Die Schiffsbegleiter.
Wirklich interessante Erscheinungen sind die verschiedenen Tierarten, welche dem Schiffe unterwegs begegnen oder dasselbe ein Stück begleiten. Zunächst sind es die Möven, jene schöne Art von Seevögeln, welche in großer Anzahl das Schiff umkreisen. Wenn sich letzteres dem Strande oder dem Hafen nähert, sieht man viele hunderte von diesen Vögeln, die auf den Augenblick warten, wo alle Überbleibsel der Speisen, wie Brot, Fleisch u. dergl., über Bord geworfen werden. Es ist ein sehr anziehendes Schauspiel, wenn diese Seevögel, nachdem sie eine Zeitlang durch die Luft geschwebt sind, mit einem Male zum Wasser hinabschießen, um kleine Fische zu fangen. Einige tauchen unter, andere bleiben so recht vergnügt auf der Oberfläche der Wellen. Wenn man von Bord aus dieses lustige, harmlose Treiben zwischen dem blauen Himmel und dem grünen Meere betrachtet, so könnte man diese zierlichen Tiere beinahe beneiden und meinen, man möchte wohl auch solch ein Vogel sein, um so recht vergnügt und froher Dinge in der freien Luft zu schweben und sich ohne Sorgen in Gesellschaft der Kameraden zu tummeln. Aber auch diese Vögel haben ein Leben voller Gefahren. So sahen wir eines Abends einige Möven, welche unserem Schiffe folgten und vor Mattigkeit kaum noch zu fliegen vermochten. Diese hatten sich wahrscheinlich von ihrem heimatlichen Strande zu weit entfernt und konnten ihn nicht mehr erreichen. Sie waren so matt, daß sie sich, ohne vor uns zurückzuschrecken, am Schiffsgeländer niederließen und sich mit bloßen Händen fangen ließen. Am nächsten Morgen gaben wir unsere kleinen Gefangenen, nachdem wir sie tüchtig gefüttert hatten, wieder frei, in der Hoffnung, daß sie den Weg zum heimatlichen Strande zurückfinden würden.
Die eintönige Fahrt wird ferner durch die fliegenden Fische unterbrochen. Diese sind jedoch nicht überall anzutreffen; sie scheinen bestimmte Strecken im Meere zu verschiedenen Zeiten aufzusuchen. So sahen wir sie tagelang garnicht, an anderen Tagen dagegen konnten wir sie in bedeutender Zahl beobachten. Sie schnellen mittels ihrer großen langen Flossen über die Oberfläche des Wassers wie ein abgeschossener Pfeil dahin. Von weitem hat ihre Fortbewegung viel Ähnlichkeit mit dem Fluge einer Schwalbe.
Das Interessanteste von allem aber war unsere Begegnung mit einem Walfisch. Ca. 400-500 m vom Schiffe entfernt, entdeckten wir eines Tages ein schwarzes Etwas. Wir glaubten ein Wrack oder eine Klippe vor uns zu haben, aber als wir einige Zeit aufmerksam hingesehen hatten, bemerkten wir, daß diese schwarze Masse sich immer mehr hob und dann plötzlich verschwand. Dieses wiederholte sich mehrmals. Da auf einmal ragte ein Riesenkörper empor, und nun erkannten wir einen mächtigen Walfisch. Weil er sich von dem Meere fast senkrecht abhob, konnten wir die ganze Gestalt sehr gut erkennen. Wenn wir auch bei der Entfernung die Länge des Tieres nicht genau nach Metern zu bemessen vermochten, so war uns doch das eine klar, daß wir einen mächtigen Riesen des Meeres vor uns hatten. Es war ein imposanter Anblick, dieses Auf- und Untertauchen des gewaltigen Tieres, und wir verfolgten dasselbe mit unseren Augen, so lange es irgend möglich war. Ich hätte gewünscht, die Fahrt des Schiffes auf einige Augenblicke hemmen zu können, damit auch alle andern Passagiere an diesem Schauspiel sich hätten weiden können, aber leider war es unmöglich, und so mußten die, die es nicht gesehen, mit unserer Erzählung fürlieb nehmen.
Nicht so imposant wie diese Riesen sind die Delphine, aber auch sie tragen zur Unterhaltung viel bei und bringen einige Abwechslung in das Leben an Bord. Wir haben viele Delphine in einzelnen Gruppen beobachten können, einmal sogar zu mehreren Hunderten. Sie scheinen ein bis zwei Meter groß zu sein, tauchen mit ihrem plumpen Körper kopfüber unter oder schnellen aus dem Wasser heraus, um über dem Meeresspiegel ihre Kunststücke zu üben. – So hat auch das Meer durch seine Bewohner seinen Tribut zur Unterhaltung der Passagiere dargebracht.