruderbund. Versammelt Jehova’s
Tapf’re Verehrer alle zum Kampf für die heilige Freiheit;
Rächet die Schmach des Vaterland’s an den Feinden mit Nachdruck.“
Als er die Rede beschloß, da sank er zurück auf das Kissen;
Sah mit segnendem Blick’ auf die Lieben, und hauchte den Geist aus.
D’rauf in das Ahnen-Grab, unferne den Mauern von Modin,
Brachten im Trauerzug die weinenden Söhne den Todten,
Und in Israel scholl Wehklag’ um den Vater des Volkes.
Aber im jubelnden Ruf der Himmlischen reicht’ ihm vom Thronsitz
Schon der Allerbarmer, voll Huld, den lohnenden Kranz hin:
Da er vertrauend auf ihn, in dem nächtlichen Sturme des Lebens
Muthig stand, und den Frommen hier zum erhebenden Trost ward!
II.
Eleazar.[**]
Hingebung.
Tief in des Gartens Schooß’, im Schatten der säuselnden Palmen,
Saß Eleazar, der Greis, und lächelte: heilige Wonne
Fühlend über die Stelle des Buch’s, die er eben gelesen.
Aber die Stelle hieß: „Und Abraham lud auf den Rücken
Isaaks das Opferholz, und hieß die Knechte verziehen.
Als er den Berg bestieg, in den Händen tragend das Messer
Selbst mit der Gluth: da folgt’ ihm sein Sohn, erkoren zum Opfer,
Keuchend unter der Last. Sie gingen zusammen, und schwiegen.
Doch nun rief ihm der Sohn: „Mein Vater!“ Und dieser: „Ich höre.“
Isaak begann: „Da seh’ ich die Gluth und das Messer, und nirgend
Wies das Opfer sich noch — wo findest du solches, o Vater?“
Abraham drängte die Thräne zurück’, und sagte beklommen:
„Still, mein Sohn: schon wird sich der Herr erlesen das Opfer!“
Aber er sah nicht zurück’, und sie stiegen empor auf Moria.
„Himmlische Unschuld,“ dachte der Greis, „ein glänzendes Vorbild
Meines Erlösers seh’ ich in dir! Wie selig die Menschen,
Welch’, erwählt, zu leiden für ihn, mit heiteren Blicken
Wandeln die Dornenbahn zu den Wonnegefilden des Himmels!“
Gar nicht ahnt’ er es noch, wie sein’ die schrecklichsten Leiden
Harreten, die er ertrug, ein Held, für den heiligen Glauben
Und das hohe Gesetz der gottgefälligen Wahrheit.
Sieh’, da kamen die Krieger, gesandt, und pochten gewaltig
Fort an die Thüre des still- und einsamlebenden Greises.
Freundlich öffnet’ er sie, und begann vor den Staunenden also:
„Waffen seh’ ich gezückt, und des Kriegers drohende Mienen?
Doch was sollen sie hier, in des Friedens stiller Behausung?
Den ihr sucht, ist ferne vielleicht: ihr habt ihn verfehlet.“
„Nein, wir suchen dich, Eleazar!“ so sagte der Hauptmann,
Der den Kriegern geboth, „Antiochos, Asia’s König —
Deiner denn auch? entsendet uns selbst, daß wir dich gefesselt
Brachten vor seinen Thron und des Volk’s versammelte Scharen.
Dort, wie Zeus dein Los mit dem ewigwaltenden Schicksal
Ordnete, wird es dir geh’n; verhüllt ist der Himmlischen Rathschluß.“
Lächelnd, sprach Eleazar zu ihm: „Mich willst du, gefesselt,
Hin zu Antiochos Thron und des Volk’s versammelte Scharen
Schleppen, mich, den zitternden Greis? Ich folge dir willig.“
Also führten sie ihn auf den Markt, wo Syriens König,
Sitzend auf goldenem Thron’ im Kreise bewaffneter Krieger
Und unzähligen Volk’s, den olympischen Göttern zu Ehren,
Opfer zu bringen, geboth, und ihnen durch Spiel’ an dem Festtag
Huldigte: denn er gab dem siegenden Lenker des Wagens;
Dem, der weit vor allen die lastende Scheibe geworfen;
Der mit dem Pfeil, von der Sehne geschnellt, das ragende Ziel traf;
Der in dem Faustkampf Gegner besiegt’, und dem hurtigsten Läufer —
Jeglichem gab er den Preis mit eigenen Händen zum Lohn hin.
D’rauf begann er, und rief: „Ruhm sey den unsterblichen Göttern
Von den Völkern gezollt; gestürzt, und auf immer vernichtet
Sey Jehova’s Altar; verflucht, wer diesen verehret,
Und dem Tode geweiht in den schrecklichen Qualen der Folter!“
Schauder ergriff das Volk von Jerusalem, als auf dem Marktplatz
Dort ertönte des Schreckens Ruf. Schon opferte mancher,
Scheuend Folter und Tod, als Feiger, den nichtigen Götzen;
Mancher, dem wahren Gott’ Abtrünniger, wurde die Geißel
Seines Volks. So Jason, ein Mann unbändiger Ehrsucht,
Der des Hohenpriesterthums Würd’ um sündiges Geld nur
Sich erst jüngst von dem König erkauft’. In grauser Verwildrung
Wüthet’ er gegen das Vaterland und den Glauben der Väter.
Dieser haßt’ Eleazar schon lang, deß’ leuchtende Tugend
Seiner Seel’ entsetzliche Nacht und die ganze Verruchtheit
Seines Gemüth’s noch mehr, noch erschütternder, furchtbarer, zeigte —
Allwärts auch des Würdigen Feind der unwürdige Mensch ist.
Aber, von Rach’ empört, weil ihn Eleazar verworfen
Von dem Gesetz’, und unwürdig des Hohenpriesterthums nannte,
Gab er Antiochos kund: „Eleazar schmähe des Königs
Herrschaft laut, und ihn selber, da er hellenische Sitten
Rings in dem Land von Israel, er, ein Syrer, gebiethe!“
Jetzt durch drängende Haufen heran auf den wimmelnden Marktplatz
Führten die Krieger den Greis, und überall wich ihm, voll Ehrfurcht,
Aus die Meng’, und seufzt’: erwägend das schreckliche Schicksal
Solch’ ehrwürdigen Mann’s, dem keiner in Israel gleich kam.
Jason stand auf den Stufen des Thron’s, und lächelte grimmig
Hohn der Höll’ ihm entgegen, und doch vergab ihm der Dulder.
Abgewandten Gesicht’s, des tiefaufgährenden Herzens
Wuth zu bergen, und stützend den Arm auf den goldenen Armstuhl,
Saß Antiochos dort auf dem Thron’. Er winkte, gebiethend,
Jason, dem Frevler, und sprach: „Er opfere jetzt an dem Altar
Zeus, dem Beherrscher der Erd’ und des Himmels, dem mächtigsten Gotte,
Hier vor dem harrenden Volk’; auch allen unsterblichen Göttern
Zoll’ er, anbethend, Ruhm, so wird ihm noch heute vergeben.
Säumt’ er, unserem Herrscherwink zu gehorchen in Demuth:
Dann auf die Folter mit ihm: in Qualen verhauch’ er das Leben.“
Und sie führten sogleich den Helden des Herrn auf den Kampfplatz.
Gegenüber dem Thron’, auf sieben Stufen erhöhet,
Wies sich das Steingebild des Olympiers. Ueber ihm wölbte
Eine Kuppel sich auf, von Marmorsäulen getragen.
Von dem runden Altar’, an dem Fußgestelle des Götzen
Dampfte der Opferrauch empor, und erfüllte den Marktplatz
Doch mit der goldenen Bind’ um die Stirn’, und in festlichen Kleidern,
Standen die Priester umher, und sangen die Hymne des Opfers.
Sieh’, nun stieg der heilige Greis in erschütternder Hoheit,
Allen sichtbar, dort auf die oberste Stufe des Tempels;
Wandte den Flammenblick, voll unaussprechlicher Anmuth,
Nach der starrenden Menge hinab, und es preßte das Mitleid
Thränen ihm aus, die schnell von seinen gerötheten Wangen
Nach dem Busen hinab in schimmernden Tropfen sich drängten.
Doch nun fuhr er betroffen zurück: die geöffneten Lippen
Bebten ihm; bald verlosch, bald flammte sein Auge nur heller:
Wie der Mond, den, flugs, ein schwindendes Wölkchen verhüllet;
Jetzt umschwebt’ ihm den Mund ein Himmelslächeln: er starrte
Vor sich hin in die bläuliche Luft — so däucht’ es dem Volk dort:
Denn vom Erbarmer gesandt, war ihm der Himmlischen einer,
Uriel, liebend, genaht. Auf goldenen Fittigen schwebt’ er,
Eilend, herab. Er trug herbei zwei goldene Becher;
Nahte dem staunenden Greis’, und lächelt’ ihm mild in die Augen;
Dann begann er, und sprach: „Eleazar, der Jahre schon neunzig
Sind dir entfloh’n, und nur zehn erübrigen dir vor dem Grab’ noch!
Sieh’, in der Linken dahier die Macht, das irdische Leben
Weit hinaus zu dehnen nach Wunsch, und hier in der Rechten
Nahen und schrecklichen Tod, doch kommenden Menschengeschlechtern
Noch zum Heil und begeisterndem Trost. Was wählst du von beiden?“
Weit vorbog sich der Greis, und zitterte — bebte vor Sehnsucht
Nach dem seligen Augenblick des unsterblichen Lebens.
Viel zu gering’ ein Leben voll Schmach — zu nichtig die Qualen
Achtend, und höher schon nichts als den Tod im Segen Jehova’s,
Griff er schnell nach des Engels Recht’; entriß ihr den Becher,
Hob ihn zum Mund’, und trank, und fühlte sich wundergestärket:
Freudig zu kämpfen den Kampf, zu vollenden die herrliche Laufbahn,
Und zu erringen am Ziel die lohnenden Kränze des Siegers.
Doch der Engel umschlang in höherem Glanz’ Eleazars
Nacken, und rief mit erhebendem Blick’: „Ich werde dir nahen,
Mutheinhauchend, im Kampf’, und versüßen die Stunde des Todes.“
Also rufend entschwand er schnell in den höheren Räumen.
Jason naht’, ein Stück unrein geachteter Nahrung
Ihm in den Mund, mit Gewalt zu drängen, und sagte: „Verzehr’ es,
All’ den unsterblichen Göttern zum Ruhm, so will ich dich retten!“
Aber er faßt’ ihn am Arm, und stieß ihn die Stufen hinunter.
Als er im schrecklichen Zorn nun flucht’, und tobte vor Ingrimm,
Kam Nikanor heran, Feldoberst’ in Syriens Heersmacht,
Dem Eleazar einst, huldflehend, am Throne genaht war.
Dieser führt’ ihn beiseit’, und sagte mit ängstlichen Blicken:
„Herrlicher Greis, gedenke der Zeit, wo wir uns im Burghof
König Antiochos, den die Welt den Großen genannt hat,
Sahen, und der dich, Gesandten des Volk’s von Israel, ehrte;
Denke der Tage denn auch, die uns dort in traulicher Einung
Selig entfloh’n, als ich, Eleazars Freund, vor dem König
Selber, die Rechte des Volk’s von Israel, wegen des Freundes,
Kühn und muthig vertrat, und jenem erwirkte die Freiheit
Von unendlichem Druck, von Schmach, und zermalmender Knechtschaft:
Solches bedenk’, o Greis, und schone dein Leben, so theuer
Deinem Volk, dem Könige selbst, und deinem Nikanor!
Schaue den Rettungsweg, und folg’ ihm. Wie das Gesetz dir
Gönnet des Fleisches Genuß, laß solches dir holen, und koste
Hier, am Altare des Zeus davon — so handelnd zum Schein nur:
Denn der Ruf: du habest der Opferspeise genossen,
Macht den König dir hold, und du bist gerettet auf immer.
Folge mir. Sieh’, mir rinnet der Schweiß in glühenden Tropfen
Von der Stirne herab! Ich weiß es, mit ernster Gesinnung
Haltest du fest am ererbten Gesetz... doch will ich dich retten.
Schone dein Haupt, das allerverehrete; habe doch Mitleid
Mit dir selber, dem Volk’, und dem treugesinneten Freund hier.“
Also sprach er, bewegt, und sein Aug’ umhüllten die Thränen;
Doch Eleazar ergriff ihn am Arm’, und führt’ ihn hinüber
Nach dem Platz, wo er heute zu steh’n von Jehova erwählt war:
Denn er trat zu dem Bild des Olympiers; stand, und bedachte
Jetzo den Adel seines Geschlechts; den erhabenen Vorzug,
Den sein Alter ihm gab, im Schmuck des grauenden Haupthaars,
Und die Jahre gesammt des frommen, unsträflichen Lebens —
Dacht’ es im freudigen Muth’, und sprach zu den Seinen gewendet:
„Israels Volk, merk’ auf! Mir both unedeles Mitleid
Rettung von Qualen, vom Tod’: Erlaubtes sollt’ ich zum Schein nur
Kosten, und mir erheucheln damit ein schmähliches Leben?
Ich den Frevel begeh’n? Eleazar, der Lehrer des Volkes,
Er, der neunzigjährige Greis, erkaufe sich feig hier
Einige Jahre vielleicht, um solchen Preis der Verdammniß?
Weise damit der Jugend den Pfad der niedrigen Falschheit,
Arger Verstellung und List, und der Wahrheit freche Verachtung
Lehre dem zartaufblüh’nden Geschlecht durch sündiges Beispiel,
Daß Verwünschung und Fluch im dunkelen Grab’ ihn noch treffe?
Nein, ich wähle den Tod von eurem geschwungenen Mordbeil:
Denn nicht brächte mir solches Gewinn, so ich jetzo der Menschen
Henkergewalt entrönn’, und mich des erheuchelten Lebens
Freuete, da ich nicht hier im irdischen Leben, nicht jenseits
Gottes furchtbarer Hand entrönn’, ein frevelnder Sünder!
Fort in den Tod! Der Abend des heiterentschwundenen Lebens,
Und der Himmel im rein- und schuldlospochenden Herzen,
Werd’ auch jetzt nicht getrübt durch seelenverderbende Thorheit.
Jünglingen will ich zum Muster steh’n, daß sie, fürchtend Jehova’s
Zorn allein, nicht fürchten den Trotz des sterblichen Menschen,
Der heut’ wüthet, und lärmt, und morgen, verstummt, in dem Grab liegt;
Daß sie wandeln die herrliche Bahn, die ich ihnen voranging:
Für das Gesetz, das Vaterland, und den Glauben der Väter
Freudig aushauchend den Geist im heldenmüthigen Tod nur!“
Sagt’ es, und eilte herab, in den Tod zu gehen, entschlossen.
Jason sah mit höhnendem Blick nach dem Helden Nikanor,
Der ihm Rettung ersann; doch plötzlich wurde sein Mitleid
Umgewandelt in Haß, und sein Erbarmen zur Blutgier
Gegen den heiligen Greis, der sein’, so wähnte der Syrer,
Spottete. D’rauf erforscht’ er schnell den Willen des Königs,
Der im empörten Gemüth’ ihm längst nur Folter und Tod sann,
Und jetzt wüthender rief: „In den Tod mit dem Frevler! Zermalmt ihn!“
Alsbald, von dem Altare hinaus zum dunkelen Stadtthor
Führten sie ihn, und lautaufweinend, eilte das Volk nach.
Doch Eleazar sah auf dem Todeswege vor sich hin
Starr, mit flammendem Blick, und höherer Gluth auf den Wangen:
Denn der Unsterbliche ging vor ihm her. Nach dem Greise herüber
Hatt’ er die huldausstrahlenden Augen gewendet, und streute
Himmlische Rosen vor ihm auf den Weg, voll wonnigen Duftes.
Draußen warfen die Wüthriche jetzt Eleazar zu Boden;
Streckten die Glieder ihm aus, und schlugen mit eisernen Stäben
Ihm die Glieder entzwei. Er rief, vertrauend, zu Gott auf:
„Jenseits leid’ ich nicht mehr. Allmächtiger, stärke den schwachen,
Bebenden Greis! Du weißt es: nicht wählt’ ich des niedrigen Treubruch’s
Schmählichen Rettungsweg — ich wählte den Tod des Gerechten!
Lös’, o, gütig das Band des seel’umengenden Fleisches,
Daß sie sich schwing’ empor, und dir auf immer vereint sey!“
Doch der Unsterbliche beugte sich jetzt nach dem sterbenden Greis’ hin,
Und ein zitternder Tropfen sank ihm herab aus den Augen,
Deß’ ätherischer Glanz des Mitleids innige Wehmuth
Spiegelte; kühlt’ ihm sofort die Gluth der thauenden Wangen
Sanft mit dem fächelnden Schwung der goldenen Flügel, und haucht’ ihm
Muth und Vertrau’n auf den Herrn, in das angsterschütterte Herz ein.
Wie von dem Alpengebirg des Morgens schimmernder Nebel
Auf g’en Himmel sich schwingt, und schnell in den bläulichen Luftraum
Fortzuschweben, sich sehnt; doch hält ihn des ragenden Felsens
Scheitel noch fest: er haftet mit zartem Fuß’ auf den Höhen:
Also schwebte sein Geist, nun los- von dem Leibe sich ringend,
Leis’ empor, da stets ermattender’n Schlages sein Herz schlug,
Jetzo nur schwach mehr zitterte, stand — und ruhte für immer.
