Hartenstein
und schaut hernieder auf seine Wälder und schöne Wildstände, von welchen ersteren sich die Mehltheuer mit ihren herrlichen Buchen, unter welchen Botaniker interessante Pflanzen finden sollen, auszeichnet. Die Geschichte weist zurück auf ihre ehemaligen Besitzer bis auf die Burggrafen von Meißen aus dem Wolfersbach-Hartensteiner Stamm, Meinher oder Meinhard I. u. s. w. bis auf Alfred Fürsten von Schönburg, welcher in diplomatischem Beruf für das Kaiserhaus Oesterreich in Stuttgart lebte, vor einigen Jahren starb und seine Grafschaft Hartenstein an seinen Bruder, den Fürsten Victor zu Schönburg-Waldenburg, wahrscheinlich durch Vergleich mit den Gleichberechtigten, vererbfällte. Die rühmliche Baulust des Letztern wird hoffentlich das hier und da defect gewordene Schloß nach seiner geschmackvollen Weise in der Architectur wieder stattlich herstellen.
Die Schönburgischen Receßherrschaften mit Wildenfels zählten mit Schluß des Jahres 1837 eine Bevölkerung von 201,480 Köpfen, deren professioneller Verkehr hauptsächlich in Weberei und Strumpfwürkerei, mithin in periodischem Wohlleben und Darben besteht, wogegen Landbau und Viehzucht ihre Seegnungen nie ganz versagen.
Der Wanderer, dem es hauptsächlich darum zu thun ist, die Anmuth der Natur zu genießen und die Ueberbleibsel der Bauwerke längst verronnener Jahrhunderte zu betrachten, wird es nicht übel aufnehmen, wenn ihn der kundige Führer über Wildenfels zurück bringt und die Chaussee von Zwickau nach Schneeberg zu erreichen strebt, welche durch das obere Ende des Wildenfelser Dorfes Weisbach führt. Hier liegen sieben Gasthöfe auf einem engen Raum zusammen, wie Schiffe auf der Rhede, und legen ihre Schröpfköpfe an die oft magern Geldkatzen der Fuhrleute, was wenigstens für die aufwärts fahrenden Frachtwagen nicht zu vermeiden ist, weil Alles Vorspann haben muß und die Wirthe dafür sorgen.
Von hier aus genießt man eine weitgedehnte Aussicht nach Nord und West und übersieht die Dörfer Härtensdorf, Grüna, Schönau, Zschocken und mehrere andere mit ihren weitgestreckten Fluren, welche ringsumher eine auffallende mordorérothe Farbe haben, wie sich der Kobaltinspector Beyer in seinen Beiträgen für Bergbaukunde ausdrückt, was theilweise von dem dort häufig vorkommenden purpurrothen Mandelstein und Eisenthontrümmern herrühren mag. Hinter dem sogenannten Kuchenhäuschen an der Chaussee, wo Kaffee, Kuchen und Windbeutel zu haben sind, zieht sich ein mit Wald bedecktes Gebirge, der kleine Hirschstein genannt, empor, von dessen Gipfel aus sich eine Fernsicht nach Leipzig, in das Voigtland und nach den Reußischen Länderchen eröffnet, welche, wenn es die Klarheit der Atmosphäre gestattet, nicht unbeschaut und unbewundert bleiben darf. Fast ringsumher eine endlose Ebene, ein trocknes Meer, auf welchem in größerer Entfernung Städte und Dörfer, Laubhölzer und lange Zeilen von Alleen, vielleicht an Kunststraßen, in kürzern oder längern Streifen wie Seetang erscheinen und an dem entferntesten Saum des Himmels verschwimmen. Nicht fern vom Standpunkte des Beobachtet steigt ein dicker, riesenhafter Mast aus seiner Hafenstadt empor und überschaut das Küstenland rund umher; es ist – der 268 Fuß hohe Marienthurm von Zwickau. Wir steigen an dem südwestlichen Abhange hernieder und machen einen Abstecher nach