Spiele auf dem Promenadendeck und im Rauchsalon.
Da wir auf dem Schiffe nichts zu tun hatten und die Langeweile uns plagte, wurde alles hervorgesucht, was irgend einen Zeitvertreib oder eine kleine Zerstreuung bot: Gesellschaftsspiele, wie z. B. Schach, Domino, Dame, Kartenspiel, Würfelspiel etc., möglichst harmlose Sachen, nur um uns die Zeit zu vertreiben.
Bei gutem Wetter zog man selbstverständlich Spiele im Freien vor, von denen ich besonders das Reifenspiel und das Beutelchenwerfen erwähnen möchte. Bei dem ersteren wird nach einem senkrecht aufgestellten Stab mit Reifen aus strammem Seil geworfen und zwar so, daß diese beim Niederfallen den Stab einschließen; bei den letzteren wird eine in mehrere numerierte Felder geteilte Holztafel auf den Boden gelegt, nach der man mit kleinen, gewöhnlich mit Sand gefüllten Beutelchen wirft – derjenige, der am meisten Zahlen trifft, ist Sieger.
Spiele an Bord.
Ein anderes Spiel ist dasjenige, bei dem man runde Holzplatten mit einem Holzschieber – das ist ein an einem Stabe in T-form befestigtes Brett – etwa 15 Meter weit nach einem mit Kreide gezeichneten Platz stößt. Bei diesem Spiel werden die Mitspieler in zwei Parteien geteilt und dann wird gewettet. Diejenige Partei hat gewonnen, welche die meisten Platten in den abgegrenzten Raum gebracht hat.
Im Rauchsalon wurden Karten- und Würfelspiele, Schach und anderes gespielt. Was uns jedoch besonders auffiel, das waren die Glücksspiele mit Karten und Würfeln, bei denen sich besonders Engländer hervortaten. Die Spieler setzten sich um den Tisch und dann wurde leidenschaftlich und erregt das Spiel verfolgt. Da wir von Hause aus mit dieser Art von Spielen nicht vertraut waren (bei uns sind dieselben gesetzlich verboten) und uns dieselben recht unangenehm berührten, so lehnten wir stets die Aufforderung zur Beteiligung ab. Wir bemerkten, daß nicht selten diese Spiele einen ernsten Ausgang nahmen; denn manche verloren dabei nicht wenig Geld, und in solchem Falle ging es nicht immer ohne Schimpfen und grobe Bemerkungen ab. – Am Dominospiel dagegen, welches wir von einem an Bord befindlichen Deutschen erlernten, beteiligten wir uns gern und zwar spielten wir dieses der Belebung halber um ein Glas Bier. Bei dieser Gelegenheit fragte ich einige deutsche Passagiere, was sie von dem Spielen um Geld hielten und wie es in Deutschland und in andern Ländern Europas gehandhabt würde, und da hörte ich denn so mancherlei. In Deutschland sowie fast in ganz Europa sind Spiele um Geld gesetzlich erlaubt. Glücksspiele jedoch, wie das Hazard, wobei es dem Zufall überlassen bleibt, ob der Spieler gewinnt oder verliert, sind streng verboten – speziell in den öffentlichen Lokalen – und werden bestraft, besonders scharf die Spieler, bei denen es sich um gewerbsmäßiges Spielen handelt. So vernahm ich von einem großen Spielerprozeß in Deutschland, in den hochadlige junge Leute und Offiziere verwickelt gewesen. Dieselben hatten einen Klub gegründet mit dem Namen »Klub der Harmlosen«, in welchem man fast nur Glücksspielen gefröhnt. Ferner wurde mir erzählt, daß in einem der feinsten Klubs in Wien hoch gespielt worden wäre und daß bei einem Spiel zwischen einem ungarischen Baron und einem polnischen Grafen letzterer ungefähr zwei Millionen Mark verloren habe. Aber auch öffentlich darf an einigen Punkten Europas gespielt werden, und der bedeutendste Zufluchtsort der Spieler soll Monte Carlo in dem kleinen Fürstentum Monaco, unweit der wegen ihrer Schönheit bekannten Stadt Nizza, sein. Hier wird in einem nur für diesen Zweck gebauten Kasino gespielt, das märchenhaft schön eingerichtet sein soll. Das Kasino gehört einer Aktiengesellschaft, durch deren Abgaben sogar das kleine Fürstentum unterhalten wird und der Fürst des Landes große Einnahmen bezieht.
Ferner werden in Europa bei Pferderennen große Wetten abgeschlossen und an eigens hierfür errichteten Wettmaschinen, Totalisator genannt, Einsätze in Geld für den Sieger oder den Platz gemacht. Von diesen Geldern, die dort angelegt werden, nimmt jeder Staat eine Steuer für sich in Anspruch. – Aber auch selbst harmlose Spiele können zum verwerflichen Glücksspiel werden, wenn die Betreffenden um Einsätze spielen, welche ihrem Vermögen oder Einkommen nicht entsprechen.