Handel an Bord.

Jedesmal, wenn das Schiff in einen Hafen einläuft, wird es von den Landbewohnern besucht, die, mit den verschiedensten Produkten ihres Landes reichlich beladen, auf das Deck kommen, um mit den Insassen Handel zu treiben. Manchmal ist die Zahl dieser Geschäftsleute so ungeheuer und das Gedränge an Bord so groß, daß man sich kaum frei bewegen kann. Sie verursachen auch gelegentlich so großen Lärm, daß man nicht imstande ist, sein eigenes Wort zu verstehen. Hierbei kann man jedoch die verschiedensten Charaktere der Völker sehr gut kennen lernen und auch die Art und Weise studieren, wie sie ihre Waren feilbieten.

Ausladen der Fracht in einem Hafen.

In Hongkong und Shanghai kommen die Chinesen. Gestickte Seide, Tusche, Pinsel, Geldstücke, meistenteils alte Kupfermünzen, Schnitzereien aus Ebenholz und Elfenbein, goldene und silberne Ringe, Knöpfe, Nadeln, Gürtelschlösser u. s. w. sind ihre Spezialitäten. In Penang bringen ebenfalls die Chinesen Schmuckgegenstände und insbesondere wunderhübsche Kunstkistchen in verschiedenen Größen, aus schönem Holz verfertigt, zum Verkauf. In Colombo erscheinen die braunen Eingeborenen mit den verschiedensten Sachen aus Elfenbein, mit allerlei Arten von Edelsteinen wie Rubinen, Saphiren, Topasen u. s. w., worunter natürlich auch viele falsche sind, die aber die Verkäufer mit ernster Miene als echte Edelsteine anpreisen. Auch Bergkristalle und Granaten, metallene Gegenstände, ferner Gewürz, Tee, Kaffeebohnen, alle möglichen Früchte, eigentümliche Waffen aus langen scharfen Knochen von Tieren und Fischen u. s. w. werden hier angepriesen. In Port Said werden besonders Brokat, goldgestickte Teppiche und Tischdecken in herrlichster Ausführung, Korallen, kurze Uhrketten aus Metall mit Geldstücken, Straußenfedern, Straußeneierschalen, buntgeflochtene Körbe und anderes angeboten; ferner gute und sehr billige Cigaretten, aber man darf leider nicht zu viel davon kaufen, denn wenn man nach Italien kommt, werden sie verzollt und der Zoll beträgt ungefähr das Doppelte von dem, was man dafür bezahlt hat. In Neapel kann man außer verschiedenen feinen Schmuckgegenständen geschnitzte Figuren, Knöpfe, Gemmen u. s. w. aus Lava und Marmor als Spezialitäten erwerben. Erwähnen möchte ich noch, daß an jedem Orte Photographien und Ansichtspostkarten zu haben sind. Die Verkäufer sind fast überall zudringliche, mitunter unsaubere Leute, so daß sie Jedem Abscheu einflößen und man froh ist, wenn sie das Schiff verlassen haben. In einzelnen Häfen kommt man diesen Händlern sogar mit größtem Mißtrauen entgegen, da sie als unehrliche Leute bekannt sind, und vorsichtshalber werden sämtliche Behälter und Türen verschlossen. In Port Said z. B. wurde mit ihnen sehr derb verfahren. Hier erwarteten die Matrosen, an der Schiffstreppe mit Knütteln Posten stehend, die Ankömmlinge und ließen niemanden herauf. Aber obwohl es Hiebe hagelte, wichen diese Kerle nicht von dannen und schließlich gelang es doch einigen von ihnen, hindurchzuschlüpfen oder die Matrosen mit Geld oder Waren zu bestechen. Gerade in Port Said, wo die Kaufleute den verschiedensten Völkern angehören, wie Indern, Arabern, Italienern u. a. m., widert einen die Gesellschaft besonders an, so daß man mit Ekel die angebotenen Sachen zurückstößt. Zudem sprechen diese Händler eine eigentümliche, man könnte sagen, eigene Weltsprache, d. h. ein Gemisch von allen Sprachen, Englisch, Italienisch, Französisch, Deutsch, Arabisch u. s. w., von jeder Sprache etwas. Im allgemeinen wird sonst Englisch gesprochen, oder richtiger gesagt, geschrien. Doch geht der Handel mitunter auch sprachlos mittelst Gestikulationen, Achselzucken u. s. w. gut von statten. Wie unehrlich dieses Gesindel ist, mußte einer von uns bei folgender Gelegenheit erkennen: derselbe kaufte eine Photographie und bezahlte mit einem Goldstück, worauf der Verkäufer herausgeben sollte; aber kaum hatte dieser das Goldstück in der Hand, so verschwand er in der großen Menge und kam nicht wieder zum Vorschein. Aber auch, wenn diese Kerle herausgeben, muß man vorsichtig sein und aufpassen, da sie nicht selten falsches Geld bei sich führen. Auch Wechsler erscheinen mit großen Beuteln voll Gold und Silbermünzen an Bord. Diese erhalten zwar wegen der hohen Prozente, die sie für sich beanspruchen, wenig Aufträge, verdienen aber doch immerhin ganz beträchtlich, da man in den verschiedenen Gewässern mit verschiedenen Geldsorten zahlen muß. Auch Schneider erscheinen mit Kleidungsstücken, die sie verhältnismäßig billig ablassen. Sie kaufen auch von den Passagieren und Mannschaften alte Kleider, Wäsche u. s. w. Im allgemeinen sind die Preise der an Bord feilgebotenen Gegenstände außerordentlich hoch; man muß deshalb sehr handeln und kann gewiß sein, das betreffende Stück schon für die Hälfte des geforderten Preises zu erhalten. Die meisten Sachen sind auch minderwertig. Die Verkäufer preisen sie jedoch ungeheuer an und wissen stets einige davon los zu werden. Natürlich kaufen die Passagiere in vielen Fällen für teures Geld Sachen, die keinen Pfennig wert sind – ich, der ich imitierte gefärbte Glaskugeln für echte Korallen hielt und kaufte, gehörte auch leider zu diesen – aber man befindet sich einmal auf der Reise und da macht es doch Vergnügen, etwas mitzubringen oder seinen Lieben aus der Ferne Kleinigkeiten zu senden, auch wenn man diese Freude teuer bezahlen muß.

In Singapore, Port Said und Colombo kommen auch viele kleine Eingeborene, Knaben, unbekleidet, fast wie Affen aussehend, mit ihren Kähnen zum Schiff heran. In Colombo haben dieselben aus Baumstämmen ausgehöhlte, langgestreckte Fahrzeuge, welche sie geschickt bewegen. Natürlich treiben diese Kinder keinen Handel mit den Schiffsinsassen, machen aber ebenso wie die andern Kaufleute gute Geschäfte. Sobald sie die Passagiere am Schiffsgeländer erblicken, schreien sie mit krächzender Stimme oder zeigen mit der Hand, daß man Geldstücke ins Wasser werfen möchte, wonach sie mit unglaublicher Geschicklichkeit hinabtauchen. Einzelne von ihnen, die besonders gewandt sind, verdienen hierdurch viel Geld. Da sie unbekleidet sind, infolgedessen keine Taschen haben, stecken sie die aufgefischten Geldstücke in den Mund. – In Neapel sahen wir gleichfalls derartige Taucher, doch waren es hier erwachsene Männer in hellen Badeanzügen, ganz fein aussehend. In dieser Verschiedenartigkeit prägte sich recht deutlich der Gegensatz zwischen den Naturvölkern und der zivilisierten Welt aus.