Doch nun stürzte der himmlische Freund an die selige Brust ihm;
Drückte den Seelenkuß, zum Pfand des unsterblichen Lebens
Ihm auf den Mund. Sie standen, entzückt, in hehrer Umarmung,
Und entschwebten, vereint, den düstern Gefilden des Erdballs.
Seine sterbliche Hülle, vom Staub’ und Blut’ an dem Waldbach
Reinigend, trug das Volk mit Thränen hinaus an den Heerweg,
Und bestattete sie in dem festummauerten Grab dort.
III.
Die Mutter mit den sieben Söhnen.
Hingebung.
„Sage, du Holde mir an: wo weilt Salomone, Hewilas
Witwe, die, gesegnet von Gott, als glückliche Mutter
Sieben treffliche Söhne gebar, und der Guten sich rühmet?“
Also der Fremdling, der, wie im Flug, zur Thüre hereintrat.
Doch Salomone erschrack: sie hielt die Thüre verschlossen
Heute wie sonst — wer öffnete sie? So erregten des Fremdlings
Worte nur Furcht und Angst in ihrem erschütterten Herzen.
Unten im stillen Gemach’, in des Abends sinkender Dämm’rung
Saß sie allein, fortwebend am Tuch’ aus schimmernder Wolle
Für die Braut des ältesten Sohn’s, die sie, nach der Sitte,
Selbst ihm erlas, das Herz errathend des schüchternen Jünglings.
Jetzt erhob sie sich schnell, und trat dem staunenden Fremdling
In erhab’ner Gestalt, voll Würd’, entgegen, und sagt’ ihm:
„Sey willkommen in Gott, Salomonen, der Witwe Hewilas;
Aber verzeih’, ich rufe dir einen der Söhne zum Dienst her.“
Sagt’ es, und wollt’ entflieh’n, der Männer Gesellschaft vermeidend.
Jener begann mit lächelndem Blick: „Zur Lese der Trauben
Sandtest du heute die Söhne gesammt nach dem fröhlichen Weinberg;
Bald erblickst du sie wieder daheim, und erfreust dich der Guten.
Fürchte dich nicht, Salomone! Ich bin ein Diener Jehova’s,
Der mich gesandt. Vernimm ein Wort der ernsten Betrachtung
Ueber der Gegenwart Verderben dräuende Zeichen,
Daß du, mächtig in Gott, ermuthigest dich und die Deinen.
Seit hier Syriens Fürst, Antiochos, jeglichen Frevel
Wider Israels Volk geboth: Jehova’s Verehrung
Schmähend, nur Götzendienst, nur Aberglauben und Unsinn
Lehret durch Folter und Schwert, erbebten gar viele der Schwachen;
Ließen ab von Jehova dem Herrn, und huldigten, treulos
Nichtigen Göttern: zur Angst und Verwirrung der Redlichen selber,
Die das Laster erhöht, und die Tugend erniedrigt im Staub, sah’n.
Zwar entflammte das Volk der Muth Mathathias, des edeln;
Einst, o Tage des Sieg’s, entflieht vor seinen Erzeugten
Syriens Macht, und, gerächt an den Wüthrichen, athmet das Land frei!
Zwar erhob Eleazars Tod, des redlichen Greises,
Tausender Herzen zu Gott, und erweckte Vertrau’n in den Schwachen;
Aber nicht rastet der Feind. Noch größ’re Verfolgung bedrohet
Israels Reich, bis endlich das Maß des Jammers erfüllt ist,
Das Jehova bestimmt’ ob all’ dem Frevel des Volkes.
O, wer schirmet es jetzt, wenn wildentbrannt in dem Herzen,
Ihm Antiochos Tod und Vernichtung drohet: zum Abfall
Von dem Gesetz, von Gott und dem Glauben der Väter es reizend?!
Einst erhoben sich wohl hochherzige Männer, und standen,
Ihres Volks Erretter, mit Kraft und Muth in Gefahren.
Ja, du weißt, auch in deinem Geschlecht, dem zarteren, flammte,
Dort noch der Heldenmuth: als Deborah, Judith, und Esther
Uebten für Gott und das Vaterland ruhmwürdige Thaten;
Doch wo fände sich nun solch’ hoher Sinn und Entschluß noch,
Israels Heil durch Hingebung, Muth, und erhebendes Beispiel,
Das auch And’re zu Thaten entflammt, und rettet, zu wirken?“
Hell erglänzte der Blick der Horchenden; röthliches Feuer
Hob sich von ihrer Lilienbrust auf die blässeren Wangen,
Und, die Augen hinab zur Erde geheftet, begann sie:
„Gott ist gnädig und mild: weit steh’ ich den heiligen Frauen
Nach an Würdigkeit und Verdienst, die jetzo mit Ehrfurcht
Nannte dein Mund; nicht wagt’ ich, so den grausen Gefahren
Selber entgegen zu steh’n — zu vollführen das Kühne mit Mannssinn;
Aber Gott verläugne ich nicht, und sollte des Henkers
Mordbeil über dem Haupte mir schweben, und fallen! O Fremdling,
Oft aufjubelte mir das Herz, wenn ich in der Mitte
Meiner Kinderchen ging, und das Volk in den Straßen mir nachrief
Segen und Heil — mit den Fingern wies auf die glückliche Mutter!
Wahrlich, ich bin’s! Mein Stolz, mein Alles, stehen Hewilas
Söhne, des Guten, vor mir. Fromm sind die Kinder geworden,
Die ich einst unter dem Herzen trug, dann säugte mit Sorgfalt,
Und im Gesetz’ erzog, vor Gott unsträflich zu wandeln;
Aber ich weihe sie freudig dem Tod, wenn die Ehre Jehova’s,
Und die Rettung des Volkes es heischt, und wäre nur elend,
Stürben sie nicht, getreu dem Gesetz, mit Muth und Ergebung.“
Jener trat zu ihr hin. Er sah mit verkläreten Blicken
Ihr in das Aug’, das schnell erblindete; faßte die Recht’ ihr,
Mächtig, daß Himmel und Erd’ ihr schwanden, und sagte mit Nachdruck:
„Halte, o Treffliche, Wort: wir sehen uns wieder im Lichtreich,
Wenn, Jehova getreu, dein Geist von der Erde sich aufschwingt.“
Rief es in Hast, und entschwand. Nun ging Salomone, vor Schrecken
Stöhnend, gegen die Thür’, und öffnete sie, noch erblindet
Vor dem Strahlenblick des Unsterblichen: aber es sank ihr
Dort von den Augen der dunkele Flor. Sie suchte den Fremdling
Rings mit ängstlichem Blick’, und nirgend war er zu schau’n mehr.
Sieh’, da kehreten, Arm in Arm, die Söhne Hewilas
Von dem Lande zurück’, und umringten die stattliche Mutter,
Sie liebkosend mit Gruß und Kuß, und den zärtlichsten Nahmen!
Doch sie erwiederte nicht die Zeichen der Lieb’ und Verehrung
Ihrer Erzeugten; nicht sah die Erschütterte jetzo den Jüngsten,
Ihren Liebling, noch an, und forschte, voll Hast, nach dem Fremden,
Welcher so eben das Haus verließ, und ihnen begegnet’?
Aber sie sah’n mit Staunen nach ihr, die Frage verneinend.
Langsam ging sie zurück’ im Kreise der schweigenden Kinder,
Schweigend selber, und d’rauf in der dämmernden Stube begann sie:
„Wunderbar sind die Wege des Herrn! Er sandte den Engel:
Denn kein Sterblicher war’s, uns, sein’ Erwählten, zu warnen,
Und zu stärken im Kampf für Israels Heil, und im Tod selbst
Für das Gesetz und das Vaterland, wenn solcher uns drohet.
Eilt, ihr Lieben, zur Ruh’. Ich will nun wachen, und bethen.“
Und sie entzog sich, bewegt, den Augen der trauernden Kinder.
Als von dem östlichen Himmelsthor die freundliche Sonne
Hell in die Kammer schien, da sah’n die Erwachten die Mutter
Draußen im Laubengang des weitverbreiteten Gartens
Steh’n, umringt von der Schar bewaffneter Krieger, und stürzten
Alle zur Thüre hinaus, die Theure zu retten, entschlossen.
Aber sie rief alsbald mit erheitertem Blicke zu ihnen:
„Höret mich! Uns gebeut Antiochos Wille, des Königs,
Heut noch vor dem Gericht zu entsagen den Satzungen Moses:
Also dem heiligen Bund des einigen Gottes, Jehova,
Daß abtrünnig von ihm, wir huldigen nichtigen Götzen,
Und verhöhnen die Treu’ und den Glauben, die Tugend und Wahrheit.
O, ich seh’ in dem Flammenblick von Hewilas Erzeugten
Schimmern den Heldenentschluß, der, hier das Leben verachtend,
Lieber sich wählet den Tod, als daß er noch fröhnte dem Laster!
Knieet zu mir! O laßt uns jetzt in des heiteren Morgens
Sanftumströmendem Hauch’ und im Licht der strahlenden Sonne
Fleh’n zu Jehova, dem Herrn: „Errett’ uns, Gott, aus dem Jammer;
Oder gib uns den Muth, zu erdulden die Qual und den Tod selbst
Mit Ergebung, eh’ wir, den Schwachen zum sündigen Beispiel,
Treulos weichen von dir, und erwählen die Pfade der Hölle!“
Und die Söhn’ aufschrieen zugleich: „So sey es, Jehova!“
Also betheten sie; doch jetzt erhoben sich alle,
Heiteren Blick’s, und gingen im Kreise bewaffneter Krieger
Eilig, die Wandelbahn entlang, nach der Straße hinunter.
Als Salomon’, im Vorübergeh’n, die Kammer erblickte,
Wo sie die Kinder gebor’n, und gesäugt, und mit Liebe so Vieles
Duldete, dort die hülfebedürftigen Kleinen zu warten;
Wo ihr auch mit dem Gemahl, dem redlichen, selig des Lebens
Jahr’ entfloh’n: da umhüllten ihr Aug’ untadlige Thränen;
Doch sie trocknete schnell ihr Aug’, und schritt nach dem Markt hin.
Staunend ersah das Volk die Herrliche: denn sie verließ nur
Selten das Haus, seit ihr der geliebte Gatte gestorben —
Staunend, die Söhne gesammt, in der Mitt’ unmenschlicher Krieger.
Stets verengten sich mehr die volkdurchwimmelten Straßen.
Tausende folgten der heiligen Schar auf den tosenden Markt nach,
Wo Antiochos selbst auf dem festlichprangenden Erker,
Sitzend im Feiergewand, der Kommenden harrte mit Sehnsucht:
Denn er hörete jüngst, da er nächtlich die Straßen, vermummet,
Durchzog, rühmen die Mutter zugleich und die frommen Erzeugten,
Die, des Vaters beraubt, mit inniger Treu’ und Ergebung,
Hingen an ihr, und die Muttersorg’ ihr liebevoll lohnten.
Aber, o welch ein Anblick schreckt die umdrängenden Menschen?
Hier Zeus Altar; dort Werkzeug’ entsetzlicher Folter:
Räumige Kessel, mit Pech und brodelndem Oehle gefüllet,
Hängend über der Gluth, auch hellroth glühende Zangen,
Und an dem ragenden Pfahl die schmählichen Band’ und die Geißel.
Chusim begann, der Feldherr, jetzt im Nahmen des Königs:
„Hört es, Bewohner der Stadt, wie huldvoll Asia’s Herrscher
Sich den verblendeten Frevlern erweist! Preiswürdige Männer
Klagen die Mutter hier, und die Söhne, gesammt, vor Gericht an:
Daß Antiochos Ruhm sie lästerten, welchem die Götter
Weisheit und Macht verlieh’n vor allen sterblichen Menschen.
Nun, da er Israels Volk aus Schmach zu erheben gedenket,
Das ob Moses Gesetz verachtet, und allen verhaßt ist,
Will er noch ein- und zum letztenmal den sträflichen Söhnen
Und der Mutter Vergebung und Huld aus der Fülle der Großmuth
Spenden: wenn sie dort dem Vater der Götter und Menschen,
Ihm, dem olympischen Zeus Kronion, zugleich mit uns andern,
Weihrauch streu’n auf die Gluth, und ihn anbethen, knieend, in Demuth.
Sollten sie nicht? dann — seht die Peiniger, werden die Thoren
Hier aus der Zahl der Lebenden, heut noch, entsetzlich, getilget!
Makab, Erstgeborener, komm’, und opf’re dem Gotte
Freudigen Muth’s! Du sollst den jüngeren geben ein Beispiel
Schuldiger Treu’ und Folgsamkeit, vor dem Könige selber.
Fragen will ich dich nur, ob Trotz und Empörung dir Vortheil...“
Ha, schon eilte der Feurige vor, und sagte mit Nachdruck:
„Frage mich nicht! Ich will — doch nein, wir alle, vereint hier,
Wir, Makkabäer genannt in Israels Jubelgesängen,
Wollen erdulden die Qual und den Tod, mit welchem du drohest:
Denn vom ererbten Gesetz’ und dem heiligen Glauben der Väter,
Weichen wir nie: so wahr Jehova der einige Gott ist!“
Laut erscholl sein Ruf auf dem Markt. Den muthigen Worten
Bebt’ Antiochos; dann erhob er sich rasch von dem Purpur,
Und geboth voll Wuth, daß ihm schäumten die zitternden Lippen:
„Foltert den Frechen zu Tod’; euch lohn’ ich’s mit reichlichen Gaben.“
Und sie griffen nach ihm. Allein, welch’ schrecklicher Laut dringt
Jetzt aus der Ferne heran — der Liebenden Angst und Verzweiflung
Tönend aus zarter Brust nach der Stätte des Jammers herüber?
Heftig erschrack Salomone dem Ruf; sie sah den Erzeugten
Aengstlicher an, und dacht’: „O hätte Jehova mit Taubheit
Ihn geschlagen zuvor, eh’ solcher sein’ Ohren erreichte,
Und zerfleischte sein Herz!“ Doch Makab wandte sich, stöhnend,
Nach der Gegend, woher der herzerschütternde Laut kam.
Todesbläss’ und glühendes Roth durchzuckt’ ihm die Wangen,
Wechselnd; die Lippen, geöffnet zum Schrei, erzitterten leis’ ihm.
Wohl gedacht’ er der liebenden Braut, Sarone, mit Wehmuth,
Und des täuschenden Traum’s von seligen Tagen der Zukunft;
Doch er eilete vor, und both sich den Henkern zum Opfer,
Als die Unglückliche dort, vor Schmerz vergehend, im Staub lag!
Aber die Mutter sah in tieferschütternder Hoheit
Ihrem ältesten nach. Wie die eisige Stirne des Gletschers
Farblos ragt: so war ihr Gesicht, da er auf zu Jehova
Blickte mit festem Vertrau’n, und dem schrecklichen Tode sich hingab.
Sie verstümmelten ihn; doch als er in dampfender Pechgluth,
Sterbend, lag, da ermahnten sich noch mit Thränen die Brüder:
Muthig zu steh’n im Kampf für Jehova’s heiligen Nahmen.
Jetzo war es gescheh’n. In der schauernden Brust Salomone’s
Wühlete, siebenschneidig, das Schwert; zugleich mit dem Sohn dort
Traf ein jeglicher Streich das Herz der zärtlichen Mutter,
Unter welchem sie ihn neun Monden mit Liebe getragen.
Was ein Mensch zu erdulden vermag, das hatte sie standhaft
Hier erduldet für Gott: geseh’n des Sohnes Verstümmlung.
Aber noch sechsmal sollte sie, ach! in der Prüfung bestehen?
Wer erhöhte die Kraft der sanftgesinneten Mutter,
Daß sie bestand? Jehova selbst, ihr Gott und Erbarmer:
Denn, als jetzo der Sieger des Herrn das Leben verhauchte,
Naht’, unsichtbar dem Volk’, und allein der edelsten Mutter
Sichtbar, der himmlische Freund, der gestern am dämmernden Abend
Ihr erschien, und verschwand im Glanz’ unsterblichen Lebens;
Both dann sieben, vor Gottes Thron nie welkende Kränz’ ihr,
Die der achte umfing, aus Edens duftenden Zweigen,
Lächelte mild, und haucht’ ihr Kraft, Vertrauen und Muth ein!
Alsbald hob sie den Blick empor zu dem Vater im Himmel,
Dankt’ ihm stumm, und ermahnete jetzt die weinenden Brüder:
„Kinder, weint um den Seligen nicht! Schon schmückt ihm die Scheitel
Jener unsterbliche Kranz, den euch Jehova bereitet.
Ringet auch ihr nach dem Kranz’. Ein Augenblick ist der Schritt nur
Von dem Leben zum Tod — dem Frommen zur ewigen Wonne:
Folgt dem Bruder, beherzt, für Gott zu sterben, entschlossen,
Daß Jehova, der Herr, sich eurer, wie Moses gesungen
Hatt’ in dem heiligen Lied’, als seiner Diener erbarme!“[1]
Aber der Feldherr rief, von dem Muth des ersten erbittert,
Nun den anderen Sohn der Edlen hervor, und begann so:
„Abir, komme heran: er opfere hier an dem Altar
Zeus, des Olympiers, schnell, und verzehre die Speise mit Ehrfurcht.
