Amputationen größerer Glieder.

August S., ein Mann von 39 Jahren, litt an einer cariösen Zerstörung der Knochen der Handwurzel und Hand, welche keine Hoffnung auf Heilung mehr zuließ. Nur die Amputation konnte dem Kranken noch das Leben retten. Derselbe wurde zuvor ätherisirt. Es dauerte vier Minuten, bis Betäubung eintrat. Ich machte die Cirkel-Amputation über dem Handgelenk. Weder beim Durchschneiden der Haut, noch der Muskeln und der Durchsägung der Knochen gab der Kranke ein Zeichen des Schmerzes von sich, er lag regungslos da, und selbst die Unterbindung der Gefäße und das Anlegen des Verbandes konnte vor dem Erwachen des Patienten vorgenommen werden. Erst dann brach er nach einem Gestöhn in die Worte aus, er sei betrunken, und wir Alle. Hierauf ward er wieder vollkommen verständig, stieg, ohne daß er unterstützt werden wollte, vom Operationstisch. Als ich ihn fragte, haben Sie Schmerzen gefühlt? »Nein. Ich habe zwar etwas empfunden, aber keine Schmerzen, es war mir nur, als ob ich angefaßt würde.«


Henriette W., 38 Jahre alt, von großem, kräftigem Körperbau, war mit einem rechten Klumpfuß höheren Grades geboren. Das Uebel war nicht geheilt und hatte Gelegenheit zu schwieliger Entartung des Fußes, zu großen, callösen Fußgeschwüren und endlich zur speckigen Degeneration des Unterschenkels gegeben. Das Glied hatte die Dicke und Form eines Elephantenbeins und war nicht mehr zu heilen. Nur die Amputation konnte allenfalls das Leben noch retten. Nach vier Minuten langem Einathmen der Aetherdämpfe wurde die Patientin vollständig betäubt. Auf dem Operationstisch liegend, den gesunden Fuß auf einen Stuhl gestützt, den rechten von geübten Assistenten gehalten, machte ich den Cirkelschnitt dicht über dem Kniegelenk; durchschnitt beim ersten Schnitt die Haut, beim zweiten die dicken Muskeln mit einem Zuge, schob die Weichgebilde mit meinem Retractor zurück und sägte den Knochen ab. Dies war das Werk einiger Sekunden. Kein Laut des Schmerzes oder des Unbehagens vernahm man dabei. Dann wurden die Arterien unterbunden, und der Verband angelegt. Jetzt kehrte das Bewußtsein allmälig zurück. Die Kranke sprach jetzt die Worte: »warum weckt ihr mich? wo war ich denn? es war so schön, ich war in einem schönen Garten mit Blumen, warum habt ihr mich denn aufgeweckt?« Sie blickte umher, machte eine schüttelnde Bewegung mit dem Kopfe und sank gleichsam einschlummernd zurück. Sie wurde dann vom Tisch ins Bette gelegt und auf ihr Zimmer gebracht.