Zweiter Gesang.
[10] Vers 23.
Ortilo, dessen wichtige Fragmente von den Babenbergern, als Herrschern Oestreichs, Chrysostomus Hanthaler aufgefunden und bekannt gemacht hatte, sagt zu dem Jahr 1191 von Leopold dem Tugendhaften, unter anderm: „Da der Herzog bei der Belagerung (von Ptolemais) so tapfer focht, daß sein ganzer Körper, mit Ausnahme jenes Theils, den der Leibgurt umgab, mit Feindes Blut bespritzt war, so hat in der Folge der Kaiser, Heinrich VI., den Schild Oestreichs, in dem bisher fünf Lerchen zu sehen waren, geändert, und zeichnete solchen durch ein rothes Feld aus, das durch einen weißen Querbalken mitten durchschnitten ist.“ Ortilo war ein Zeitgenosse Leopold des Tugendhaften, und vier Jahre darauf, bei seiner Begräbniß in heil. Kreuz, gegenwärtig. Spätere Schriftsteller, wie Cuspinian, Lazius &c. &c. sind anderer Meinung über die Bedeutung dieses Wapens. (Siehe Fast Campil. T. I. pag. 434, und Recens. Dipl. Geneal. Arch. Campil. pag. 196.)
[11] Vers 58.
In dem Werkchen: Eutropii Diarium Expeditionis Tunetanae a. 1535, die in der Sammlung „Scriptores Rer. Germ. per S. Schardium,“ Gießen, 1673, enthalten ist, wird ausdrücklich gesagt, daß der Kaiser während seiner Abwesenheit die Regierung Spaniens seiner Gemahlinn, Isabella, übergeben, und sogar sein Testament hinterlassen habe: „priusquam Madritio discederet, omnibus adhibitis solemnitatibus testamentum suum condidit,“ pag. 321.
[12] Vers 91.
Hermann, der Sohn des Cherusker-Fürsten, Siegmar (geb. 18 J. vor Chr.), ward in Rom erzogen, und im römischen Heere angestellt. Doch, er beschloß der Retter seines Vaterlands zu werden; vernichtete in seinem 26. Jahre die Legionen des Quintilius Varus in dem Teutoburger Walde, und nachdem er zwölf Jahre hindurch die Angelegenheiten Deutschlands geleitet hatte, besiegte er Marbod, den König der Marcomannen, zwei Jahre vor seinem Tode. Er soll, weil er nach Alleinherrschaft strebte, von seinen Anverwandten ermordet worden seyn. (Tacit. L. I. et II. Annal.)
[13] Vers 97.
Hannibal, der Sohn des Hamilkar Barkas (geb. im J. 247 vor Chr. zu Karthago), nach seinem berühmten Zuge über die Alpen der Besieger der Römer an der Trebbia, am Trasimenus, vor Cannä &c., wurde bei Zama von dem ältern Scipio besiegt, und starb als Flüchtling in Bithynien (183 J. vor Chr.) in seinem 65. Jahre, nachdem er in seinem 26. den großen Kampf gegen die Römer begonnen hatte. (Polyb. L. III. c. 17 et 64. Livius. L. 21.)
[14] Vers 97.
Regulus (Marcus Attilius), um das Jahr 254 vor Chr. Consul von Rom, ward (siehe die folgende Anmerkung) in der Schlacht von Tunis gefangen, und von den Karthagern, wegen der Auslösung ihrer Gefangenen, mit noch andern Abgeordneten, nach Rom gesandt, wo er dem Senat, mit wahrer Römergröße, rieth: die Gefangenen nicht zu lösen. Er kehrte, seinem Eidschwur treu, als Gefangener nach Karthago wieder zurück, und soll dort, nach Einigen, grausam hingerichtet, nach Andern, eines natürlichen Todes gestorben seyn. (Polyb. Lib. I. — Liv. 17 et 18. — Palmerius, in Appian. pag. 151.)
[15] Vers 143.
Xanthippos hieß der edle Spartaner, der Karthago einen glänzenden Sieg über Rom verschaffte. Nach der Niederlage von Eknomos, die jene im J. 254 v. Chr. zur See gegen die Consuln Cajus Sulpitius, und Attilius Regulus erlitt, ward sie von dem Letzteren, der in Afrika landete, und Tunis zu seinem Waffenplatze erkor, an den Rand des Verderbens gebracht. Da landete mit einem Schiffe griechischer Miethlinge auch Xanthippos, der von Gestalt unansehnliche, aber geist- und kraftbegabte Spartaner, von dem C. Sil. Pun. L. 6 singt:
Nulla viro species, decorisque et frontis egenum
Corpus; in exiguis vigor, admirabile, membris
Vividus, et nisu magnos qui vinceret artus.
Er machte den Senat auf die Fehler seiner Heerführer aufmerksam; übte das ihm anvertraute Heer nach griechischer Kriegskunde zuvor ein; besiegte die Römer in der Schlacht von Tunis, und nahm den Consul A. Regulus mit dem Ueberreste seines Heeres gefangen. — Ihm war das stolze Bewußtseyn genug: eine ganze Nation dem Untergange entrissen zu haben: denn er kehrte gleich darauf wieder nach seinem Sparta zurück. (Siehe Fr. Mich. Vierthalers vortreffliche Philosophische Geschichte der Menschen und Völker V. B. S. 306.)
[16] Vers 212.
Attila, König der Hunnen, die aus Scythien kommend, sich in Pannonien niedergelassen hatten, gelangte im J. 434 zur Herrschaft. Nachdem er sich gerühmt: das Schwert Tyr’s, des Kriegsgottes, aufgefunden zu haben, ermordete er seinen Bruder Bleda, und entboth ein ungeheuer zahlreiches Heer, um als die Geißel Gottes, wie er sich nannte, die Erde verheerend zu durchziehen. Er fiel um das J. 441 zuerst in Thrazien ein, drang bis nach Armenien vor, und verwüstete dann das morgenländische Kaiserthum, zwingend den Kaiser Theodosius, den er überwunden hatte, ihm einen Tribut zu zahlen. Auf seinem zweiten großen Verheerungszuge nach Frankreich wurde er bei Chalons sur Marne, durch die vereinte Macht der Römer unter Aetius, und der Westgothen unter Theodorich, auf das Haupt geschlagen; zog sich über den Rhein zurück, und wandte sich zu dem dritten, gegen Rom selbst, da er Honoria, die Schwester Valentinian III., zur Ehe verlangte, und diese ihm abgeschlagen worden war. Er verwüstete ganz Ober-Italien, bei welcher Gelegenheit die Flüchtlinge auf den Inseln der Lagune dem berühmten Venedig den Ursprung gaben. Von der Zerstörung Roms hielt ihn der Papst, Leo der Große, ab. Er kehrte nach Pannonien zurück, wo er im J. 453, in der Nacht nach seiner Vermählung mit der baktrianischen Prinzessin, Ildiko, in seinem Blute erstickt gefunden ward. (Siehe Jornandes; und Bonfinii Hist. Decad. I. L. 7.)
[17] Vers 245.
Tyr nach der nordischen Götterlehre, der Sohn Odins, und der tapferste unter den Göttern, wie es bei den Griechen Ares war, den die Römer Mars benannten.
[18] Vers 321.
Kabesch. Kabes, eine Stadt im Königreiche Tunis von 25,000 Einwohnern. Sie liegt in dem Golf gleiches Nahmens, sonst auch die Kleine-Syrte genannt.