Wisset es all’: ihm würde die Haut von dem Leibe gerissen,
Wenn er thörichtgesinnt, wie Makab, verschmähte die Großmuth
Seines Königs und Herrn, der streng die Meuterer strafet.“
Abir gehorcht’, und kam: da wollt’ ein Schrei Salomone’s
Lippen entfliehen. Sie eilete vor; dann stand sie, beherrschend
Wieder des Herzens Angst, und lispelte, leise, vor sich hin:
„Gott, wie ertrüg’ er die Qual? Von zartester Jugend durch Krankheit
Lebenerschöpft, nährt er im schmächtigen Leibe den Geist zwar
Stark- und männlich gesinnt — ach, habt Erbarmen, ihr Henker,
Tödtet ihn schnell! Du stärk’ ihn, Herr, in der Stunde des Todes!“
Lispelt’ es leise für sich, und drückte das Herz mit der Rechten.
Abir sah die Umstehenden an. Die Lilienblässe
Seiner Wangen — sein Aug’, ätherischlächelnder Sanftmuth,
Weckt’ in dem Volk’, in den Henkern sogar herzinniges Mitleid;
Doch der Jüngling begann: „Wie soll’ ich gehorchen? Den wahren,
Einigen Gott verschmäh’n, verehren die nichtigen Götzen?
Nein, unmöglich, nie! Vollendet nur, was ihr begonnen!“
Jetzt erfülleten sie der Rach’ entsetzliche Drohung,
Wüthend, an ihm. Er rief noch, sterbend, hinauf zu dem König:
„Grausamer Wüthrich, du raubst uns zwar das irdische Leben;
Doch der König der Welt wird uns erwecken vom Tod einst:
Denn wir sterben für sein Gesetz und den heiligen Glauben —
Wecken zum seligen Tag der Auferstehung, in Wonne!“
Also verhaucht’ er den Geist, und es tobte der Scharengebiether
Ob des Königs verhöhneter Macht, und des eigenen Anseh’ns.
Machir schritt nun vor, von den Heldenbrüdern der dritte.
Sinnend wiegte die Mutter das Haupt, als jetzo der Jüngling
Nahte dem Ziel. Des Vaters Liebling war er, von Jugend
Auf. Mit dem feurigen Blut’ und dem hochaufstrebenden Herzen,
Uebt’ er schon frühe den Arm, des Kriegers Waffe zu führen.
Lächelnd rief dann oft Salomonen der Vater, und sagte:
„Liebe, gedenke des Worts: der wird ein Schrecken der Heiden!
Ha, wie er führet das blinkende Schwert, wie er spannet den Bogen,
Schleudert die Lanze, den Speer, und den weit hinsausenden Wurfstein:
Sicher wird er, als Führer des Heer’s in brausender Feldschlacht
Niederschmettern den Feind, und dem Vaterlande die Freiheit
Schaffen — Israels Ruhm; mein Stolz im grauenden Alter!“
Solches erwog Salomon’ im Geist’, und dachte: wie fern oft
Irre des Menschen Sinn von Gottes verhülleten Wegen!
Als ihn Chusim ersah, da rief er, ergrimmt, zu den Henkern:
„Hau’t, ihr Knechte, die Zung’ ihm ab, und die Hand mit den Füßen,
Eh’ er zu reden beginnt: der Meuterer würde noch lästern!“
Glühender strahlte der Blick und die Wange des muthigen Jünglings;
Alsbald streckt’ er die Hand und die Zunge den nahenden Henkern
Selbst freiwillig dar, und sprach mit gewaltiger Stimme:
„Diese Glieder empfing ich vom Herrn. Ich gebe sie freudig
Wieder für sein Gesetz in der seligen Hoffnung: er wird sie
Mir ersetzen am Tag der Auferstehung für immer!“
Chusim fuhr, erblassend, zurück. Mit seiner Umgebung
Saß der König erstarrt: er entsetzte sich über des Jünglings
Heldenmuth, der, schauend den schrecklichsten Tod, ihn verhöhnte;
Bebte zugleich vor Zorn, daß solcher Muth in dem Volk noch
Wohnete, das er so gern von dem Antlitz der Erde vertilgte.
Aber die Mutter hing mit sanftverkläreten Augen
An dem Erzeugten, und sprach: „Er ist ein Held, wie der Vater
Solches verkündet’: er kämpft den schwereren Kampf, und erliegt nicht.“
Und in schrecklicher Qual verhauchte der Tapf’re das Leben.
Jetzo führten sie Juda heran. Mit eilenden Schritten
Lief ihm Achas nach: denn Zwillinge waren die beiden.
„Wie das Zwillingsgestirn,“ so sprach zu dem Volke die Mutter,
„Flammend im Sternenzelt’, auf nie getrenneter Bahn zieht,
So die Zwillinge, die ich gebar: denn, innigverbunden,
Liebten sie sich schon seit den Tagen der zartesten Kindheit.
Einst verlief sich mein Juda im Wald. Vom duftenden Geißblatt
Lag er betäubt, und schlummerte. Schrei’n, und Rufen, und Forschen
Waren umsonst: da lief mein Achas ihm nach, und die Neigung
Diente dem frommen Kind zur Leiterinn. Ferne vom Dickicht,
Das den Vermißten uns barg, rief schon der jüngere, freudig:
„Dort zur Laube hinauf, wo mein der Liebende harret!“
Also lebten sie stets, und jetzt vereint sie der Tod noch.“
Schauend die Beiden vor sich, begann der erboßtere Feldherr:
„Kommt, ihr, Natterngezücht, mit heiterem Blicke, verschlungen
Arm in Arm, mir Hohn zu sprechen — zu trotzen in’s Antlitz?
Ha, ihr sollet mir in dem flammenden Kessel es büßen!“
Also geschah’s. Da rief, aufschauend zum Könige, Juda:
„König, du wirst nicht ersteh’n, gleich mir, zum ewigen Leben:
Besser, daß ich, durch dich, den Tod erleid’, und die Hoffnung
Baue auf Gott, der, gütig und mild, sie erfüllet im Himmel!“
Aber der jüngere sprach, wie jener, mit Muth in den Augen:
„König, auch du bist Staub, und der grau’numhüllten Verwesung
Unterthan, gleich uns, obschon du noch herrschest nach Willkühr
Jetzt im irdischen Glanz’, und mit Lust nur Böses verübest!
Nähre nicht eitelen Wahn: verlassen sey von Jehova
Unser Volk; bald wirst du es seh’n, wie mächtig der Herr ist,
Deß’ allmächtiger Arm dich selbst und die Deinen zerschmettert.“
Rief’s, und sie starben zugleich — den Unzertrennlichen ähnlich:
Lieblichen Sängern des Walds, die, schon vom wärmenden Nest’ an,
Bis zu dem Tode vereint, auf dem nähmlichen Aste sich wiegen,
Singen, und fliegen, und ruhen gepaart, und sinket das Weibchen
Todt vom Aste herab, so sinket das Männchen ihm todt nach:
So verhauchten den Geist die beiden, sich liebenden Brüder.
Angst erfüllete jetzt die Brust der erhabenen Mutter.
Areth sollte besteh’n die entsetzliche Prüfung — für ihn nur
Zitterte sie. Nicht bösgesinnt erwies sich der Jüngling;
Aber er hatte sich oft durch eigenwilliges Streben,
Mitten im selbsterkorenen Lauf von den Brüdern gesondert,
Und sie verhöhnt, von Trotz und neckender Laune getrieben.
Jetzt auch regt’ er die Furcht in ihrer sorgenden Brust auf:
Denn die Stufen hinan des ragenden Götzenaltares
Stieg er zuvor mit verschränketen Armen, und sah zu dem Steinbild
Lange mit zweifelerregendem Blick’ (bald wies er Verehrung,
Bald nur Hohn) empor; erforschte mit sinnigen Mienen
Opferspeis’ und -geräth’, und eilte dann wieder hinunter.
Auch, als jetzo der Feldherr noch mit freundlicher Stimme
Ihn zu ermahnen begann: des Königs Wink’ zu gehorchen;
Weise zu seyn; zu erwägen das Glück, das, edelgesinnet,
Ihm der König beschied: da stand er noch lange, verschlossen,
In sich gekehrt, und sah mit finsterer Stirne zum Boden.
Schon erhob Salomone die Hände, gefaltet, zum Himmel —
Flehte voll Angst um Hülf’ in der Noth, die schrecklich ihr drohte:
Da trat Areth hervor: sah lächelnd hinauf zu dem Standbild
Zeus, des Olympiers, noch, und fragete, kalt, und verhöhnend:
„Ha, das wär’ ein Gott? Erzählt mir! Als in dem Anfang
Gott den Himmel, die Erd’, und Alles und Jedes erschaffen,
Heißt es: Gott, der ewige Gott, der eine — Jehova
That es allein; wo war denn Zeus Kronion verborgen?
Habt ihr des Gottes Wiege geseh’n? Von hohem Geschlecht war
Ihm die Amme vielleicht, die ihn säugte? Wer lehret’ ihn lallen?
Thoren ihr, da ihr wähnt: euch sey der Ewige selber,
Den kein sterbliches Aug’ auf des Erdrunds Pfaden erseh’n kann;
Doch, den jeder erkennt, so er will, im redlichen Herzen:
Wie er im Brausen des Sturm’s, im Säuseln des schwärmenden Lüftchens,
Und auf den Flügeln der Morgenröth’, allmächtig, einherfährt;
Alles erschuf, und erhält, und leitet mit ewiger Weisheit,
Ha, daß dieser unendliche Gott euch Heiden bekannt sey,
Die ihr von Göttern sprecht, und, den Unsichtbaren verkennend,
Eigener Hände Werk verehret in todten Gebilden!
Aufschrien jetzt um ihn her, mit wilden Geberden die Heiden,
Und sie führten ihn schnell zu dem Tod’ in unsäglichen Qualen.
Aber, auch sterbend rief dem Antiochos Areth noch laut zu:
„König! Wähnst du vielleicht: du könntest Israels Kinder
So zermalmen nach Lust durch Herrschers Gewalt, und nach Willkühr?
Ach, ob unserer Sünden allein hat Gott in der Zeit noch
Ueber uns Leiden verhängt — dir Macht gegeben, zu siegen!
Dennoch, wehe dir einst: dein harren die schrecklichsten Strafen,
Weil du dich kühn erfrechst, selbst gegen Jehova zu streiten!“
Als nun Areth verhauchte den Geist, da nahte die Mutter
Eilig, stand, und beugete tief, mit verbreiteten Armen,
Ueber die Leichen sich hin. Nur Trümmer des einstigen Reichthums
Lagen vor ihr, ob welchem das Volk sie selig gepriesen.
Aber nicht trauernd, nein, mit erhabener Ruh’ in den Augen,
Die nur die Freudenthrän’ umhüllt’, erhob sie die Stimme:
„Muthig habt ihr gekämpft das herrliche Ziel zu erringen,
Und ihr habt es errungen mit Gott. Die Kränze der Sieger
Seh’ ich auf euerem Haupt’, und die Brust erbebt mir vor Wonne:
Denn, wer gab euch die Kraft, so schreckliche Qualen zu dulden?
Eure Gestaltung im Mutterleib war Wunder auf Wunder:
Wer begriff’s? Nicht hab’ ich euch Geist und Seele gegeben —
Euere Glieder zusammengefügt. Der, mächtig, die Welt schuf;
Der des Menschen Geschick’ und den Lauf der Gestirn’ in dem Luftraum
Lenket, gab euch die Kraft, und wird, barmherzig und gnädig,
Euch erwecken am Tag der Auferstehung hienieden:
Weil ihr, treu dem Gesetz, mit heiterem, festen Vertrauen
Eher den Tod, als die Sünde, der Uebel größtes, erwählt habt.“
So dort über die sechs, für Jehova geopferten Kinder
Rief die Mutter ihr Segenswort: da bebte sie, schauernd
Wieder zurück; noch war das jüngste von allen, ihr Salem,
Uebrig. Sie hatt’ ihr Auge von ihm gewendet mit Absicht
All’ die schreckliche Zeit, als jen’ erwürgte der Wüthrich:
Unerschüttert zu steh’n im Grau’n der entsetzlichen Prüfung.
Leise rang sie die Händ’, und bethete: „Sende, Jehova,
Deinen Engel ihm zu, daß er ach, nicht erliege den Schrecken!“
Aber der Kleine saß in dem Staub’, und verhüllete, schweigend,
Bei dem entsetzlichen Mord der Brüder, das Haupt mit dem Mantel.
Jetzt erhob er sich schnell, und Tausende starrten nach ihm hin,
Schauend das Engelgesicht des holdgestalteten Knaben.
Staunend, geboth Antiochos selbst, daß er nahe dem Erker;
Hob sich vom Stuhl’, und rief die schmeichelnden Worte herunter:
„Knabe! Du weißt, Salomone verschmäht die Worte der Großmuth,
Die ich gesprochen zuvor, euch mahnend: die Satzungen Mose’s,
Die nur Verachtung und Haß euch wecken im Herzen der Völker,
Abzuschwören vor Zeus, und allen unsterblichen Göttern!
Doch voll Wuth aufreizte sie noch zu frecher Empörung
Deine Brüder gesammt, die in Qualen ihr Leben verhauchten.
Dich zu retten, verschon’ ich sie: denn wirst du gehorchen,
Siehe, da sollest du reich an Gold und Silber, an Waffen,
Wägen, und Rossen seyn, und in prächtigen Kleidern, dem Sohn gleich,
Stets an der Seite mir steh’n: verehrt, und erhoben vor allen!“
Und er winkte noch freundlich herab mit den Händen und Augen,
Daß er bewegte das Herz des stillhinbrütenden Knaben.
Aber umsonst: denn laut begann er, und sagte mit Nachdruck:
„König, ich folge dir nicht: mein Herr und Gott ist Jehova!“
Solches gesagt, enteilt’ er, und stand, von der Mutter gesondert,
Schweigend, allein. Da hieß Antiochos nahen die Mutter,
Und ermahnete sie, mit sanftertönenden Worten:
„Weib, bedenke das Los, das deinen Erzeugten zu Theil ward
Ob Empörung und Trotz und deiner unbändigen Wildheit,
Die sie drängte, den Tod, von Qualen umdräut, zu verachten!
Noch ist dein jüngstes — ein liebliches Kind, ein Eros an Schönheit,
Uebrig; rette dieß Kind, eh’, schuldlos, solches der Krieger
Wildempöreter Wuth hinsinkt, von der Mutter geopfert.
Pflegen will ich’s mit Königshuld; ein liebender Vater
Will ich ihm seyn, und es hoch erheben, dem eigenen Sohn gleich —
Dich erheben mit ihm, daß jeglicher glücklich dich preise.
Eil’, und rette den Sohn! Er koste die Speise der Sühnung
Vor dem harrenden Volk. Das nur, das Einzige heisch’ ich
Wegen des Volk’s. O, Mutter! Wie, du könntest noch zaudern?“
Als er geendet das Wort, da sprach Salomone mit Nachdruck:
„Wohl, ich lege dem Sohn’ an das Herz, wo ihm blühe des Glückes
Sam’ allhier, und herrliche Frucht ihm verheiße die Zukunft!“
Hehr, und bewunderungswürdig erschien die erhabene Mutter
Rings dem versammelten Volk’, als jetzt, zu dem letzten Erzeugten,
Kehrend, mit flammendem Blick’ und mit höhergerötheten Wangen,
Sie hinschritt durch die Reih’n, nach ihr umschauender Krieger.
Sonst so zart und so mild (ein Weib im edelsten Sinne,
Uebend der Gattinn und Mutter Pflicht, und der sorglichen Hausfrau
Tausendfältig’ Geschäft mit stets erheiternder Sanftmuth)
Hatte sie nun, voll Kraft, den Tod der Söhne getragen,
Und mit männlichem Muth des brechenden Herzens Empfindung
Mächtig beherrscht, daß all’ umher anstaunten die Heldinn.
Jetzo beugte sie sich zu dem Knaben hinunter, und sagte:
„Sohn, erbarme dich mein, der Mutter, die unter dem Herzen
Dich neun Monden trug, dich gesäugt und mit Liebe genährt hat
Seither! Höre mich an, mein liebes, mein einziges Kind du!
Hebe die Blicke zum Himmel empor — betrachte die Erd’ auch:
Sieh’, was dort, was hier, dein staunendes Auge gewahret,
Ist des Allmächtigen Werk, der Alles und Jedes erschaffen —
Auch den Menschen erschaffen aus Nichts, und geordnet mit Huld hat!
Fürchte darum, mein Kind, des Wüthrichs schmeichelnde Reden,
Aber fürchte die drohenden nicht! Erweise dich würdig
Deiner Brüder: zu leiden wie sie, und entgegen zu gehen
Muthig dem Tode wie sie, daß ich einst, am Tag des Gerichtes,
Dich mit jenen zugleich in seliger Wiedervereinung
Drück’ an dieß Mutterherz, und ewige Freude mich lohne!“
„Mutter!“ so rief, einfallend, das Kind, „was ängstiget also,
Wegen des jüngsten Sohnes, dein Herz? Ich folge Jehova’s
Worten allein: dem Gesetz, das unseren Vätern sein Diener,
Moses, verkündet’ am Berg’ im feurigen Donnergewitter,
Und in steinerne Tafeln grub, daß auf ewige Zeiten,
Wir Jehova, den Herrn, und nicht andere Götter verehren.
