Tanzvergnügen an Bord.

Auf unserer Fahrt fand für die erste und zweite Klasse je ein großes Tanzvergnügen statt. Hierzu wurde das Promenadendeck mit farbigen Tüchern und Fahnen schön ausgeschmückt und abgegrenzt. Viele farbige elektrische Lampen wurden angezündet, so daß man glauben konnte, sich nicht auf einem Schiffe, sondern in einem festlich geschmückten Saale zu befinden. Sämtliche Herren und Damen erschienen festlich gekleidet: die Damen fast ohne Ausnahme in heller Toilette, die Herren in schwarzen Gesellschaftsanzügen oder in hellen Sommerkostümen. Nach dem Abendessen nahm die Schiffskapelle ihre Plätze ein und begann zu spielen. Als Einleitung kam ein Promenadenstück, dann folgten die verschiedenen Tänze wie Walzer, Polka, Rheinländer, Quadrille und wie sie alle heißen, welche bis tief in die Nacht hinein getanzt wurden. Wir Japaner waren auch dazu eingeladen und sahen diesem Treiben mit Vergnügen zu, wenn wir denselben auch kein allzugroßes Interesse entgegenbrachten. Die elastischen Gestalten drehten sich, einander mit dem Arm umschlingend, oder bewegten sich nach dem Kommando eines Herrn von einer Seite zur andern durcheinander. Bald glichen sie Schmetterlingen, die paarweis von Blume zu Blume flattern, bald sich drehenden Kreiseln. Wie ich hörte, sollen alle diese Tänze fast über ganz Europa verbreitet sein, doch soll fast ein jedes Land außerdem noch eigene Nationaltänze haben. Überhaupt wird in Europa das Tanzen sehr gepflegt und schon in frühester Jugend erlernen Knaben und Mädchen diese Kunst entweder im geselligen Zusammensein der einzelnen Familien oder bei einem Tanzlehrer, welchem selbst Schulen, besonders Mädchenschulen sehr entgegenkommen, so daß sie ihm mitunter für seine Tanzstunden die Turnhalle überlassen. So wird in Europa fast jede Gelegenheit ausgenutzt, um ein Tanzvergnügen zu veranstalten, ungerechnet jene, die in vielen öffentlichen Lokalen stattfinden. Ein guter Tänzer wird in Europa sehr gern gesehen und eingeladen; er kommt dadurch leichter in die Gesellschaft hinein und erhält einen großen Bekanntenkreis, der ihm in mancher Beziehung von Nutzen ist.

Im Zusammenhang mit Obigem erzählte mir ein Deutscher, daß in größeren Städten große, prachtvoll ausgestattete Säle seien, wo täglich getanzt wird, die sogenannten öffentlichen Tanzhallen. Hier jedoch seien fast nur Mädchen zu finden, die keinen guten Lebenswandel führen und leichtlebige Herren, die auf nicht gerade anständige Art ihr Geld verprassen. Die besseren Tanzvergnügungen, d. h. diejenigen, die von Familien, Vereinen oder aus einem bestimmten Anlaß für engere Kreise veranstaltet werden, haben jedoch – wenn man so sagen darf – einen Vorteil, und das sind die vielen Ehen, die durch diese gestiftet werden, insofern sie es ermöglichen, daß die jungen Leute sich kennen lernen. Ich weiß nicht, ob die Eheschließung dem Tanzen wirklich so viel zu verdanken hat, auf jeden Fall ist es aber klar, daß der Mensch dadurch aufgeheitert und angeregt wird, daß bei manchem ein wirkliches Bedürfnis befriedigt und ihm nach anstrengender Arbeit eine wohltuende Erfrischung gewährt wird. Gegen diese Lichtseiten hat der Tanz natürlich auch seine Schattenseiten, nämlich die, daß gerade dadurch viele Menschen, Männer wie Frauen, leichtsinnig werden, die Arbeit im Stich lassen, nur dem Vergnügen huldigen, wie denn auch wohl manche moralische Untugenden und Laster hier ihre Brutstätte haben.

Auf dem Schiffe bemerkte ich, daß sogar ältere Leute, besonders Engländer, viel und gern tanzten, ein Beweis, wie rüstig und gelenkig man sich selbst bis ins hohe Alter hinein erhalten kann. Auch bei uns in Japan haben wir bereits vor mehreren Jahren versucht, europäische Tänze einzuführen, aber da dieselben unserem Geschmack nicht entsprachen, so werden sie jetzt nur wenig getanzt. Einzelne Kreise haben seiner Zeit sogar einen Maskenball nach europäischem Muster veranstaltet, jedoch ist es auch hier bei diesem einen Versuch geblieben. Der Hauptgrund, daß wir uns an diese Tänze nicht gewöhnen können, liegt wohl in der Verschiedenheit unserer Kleidung, Wohnung und vor allen Dingen unserer althergebrachten Musik, welche zum Tanze ungeeignet ist.

Im Zusammenhang hierzu möchte ich einiges über die