Kirchberg.

Ein in enge Granitschluchten zerrissenes Terrain zwischen dem Geiers und Borsberg bewohnen etwa 3940 Menschen in circa 430 Häusern. Der Haupttheil des Städtchens dehnt sich ziemlich steil auf einem Granitkegel hinauf und hat sich mit Thor und Mauern gesichert, gegen wen? weiß Niemand, während die übrigen Wohnungen bald enge, bald wunderlich verzettelt in den kleinen Thälern mit herkömmlicher Behaglichkeit in mancherlei Baugeschmack umhergeschoben sind. Ein Stück draußen im freien Feld hat sich seit einigen Jahren ein stattliches Gebäude erhoben, in welchem das Königl. Landgericht seinen Sitz hat. Es ist Schade, daß die erforderlichen Räumlichkeiten für diese wichtige Justizpflege nicht in der Stadt ermittelt werden konnten. Wer Kirchberg zum ersten Male sieht, wird geneigt zu glauben, daß es ein großartiges Schießhaus für den Ort sei, oder zwischen der Stadt und dem Landgericht die Heimathsangehörigkeit noch streitig ist. Für die Einwohnerschaft Kirchbergs wäre auch das Landgericht in conversioneller Beziehung offenbar nützlich gewesen, wenn es inmitten ihrer Häusergruppen Platz fand, da derselben bei aller ihrer Gemütlichkeit von frühern Zeiten her manche Gelegenheit abgehen mußte, gleichen Schritt mit den Richtungen des Volkssinnes zu halten. Die Menge von Tuchrahmen, welche überall an sonnigen Stellen errichtet sind, lehret schon von weitem, daß Tuchmacherei und Färberei die Hauptnahrung im Orte ist und eine hervorragende Wohlhabenheit im Verhältniß zu dem gesammten Bürgerthum errungen hat. Das Weißbier Kirchbergs ist eben so weit und breit berühmt, als es verschroten und schon lange Reihen von Jahren nach Leipzig verführt wird. Deshalb findet man auch die weißbierdurstige Einwohnerschaft zu Kirchberg im Arbeitsnegligee sehr fleißig in ihren Schenkstätten, wo sie die Lebendigkeit ihrer Unterhaltung in Cigarrendampf hüllen und gerne dem eintretenden Fremden das schaumige Glas präsentiren. Doch wir eilen weiter und nehmen den Weg nach Grießbach und der goldenen Höhe, von wo aus ein ganz anderes Panorama nach dem Obergebirge ausgebreitet liegt, welches mit der Fernsicht nach Zwickau nichts gemein hat. Zunächst im Vorgrunde liegt