Komm’, und hör’s nun selbst, du hochgesinnete Mutter,
Wie zu dem König dort dein, dir ergebenes Kind spricht!“
Freudig bebte die Mutter zurück. Der Unsterbliche strahlte
Plötzlich im Himmelsglanz’ an der Seite des Knaben, und führt’ ihn,
Sanft an der Rechten, hervor aus dem Kreis’ unmenschlicher Krieger,
Gegen den Erker hin. Er stand, und Salem begann so:
„Ha, du, den nicht Weisheit ziert, nicht Milde, nicht Großmuth,
Dein unzähliges Volk, und mein’s, das, waffenbezwungen,
Dir gehorcht auf einige Zeit, zu beglücken als Herrscher,
Zittre vor dem Gericht’ und der schrecklichen Wage: der Schalen
Eine schnellt leer auf, und die andere schleudert die Bosheit
Deines Gemüthes hinab zu dem Abgrund ewigen Jammers!
Zitt’re, du bist der Hand des Ewigen noch nicht entronnen!
Wahrlich, erschöpft hast du schon die Wuth an Hewilas Erzeugten —
Hast die Brüder erwürgt; doch, treu dem einigen Gotte
Waren die Frommen gesinnt, und sind in das bessere Leben
Eingegangen, das Jehova, voll Huld, uns verheißen!
Auch ich theile das Los der Gemordeten — opf’re das Leben,
Freudig, für Gott. O, möchte sein Zorn, der schwer auf den Unsern
Lastete, jetzt, versöhnt durch unsere Leiden, sich legen!“
Lächelnd entschwand der Unsterbliche nun den Augen der Mutter;
Doch sie stürzte heran; umschlang den Nacken des Sohnes
Fest mit den zitternden Armen, und schrie zu Jehova den Dankruf,
Jauchzend, empor. Wild tobt’ Antiochos, daß ihn das Kind selbst
So verhöhnt’ auf dem Markt’: er hieß es, ergrimmteren Blickes,
Foltern zu Tod’, und eilt’ unmuthig nach seinem Pallast heim.
Als auch die zarteste Blume den Duft des blühenden Lebens
Unter der blutigen Hand der grausamen Würger verhauchte:
Da stand plötzlich die Mutter, erblaßt. Ertragen mit Starkmuth
Und Ergebung in Gott, den Einigen, hatte sie heut hier
Unaussprechlichen Schmerz bei dem furchtbarn Tod der Erzeugten;
Doch nun war das Opfer gebracht; des bitteren Kelches
Letzte Hefen geleert: nun rissen im Herzen der Mutter
All’, im Todeskampf mit Kraft gestähleten Saiten
Leise, mit brennendem Wehe sich los. Der glänzenden Augen
Flamme verlosch, und die Wangen umzog die Blässe des Todes;
Mit eröffneten Lippen, den Blick zum Himmel erhebend,
Preßte sie matt an das Herz die gefalteten Hände; sie wankte,
Zitternd an jeglicher Nerv’, und sank, vergehend, in Ohnmacht.
Einer der Krieger durchstieß mit unmenschlicher Rechte das Herz ihr,
Und der selige Geist flog auf mit tönenden Flügeln —
Auf zu dem Ewigen, wo die wiedergefundenen Söhn’ all’
Ihrer harrten mit jubelndem Ruf. Sie knie’ten am Thron jetzt
Seligvereint, und weineten dort nur Thränen der Wonne.
Schweigend, mit düsterem Blick verlor sich die Menge vom Marktplatz.
Nicht geschreckt, empört war jetzo das Herz in dem Busen
Tausender. Muth erweckte der Tod solch’ herrlichen Weibes,
Solch’ unschuldiger Söhne Geduld in entsetzlichen Leiden,
Hier in dem Herzen des Volk’s. Des Zieles verfehlte der Wüthrich.
Heimgekehrt, erzählt’ es der Gatte der Gattinn; die Mutter
Sagt’ es den Kindern, bewegt; hinaus auf den stäubenden Heerweg,
In die entlegenste Stadt, und die einsamgelegenen Hütten
Wälzte der Schreckensruf, wie sturmgeschaukelter Wogen
Schwall zum entfernten Gestade, sich fort, und überall hob sich
Tapferer Männer Verein, von Juda, dem Makkabäer,
Siegbeherrscht in dem Feld: die vaterländischen Sitten
Mit dem Gesetz’, und in ihm den Glauben der Väter zu schirmen.
Also ward in dem Tod des edeln Geschlechtes Jehova’s
Ruhm: der Glaub’ an den Einigen Gott, bei den Menschen verherrlicht.
Hingebung— o, vor allem erhabene, große Gesinnung!
Größer, erhabener noch, wenn sie zur muthigen That wird;
Freudig der Mensch für den heiligen Zweck sein Alles auf Erden
Hingibt; achtet für Nichts das eigene Leben — auch jenes,
Das ihm theuer noch mehr, denn sein’s, hienieden geworden,
Opfert, der Pflicht getreu, mit stillverblutendem Herzen,
O wer priese sie würdig genug, die erhebende Tugend?
Aber vor ihm, des Menschen Sohne, wie schwindet ihr Glanz hin,
Der die Gottheit barg in des Menschen sterbliche Hülle;
Sich freiwillig selbst erniedrigte so, daß er anzog
Knechtes Gestalt; voll Huld, erbarmend, unsere Schwachheit
Trug bis zum Tod, gehorsam, zum Tod des erlösenden Kreuzes!
O wie undenkbar groß die Hingebung dort vor dem Vater,
Die nur der Seraph denkt, und anbethend stammelt in Ehrfurcht.
Heil dem herrlichen Greis’, Eleazar! Heil auch der Mutter
Mit den Erzeugten: wie glänzt ihr Nahm’ in dem Buche des Lebens!
IV.
Judas Makkabäus.
Sieg.
Sieh’, in dem heiligen Grau’n des leis’aufdämmernden Morgens
Hebt sich mit tieferschütterndem Laut’ empor zu den Berghöh’n
Zions, Siegesgesang; Danklieder erschallen Jehova —
Ihm, dem Retter aus Jammer und Noth, dem Spender des Sieges,
Aus der unzähligen Schar, die, Palmenzweig’ in der Rechten
Tragend, den winkenden Höh’n im festlichen Zuge genaht ist.
Seliger Augenblick, wo es Israel wieder vergönnt war
Seinen erhabenen Tempel zu schau’n; zu verehren des Weltalls
Herrn an dem heiligen Ort, den er sich selber erkoren,
Und, befreit aus Feindes Gewalt, ihm zu dienen in Freiheit!
Doch wer ist’s, der all’ den Tausenden, schaltend, voranzieht?
Blühende Kraft, und Muth verkündet sein Gang; um den Nacken
Spielt ihm das bräunliche Haar, und die blitzenden Augen, im Schlachtfeld
Sonst so furchtbar zu schau’n, umhüllt ihm jetzo der Thränen
Milderer Glanz, da er heut, nach kühnerrungenen Siegen,
Hier zu erneuerndem Dienste des Herrn sein jubelndes Volk führt.
Juda, der Makkabäer genannt, Mathathias Erzeugter,
Ist’s. In dem eisernen Felde besiegt, sank jüngst vor Bethoron,
Seinem gewaltigen Arm’ Antiochos muthiger Feldherr,
Seron. Aber der Fürst, der seinem Volk der Erlauchte
Hieß, entbrannte darob vor Zorn, und sandte der Krieger
Hunderttausend heran, die Lysias führt’ in die Feldschlacht:
Denn nach Persien zog Antiochos, daß er den Völkern
Dort entrisse ihr Silber und Gold, mit schrecklicher Willkühr.
Schon erlag unzähliges Volk dem Krieger Jehova’s,
Und Antiochos rief, da er solches vernommen, voll Wuth auf:
„Fluch auf mein Haupt, so ich nicht entsetzliche Rach’ an den Frevlern
Uebe durch Waffengewalt! In den Staub mit Jerusalems Mauern!
Würget den Greis und den Säugling zugleich mit der heulenden Mutter
So, daß Judäa ein Grab, und den Völkern der Erde zum Spott sey!“
Aber er kehrete selbst, verjagt von Persepolis Mauern,
G’en Ecbatana[1] heim, nachdem er mit räub’rischen Händen
Aus den Tempeln den Schatz und die gold’nen Gefäße hinwegnahm.
Als er nun, zur Rach’ entflammt, dem Lenker des Wagens
Eile geboth, da traf Jehova’s furchtbare Hand ihn
Mitten im öden Gefild’: er sank, von Schmerzen gefoltert,
Von dem Wagen herab, und lag, aufjammernd, im Staub dort.
Er, der stolzen Gemüths, ausstrecken wollte die Finger
Nach dem Mond’, und herab ihn zieh’n bei den goldenen Hörnern;
Der den Fluthen des Meers und dem lauterbrausenden Sturmwind
Fesseln sann, und den Felsenberg auf die schwebende Wagschal’
Legen wollte, verging nun hier vor Angst und Verzweiflung,
Die sein Innres zerriß (und mit Recht: denn Tausender Herzen
Hatt’ er zerrissen zuvor) und hauchte, verlassen, den Geist aus.
Lysias stand vor Emaum jetzt, entgegen den Scharen
Juda, des tapferen Horts von Israel, der in den Schlachtreih’n
Zeh’nmal tausend Streitende nur gegen Lysias hundert-
Tausende führt. Doch Juda sprach zu den Seinigen also:
„Bebt den Unzähligen nicht! Ihr denkt es, wie einst an dem Schilfmeer
Sein erlesenes Volk der Herr vor Pharao’s Scharen
Rettete. Laßt uns zu ihm erheben die Stimme! Des Bundes,
Den er mit Abraham schloß, und mit Isaak und Jakob erneute,
Wird Jehova, der Herr, gedenken, und schlagen die Gegner
Hier mit erhabener Macht, daß all’ auf Erden erkennen:
Er ist Israels rettender Hort auf immer und ewig.“
Und sie riefen zu Gott mit erbarmenflehender Hand auf.
Hinter dem fernen Gebirg versank die glühende Sonne
Leis’ im rosigen Duft’; in der Dämmerung schwanden die Fluren
Formlos hin, und die Nacht umhüllte den schweigenden Erdkreis.
Jetzo begann zu Gorgias so der oberste Feldherr:
„Hast du die Frechen geseh’n? Wie, solchen verächtlichen Kriegern,
Die nicht der Helm, nicht der Panzer bewehrt, und die nur die Lanzen
Schwingen im Kampf’, erlagen zuvor gewaltige Feldherrn
Selbst mit unendlicher Macht? Vielleicht, daß im tollen Vertrauen
Sie sich ergaben dem Schlaf’, und sorglos letzten im Lager,
Nicht des heimischen Ruhms, nicht der eigenen Ehre gedenkend?
Doch nicht also gescheh’ es mit mir: ich will sie zerschmettern.
Eile sogleich mit zwanzigtausend Erwählten im Thalweg
G’en Bethsura hinab, und stürze dich dort von dem Hügel,
Gleich dem regengeschwollenen Bach’, auf die Frevler herunter,
Daß sie, auftaumelnd vom Schlaf’, in dem all’verwirrenden Nachtgrau’n
Nicht mehr kämpfen, nicht flieh’n, und wehrlos fallen den Würgern.
Aber ich komme vom Lager heran, und verbreite des Sieges
Schrecknisse noch in der Nacht bis Jerusalems Mauern hinüber.“
Also der Stolz’ im Gemüth; doch anders die ewige Vorsicht!
Juda sah, mit den Seinen ausruhend im Feld, zu den Sternen,
Flehenden Blickes, empor: da kam urplötzlich ein Krieger,
Herrlich zu schau’n! in silbernstrahlender Rüstung ihm näher,
Both ihm die Recht’, und sprach: „Du sinnest im muthigen Herzen
Nächtlichen Ueberfall dem Feind’? Erhebe dich, siege!“
Sagt’ es, und eilt’ ihm voran. Doch Juda erkannte Jehova’s
Bothen mit Angst und mit Freude zugleich (nur ihm, dem Erbarmer,
War es bekannt, was er erst sann im Gemüth’) und er folgte
Schnell an der Spitze des Heer’s. Dem feindlichen Lager vorüber
Ging ihr Zug: sie erblickten nur leere Gezelt’ an den Wällen,
Die in gesonderten Reih’n, endlos, hinunter sich dehnten:
Denn schon rückte zuvor mit unzähligen Kriegern der Feldherr,
Lysias, stolz von ihm aus, und eilte die nächtliche Bahn fort.
Doch dem Ziele genaht, both jenem der strahlende Jüngling
Wieder die Recht’, und rief: „Nun schleudre den Brand in das Lager:
Dann erhebe dein Feldgeschrei, und erwürge die Gegner!“
Juda empörte zur Flamme die Gluth, und schleuderte, jauchzend:
„Groß ist Jehova der Herr!“ den Brand in die flatternden Zeltreih’n.
Siehe, da warf sich der nächtliche Wind von den nahen Gebirgen,
Brausend, herab, und breitete schnell die verzehrende Flamme
Ueber das Lager umher, daß hoch in das finstere Nachtgrau’n,
Flackernd die Rothe sich hob, und das Land erfüllte mit Schauder!
Juda rief zu dem Volk von Israel, drohenden Blick’s, so:
„Hört, daß Keiner aus euch ausstrecke die Rechte, des Feindes
Lager zu plündern, bedacht! Nur Eines — sein schnelles Verderben,
Sucht in dem Kampf: nicht mißt ihr hinfort auch die Beute zum Siegslohn!“
Sagt’ es, und ging, dem Feind’ in den Rücken zu fallen, entschlossen,
Eilend zurück’; ihm flog der Himmlische, flammenden Blick’s, vor.
Ha, schon wüthet der schreckliche Kampf; schon würgt in des Feindes
Reihen das Schwert: denn Judas tapfere Krieger entrissen
Selbes, in freudiger Hast, den Gefallenen. Angst und Entsetzen
Faßt das unzählige Heer, und betäubt vor allen, den Feldherrn
Lysias, der erst jüngst sich erhob, Jerusalems Mauern
Niederzuschmettern, und d’rauf zu verhandeln das Volk an den Fremdling:
Denn von den Inseln des Meer’s und den üppigen Küsten der Hellas,
Nahte der Kaufmann schon, von Antiochos selber entbothen,
Fortzuschleppen für Gold und Silber des Landes Bewohner,
Daß sie, zerstreut umher, den Götzenverehrern sich einten.
Aber nicht lebte der Wüth’rich mehr, und der Führer des Heeres,
Den er gesandt, floh jetzt, aufstöhnend vor grimmigem Herzleid,
Fort aus des Todes Gefild, das sein’ Erschlag’nen bedeckten.
Juda sah nach dem himmlischen Freund’, ihm mit Thränen zu danken,
Hastig sich um; doch sieh’, er schwand aus den Augen des Helden,
Siegverheißenden Blick’s. Nur Gorgias droht’ in dem Feld noch.
Dämmernd schwebte der Morgen herauf: da kam auf den Berghöh’n
Dieser herbei mit dem Heer’, und sah, von Staunen gefesselt,
Liegen im Todesgefild die Tausende; rauchen des Lagers
Trümmer umher, und den Feind sein harren in dräuender Stellung.
Dennoch dünkt’ es ihn Schande, zu flieh’n: er hoffte, den Frechen
Niederzuwerfen, und kam in beflügelter Eile herüber.
Judas Erkorene sah’n vor sich die unendliche Mehrzahl:
Auch die blinkenden Harnisch’ und Helm’, und die schrecklichen Waffen
Schrecklicher noch in des Reiters Hand, der näher sein Streitroß
Tummelte, schon, und blickten jetzt nach dem Führer mit Angst hin.
Aber er hob die Hände sogleich zu dem Helfer im Himmel,
Flehend, empor, und rief dann laut vor den zagenden Männern:
„Ruhm sey dir, o Retter von Israel, der du den Riesen
Schlugst durch Davids Schwert, des Jünglings, und Jonathans Händen,
Dem sein Waffenträger gefolgt, das Lager Philisthims
Preis gabst! Laß Verwirrung und Angst in den Scharen der Gegner
Herrschen, und sie in der Macht unzähliger Krieger und Rosse
Finden ihr Jammergeschick — unrühmlich mögen sie fallen:
Auf daß dir lobsinge dein Volk, und dich ehre durch Opfer,
Weil du errettet es hast von den Banden schmählicher Knechtschaft!“
Dann erhob er sein Lagergeschrei. Die Kriegesdrometen
Schmetterten; neugestärkt drang ihm die tapfere Schar nach,
Schwang die Waffen, und hieb mit gewaltiger Kraft in den Feind ein.
Wie der Schnitter im Saatenfeld die goldenen Aehren,
Sausend, zu Boden streckt mit der blinkenden Sense: so streckte
Juda, vor allen verderbend im Kampf, die feindlichen Haufen
Nieder. Doch wem folgt in dem Feld sein staunender Blick nach?
Eilt ein Verräther aus seinem Volk zu dem Feinde hinüber?
Schmerz ergreift ihm die Brust: Eleazar, Soura’s Erzeugter,
Ist’s, der jetzo allein, schnell bergend das Schwert in den Leibrock,
Durch des Feindes gesonderte Reih’n, im eilenden Lauf dringt.
Aber nicht sann er Verrath an den Seinen, der treffliche Jüngling:
Denn er sann nur ihr Heil und verderbende Rach’ an den Gegnern.
Er gewahrte zuvor, von dem felsigen Hügel, im Rückhalt
Noch Elephanten in dräuender Zahl, und einen vor allen
Herrlichgeschmückt mit dem goldenen Zaum’ und der Decke von Purpur,
Rings an dem Saum’ umher mit goldenen Quasten behangen.
Alsbald dacht’ er im Geist: der blutgierathmende Feldherr
Sey’s, den dieser im Thurm’ auf dem wölbenden Rücken heranträgt.
„Wie,“ so lispelt’ er jetzt, „Eleazar, der edele Greis, starb
Jüngst für Gott und das Vaterland in schrecklichen Qualen?
Ha, mir wurde sein Nahme zu Theil, den dankbar die Nachwelt
Unter die rühmlichsten zählt, und mich drängte sein Muth nicht zur That hin?
Bald soll jenes gewaltige Thier, von Purpur und Goldschmuck
Glänzend, rasch durchbohrt von meinem geschwungenen Eisen,
Gleich dem stürzenden Felsengebirg, gestreckt in den Sandstaub
Liegen, und, mich zermalmend zuvor, den feindlichen Feldherrn
Tödten: auf daß sein Volk, verwirrt, an der Rettung verzweifle,
Und erliegt in dem Kampf Jehova’s tapferen Streitern!“
Sagt’ es, und eilte dahin. Nicht hemmt’ ihn der Feind — in dem Irrwahn:
Feig’ entriss’ er sich jetzt dem Gewürg’, und eile zum Rückhalt.
Doch schon stand er unter dem Bauch des riesigen Thieres,
Schwang sein Schwert, und durchstieß ihm die tödliche Stelle des Magens,
Mit nachstürmender Hand und lautaufjauchzender Stimme.
Stöhnend sank es, und starb; der Boden erzitterte weithin;
Staub flog auf, und Gekrach des zerschmetterten Thurmes ertönte,
Da er in Trümmern bedeckte das Feld mit dreißig der Leichen.
Aber die edelste lag, zermalmt schon unter des Unthiers
Schrecklicher Last, und der Feind, dem Souras Erzeugter Verderben
Sann, trieb schon sein schnaubendes Roß zurück’ aus dem Schlachtfeld:[2]
Denn nicht prahlete Gorgias mehr; der flüchtenden Krieger
Lautes Geschrei, und der Ross’ unbändiges Toben, erfüllte
Seinen Busen mit Angst: er floh, und die bebenden Scharen
Folgten ihm. Ha, nicht wagt’ er, zurück’ auf das blutige Schlachtfeld
Mehr zu wenden den Blick, wo er Tausende, sterbend, zurückließ,
Tausende schon entseelte das Schwert, und stets noch im Rücken
Seines geworfenen Heeres ersaust’! Er kehrt’ in die Heimath,
Schmachbedeckt, allein; sein Heer zerstob in den Ländern.
Aber der Sieger wandte sich nun, und sammelt’ im Lager
Reichlichen Schatz an Gold, an Silber, und Edelgeschmeid’ ein.
Juda sah’s mit Freud’ in der Brust; dann rief er den Brüdern,
Die in dem Schlachtfeld ihm, an der Seit’, als Tapfere, kämpften,
Simon, Jochanan, und Jonathan: „Zu Boden geschmettert
Liegt der Feind: nun laßt uns schnell mit den trefflichen Scharen
Eilen nach Zions Höh’n, und das Heiligthum reinen, und bauen,
Wie das Gesetz des Herrn es heischt, mit würdiger Sorgfalt.“
Jene gehorchten dem Wort’, und zogen mit eilenden Schritten
G’en Jerusalem. Als sie jetzt auf den ragenden Höhen
Zions, verödet den Tempel des Herrn, entweihet den Altar,
Auch die Thore verbrannt, und vor diesen im räumigen Vorhof
Gras und Disteln ersah’n, und im Schatten des üppigen Dornstrauchs
Wandelten: da zerrissen sie all’ an der Brust sich die Kleider,
Bebend vor innigem Schmerz; bestreuten mit Asche die Scheitel,
Lagen im Staub’, und weineten laut zu Jehova, dem Herrn, auf.
Doch die Posaun’ erscholl auf Judas Wink von den Höhen
Zions, wie vor dem Jubeljahr’,[3] und in freudiger Sehnsucht
Strömte die Menge heran. Er wählt’ untad’lige Priester
Vor dem Herrn zum Dienste des Heiligthums. Siehe, da reinten
Sie’s von der grau’nerregenden Spur der Götzenverehrung;
Trugen den Opferaltar hinaus, und erbauten den neuen:
Nach dem Gesetz zwölf unbehauene Steine sich wählend!
Bald war Alles und Jedes erneut in dem Tempel Jehova’s:
Denn sie schafften die Lad’, und den goldenen Leuchter, und Schautisch —
Auch den Rauchaltar mit emsiger Liebe zur Stelle.
Schon erhob sich der Rauch mit lieblichem Dufte vom Altar;
Schon erhellte das Licht des siebenarmigen Leuchters
Wieder die wölbenden Hallen umher; die Brote des Opfers
Lagen, geschichtet zur Schau, auf dem goldnen Tische, zur Rechten;
Auch der wogende Vorhang schied das Heiligthum wieder,
Wie zuvor, und es drehten sich, hell, auf den Angeln die Thüren.
Groß war Israels Wonn’ an dem Tag’, und unendlich sein Jubel.
Jetzo kamen sie all’ im Dämmerlichte des Morgens
Nach dem heiligen Berge herauf. Dem Getöne der Harfen,
Cymbelklang’, und dem Schall der eh’rnen Posaune vereinte
Sich des unzähligen Volk’s Dankruf zu Jehova, dem Retter
Von Tyrannen-Gewalt, und der Schmach entsetzlicher Knechtschaft:
Denn nun sollten die Priester des Herrn einweihen den Tempel
Nach dem Gesetz’, an den Hörnern des Brandaltares von Opfern
Sprengend das Blut, und das Volk acht Tage, von einem zum andern,
Feiern die Tempelweih’ in brausenden Jubelgesängen.
Also geschah’s. An jedem erhob sich das Volk nach des Berges
Heiligthum; lag auf dem Antlitz dort, und dankte Jehova
Laut in dem Lied: „Denn gütig ist Er, und seiner Erbarmung
Ist kein Ziel!“[4] im Freudengetöne der Cymbel und Harfen.
Als nun so der Tempel erneut, und gefeiert das Fest war,
Da stand Judas auf, und begann vor den horchenden Scharen:
„Jegliches sieh’st du nun, Volk Israel, dir von Jehova,
Deinem Erbarmer, gewährt, was Moses, der göttliche Seher,
Sang in dem Lied: „der Eine verjagte die tausend’, und zehnmal-
Tausende floh’n vor Zween!“[5] Nun schmücke mit goldenen Kränzen
Seines geheiligten Tempels Thor’, und erbeuteten Schilden
Seine Zinnen umher: er gab den herrlichsten Sieg dir.
Zwar erhebt sich von neuem der Feind: ein Kämpfen und Streiten
Ist auf Erden das Los des Sterblichen. Tief in dem Herzen
Ahn’ ich es schon: auch ich erliege dereinst in der Freiheit
Heiligem Kampf; doch sorge nicht: dich errettet Jehova’s
Arm aus jeglicher Noth, wenn du dem beschworenen Bund treu,
Wandelst nach seinem Gesetz’, und nicht Götzen dienest im Unsinn.
Ha, dich werden im Feld Mathathias Erzeugte, die Brüder:
Simon, Jochanan, und Jonathan dann, mit gewaltiger Rechten
Führen zum Sieg! Zum Freundschaftsbund erkiesen der Völker
Mächtigste dich.[6] Du wirst nur eigenen Herrschern gehorchen:
Denn nicht solle von Juda’s Stamm der Zepter genommen
Werden hinfort, bis Er[7] — der langverheißene Führer,
Kommt; neu gründet sein Reich, und sein Volk errettet von Knechtschaft,
Von Verderben, und Tod. Im Segen erblühe sein Reich dir!“
Sagt’ es, und ging. Mit tieferschütterter Seele zerstreute
Dann sich das Volk, und pries den Allerbarmer, Jehova,
Der ihm aus Feindesgewalt durch seinen erlesenen Diener,
Juda, die Freiheit gab; sein Heiligthum wieder auf Zions
Höhen erhob, und ihm Segen verhieß noch in spätester Zukunft.
O, gekommen ist Er, der langverheißene Führer
Seines, voll Huld, aus allen Geschlechtern und Stämmen auf Erden
Ringsumher erlesenen Volk’s, und selber geleitet
Er das unzählige nun, beglückt, zu dem schöneren Tempel —
Seiner Kirch’ allhier, die, aus lebenden Steinen erbauet,
Sich g’en Himmel erhebt! Fortwüthen gewaltige Gegner
Wider die heilige; doch, umsonst. Auf den Felsen gegründet
Ward sie von ihm, und die Pforten der Höll’, aussendend die Scharen
Ihrer Bekämpfer, obsiegen ihr nicht. In des Himmels Triumphlied
Wandelt die siegende hin; die läuternde ruht in der Hoffnung
Mildem Strahl’, und die kämpfend’ umfaßt mit gewaltigen Armen
(Stark in dem Herrn allein) die unzähligen Völker hienieden.[8]
Also umschlingt ein Kranz die verbundenen Drei, und es schallet
Anbethung, Lob, und Preis, für immer fort in der Einen,
Ihm, dem Erretter von Sünd’ und Tod — dem ewigen Mittler,
Der uns im Mutterschooß der heiligen Kirche den Sieg beut!
Anmerkungen
zu den
Perlen der heiligen Vorzeit.
Abraham.
[1]Vers 1.
Der Therebinthenhain Mamre lag bei der uralten Stadt Hebron im Lande Canaan. (I. B. Moses 13. Cap. 18. und IV. B. 13, 23. Vers). Nach einigen Schriftauslegern sollen dort Eichen gestanden seyn, da die Siebziger statt jenem „die Eiche Moreh“ setzen.
[2]Vers 17.
Ohne der Meinung, welcher gegenwärtige Darstellung zum Grunde liegt, nämlich: daß unter der Erscheinung der drei Engeln die heilige Dreieinigkeit zu verstehen sey, weiter zu gedenken, wird hier bemerkt, daß nach vorzüglichen Schriftauslegern, jene Stellen, wo Gott in der Gestalt eines Engels (ἄγγελος Gesandter) redend, eingeführt wird, auf die zweite göttliche Person angewendet werden müssen. Die Stellen I. B. Mosis 48, 16. und II. B. 23, 21. werden nur auf diese Art verständlich.
[3]Vers 35.
Die Fußwaschung war bei den Morgenländern, wo man nur Sohlen trug, oder gar barfuß ging, der erste Akt der Gastfreundschaft. S. I. B. Mosis 19, 2., 24, 32., worauf sich Evang. Joh. Cap. 13 als einen besondern Liebesdienst bezieht.
[4]Vers 50.
Die Sitte, daß Abraham, als ein Hirtenfürst, selber zur Heerde eilt, das zu schlachtende Thier zu holen, wird noch heut zu Tage bei den Arabern, wo die angesehensten Personen ein Gleiches thun, und selbst die Speisen bereiten, bestätigt gefunden. Auch bei Homer sehen wir den göttergleichen Achilleus auf solche Art beschäftigt:
Selbst nun stellt’ er (Achilleus) die mächtige Bank im Glanze des Feuers,
Legte darauf den Rücken der feisten Zieg’ und des Schafes,
Legt’ auch des Mastschweins Schulter darauf voll blühenden Fettes;
Aber Automedon hielt, und es schnitt der edle Achilleus.
Wohl zerstückt’ er das Fleisch, und steckt es alles an Spieße.
Voß — Ilias 9ter Gesang. 206 bis 210. Vers.
[5]Vers 56.
Ueber diese Art das Fleisch zur Speise zu bereiten s. Jahn’s Archäologie, II. Buch, Häusliche Alterthümer, — und über jene das Brot zu backen, unten zum III. Gesang Helias, die [3te Anmerkung].
[6]Vers 83.
Das konnte wohl Abraham sagen, denn obschon er weiter unten nur von drei Hauptgenerationen spricht, deren es von Noah bis auf ihn, Neune gab: Sem, Arphachsad, Schelach, Eber, Peleg, Reu, Serug, Nachor und Terach, den Erzeuger Abrahams, so ist es wahrscheinlich, daß er, bei dem damals hohen Alter der Menschen, den Noah, und dieser den Methusalah, welcher noch 54 Jahre vor dem Tode Adams geboren ward, gekannt habe.
[7]Vers 89.
Ueber I. B. Moses 3, 15. „Der aus dem Samen des Weibes Geborene wird der Schlange das Haupt zertreten“ — siehe den Brief des Apostel Paulus an die Galater 3, 8. 16., und I. B. Moses 22, 18. sagt der Herr zu Abraham. „In einem deiner Nachkommen sollen alle Völker der Erde beglückt werden.“
[8]Vers 113.
Sichem, die Stadt ward später auf demselben Platz erbaut, auf welchem Abraham den Altar errichtet hatte. Sie lag in Samaria an der Gränze von Ephraim, wo heut zu Tage Naplouse liegt. Beth-El, so viel „Haus Gottes.“
[9]Vers 118.
Pharao war der allgemeine Nahme aller ägyptischen Könige bis zur babylonischen Gefangenschaft. IV. Buch Könige 23, 29., wie jene der römischen Kaiser, Cäsar.
[10]Vers 129.
Diese sogenannten Fürsten, waren Oberhäupter einer gewissen Familie — Hirtenfürsten, nicht aber Beherrscher ganzer Provinzen, wie man aus dem ganzen 14. Capitel des I. Buch Moses ersieht.
[11]Vers 140.
Er nennt den Sieger noch Abram. Ueber den ihm später beigelegten Nahmen Abraham siehe unten [Anmerkung 16]. — Melchisedek heißt so viel als: „König der Gerechtigkeit,“ und zu Salem (später Jerusalem) „des Friedens.“ Die Schriftausleger stritten sich darüber: wer er eigentlich gewesen sey? Für jeden Fall ist er das Vorbild des Hohenpriesterthums Christi zu betrachten. (Siehe von ihm die merkwürdige Stelle im Brief des Apostel Paulus Hebräer 7, 1. und Psalm 109, 5.)
[12]Vers 178.
Dieser Ceremonie bei feierlichen Bündnissen gedenkt auch noch Jeremias Cap. 34, 18., 19.
[13]Vers 189.
Von der Geburt Isaaks bis zum Auszug der Israeliten aus Aegypten unter ihrem herrlichen Führer Moses, vergingen 400 Jahre, wie es aus dem 25., 41., 45., 47. und 50. Capitel des II. B Moses berechnet, zu ersehen ist.
[14]Vers 203.
Die Ismaeliten, und noch heut zu Tage ihre Nachkommen, die Araber, die stets bereit sind, Andre zu berauben, geben Zeugniß von der Wahrheit dieser Prophezeiung.
[15]Vers 208.
Es mag seyn, was Herodot und Strabo sagen, daß die Beschneidung schon früher bei den Aethiopiern und den Aegyptern, der in den warmen Ländern so nöthigen Reinlichkeit wegen, im Gebrauch gewesen sey; Gott wählte selbe hier zum Zeichen seines Bundes mit Abrahams Nachkommen, durch welches sie von jenen, die von diesem Bunde ausgeschlossen waren, getrennt blieben. Sie war ein Vorbild des alten Testaments, welches in Absicht auf Christum seine Bedeutung hatte. (S. Kolosser 2, 11., und I. Korinth. 5, 7.)
[16]Vers 210.
Die Morgenländer veränderten bei besonderen Veranlassungen gerne die Nahmen. Ruth 1, 20. Selbst Christus Math. 16, 18. den Nahmen Simon in Kepha, oder Petrus. Abraham hieß vorher Abram, d. h. „ein erhabener Vater“ — nun sollte er Abraham „ein erhabener Vater vieler Völker“ heißen.
[17]Vers 317.
Gerichtliche Verhandlungen pflegten die Morgenländer öffentlich unter den Thoren der Stadt zu halten, und sich auch sonst dort Abends zu erheiternden Gesprächen zu versammeln.
[18]Vers 397.
Der Umfang des Todten-Meeres beträgt bis 6 Meilen in die Breite, und 24 in die Länge.
[19]Vers 533.
Berscheba (der Eidesbrunnen) lag etwa 5 Meilen von der Stadt Hebron entfernt, an der südlichen Gränze Kanaans.
[20]Vers 547.
In Ermanglung des Vaters bestimmte Hagars Wille die Verheirathung ihres Sohnes, welche im Morgenlande noch jetzt von dem Einfluß der Aeltern abhängt. Selbst bei Homer sagt Achilleus ein Gleiches von seinem Vater:
Denn erhalten die Götter mich nur, und gelang’ ich zur Heimath,
Dann wird Peleus selbst ein edles Weib mir vermählen.
Ilias 9ter Ges. 393 — 394. Vers.
Die Wüste Pharan, von welcher hier die Rede ist, erstreckte sich von dem Gebirge Seir bis zum arabischen Meerbusen, und war das Land, welches später die Edomiter, oder Idumäer bewohnten. Es führt noch heut zu Tage denselben Nahmen.
[21]Vers 564.
Durch die Landschaft Morria zog sich auch das Gebirge gleiches Nahmens hin, auf dessen einer Höhe hernach Salomo den Tempel erbaute II. Chronik 3, 1., und nach der Meinung vieler Schriftausleger auf einer andern desselben Christus gekreuzigt worden ist.
[22]Vers 614.
Arba war der frühere Nahme von der Stadt Hebron, unweit des Therebinthenhains Mamre, bei welchem sich Abraham zuerst niedergelassen hatte.
[23]Vers 619.
Die Morgenländer hielten sehr viel auf ein eigenthümliches Erbbegräbniß, in welchem sie mit ihren Nachkommen ruhen sollten. Abraham mußte selbes im Lande Canaan haben, darum erhandelte er es von den Chetiten, einem canaanitischen Volksstamm. Diese Gräber bestanden meistens aus vielen, in Felsen gehauenen Höhlen: daher Math. 27, 7. Joh. 11, 38.
[24]Vers 630.
Im 1. B. Moses 24. Cap. 5. und 6. Vers ist die Rede davon: ob Elieser den Isaak nach Charan, in Mesopotamien, zurückführen solle, oder nicht? nach welchem Worte hier angenommen wird, daß er schon dort gewesen, und in seiner Jugend die Rebekka gekannt habe.
[25]Vers 781.
Im Morgenlande mußte die Braut nach der Verlobung gewöhnlich noch zehn Tage in dem Hause ihrer Aeltern bleiben. Am Abende des Trauungstages wurde sie zuerst gebadet, was noch heut zu Tage daselbst geschieht (Siehe Arvieux III. Th. S. 255. Vergleiche 2. Korinther 11. Epheser 5, 26) und mit einer Krone geziert, weßwegen sie כַּלֹּה „Gekrönte“ hieß. Der Bräutigam, selber im Schmuck der schönsten Kleider (Jes. 61), und umgeben von seinen jungen Freunden, ὑίȣς τ̀ȣ νύμφωνος, holte sie, im Gefolge ihrer Gespielinnen, verschleiert, aus dem Hause ihres Vaters ab, und führte sie unter Musik und Gesang, in das Haus des seinigen. (Richter 14, 10. — Mak. 9, 57. — Joh 3. 9. — Math. 9, 19.) — Später wurden auf 70 hölzernen Stäben Pechpfannen vorausgetragen (Math. 25, 1); was auch jetzt noch in Arabien im Gebrauch ist. (Niebuhr 1. Theil S. 402. Chardin Voy. 1. S. 233.) Nach der Mahlzeit wurde der Segen über das Brautpaar gesprochen, mit dem Wunsche einer zahlreichen Nachkommenschaft. (Ruth. 2, 11.) In der Folge (wie aus Tob. 7. 15 zu ersehen ist) legte der Vater die Rechte der Tochter in jene des Bräutigams, und sprach den Segen, was heut zu Tage in der Synagoge durch den Rabbiner geschieht, worauf die Braut, noch immer verschleiert, in das Brautgemach geführt wird.
Moses.
Erster Gesang.
[1]Vers 2.
Der Berg Horeb (unter 28° 50′ oder 29° der Breite im peträischen Arabien) hat an seinem Fuße ringsher einen großen Umfang, aus welchem sich zwei Spitzen, eine südlich Katharinenberg genannt, und die andere nördlich — welche der eigentliche Sinai der Bibel ist, und über 6000 Fuß über der Meeresfläche aufragt, erheben. (Siehe Jahns Bibl. Archäologie I. Theil S. 80.)
[2]Vers 43.
Jethro, Reguels Sohn, war ein Priester, und zwar kein abgöttischer, in dem Lande Midian, wie aus II. B. Moses 18. Cap. 12. Vers erhellt.
[3]Vers 65.
Josephus Flavius (Antiquit. Jud. Lib. II. Cap. 12) sagt: Schon vor diesen Zeiten sey unter den Einwohnern die Sage gewesen: Gott wohne auf dem Berge Horeb, und vor Moses habe sich kein Hirte erkühnt, seine Schafe daselbst zu weiden.
[4]Vers 78.
Midian, die Landschaft, in welche Moses floh, lag im peträischen Arabien, an der Küste des rothen Meeres. Von dieser ist eine andere gleiches Nahmens, zu unterscheiden, die dem Jordan gegen Morgen, nicht weit von Arnon und Aereopolis lag.
[5]Vers 89.
Bei den Eheverlöbnissen wurden den leiblichen Brüdern der Braut Geschenke gemacht, und dem Vater mußte ein Kaufpreis bezahlt werden. Diese Sitte des Orients, welche nach Niebuhrs Reise II. Theil, S. 420. noch heut zu Tage üblich ist, hatten die alten Hebräer mit den Phönikern, Griechen etc. etc. gemein. (Herodot I. 196. — Strabo, S. 135. — Iliad. XI. 244.)
[6]Vers 91.
Im II. B. Moses 2. Cap. 22. Vers, heißt es: „sie gebar ihm einen Sohn, den er Gerschom (Fremdling) hieß, weil er, wie er sagte, ein Fremdling im Auslande sey,“ und weiter unten IV. Cap. 20. Vers: „Moses ließ seine Frau, und seine Söhne auf Eseln reiten“ u. s. w. Da aber, wie II. B. 18. Cap. erzählt wird, Jethro, der Schwiegervater Moses, nach dem Durchzug durch das rothe Meer, zu ihm am Horeb in der Wüste, mit dessen Gattinn Zipora und seinen zwei Söhnen gekommen war, von welchen er den einen Gerschom, und den andern Elieser (Gott half) hieß, „weil der Gott seines Vaters ihm beigestanden, und von dem Schwerte des Pharao befreit habe,“ so ist anzunehmen, daß ihm dieser später geboren worden, und die vielfache Zahl im IV. Cap. 20. Vers durch ein Versehen der Abschreiber in den Text gekommen sey.
[7]Vers 108.
Das Zerreißen der Kleider war bei den Morgenländern ein Zeigen großer Trauer, und des dadurch erregten Schmerzens.
[8]Vers 135.
Siehe II. B. Moses VI. Cap. 16., 18., 20. Vers.
[9]Vers 138.
Pharao war der allgemeine Nahme der Könige von Aegypten. — Der Geschichtschreiber Appian nennt diesen insbesondere Amasis, und Eusebius Cenchris. Usserus aber glaubt, er habe Amenophis geheißen, und sey der Belus der Griechen, der Vater des Danaus und Aegyptus gewesen.
[10]Vers 146.
Nach dem Jos. Flavius hieß diese Tochter Pharao’s, Thermuthis. Clemens von Alexandrien, der sie Myrrhina nennt, berichtet: sie sey lange verheiratet, doch kinderlos gewesen, deßwegen sie den Moses an Kindes statt angenommen habe.
[11]Vers 153.
In der Apostelgeschichte VII. Cap. 21. und 22. Vers heißt es: („den Ausgesetzten“) „nahm die Tochter Pharao’s zu sich, und ließ ihn als ihren Sohn erziehen. Moses wurde in allen Wissenschaften der Aegyptier unterrichtet, und war mächtig in Reden und Thaten.“
[12]Vers 193.
Die räthselhafte Gestalt der Sphinxe gab zu verschiedenen Muthmaßungen Veranlassung. Sowohl die griechische Mythologie wie es die Geschichte des Oedipus beweiset, als auch die ägyptische hatte ihre Sphinxe. Diese ist in Abbildungen gewöhnlich, wie eine Löwinn mit vorgestreckten Vorderfüßen gelagert, und hat das Haupt einer weiblichen Figur, welche mit einem in Falten gelegten Tuche bedeckt ist. Die in der Nähe von Cairo im Sande versunken und aus einem einzigen Stein gehauene Gestalt der Sphinx ist 148 Fuß lang, und mehr als 60 Fuß hoch, sie ragt aber jetzt nur noch 27 Fuß hoch aus dem Sande. Die Aegyptier stellten sie vor die Thore ihrer Tempel um anzudeuten, daß der Dienst der Götter mystischen Sinn enthalte. (Stat. I. Theb. — Dapper. Descr. Afr.)
[13]Vers 197.
Die Obelisken, oder Spitzsäulen, dienten bei den Aegyptier zur Zierde der Plätze vor ihren Tempeln. Mehrere erheben sich über dem Fußgestelle noch zu 150 Fuß Höhe in das Gevierte, spitz zulaufend, sie sind gewöhnlich aus rothem Granit aus einem Steine gehauen und die meisten mit Hieroglyphen versehen. Von August angefangen, haben mehrere römische Kaiser sie nach Rom schaffen und erhöhen laßen, die aber dann bei dem Einfall der Barbaren umgestürzt wurden. Erst von dem unternehmenden Papste Sixtus V. 1588 und 1589 wurden zwei der größten, einer auf dem Petersplatz, und der andere vor der Kirche S. Giovanni di Laterano, wieder aufgerichtet (Ueber die Obelisken siehe Zoegas Werk De origine et usu Obeliscorum, Romae 1797)
[14]Vers 199.
Die Pyramiden, Denkmaale des Despotismus der alten Könige von Aegypten, die diese, vierseitig spitz zulaufenden Massen aus Stein oder Ziegeln sich zu Begräbnißplätzen haben erbauen lassen. Um Memphis herum stehen noch beiläufig 40 solche Pyramiden, deren höchste, jene des Cheops, über 600 Fuß Höhe, und eben so viel in der Basis mißt. Was Herodot, Strabo und Diodor von den Pyramiden berichten, wurde durch die Neuern, vorzüglich durch Savary, und durch Denon, während Napoleons Züge nach Aegypten, großen Theils bestätiget. (Siehe Grobert Description des Pyramides de Gizè, Paris etc.)
[15]Vers 218.
So verschieden diese Meinungen der Ausleger über die gewaltsame That Moses sind, so ist (Apostelgeschichte VII. Cap. 23. Vers u. folg.) aus der Rede des Stephanus M. zu entnehmen: daß er sie aus dem Antriebe Gottes, des Herrn über Leben und Tod, vollführt habe. Die Folgen davon wirkten entscheidend auf Moses Schicksal, und die Befreiung des Volks Israel.
[16]Vers 265.
Siehe oben: Anmerkungen zu [Abraham 2te Anmerkung] 17ten Vers.
[17]Vers 274.
Canaan (Palästina, das gelobte Land) war einst der fruchtbarste Theil von Syrien. Gegen Morgen hatte es das wüste Arabien, gegen Mittag die Wüste Paran und Aegypten, gegen Abend das Mittelländische Meer, und gegen Mitternacht den Berg Libanon zur Gränze, wodurch es von Phonikien abgesondert wurde. Den Nahmen Canaan hat es von einem Sohne Hams, dem Enkel Noahs, erhalten.
[18]Vers 284.
Die Hebräer lebten seit dem Tode Jakobs 215 Jahre unter den abgöttischen Aegyptiern, und hörten von so vielen Nahmen der falschen Götter sprechen, darum fragte Moses, wie er, der wahre Gott, vor seinen sinnlichen Landsleuten genannt seyn wolle? Moses II. Cap. 15. Vers, erklärt durch VI. Cap. 3. Vers, zeigt, daß erst von diesem Zeitpunkt an Gott der Nahme Jehova allgemein beigelegt worden sey.
[19]Vers 303.
Der Aussatz war eine fürchterliche, in Aegypten einheimische Krankheit, und besonders der weiße für unheilbar gehalten. Dahero solch ein Wunder, durch Moses gewirkt, seine göttliche Sendung vor den Aegyptiern erweisen mußte.
[20]Vers 312.
Der Nil ward von den Aegyptiern für eine Gottheit, und zugleich für den Sitz mehrerer ihrer Götter gehalten.
[21]Vers 330.
I. B. Moses 3. Cap. 15. Vers heißt es „Ich will zwischen dir (der Schlange) und dem Samen des Weibes Feindschaft stiften, und er soll dir das Haupt zertreten.“ Daß unter dem Samen Heras der Messias verstanden werde, sehen wir im Briefe Pauli Galat. III. Cap 8–16.
[22]Vers 333.
Die höchst rührende Erzählung von Abrahams Bereitwilligkeit, seinen Sohn zu opfern, siehe I. B. Moses 22 Cap.
[23]Vers 336.
Diese ist die Stelle im I. B. Moses 22 Cap 19. Vers, die Paulus in dem angeführten Briefe an die Galater (s. [Anmerkung 7 zu Abraham]) anführt.
[24]Vers 338.
Mehrere unter den ältern Auslegern, als Justin M., Tertullian, und Cyprian, behaupten, daß Moses unter diesen Worten II. B. 4. Cap 13. V. den Messias gedacht habe.
[25]Vers 371.
Die Gezelte der Beduinen im peträischen Arabien sind länglich, und ruhen auf mehreren Stangen, deren mittlere zwei, auch drei an der Zahl, höher als die übrigen sind, so daß diese Zelte, mit einem, aus schwarzen Ziegenhaaren dichtgewebten Tuche bedeckt, von weitem die Gestalt eines Kameels darbiethen. Sie haben gewöhnlich drei Abtheilungen, in der ersten ist bei Vornehmeren die Dienerschaft, und bei Gemeinen das junge Vieh, das noch bei Nachtzeit eines Obdachs bedarf, beherbergt. Die zweite Abtheilung ist für die Männer, und die dritte für das Frauenzimmer bestimmt. Anstatt der Thüre wird ein Stück der Zeltdecke aufgehoben (Niebuhrs Reisen S. 233. — D’Avieux III. Th. S. 306 Schav — Dombay, etc.)
Zweiter Gesang.
[1]Vers 6.
Das Land, oder vielmehr die Provinz Gosen, in welcher die Israeliten wohnten, und welches von allen jenen Plagen verschont blieb, die auf Aegypten lasteten, wurde ihnen vom Pharao zum Wohnsitz angewiesen als Joseph seine Brüder mit Jakob, ihrem alten Vater, dahin rief.
[2]Vers 73.
Die Kunst, Schlangen zu zähmen, war in Aegypten zu Hause, und die Gaukler bedienten sich derselben, um durch sie, als vermeintliche Götter, das Volk in Furcht, und Staunen zu setzen.
[3]Vers 82.
Siehe Buch der Weisheit, Cap 18.
[4]Vers 115.
Im Mosaischen Gesetz waren verschiedene Arten von Opfern vorgeschrieben: Brandopfer von Rindern, Schafen und Ziegen, und (unblutige) Speisopfer von Kuchen aus Mehl, zum äußeren Zeichen der Gottesverehrung — dann Dankopfer, Versöhnopfer, Schuldopfer u. s. w. deren Beschaffenheit durch ihre Benennung bezeichnet wird (III. B. Mosis 1.-7. Cap.)
[5]Vers 125.
Die Handmühlen waren, und sind noch heut zu Tage in den Morgenländern im Gebrauche, wo es der, durch Wasser getriebenen Mühlen nur wenige gibt. Das Mahlen war eine harte Arbeit und wurde bei den Hebräern und Aegyptiern, und auch bei den alten Griechen (Odyss VII. Ges. 104. XX. 105.) von den Sklavinnen verrichtet (Niebuhr Beschreibung von Arabien S. 51 und Reisebeschreibung I. Theil 152. — Schab etc.)
[6]Vers 143.
Als Anspielung auf das schuldlose Opfer auf dem Kreuze, dessen Gebeine nicht zerbrochen worden sind (II. Buch Mosis 12. Cap. 46. Vers — Joh. 19. 36. Vers.)
[7]Vers 199.
Mirjam heißt zwar die Schwester Mosis, die bei seiner Rettung aus dem Nil zugegen war, und zur Zeit des Auszugs von Aegypten über 90 Jahre alt gewesen seyn muß, allein sehr oft werden in den Schriften des A. B. die Enkelinnen Töchter genannt und da II. B. Mosis 6. Cap. 16. u. 18. Vers das Geschlechtsregister des Levi, von welchem Moses abstammte, angeführt wird, so heißt es im 20. Vers „Amram aber heirathete die Jochebed, seine Muhme, die ihm den Moses und Aaron geboren hat.“ etc. Von der Mirjam ist keine Rede, daher wird sie hier willkürlich, und in scheinbar möglichem Sinne, Mosis Schwesterkind genannt.
[8]Vers 219.
Im Buch der Weisheit, in den Schriften des Epiphanius, Tertullian, Clemens von Alexandrien, und Anderer wird die Handlung der Hebräer, welche bei dem Auszug Geschenke von den Aegyptiern forderten, und erhielten, rechtfertigend dargestellt weil sie für die erhaltenen Kostbarkeiten zur Zeit der Ernte ihre Häuser, und Güter, und auch den Lohn der Arbeit zurücklassen mußten.
[9]Vers 244.
Nach einigen Auslegern soll Ramses die Stadt Cairo gewesen seyn, nach andern die ganze Gegend, von der Residenz bis dorthin, so geheißen haben. Die Stelle des ersten Lagerplatzes Succoth ist unbekannt.
[10]Vers 267.
Die Hebräer sollen nach dem allweisen Plane Gottes nicht den nächsten Weg nach Canaan ziehen, sondern, nach einer entwürdigenden Knechtschaft unter den Abgöttern in Aegypten, durch einen 40jährigen Aufenthalt in der Wüste zu einem eigenen Volk gebildet, und dadurch zur Fortpflanzung der wahren Religion fähig gemacht werden. Darum leitete sie die Wolkensäule von dem nächsten Wege gegen des Schilfmeer zurück.
[11]Vers 310.
Baal Zephon bedeutet einen, mit vielen Höhlen versehenen Ort, ein solcher findet sich bei Suez.
[12]Vers 337.
Das Buch der Weisheit gibt die hier angenommene, von den meisten Uebersetzern verfehlte, und dennoch einzig mögliche Erklärung des 8. Verses in Mosis Siegesliede an (S. Buch der Weisheit 19. Cap. 7. Vers — II. B. Mosis 15. Cap. 12. Vers und Psalm 76, 19–113 7)
[13]Vers 359.
Buch der Weisheit Cap. 19.
[14]Vers 389.
Im Texte heißt es „Jehova sah aus der Wolkensäule auf die Aegyptier herab,“ — eine Redensart, welche auch nach Psalm 76 von Donner und Blitz verstanden wird.
[15]Vers 450.
Diese Stelle wird im Siegesliede (II. B. Mosis 15. Cap. 20. Vers) am Ende angeführt, obschon es, wie es aus den Worten selber erhellt, der Refrain war, der in verschiedenen Stellen des Liedes einfiel.
[16]Vers 466.
Siehe über diese Stelle das Buch der Weisheit, Cap. 19. Vers 7. und oben die [Anmerkung Nr. 12].
Dritter Gesang.
[1]Vers 6.
Eine Tagreise weit von Suez nach der Wüste, finden sich noch Quellen, welche von den Arabern die Brunnen Mosis genannt worden. Mara bedeutet im Hebräischen Bitteres, daher die Benennung jener Quellen (Thevenot Voy.).
[2]Vers 10.
Die Wüste Sin, welche noch heut zu Tage denselben Nahmen führt. ist eine lange, sandige Ebene längs dem Meere, und noch der angenehmere Theil des peträischen Arabiens. Rephidim ist eine Landschaft ungefähr 20 Meilen von Sin, welche dem Berge Sinai gegen Abend liegt.
[3]Vers 33.
Siehe oben [Anmerkung zum ersten Gesang. Anmerkung Nr. 6].
[4]Vers 97.
Siehe Evangelium Johannis 1. Cap. 1. Vers u. f.
[5]Vers 110.
Siehe Apostelgeschichte 2. Cap. 4. Vers.
[6]Vers 133.
Im II. Buch Mosis 23. Cap. 20. u 21. B. sagt Jehova zu Moses „Ich sende einen Engel vor dir her — — — Er wird euch eure Uebertretung nicht verzeihen. Er ist, der ich bin,“ — welche Worte, ohne die Anwendung auf Christo, d. h. die zweite göttliche Person, gar keinen Sinn hätten. (Siehe oben: [Anmerkung zum ersten Gesang. Anmerk. Nr. 16].)
[7]Vers 143.
Im II. B. Mosis 19. Cap. 6. Vers heißt es: „Ihr sollt mein Königreich, meine Priester, und ein, mir geweihtes Volk seyn.“
[8]Vers 159.
Die Papierstaude (Cyprus Papyrus), eine Binsenpflanze, welche in Aegypten zu Hause ist, und dort vor der Erfindung des Papiers zum Schreiben gebraucht wurde.
[9]Vers 165.
Hütte des Bundes, Stiftshütte, Heiligthum, wie Jehova selber II. B. Mosis 25. Cap. 8. V. sie heißt: „Sie sollen mir ein Heiligthum bauen.“ —
[10]Vers 216.
Auf dem Berge Zion zu Jerusalem wurde durch Salomo, Jehova zu Ehren, der erste Tempel erbaut. (I. Buch der Könige 6. Cap.), und nachdem dieser unter Nebukadnezar zerstört ward, bauten ihn die Juden, nach der Heimkehr aus der babylonischen Gefangenschaft, mit Erlaubniß des Cyrus, wieder auf (Esdra 1. 3. 4. Cap.); doch glich er an Herrlichkeit dem ersten nicht, so daß die Prophezeiung Haggäus 2. Cap. 8. und 10. Vers allgemein von dem Heiland und seiner neu gegründeten Kirche gedeutet wird.
[11]Vers 219.
Siehe Evang. Math. 17. Cap. von der Verklärung Christi.
[12]Vers 227.
Brief an die Hebräer 10. Cap. vom 1. bis 5. Vers.
[13]Vers 229.
Offenbarung Johannis 8. Cap. 4. Vers.
[14]Vers 236.
Der siebenarmige Leuchter, das Zeichen der sieben Engel, die um den Thron des Ewigen stehen. (Buch Tobia 12. Cap. 15. Vers, und Offenbarung Joh. 8. Cap. 2. Vers.)
[15]Vers 238.
Offenbarung Joh. 2. und 3. Cap.
[16]Vers 240.
Die sieben Sakramente, als Gnadenmittel zur Seligkeit, nach der Lehre der katholischen Kirche.
[17]Vers 249.
Siehe oben [Anmerkung 9.] und, beziehend auf das N. T. I. Buch Petr. 2. Cap. 4. und 5. Vers.
[18]Vers 255.
Nach Moses, und Josua waren die Richter auf unbestimmte Zeit die erwählten Heerführer der Nation — beiläufig das, was die Dictatoren den Römern waren. Unter Samuel begehrte das Volk einen König, und Saul bestieg zuerst den israelitischen Thron.
[19]Vers 258.
Durch Salmanassar, König von Assyrien, wurden zuerst die Zehen Stämme in die assyrische (II. B. der Könige 17. Cap. 6. Vers) und durch Nebukadnezar der übrige Theil in die babylonische Gefangenschaft geführt. (II. B. der Könige 23. Cap. 11. Vers.)
[20]Vers 281.
Bei den Götzendienern aller Nationen machten gewöhnlich die Opfer, dann Mahlzeiten und Tänze, das Wesentlichste der Festfeier aus, welche letztere oft in die höchste Unsittlichkeit ausarteten.
[21]Vers 285.
So sehr auch Aaron durch seine Nachgiebigkeit gegen das Begehren des Volkes: ein Götzenbild in der Gestalt eines goldenen Kalbes zu errichten, gefehlt hatte, so ist, bei der Dunkelheit dieser Stelle der h. Schrift, noch immer die Frage: ob er, nach II. B. Mosis 32. Cap. 5. Vers, wo es heißt: „da solches Aaron sah, erbaute er demselben einen Altar, und kündigte auf den folgenden Tag dem Jehova ein Fest an,“ — nicht die Absicht haben mochte, gerade durch die unsinnige Errichtung eines todten Götzenbildes in der Nähe des, im Donner- und Posaunenhall sich verkündenden, lebendigen, wahren Gottes, das Volk auf den rechten Weg zurückzuführen. Wirklich sehen wir auch in der Folge keinen Beweis, daß Jehova sein Benehmen dabei besonders gerügt hätte; vielmehr wurde er von ihm bald darauf zum Hohenpriester erwählt.
[22]Vers 293.
Apostelgeschichte II. Cap. 4. und 41. Vers.
[23]Vers 313.
Es war bei den Hebräern gebräuchlich, gewisse kurze Sinnsprüche zur öfteren Erinnerung in den sogenannten Denkzetteln (Tephilin, Philakteria) an der Stirne und den Armen zu tragen, und sie über die Thürpfosten und Thore zu heften. Die Worte: „Dem Herrn heilig,“ oder geweihet, waren auf ein Blättchen von Gold, welches über der Stirne von einem Ohre zum andern reichte, eingegraben. Sie war zugleich eine verzierende Einfassung der hohenpriesterlichen Tiare (Mütze, Horn), über deren Gestalt verschiedene Meinungen sind.
[24]Vers 314.
Das Ephod war das Vorbild jenes Theils der Pontifical-Kleidung der Bischöfe, welches Tunicella heißt, und ihm vorne, und rückwärts zu den Lenden hinabreicht. Sie war über jeder Schulter mit einem Onyxsteine zusammengeheftet, auf welchem die Namen der zwölf Stämme eingegraben waren. Das Ephod selbst war aus feiner, gezwirnter Baumwolle gewebt.
[25]Vers 318.
Der Brustschild war aus eben diesem Zeuge, viereckig über der Brust mit vier rückwärts gezogenen Kettchen, über dem Ephod, an der Brust befestiget, auf welchem die, hier genannten, zwölf Steine, jeder den Nahmen eines der Stämme enthaltend, geheftet waren. —
[26]Vers 323.
Urim und Thummim, nach der Meinung einiger Schriftforscher drei uralte, schon vor Mosis Zeit, als heiliges Los, gebrauchte Steine, von welchen der eine bejahend, der zweite verneinend, und der dritte keine Antwort gebend war. Nach der Erbauung des Tempels kommt ihr Gebrauch nicht mehr vor. —
[27]Vers 330.
III. B. Mosis 16. Cap. 6. Vers u. flg. sehen wir, wie an dem jährlichen Versöhnungsfeste über zwei Ziegenböcke das Los geworfen, der eine geschlachtet, und der andere frei in die Wüste hinaus entlassen ward. Ueber dessen Vorbedeutung: siehe Brief an die Römer 4. Cap.
[28]Vers 338.
In dem Brief an die Hebräer, 7. Cap. 26. und 27. Vers, wird unser Erlöser das Opfer, und der Hohepriester zugleich, genannt.
[29]Vers 418.
Nach IV. B. Mosis 12. Cap. 1. Vers hatte Moses, wahrscheinlich nach Zipora’s Tod — eine Aethiopierinn geheirathet. Es war laut Jehovas Gesetz dem Israeliten erlaubt eine Ausländerinn, nur nicht aus Canaans Volke, zu heirathen. Aaron und Mirjam bezeigten ihren Unwillen darüber, weil Moses, nach ihrer Meinung, aus einem der angesehensten eigenen Stämme hätte eine Frau nehmen sollen.
[30]Vers 435.
Bei einem allgemeinen Murren des Volks wider Moses und Aaron (siehe IV. B. Mosis 17. Cap.) mußten auf Jehova’s Befehl die Oberhäupter der zwölf Stämme, jeder einen Stab von Mandelbaumholz geschnitzt in der Unterredungshütte zunächst vor dem Allerheiligen, hinterlegen. Am folgenden Morgen fand es sich, daß Aarons Stab allein grünte, Blätter und Früchte trieb, zum Zeichen: daß dem seinen des Priesterthums Ehre gebühre.
[31]Vers 439.
Haderquelle (Mosis IV. B. 20. Cap.), bei einem Volksaufstand wegen des mangelnden Wassers, scheinen Moses, und Aaron die Fassung verloren, und das Wunder nicht mit Ruhe, und Vertrauen zu Jehova, wie sonst, gewirkt zu haben. (Ueber diese Stelle siehe E. F. C. Rosenmülleri Scholia in Vetus Testamentum. 2. B. S. 293.)
[32]Vers 452.
Zur Strafe der Unzufriedenheit auf ihrer Reise nach dem Lande Canaan, wurden die Israeliten durch Schlangen gebissen. Jehova hieß den Moses eine eherne Schlange auf einen hölzernen Pfahl hängen, und alle, die nach ihr blickten, wurden geheilt. (IV. B. Mosis 31. Cap.) In der Gestalt der Schlange wurde das erste Menschenpaar von dem Holze herab verführt. Von diesem, woher ihr der Jammer kam, sollte ihr auch die Hülfe kommen. So spricht, als von dem Vorbilde des Erlösers, der Lieblingsjünger (Joh. 3. Cap. 14. und 15. Vers) davon.
[33]Vers 463.
Balak, der Moabiter-König, sandte nach dem Seher Bileam, aus daß er durch Flüche und Verwünschungen den weiteren Fortschritten der Israeliten Einhalt thun sollte, welche bereits die Amorriter überwunden hatten. Allein statt der Verwünschungen kamen, wider seine Absicht, nur Segensworte aus seinem Munde. (IV. B. Mosis 22. 23. u. 24. Cap.)
[34]Vers 482.
Die Berge Garizim und Ebal bilden ein enges Thal, in welchem das merkwürdige Sichem lag. Durch die eine Hälfte der zwölf Stämme ließ Moses von jenem den Beobachtern des Gesetzes Segen, und durch die andere von diesem den Uebertretern desselben Fluch und Jammer verkünden (V. B. Mosis 27). —
[35]Vers 599.
Bei der Verklärung Christi auf dem Tabor sahen seine Jünger den Moses, und Helias ihm zur Seite, schweben. (Ev. Matth. 17. Cap. 5. Vers.)
[36]Vers 607.
Brief an die Corinther 15. Cap. 53. und 54. Vers.
[37]Vers 614.
Offenbarung Joh. 5. Cap. 8. Vers.
Samuel.
[1]Vers 3.
Endor war ein unbedeutender Ort unweit Sunem, wo sich Saul gegen die Philister gelagert hatte. (I. B. Samuel 28. Cap. 7. Vers.)
[2]Vers 18.
Man pflegte Jehova in zweifelhaften Fällen durch die Priester und Propheten, welchen er durch nächtliche Träume seinen Willen zu erkennen gab, zu befragen. Von dem Hohenpriester geschah dieß in der Hütte des Bundes durch das Urim und Thummim. (Siehe oben die [Anmerkung Nro. 26. Moses III. Gesang.])
[3]Vers 28.
Saul, der Sohn Kis, eines wohlhabenden Mannes aus dem Stamme Benjamin, wurde von ihm ausgesandt, seine verlornen Eselinnen zu suchen. Jehova zeigte dem Propheten Samuel an: dieser sey’s, den er zum König Israels salben solle. Er that’s, nachdem er ihn vorher in der Gesellschaft der angesehensten Männer durch ein Mahl geehrt hatte. (Siehe I. B. Samuel 9. und 10. Cap.)
[4]Vers 36.
Aus Mangel an Vertrauen zu Gott maßte sich Saul einer Handlung, nämlich des feierlichen Opferns an, welche nicht ihm, sondern nur den Priestern und Propheten, zukam.
[5]Vers 45.
Saul vernahm durch Samuel Jehova’s Befehl: die abergläubischen Amalekiten mit allem ihrem Rind, und sonstiger Habe zu vertilgen. Nachdem er aber, aus Gewinnsucht, den König Agag und den besten Theil der Heerde verschont hatte, suchte er sich vor Samuel, der ihn zu Rede stellte, dadurch zu rechtfertigen, daß er die Schuld auf sein Kriegsheer wälzte, und der Handlung einen religiösen Anstrich gab. (I. B. Samuel 15. Cap.)
[6]Vers 64.
Die Krankheit Sauls war eine periodische Melancholie, die er sich durch seine verfehlten, ehrgeizigen Absichten zugezogen hatte. David, als ein geschickter Harfenspieler bekannt, wurde an den Hof berufen, um ihm die Stunden der Schwermuth zu erheitern, und Saul gewann ihn auch sogleich so lieb, daß er ihn zu seinem Waffenträger ernannte. Später verwandelte sich dieses Wohlwollen in Haß und Mißtrauen gegen ihn, nachdem er den Riesen Goliath erschlug, und dem Kehrenden im Reigen die Frauen zusangen: „Saul hat Tausend, und David zehn Tausende geschlagen.“ — (I. B. der Könige 16. und 18. Cap.)
[7]Vers 72.
In der Felsenhöhle Engeddi, und später mitten im feindlichen Lager kam David dem Könige Saul unbemerkt so nahe, daß er ihm dort die Quaste, oder den Zipfel des Mantels, und hier seinen Spieß und Wasserbecher heimlich entwandte, und darauf, als einen Beweis seiner Unschuld, vorwies, indem es in seiner Macht stand, ihm das Leben zu rauben. (I. B. Samuel 21. und 26. Cap.)
[8]Vers 82.
Gott selbst herrschte durch das mosaische Gesetz über das Volk Israel, und schützte es, so lange es demselben treu blieb. Diese Theokratie war sein Vorzug, welchen es mit keinem andern theilte, dessen es sich aber nun töricht begab.
[9]Vers 166.
Nicht die Nachricht, daß an diesem Tage in der Schlacht seine beiden unwürdigen Söhne gefallen seyen, sondern jene, daß die Lade des Bundes von dem Feinde erbeutet sey, brach dem unglücklichen Greise das Herz. (I. B. Samuel 4. Cap.)
[10]Vers 246.
Von dem betriegerischen Handwerk des Todtenbeschwörens, auf welches sich gewöhnlich alte Frauen verlegten, und welches durch diese Erzählung von einem hohen Alterthum zeugt, finden wir auch bei den heidnischen Schriftstellern sehr merkwürdige Stellen; Lucan. Pharsal. Lib. VI. v. 592. — Ovid. Metamorph. Lib. VII. v. 199. und endlich Horat. Lib. 1. Satyr.VIII. 20. —
Helias der Thesbite.
Erster Gesang.
[1]Vers 2.
Helias wird der Thesbite, oder Thisbite genannt, weil er von Thisbe, einem Orte im Stamme Naphtali, in Ober-Galiläa, gebürtig war.
[2]Vers 4.
In Palästinas Gebirgen gab es geräumige Höhlen, in welchen oft zur Kriegszeit ganze Völkerschaften wohnten. Die Hebräer nannten sie צנקיס, und die Griechen: τρωγλοδύτης. — Siehe I. Buch Mosis 14. Cap. 6. Vers. — Das B. der Richter 6. Cap. 2. Vers.
[3]Vers 10.
Unter dem Götzen Baal wird oft die Sonne, und unter Astarte der Mond verstanden, welche beide Gestirne wohl einer der frühesten Gegenstände der Abgötterei waren. Baal, von welchem hier die Rede ist, und Astarte, von welcher sie weiter unten seyn wird, waren ohne Zweifel phönikische Gottheiten, und jener wahrscheinlich Herkules, der zu Tyrus einen Tempel hatte. — Siehe Jahns Archäol. III. T. §. 129. und 131.
[4]Vers 47.
Ungefähr 975 Jahre vor Christi Geburt geschah die Spaltung, wo das mächtige Reich Salomons, nach seinem Tode, in zwei Theile getrennt wurde. Rehabeam, sein Sohn, behielt nur die zwei Stämme Juda und Benjamin; die übrigen Zehn erwählten Jeroboam, den Sohn Nebat, zu ihrem Könige. Aus Furcht, seine Unterthanen möchten wieder zu dem Hause Davids übertreten, wenn sie zu den Festtagen nach Jerusalem wallfahrteten, stellte er zwei vergoldete Rinder, als Bilder Jehova’s, zu Bethel und Dan auf; bauete ihnen Tempel und Altäre; bestellte Priester; verlegte die Festtage um einen Monath später, und führte also die Abgötterei in Israel ein, wegen welcher ihm der Untergang seines Hauses verkündiget ward. Seine Residenz war zu Sichem und zu Thirzo. — (Siehe 1. Buch der Könige, 12. und 14. Cap.)
[5]Vers 59.
In den Prophetenschulen wurden junge Leute im Gesetze, in der Tonkunst und anderen Wissenschaften unterrichtet. Sie sollten die künftigen Lehrer des Volkes in der wahren Religion seyn.
[6]Vers 96.
Zarpath, oder Sarepta, war eine phönikische Stadt an der Küste des mittelländischen Meeres zwischen Tyrus und Sidon.
[7]Vers 111.
Die Kleidung, derer sich die, durch strengere Lebensart auszeichnenden Propheten bedienten, bestand aus einem langen Leibrock aus Lämmerfellen, aus einem ledernen Gürtel und einem Mantel aus grobem Tuche, dessen sich der Morgenländer im Freien auch statt einer Bettdecke bedient. Das Kleid des Täufers im Neuen Testamente, Matth. III. Cap. wird eben so beschrieben.
[8]Vers 166.
Die Morgenländer bedienen sich des Oehles, statt der Butter, bei allen Arten Gebäckes.
[9]Vers 191.
Oberhaus, Oberzimmer — צלֹיח, ὑπενῷον — ein Gebäude von einem, oder ein Paar Gemächern, welches vom Dache hinauf, über der Hausthüre, oder über dem Vorhofe, oft auch rückwärts von einem oder dem anderen Ende des Hauses, empor ragt; zu welchem entweder von der oberen Gallerie, oder mittelst einer heimlichen Treppe, die in den Vorhof, oder auf die Straße führt, zu gelangen ist. Dasselbe dient zur Beherbergung der Fremden, zu stillen Betrachtungen, und Uebung der Andacht in ungestörter Einsamkeit. (Siehe Shaw Reis. S. 188. Niebuhr’s Reis. I. Theil 380 S.)
Zweiter Gesang.
[1]Vers 257.
Eine Art unsinniger Gottesverehrung der heidnischen Priester war die: sich mit Messern, Spießen und Geißeln zu verwunden. Plutarch bezeugt solches von den Priestern der Bellona in seinem Buche von dem Aberglauben und Lactanz in jenem von der falschen Religion. I. B. 21. Cap. — Tibull. I. B. 1. Eleg, von den Priesterinnen der Cybele und Lucian in jenem von der syrischen Göttinn.
[2]Vers 260.
Das Abendopfer wurde um drei Uhr Nachmittags in dem Tempel zu Jerusalem dargebracht.
[3]Vers 337.
Jesreel, eine Stadt, wo Achab im Sommer wohnte, lag fünf Stunden Weges von Samaria gegen Norden.
[4]Vers 349.
Jesaias 56. Cap. 8. Vers. —
Dritter Gesang.
[1]Vers 22.
Beerseba war eine Gränzstadt des Reiches Juda, im Süden von Israel.
[2]Vers 27.
Der Genistbaum, Genist (spartium genista), hat dichte Aeste, und gibt einen lieblichen Schatten.
[3]Vers 45.
Unter den verschiedenen Arten, das Brot im Morgenlande, besonders draußen im freien Felde, oder in Wüsten zu backen, ist die: daß man den bloßen Sand, oder kleine runde Gruben durch Feuer erhitzt, dieses dann wegräumt, den Teig in dünnen Fladen, in Gestalt eines Tellers, hineinlegt, ihn einige Mal umwendet, und dann mit erhitztem Sande, Asche und Kohlen zudeckt, bis er völlig gebacken ist. Das sind die Aschenkuchen צנות. — (Siehe Chardin Voy. T. 2. Thevenoth Voy. au Levant. Niebuhr etc.)
[4]Vers 58.
Der Berg Horeb macht die südwestliche Spitze des Berges Sinai aus.
[5]Vers 114.
Abel-Mehola lag an dem Berge Gilboa, zwischen Sichem und Bethesan.
[6]Vers 117.
Man verehrte den phönikischen Herkules, welcher hier Baal heißt, insbesondere durch Küsse auf den Mund. Dieß bezeugt unter anderen auch Cicero Lib. IV. in Verrem, Cap. 43.
[7]Vers 156.
Nach dem Mos. Gesetz war es nicht erlaubt, das, von den Vorältern ererbte Grundstück auf immer an Andere zu veräußern. III. Buch Moses 25. Cap.
[8]Vers 158.
Das Siegel des Morgenländers enthält seinen Nahmen. Man tunkt es in eine Farbe, und drückt es unter die Briefe statt der Unterschrift. — (Siehe Pococke I. Theil.)
[9]Vers 185.
(Siehe oben Anmerkung [Mos. I. Ges. Anmerkung 7].)
[10]Vers 193.
Ramoth war eine Freistadt im Reiche Israel, auf der Ostseite des Jordans, im Stamme Gad, und gehörte den Leviten.
[11]Vers 200.
Dieser Prophet Micha muß mit jenem der zwölf kleinen Propheten nicht verwechselt werden.
[12]Vers 255.
Gilgal lag an der Westseite des Jordans, in der Ebene Sarone, zwischen dem Berge Gaas und dem mittelländischen Meere.
[13]Vers 273.
Zu Ekron, einer der fünf Hauptstädte der Philister, hatte ihr Abgott Baal-Sebub, der Mückengott einen Tempel, wo er als Schutzgott gegen die im Morgenlande so lästige Mücken und Fliegen verehrt ward. Bei den Alten hatte sowohl Zeus, als auch Herakles, den Zunahmen: απομὑιος, μύιωδης μῦιαγρος. Mückengott, Mückenjäger. — (Siehe Clemens Alex. in Protrept. Plinius L. X. — Aelian. Hist. Anim. L. V.)
[14]Vers 398.
Samum, ein heißer, schnell tödtender Wind in Afrika. (Siehe Tunisias Seite 326. Anmerkung.)
Elisa.
Erster Gesang.
[1]Vers 25.
Der König der Moabiter war seit der Regierung des Königs David ein Vasall Israels, und mußte jährlich einen großen Tribut an Vieh entrichten. Die Moabiter stammten von Lot ab, waren also verwandt mit den Hebräern, weßwegen es auch keine eigentliche Erbfeindschaft unter ihnen gab.
[2]Vers 104.
Im Morgenlande, wo im Sommer die trockene Witterung beständig ist, geht dem Regen stets ein heftiger Wind, oder Sturm vorher, besonders in den Wüsten. — (Siehe Russel’s natural history of Aleppo.)
[3]Vers 148.
Kir-Hareseth, die Hauptstadt der Moabiter, lag in einer gebirgigen Gegend, und hieß in der Folge bei den Arabern Carcha. (Abulfedae Syr.)
[4]Vers 165.
Sunem war eine, zwei Stunden vom Berge Tabor südwärts liegende, zum Stamme Isaschar gehörige Stadt.
[5]Vers 248.
Ueber die Sitte der Morgenländer, sich ohne Ende zu grüßen, wenn Bekannte auf dem Wege sich treffen, siehe Niebuhrs Beschreibung von Arabien S. 49.
[6]Vers 310.
B. Job. 19. Cap. 25. Vers. —
[7]Vers 329.
Offenbar. 1. Cap. 5. Vers.
[8]Vers 333.
1. Brief an die Corinther 15. Cap. 55. Vers.
Zweiter Gesang.
[1]Vers 30.
Siehe Joh. IV. Cap. 13. Vers.
[2]Vers 57.
Ueber die verschiedenen Arten des Aussatzes im Morgenlande, ihre schrecklichen Wirkungen, ihre Heilung, und die nöthige Strenge und Vorsicht, welche Moses III. B. 13. Cap. dabei vorschrieb, siehe Jahns Bibl. Archäologie. Häusliche Alterth. II. B. §. 213.
[3]Vers 76.
Sieh III. B. Mos. 15. Cap. 45. Vers.
[4]Vers 91.
Die beiden beträchtlichen Flüsse: Pharphar, jetzt Phege, und Amana, jetzt Schamaweis, vereinigen sich unweit Damaskus. Jener entspringt an dem Antilibanon, und dieser am Berge gleiches Nahmens. Einige halten sie für zwei Arme einer und derselben Quelle, die in dem Gebirge Amana entspringt.
[5]Vers 111.
Rimon war ein syrischer Götze, von dem die Geschichte sonst nichts weiter erwähnt.
[6]Vers 147.
Die Stadt Dothan lag vier Stunden von Samaria, gegen den Berg Tabor zu.
[7]Vers 285.
Nimm Bogen und Pfeile, hieß, ohne Bild, so viel: Rüste dich zum Kriege. Das Abschießen des Pfeiles gegen Morgen deutete dem König an: daß er die dorthin gelegenen israelitischen Besitzungen den Händen der Feinde zuerst entreißen solle, und war als prophetisches Sinnbild um so sprechender, da die Alten bei einer Kriegserklärung einen Wurfspieß in das feindliche Lager schleuderten. (Justin. II. Buch. Aeneis IX. Gesang. 47. Vers.)
[8]Vers 295.
Aphek war eine Stadt, die eine Tagreise von Tiberias nordwärts gegen Damaskus lag.
[9]Vers 306.
Das Grab des Propheten Elisa befand sich, nach dem Zeugnisse des h. Hieronymus (in epithaphio Paulae), in der Nähe der Stadt Samaria. — (Brentano II. B. der Könige 13. Cap. Anmerkung zum 20. Vers.)
Makkabäer.
[*]Die meisten Geschichtsforscher sind darüber einig, daß der Zunahme Makkabäer nicht ausschließend einem Geschlechte angehörte, sondern zur Zeit der Verfolgung der Juden durch den König Antiochus Epiphanes, in den Jahren 166 und 167 vor Chr., überhaupt allen Jenen gegeben ward, die sich durch Heldenmuth, Großthaten und Eifer in der Verteidigung des wahren Glaubens und der vaterländischen Sitten auszeichneten. Die Veranlassung dazu gab wahrscheinlich der sterbende Mathathias, der im prophetischen Geiste seinen drittgebohrnen Sohn Judas, unstreitig den größten Helden der Israeliten neuerer Zeit, mit dem Zunahmen מקכי — Hämmerer, zum Heerführer des Volks ernannt hat.
Mathathias.
[1] Vers 9.
Antiochus Epiphanes, ein Sohn Antiochus des Großen, bestieg im Jahr 175 vor Chr. widerrechtlich den Thron von Syrien, der eigentlich dem Demetrius, dem Sohne seines älteren Bruders Seleukus Philopator, gebührt hätte. Er wird von Polybius bei Athenäus V. und Diodor von Sizilien Fragm. XXVI. auf eine Art geschildert, daß er billig statt des Zunahmens ἐπίφανης, Erlaucht, jenen ἐπίμανης, wahnwizig, dem ihm seine Unterthanen gaben, verdiente.
[2] Vers 106.
Modin, Modein, war eine Stadt, die westlich von Jerusalem, nicht ferne von dem Meere lag.
[3] Vers 501.
S. 1. B. der Makkabäer 5. Cap. 12. V.
Eleazar, und die Mutter mit den sieben Söhnen.
[**]Der Schauplatz, wo diese heiligen Märtyrer für Wahrheit und Tugend starben, wird verschiedentlich, bald nach Antiochia, bald nach Jerusalem versetzt. Die der letzteren Meinung sind, geben an, daß Antiochus, auf die erhaltene Nachricht von der Widersetzlichkeit der Juden, im Jahre 166 vor Chr. selbst nach Judäa gekommen sey.
In dem Werke: Florus Biblicus, Tyrnaviae 1741, worin Michael Hexenfelder den Makkabäern eine schöne Stelle weihte, fand der Sänger die Nahmen der Mutter, und ihrer sieben Söhne, wie jener sie bei Jos. Flavius und den Commentatoren gefunden hatte.
[1]Vers 215.
V. B. Mosis 32. Cap. 36. V.
Judas Makkabäus.
Sieg.
[1]Vers 32.
Ecbatana, heut zu Tage Tabris, war die ehemalige Haupt- und Residenzstadt der medischen Könige, wo später auch die persischen Könige wegen der kühleren Luft, die theils von den umliegenden Bergen, theils von dem, ihr nordöstlich liegenden, caspischen Meere herwehte, den Sommer zubrachten.
[2]Vers 179.
Ueber diese kühne That des Eleazar, s. I. B. der Makkabäer, 6. Cap.
[3]Vers 203.
Nach III. Mosis 25. wurde den Israeliten verordnet: daß das siebente und fünfzigste Jahr jedesmal für sie ein Jubeljahr seyn solle, wo dem Volke große Wohlthaten zuflossen, z. B. zu Ende des 6ten und 49sten Jahres durfte nichts angebaut, und der Weinstock nicht beschnitten werden, und dennoch war der Ertrag im folgenden Jahre zu dessen Nahrung hinlänglich; da ferner (nach dem 8ten Vers) am Versöhnungstage die Trompete durch das ganze Land geblasen wurde, um allen Einwohnern des Landes die Feier des fünfzigsten Jahres anzukündigen, in welchem dem leibeigenen Juden die Freiheit, und dem Eigenthümer der versetzte Acker zurückgegeben werden mußte, so kam Judäa jedes fünfzigste Jahr zu seinem vorigen Bestand zurück, der Reiche durfte sich nicht auf immer der Habe des Armen bemeistern, und dieser nicht immer als Leibeigener dienen.
[4]Vers 233.
Siehe Psalm 105.
[5]Vers 239.
Siehe V. Mosis 32. Cap. 30. Vers.
[6]Vers 251.
Rom und Sparta. Siehe I. B. der Makkabäer 8. und 12. Cap.
[7]Vers 253.
Siehe im I. B. Mosis 49. Cap. 10. Vers die Weissagung Jakobs von Judas Stamm, die durch den Heiland in Erfüllung gekommen ist. (Ev. Matth. 2. Cap. 6. Vers.)
[8]Vers 272.
Nach dem katholischen Lehrbegriff umfaßt die Ecclesia triumphans die Seligen, die den ewig lohnenden Kranz bereits erhielten; die purgans, Jene, die nach dem Tode, in bestimmter Zeitfrist der Läuterung, auf jenen hoffen, und die militans, Jene, die noch dießseits des Grabes, durch Glauben, Hoffnung, und Liebe nach ihm ringen, und eint so alle ihre Glieder in dem einen, großen Anliegen durch ihr gemeinschaftliches Gebeth.
Anmerkungen zur Transkription:
Der vorliegende Text wurde anhand der 1855 erschienenen Buchausgabe erstellt. Satzzeichen wurden stillschweigend korrigiert, dabei wurde die Setzung der Anführungszeichen so weit wie möglich sinnvoll ergänzt. Inkonsistente Schreibweisen (z.B. Wagen/Wägen, usw.) wurden, ausgenommen in den Anmerkungen, stets beibehalten. Das Inhaltsverzeichnis wurde vom Bearbeiter der Übersichtlichkeit halber eingefügt.
Im Anhang wurde für den lateinischen Ausdruck 'et' in der Abkürzung für 'et cetera' verschiedentlich die tironische Note 'et' verwendet, allerdings nicht durchgängig. In diesem Text wurde einheitlich die Bezeichnung 'etc.' verwendet.
Die folgenden Stellen wurden korrigiert bzw. bedürfen des Kommentars:
- S. 23: ‚an‘dre‘ → ‚[and‘re]‘
- S. 127: ‚Phinees‘ → ‚[‘Phineas]‘
- S. 150: ‚des Ensetzens‘ → ‚[des Entsetzens]‘
- S. 155: Der Titel ‚[Helias der Thesbit]‘ (statt ‚Thesbite‘) wurde beibehalten.
- S. 199: ‚Eilsa‘ → ‚[Elisa]‘
- S. 205: ‚entflamte‘ → ‚[entflammte]‘
- S. 227: ‚erschüttternder‘ → ‚[erschütternder]‘
- S. 239: ‚Srafe‘ → ‚[Strafe]‘ Fußnotenanker [5] → [6]‘
- S. 240: ‚Futhen‘ → ‚[Fluthen]‘
- S. 253: ‚Johova‘ → ‚[Jehova]‘
- S. 305: ‚Sper‘ → ‚[Speer]‘
- S. 344: ‚im petraischen Arabien‘ → ‚[im peträischen Arabien]‘ (vereinheitlicht)
- S. 351: ‚Aron‘ → ‚[Aaron]‘
Der Originaltext wurde in Frakturschrift gesetzt, wobei Antiquaschrift in diesem Text kursiv dargestellt wird. Gesperrte Passagen werden durch serifenlose Schrift dargestellt, vorausgesetzt, dies wird durch die installierten Schriftarten unterstützt.